350px|Pieter Bruegel d. Ä. 014 Pieter Bruegel der Ältere malt um 1568 sein Bild Der Bauerntanz, das heute im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen ist. Das Bild zeigt – wie im Teilausschnitt (unten) besser zu sehen ist – einen Sackpfeifer mit seiner für die Zeit typischen Sackpfeife. 350px|Pieter Bruegel d. Ä. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1568.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Valentin Bakfark, der von 1549 bis 1566 Lautenist am Hof des polnischen Königs und Großfürsten von Litauen Sigismund II. August in Vilnius war, ist bis 1568 Hoflautenist von Kaiser Maximilian II. in Wien. Danach kehrt er in seine Heimat nach Ungarn zurück. Carl Luython ist seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Dort bekommt er neben seinem Dienst weiteren Unterricht durch die hier amtierenden Kapellmeister Jacobus Vaet und Philippe de Monte. Die Unterweisung im Orgelspiel könnte von dem dortigen Hoforganisten Walter Formellis († 1582) und dessen beiden Assistenten ausgegangen sein. Jakob Regnart ist seit dem Jahr 1557 Mitglied der Sängerkapelle am Habsburgischen Hof des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilians II. Zunächst ist er in Prag tätig und nach der Kaiserkrönung Maximilians 1564 in Wien, wohin der gesamte Hof verlegt wird. Im Dienst der Habsburger steht Regnart für sein ganzes Leben. Eine etwa zweijährige Studienreise führte ihn im Jahr 1568 nach Italien, auf der er sich die meiste Zeit in Venedig aufhält und eine perfekte Kenntnis der italienischen Sprache erwirbt. Lambert de Sayve, der vermutlich seine erste Ausbildung als Sängerknabe an der St.-Lambertus-Kathedrale in Lüttich erhalten hat, ist schon in jungen Jahren, nach Aussage einiger Quellen seit 1562, in den Dienst der kaiserlichen Hofkapelle in Wien eingetreten. In den Mitgliederlisten der Hofkapelle erscheint sein Name aber erst im Jahr 1568, als Philippe de Monte die Leitung der Kapelle übernimmt. Philippe de Monte wird nach über einjähriger Kandidatensuche und nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Giovanni Pierluigi da Palestrina im Jahr 1568 zum Nachfolger von Jacobus Vaet als Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien ernannt.

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. mini|Massimo Troiano, Stich von Nicolaus Nellius aus den Dialoghi, 1568 Simone Gatto, der in Venedig ausgebildet wurde, wirkt ab 1568 am Hof in München als Posaunist. Antonius Gosswin, der wahrscheinlich als Chorknabe in die Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eingetreten ist, arbeitet als Alt-Sänger in der Hofkapelle. 1568 bekommt er die Bürgerrechte Münchens. Gioseffo Guami, der sich zwischen 1550 und 1560 in Venedig aufgehalten haben und dort Schüler von Adrian Willaert und Annibale Padovano gewesen sein soll, wirkt ab 1568 in München, wo er zum Hoforganisten berufen wird. Guami wirkt hier bis etwa 1579. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Er widmet Erbprinz Wilhelm von Bayern, der sich 1568 in München mit Renata von Lothringen vermählt und in Landshut eine eigene Hofhaltung eingerichtet hat, im gleichen Jahr seine erste Sammlung deutscher Lieder. Diese Hochzeit stellt einen Höhepunkt des Wirkens der Hofkapelle unter Orlando di Lasso dar, bei welcher der Komponist anlässlich einer aufgeführten Commedia dell’Arte selbst als Akteur, Sänger und Lautenspieler auftritt. In München führt Orlando di Lasso außerdem erstmals Stegreifkomödien mit Gesangseinlagen auf, die „eine Tendenz zur musikalischen Komödie“ erkennen lassen. Leonard Meldert ist 1568 möglicherweise ein Schüler von Orlando di Lasso, der seit 1556 am herzoglich bayerischen Hof in München als Musiker und Komponist wirkt. Giovanni Battista Mosto, der Sohn des leitenden Stadtpfeifers von Udine, hat 1568 eine Anstellung als Zinkenist und Posaunist in der Münchener Hofkapelle unter Orlando di Lasso, kehrt aber bereits ein Jahr später nach Udine zurück. Massimo Troiano befindet sich zu Beginn des Jahres 1568 in Diensten des bayerischen Herzogs Albrecht V. in München, wo er als Sänger in der Hofkapelle unter Orlando di Lasso wirkt. Wenigstens zweimal wechselt er zwischen München und Venedig, mit einem längeren Aufenthalt in Venedig 1569, wo er auf Geld und eine Neuanstellung durch den bayerischen Herzog wartet. Massimo Troiano veröffentlicht vier Bücher mit weltlichen Liedern in drei Sammlungen, 1567, 1568 und 1570. Dennoch ist er vor allem bekannt geworden durch seine Dialoghi, eine lebhafte und farbige Beschreibung des Lebens am bayerischen Hof und vor allem der berühmten Fürstenhochzeit des Erbprinzen Wilhelm mit Renata von Lothringen. Troianos Dialoghi werden noch 1568 in München gedruckt, erscheinen 1569 in Venedig und kurz darauf in einer spanischen Übersetzung. Das Buch bietet die anschaulichste Beschreibung der musikalischen Inszenierungen Orlando di Lassos. „Die Sänger [dienen] jeden Morgen bei der Heiligen Messe, an den Samstags-Vespern und bei den Vigilien vor den großen Kirchenfesten. Die Blasinstrumente werden an den Sonntagen gespielt, und an Festtagen zur Messe und zur Vesper zusammen mit den Sängern.“ Troiano beschreibt auch ungewöhnlich genau, wie die Messe gefeiert wird, und welche Teile polyphon gesungen werden. Dies sind wertvolle Informationen für die Rekonstruktion der Musik der Renaissance. Troiano berichtet auch, dass bei den Festbanketten auch lateinische Motetten von zwei Komponistinnen aufgeführt wurden: von Maddalena Casulana sowie von Caterina Willaert (die er irrtümlich als Tochter von Adrian Willaert bezeichnet). Ivo de Vento, der zunächst bis September 1559 als Sängerknabe unter dem Hofkapellmeister Ludwig Daser am herzoglich-bayerischen Hof von Albrecht V. in München gewirkt hatte und – nach Eintritt seines Stimmbruchs – ein Stipendium für ein Studium in Italien erhalten hat, ist seit 1563 als Organist am Münchner Hof tätig. Im Sommer 1568, nach seiner Heirat mit Renata von Lothringen, verlegt Kronprinz Wilhelm seine Residenz nach Landshut; er richtet dort eine Filiale der Kapelle ein und macht Vento zum Kapellmeister.

Burgundischer Reichskreis Markgrafschaft Antwerpen Séverin Cornet, der von 1555 bis 1564 in Antwerpen gelebt hat, ist seit 1564 in Mechelen an der St.-Rombouts-Kathedrale tätig, wo er die Aufgabe „pro magistro cantus et choralium“ hat. Somit ist er für die Chorleitung und für die Musikerziehung der Chorknaben zuständig. Noé Faignient hat 1561 das Bürgerrecht in Antwerpen erhalten und wirkt seitdem hier als Musiklehrer. Im Jahr 1568 erscheint bei der Witwe des Verlegers Jean de Laet eine Sammlung von vier- bis sechsstimmigen Kompositionen Faignients, die dem spanischen Kaufmann Gonzalo García gewidmet sind. In der Widmung nennt der Komponist diese Stücke „les Premiers fruitz de mon Jardinet“ (die ersten Früchte meines Gärtleins); in ihnen wechseln polyphone und homophone Passagen ab. Es gibt von Noé Faignient noch eine weitere Sammlung mit dreistimmigen Stücken, ebenfalls 1568 erschienen, von dem das Original verschollen ist. In der schwedischen Stadt Linköping befindet sich jedoch eine Abschrift mit dem Titel „Chansons, madrigales et motets par Noé Faignient 1568“. Rinaldo del Mel lebt in Mechelen und ist seit dem 3. März 1562 Mitglied der Singschule der Kathedrale Saint-Rombaud. Ab dem Jahr 1564 erhält er hier Unterricht vom Chorregenten Séverin Cornet. Gérard de Turnhout, der seit dem 3. April 1559 Kapellmeister an der Kathedrale Saint-Gommaire in Lierre war, ist 1562 an die Liebfrauenkirche Antwerpen zurückgekehrt und hat seit 1563 die Position eines Musikmeisters (maître de musique) in der Nachfolge von Antoine Barbé.

Grafschaft Flandern Jacobus de Kerle, der seit Ende 1565 als Kapellmeister in seiner Heimatstadt Ypern tätig war und hier aufgrund innerkirchlicher Unstimmigkeiten und als Folge eines tätlichen Übergriffs auf einen anderen Priester am 30. März 1567 exkommuniziert wurde und sein Amt als Kapellmeister verloren hatte, wird nach Verrichtung der auferlegten Bußen in Rom wieder kirchlich aufgenommen. Kurz darauf wird ihm die Ehre zuteil, dass Werke von ihm unter anderen bei den Hochzeitsfeierlichkeiten von Herzog Wilhelm V. von Bayern mit Renata von Lothringen (21. Februar bis 5. März 1568 in München) aufgeführt werden, beispielsweise am 2. März ein sechsstimmiges Werk auf einen Text von Niccolò Stopio († 1570), das nicht erhalten geblieben ist. Die kirchliche Trauung erfolgt durch de Kerles früheren Dienstherrn, Kardinal Otto von Waldburg, der vielleicht seinen früheren Kapellmeister empfohlen hat. Auf ähnlichem Weg kommt der Komponist vermutlich zu seiner nächsten Anstellung in Augsburg, wo ihm das dortige Domkapitel am 18. August 1568 zunächst zehn Taler Honorar zukommen lässt, „von wegen seiner componirten gesang so er meinen g. h. presentieret hat“, und mit ihm wegen der Übernahme der Stelle des Domorganisten verhandelt. Andreas Pevernage, der seit 17. Oktober 1563 Kapellmeister an der Kirche Notre-Dame in Courtrai ist und 1564 zusätzlich eine Pfründe an Sankt Willibrordus in Hulst erhalten hat, übt die Kapellmeisterstelle bis 1577 aus.

Grafschaft Holland Cornelis Boskoop ist seit dem 1. Mai 1554 und bis März 1573 Organist an der Oude Kerk in Delft. Cornelis Boscoops Werk 50 Psalmen Davids in Motettenform aus dem Jahr 1562, erlebt 1568 in Düsseldorf eine Neuauflage, die Herzog Erich II. von Braunschweig und Lüneburg gewidmet ist.

Fränkischer Reichskreis Reichsstadt Nürnberg Georg Forster lebt seit 1548 in Nürnberg, wo er zum Leibarzt von Abt Friedrich zu Hailsbronn ernannt wurde. In Nürnberg bleibt er 20 Jahre bis zu seinem Tod am 12. November 1568. Er stirbt möglicherweise an den Folgen einer Epidemie, die im Frühjahr in Nürnberg grassiert. mini|Holzschnitt eines Lautenmachers aus dem Ständebuch von Jost Amman, 1568 Hans Sachs liefert die Verse für die Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden hoher und nidriger, geistlicher und weltlicher, aller Künsten, Handwerken und Händeln..., die 1568 von dem deutschen Zeichner, Kupferätzer und -stecher, Formschneider, Maler und Buchautor Jost Amman in Nürnberg herausgegeben wird.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt. Sebastian Ochsenkun ist seit 1544 Lautenmeister am kurpfälzischen Hof in Heidelberg. Stephan Zirler, der seit 1564 Kammersekretär am Hof von Kurfürst Friedrich III. ist, stirbt Ende Juli 1568 in Heidelberg.

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Erzstift Cambrai Laurent de Vos, der seine musikalische Ausbildung vermutlich als Chorknabe an der Kathedrale seiner Vaterstadt Antwerpen erhalten hatte, ist seit 1566 Musikdirektor und verantwortlicher Leiter der Chorknaben an der Kathedrale, des damals noch spanisch-flämischen Cambrai.

Hochstift Lüttich Johannes Mangon, der seine erste musikalische Ausbildung als duodenus an der Singschule (schola cantorum) der Gemeinde Saint Martin-en-Mont in Lüttich erhielt, wirkt von 1562 bis 1570 an der dortigen Kirche als Succentor. Während dieser Zeit hat er möglicherweise schon zeitweise den Domchor in Aachen geleitet, weil die Abschrift seiner Messe „Ne ascondas me“ im Chorbuch I mit Sicherheit vor dem 31. Oktober 1567 angefertigt wurde.

Hochstift Utrecht