350px|Giovanni Animuccia Am 25. März 1571 stirbt in Rom der italienische Komponist Giovanni Animuccia. Er war seit 1555 Kapellmeister der Cappella Giulia an St. Peter im Vatikan. Sein Vorgänger und Nachfolger in diesem Amt war Giovanni Pierluigi da Palestrina. Animuccia gehörte zu den ältesten und hervorragendsten Meistern der römischen Schule von Claude Goudimel. Unter seinen zahlreichen Vokalkompositionen aller Art sind die Laudi spirituali hervorzuheben (2 Bücher, 1565 und 1570), vierstimmige hymnenartige Gesänge, welche, durch den Wechsel des Chors mit der Solostimme dramatisch belebt, als die ersten Vorläufer des Oratoriums zu betrachten sind. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1571.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Carl Luython ist seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Dort bekommt er neben seinem Dienst weiteren Unterricht durch die hier amtierenden Kapellmeister Jacobus Vaet und Philippe de Monte. Die Unterweisung im Orgelspiel könnte von dem dortigen Hoforganisten Walter Formellis († 1582) und dessen beiden Assistenten ausgegangen sein. Nach Eintreten des Stimmbruchs wird ihm das damals übliche Stipendium am 8. August 1571 ausgezahlt; der junge Musiker hat daraufhin ab Herbst 1571 offenbar einen Studienaufenthalt in Italien angetreten. mini|links|Maddalena Casulana (?), anonymes Porträt Maddalena Casulana Mezari ist seit etwa 1570 Sängerin und Komponistin für Kammermusik des römisch-deutschen Kaisers Maximilian II. in Wien. Jakob Regnart, der seit 1568 für eine etwa zweijährige Studienreise in Italien weilte, ist seit 1. November 1570 Präzeptor (Musiklehrer) der Kapellknaben der Hofkapelle. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Die letzten Regierungsjahre von Maximilian II. sind für de Monte ein goldenes Zeitalter. Ein besonderer Höhepunkt ist in dieser Zeit die Hochzeit von Erzherzog Karl II. mit Maria Anna von Bayern am 26. August 1571. Die Feierlichkeiten dieses Anlasses werden musikalisch von drei Hofkapellen begleitet: der Wiener Hofkapelle unter Leitung von Philippe de Monte, der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. von Bayern unter Leitung von Orlando di Lasso und der Hofkapelle von Karl II. unter Leitung von Annibale Padovano. Für zentrale Momente der Feier hat de Monte lateinische Madrigale geschrieben. Auch andere bedeutende Musiker dieser Zeit sind bei der Hochzeit anwesend, und sowohl de Monte als auch di Lasso erhalten von Kaiser Maximilian für die ihm gewidmeten Musikdrucke großzügige Geldgeschenke. Mateu Fletxa el Jove ist Kantor der kaiserlichen Kapelle.

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Nach dem Ausscheiden Pollets 1571 steigt er zum Hauptkopisten auf; diese Stellung hat er bis zu seinem Tod inne. Zahlreiche historische Chorbücher der Bayerischen Staatsbibliothek und des Münchner Jesuitenkollegs sind ganz oder teilweise von seiner Hand geschrieben. Die Reisen der Münchner Hofkapelle und eigene Reisen führen den Komponisten 1571 nach Innsbruck. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. 1571 erhält er die Aufsicht über die Chorknaben der Kapelle und hat ihnen in seinem Haus Kost und Unterkunft zu geben. Simone Gatto, der in Venedig ausgebildet wurde, wirkt seit 1568 am Hof in München als Posaunist. Antonius Gosswin, der 1569 Kapellmitglied bei Prinz Wilhelm von Bayern wurde, wird wegen Finanzproblemen des Münchner Hofs bald entlassen, ist aber ab 1570 wieder ein Angestellter der Kapelle. Er bekommt 1571 eine gesonderte Geldzuwendung, damit ihm eine Reise in seine Heimat möglich ist. Gioseffo Guami, der sich zwischen 1550 und 1560 in Venedig aufgehalten haben und dort Schüler von Adrian Willaert und Annibale Padovano gewesen sein soll, wirkt seit 1568 in München, wo er zum Hoforganisten berufen wurde. Guami wirkt hier bis etwa 1579. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. 1571 besucht er Frankreich auf persönliche Einladung von König Karl IX., der vergeblich versucht, ihn einzustellen. Leonhard Lechner, der bis etwa 1570 als Sängerknabe am bayerischen Hof zu Landshut angestellt war, begibt sich auf Wanderschaft und konvertiert 1571 zur protestantischen Religion. Ivo de Vento, der seit Sommer 1568 Kapellmeister in der Kapelle der Residenz von Kronprinz Wilhelm in Landshut war, wirkt seit Anfang 1570 wieder als Organist am Münchner Hof, Monate vor der Auflösung der Landshuter Kapelle.

Burgundischer Reichskreis Markgrafschaft Antwerpen Jean de Castro, der in den späten 1560er Jahren nach Antwerpen ging und offenbar zeitweise als musikalischer Berater des Verlegers Pierre Phalèse gewirkt hat, hat in dieser Zeit einen bedeutenden Auftrag des Kaufmanns Justinien Pense aus Lyon zur Erstellung luxuriös bebilderter Chorbücher erhalten; diese bestanden aus drei Büchern mit Castros weltlicher Musik und werden im Jahr 1571 von Jean Pollet aus Lille kopiert. Séverin Cornet, der von 1555 bis 1564 in Antwerpen gelebt hat, ist seit 1564 in Mechelen an der St.-Rombouts-Kathedrale tätig, wo er die Aufgabe „pro magistro cantus et choralium“ hat. Somit ist er für die Chorleitung und für die Musikerziehung der Chorknaben zuständig. Noé Faignient, der 1561 das Bürgerrecht in Antwerpen erhalten hat, wirkt seitdem hier als Musiklehrer. Rinaldo del Mel lebt in Mechelen und ist seit dem 3. März 1562 Mitglied der Singschule der Kathedrale Saint-Rombaud. Seit dem Jahr 1564 erhält er hier Unterricht vom Chorregenten Séverin Cornet.

Grafschaft Flandern George de La Hèle, der 1570 nach Flandern zurückgekehrt ist, studiert an der Universität Löwen Theologie. Er empfängt in dieser Zeit die niederen Weihen, ist später aber nie Priester geworden. Andreas Pevernage, der seit 17. Oktober 1563 Kapellmeister an der Kirche Notre-Dame in Courtrai ist und 1564 zusätzlich eine Pfründe an Sankt Willibrordus in Hulst erhalten hat, übt die Kapellmeisterstelle bis 1577 aus. Laurent de Vos, der seit 1566 Musikdirektor und verantwortlicher Leiter der Chorknaben an der KathedraleCambrai war, ist seit 1570 wahrscheinlich Countertenor an der St.-Donatus-Kirche in Brügge.

Grafschaft Holland Cornelis Boskoop ist seit dem 1. Mai 1554 und bis März 1573 Organist an der Oude Kerk in Delft.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt. In Nürnberg erscheint 1571 sein Kurtze u. sonderliche Newe Symbola etlicher Fürsten und Herrn, neben andern mehr schönen liedlein mit fünff und vier Stimmen, auff alle Instrument zu gebrauchen gantz dienstlich, Componirt. Sebastian Ochsenkun ist seit 1544 Lautenmeister am kurpfälzischen Hof in Heidelberg.

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Hochstift Lüttich Johannes Mangon, der von 1562 bis 1570 an der Kirche in Lüttich als Succentor gewirkt hatte und während dieser Zeit möglicherweise schon zeitweise den Domchor in Aachen geleitet hat, ist nachweislich von 1572 bis 1577 Leiter des Aachener Domchores.

Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg.

Niedersächsischer Reichskreis Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Johann Zanger der Ältere, der seit 1553 Pfarrer an der Petrikirche in Braunschweig war, wechselt als Pfarrer an die Martinikirche.

Herzogtum Mecklenburg-Güstrow Thomas Mancinus studiert an der Universität Rostock.

Herzogtum Mecklenburg-Schwerin Johannes Flamingus wird 1571 von Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg-Schwerin als Nachfolger von David Köler zum Hofkapellmeister und Leiter der „Hof-Cantorej“, der heutigen Staatskapelle Schwerin, berufen. Aus diesem Jahr ist sein Opusculum Cantionum, eine Sammlung einer fünfstimmigen Messe und 10 vier- bis sechsstimmiger Motetten, in der Universitätsbibliothek Rostock erhalten.

Hamburg Jacob Praetorius der Ältere, der wahrscheinlich in seiner Heimatstadt Magdeburg Unterricht von Martin Agricola erhielt, ist von 1555 bis zu seinem Tod als Organist und Kirchenkomponist an zwei Kirchen in Hamburg nachweisbar.

Obersächsischer Reichskreis Kurfürstentum Sachsen Elias Nikolaus Ammerbach, der von 1548 bis 1549 an der Universität Leipzig studiert hatte, wirkt danach, vermutlich bis an sein Lebensende, als Thomasorganist an der Thomaskirche. 1571 veröffentlicht er die Orgel oder Instrument Tabulatur, ein Orgeltabulaturbuch und das erste gedruckte Werk speziell mit Orgelmusik. Joachim a Burck, der ab 1563 Kantor an der Lateinschule in Mühlhausen war, ist seit 1566 Organist an der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen. In der freien Reichsstadt begründet er die bedeutende Musikkultur, die später mit den Namen Johann Rudolph Ahle, Johann Eccard, Johann Georg Ahle und Johann Sebastian Bach verknüpft sein wird. Daneben ist er als Geschichtsschreiber und öffentlicher Notar tätig. Gallus Dreßler, der 1570 den akademischen Grad eines Magisters an der Universität Wittenberg erworben hat, veröffentlicht 1571 in Magdeburg seine Werke Musicae practicae elementa, Magnificat octo tonorum… und Musicae practicae elementa in usum scholae Magdeburgensis Wolfgang Figulus ist von 1551 bis zu seiner Pensionierung 1588 Kantor und Lehrer an der Fürstenschule in Meißen. Er unterrichtet die Fächer Musik, Latein und Religion und sorgt für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Afrakirche. 1571 erscheint seine Sammlung von Weihnachtsliedern Vetera nova carmina sacra et selecta de natali Domini nostri Iesu Christi. Mattheus Le Maistre, der seit 1554 sächsischer Hofkapellmeister als Nachfolger von Johann Walter war und 1565 aus Gesundheitsgründen um seine Entlassung gebeten hat, lebt vermutlich in Dresden. Le Maistre bleibt mit dem Hof in Dresden Zeit seines Lebens verbunden und führt den Titel des Hofkapellmeisters bis zu seinem Tod im Frühjahr 1577. 1571 veröffentlicht er in Leipzig Intabulierungen der Vokalwerke „Allmechtiger gütiger Gott“ und „Herr Gott nun sey gebreisset“. Antonio Scandello, der seit 1566 Vizekapellmeister der Dresdner Hofkapelle war und als „zugeordneter Moderator“ dem altersschwachen Mattheus Le Maistre unterstand, ist seit 1568 Hofkapellmeister und übt diese Aufgabe bis zu seinem Tod 1580 aus. Leonhart Schröter, der von 1545 bis 1547 die Fürstenschule in Meißen besucht hat, wirkt danach von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld. Während dieser Zeit war er zudem von etwa Dezember 1571 bis November 1572 der erste Bibliothekar unter Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528–1589) an dessen Bibliothek in Wolfenbüttel. Nikolaus Selnecker, der seit 1568 als Professor der Theologie an der Universität Leipzig tätig war und am 10. Mai 1570 den Doktorgrad in Wittenberg erworben hatte, übernimmt danach das Amt des Generalsuperintendenten in Braunschweig-Wolfenbüttel.

Grafschaft Schwarzburg Sethus Calvisius, der in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, besucht seit 1569 die Schule in Frankenhausen.

Österreichischer Reichskreis Erzherzogtum Österreich