Birgit „Bibi“ Lindström (* 30. Juni 1904 in Arbrå, Schweden; † 4. November 1984 in Stockholm) war eine vielseitige schwedische Künstlerin, die als Architektin, Bühnenbildnerin, Malerin und Filmarchitektin gearbeitet hatte. Mit einem Œuvre von Kulissenbauten zu rund 150 Kino- und Fernsehfilmen in vier Jahrzehnten galt sie als ungemein produktiv.

Leben und Wirken Bibi Lindström erhielt ihre erste künstlerische bzw. architektonische Ausbildung 1922/23 an den Münchner Lehrwerkstätten und anschließend, von 1923 bis 1926, an der Technischen Hochschule in Stockholm. 1926 schrieb sie sich an der Königlichen Kunsthochschule (Kungliga Konsthögskolan) ein und konzentrierte sich auf das Fachgebiet dekorative Künste. Schon hier kristallisierte sich Lindströms großes fachliches Können heraus, und man spendierte ihr ein Stipendium zwecks Studienreisen nach Deutschland, Italien und Frankreich. Praktische Erfahrungen im Bereich Bühnenbild sammelte sie anschließend (1931/32) an Gösta Ekmans Theater. Gemeinsam mit dem schwedischen Architekten Viking Göransson (1900–1985), den sie 1929 geheiratet hatte (Scheidung 1953), nahm Bibi Lindström an der Stockholmer Ausstellung 1930 teil, einer bedeutenden Exhibition für Architektur, Design und Kunsthandwerk im Zeichen der Moderne. 1938 nahm sie an einer weiteren Kunstausstellung, diesmal in New York City, teil, wo sie mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Daraufhin blieb sie eine Zeitlang in der amerikanischen Metropole und übernahm Anschlussangebote. Auch in späteren Jahren unternahm Lindström immer wieder Ausflüge in filmferne Kunstrichtungen; so schuf sie beispielsweise mehrere Ölgemälde und Stoffmuster für Möbel.

Kurz nach Beginn des Tonfilmzeitalters in Schweden Anfang der 1930er Jahre konnte Bibi Lindström für den Film gewonnen werden. Als Filmarchitektin entwarf sie fortan die Bauten zu einer Fülle von zunächst recht anspruchsarmen Unterhaltungsproduktionen und arbeitete in ihrer vier Jahrzehnte umspannenden Schaffensperiode mit den bekanntesten Regisseuren ihres Landes zusammen, darunter Schamyl Bauman, Olof Molander, Rolf Husberg, Hasse Ekman, Alf Sjöberg und immer wieder Arne Mattsson, dessen (wegen einer kurzen Nacktszene) von der Kritik zum Filmskandal erklärte Liebesgeschichte Sie tanzte nur einen Sommer sie ebenfalls ausstattete. Auch zu einigen Arbeiten des Starregisseurs Ingmar Bergman (Abend der Gaukler, Nahe dem Leben, Persona) und zu Sjöbergs gefeierter Stindberg-Adaption Fräulein Julie lieferte Bibi Lindström die Kulissenentwürfe. In späteren Jahren entwarf sie mehrfach Szenenbilder für das Fernsehen und unternahm auch Ausflüge als Bühnenbildnerin zum Theater (u. a. The Teahouse of the August Moon, 1954, Mary Mary, 1963, Barfuß im Park, 1965). Mit knapp 70 Jahren zog sich die Doyenne unter Schwedens Filmarchitekten ins Privatleben zurück.

Filmografie 1932: Muntra musikanter 1933: Den farliga leken 1933: Lördagskvällar 1934: Kvinnorna kring Larsson 1935: Flickor på fabrik 1936: Rendezvous im Paradies (Skeppsbrutne Max) 1938: Sol över Sverige 1939: Efterlyst 1939: Wir zwei (Vi två) 1939: Hennes melodi 1940: Mannen som alla ville mörda 1941: En fettig miljonär 1941: Kvinna ombord 1942: Rospiggar 1942: Varat gäng 1942: Der Pfarrer der Entgleisten (Kvinnor i fångenskap) 1943: En melodi om våren 1943: På liv och död 1943: Örlogsmän 1944: Lilla helgonet 1944: Prins Gustaf 1945: Die Kinder vom Wildbachfelsen (Barnen från Frostmofjället) 1945: Rosen på Tistelön 1946: I dödens väntrum 1946: Kvinnor i vantrum 1947: Maria 1947: Meisterdetektiv Kalle Blomquist (Mästerdetektiven Blomkvist) 1948: Sündige Liebe (Banketten) 1948: Marknadsafton 1949: Människors Rike 1949: Sjöslåvar 1950: Kalle und die Diamantenschmuggler (Anderssonskans Kalle) 1950: Das Mädchen mit Hyazinthen (Flicka och hyacinter) 1951: Fräulein Julie (Fröken Julie) 1951: Sie tanzte nur einen Sommer (Hon dansade en sommar) 1952: Du sollst nicht begehren (Hård klang) 1952: Es geschah aus heißer Jugendliebe (For min heta ungdoms skull) 1952: Barabbas – der Mann im Dunkel (Barabbas) 1953: Abend der Gaukler (Gycklarnas afton) 1953: Früchte der Liebe (Ogift fader söker) 1953: Der Preis des Ruhms (Skuggan) 1954: Karin Mansdotter (Karin Månsdotter) 1954: Salka Valka 1954: Junger Sommer (Ung sommar) 1955: Hemsöborna 1955: Sommernächte in Schweden (Ute blåser sommarvind) 1956: Lille Fridolf och Jag 1956: Litet bo 1957: Tarps Elin 1957: Wenn die Nebel fallen (Damen i svart) 1957: Nahe dem Leben (Nära livet) 1958: Mannequin in Rot (Mannekäng i rött) 1958: Fuhrmann des Todes (Körkarlen) 1959: Die Gräfin mit der Peitsche (Ryttare i blått) 1959: Frau nach Wunsch (Den kära leken) 1960: Hochzeit mit Verzögerung (Bröllopsdagen) 1960: Der Richter (Domaren) 1960: Sommer und Sünder (Sommar och syndare) 1961: Pärlemor 1961: Die Abenteuer des Nils Holgersson (Nils Holgerssons underbara resa) 1962: Siska 1962: Lyckan kommer (Fernsehfilm) 1963: Societetshuset (Fernsehserie) 1964: Klänningen 1965: Persona 1966: Patrasket (Fernsehfilm) 1966: Candida (Fernsehfilm) 1962–67: Ferien auf der Kräheninsel (Vi på Saltkrokan, Fernsehserie) 1967: Glasmenageriet (Fernsehfilm) 1967: Doktor Glas (Dr. Glas) 1968: Nina (Fernsehfilm) 1968: ABC (Fernsehfilm) 1969: Fadern 1969: Miss and Mrs. Sweden 1970: Den magiska cirkeln 1971: Leka mied elden (Fernsehfilm) 1972: Ture Sventon – Privatdetektiv 1973: Den vita stenen (Fernsehmehrteiler)

Literatur International Federation of Film Archives (FIAF) (Hrsg.): International Directory of Cinematographers, Set- and Costume Designers in Film. Vol. 5: Denmark – Finland – Norway – Sweden (from the beginnings to 1945). KG Saur, München-New York-London-Paris 1986, S. 382 ff.

Weblinks Bibi Lindström-Kurzbiografie in der schwedischen Filmdatenbank

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