Die Geologie des Mount Everest wird von sedimentären und metamorphen Gesteinen beherrscht, welche ab dem Eozän im Verlauf der bereits in der Oberkreide einsetzenden Kollision mit Eurasien über die granulitische, archaische Kontinentalkruste Indiens hinwegglitten. Die enorme Höhe des Berges erklärt sich einerseits durch die Aufblähung von leukogranitischem Magma, das ab dem Beginn des Miozäns die Metasedimente des Unterbaus intrudiert hatte, andererseits durch die Anwesenheit zweier oberkrustaler Decken.

Einführung mini|400px|Die Nordseite des Mount Everest vom Rongpu-Kloster aus gesehen. Gut zu erkennen die North-Col-Formation mit dem Gelben Band im Hangenden und darüber die Gipfelpyramide mit der Everest-Formation.

Es wird angenommen, dass die oberen beiden Formationen des Mount Everest ursprünglich aus marinen Schelfsedimenten bestanden, welche sich vor dem Zusammenstoß am nördlichen passiven Kontinentalrand Indiens angesammelt hatten. Die Kollision selbst war während des Känozoikums vor rund 54 bis 50 Millionen Jahren im Eozän erfolgt. Die Konsequenz bestand in der Schließung der Tethys, deren letzte marine Sedimente entlang der Indus-Yarlung-Tsangpo-Sutur aufgeschlossen sind und aus dem frühen Eozän stammen. Sie sind 50,5 bis 49 Millionen Jahre alt und gehören ins Ypresium. Die Kollision verformte und metamorphosierte die zuvor abgelagerten Sedimente, die in südliche Richtung hochgedrückt wurden.

Die unterste Formation des Mount Everest setzt sich aus hochgradig metamorphen Gesteinen sedimentären Ursprungs zusammen. Sie wurde während des Kollisionsprozesses bis in eine Tiefe von 15 bis 20 Kilometer in nördliche Richtung abgesenkt, aufgeheizt, metamorphosiert, teilweise aufgeschmolzen und im frühen bis mittleren Miozän zwischen 24 und 12 Millionen Jahren von Gängen leukogranitischen Materials durchsetzt. Umgeben von zwei großen Abscherhorizonten – je einer sowohl im Hangenden als auch im Liegenden – wurde sie sodann nach Süden unter kanalartigem Fließen (Englisch channel flow) wieder hervorgepresst. Als Betrag wird hierfür 100 bis 200 Kilometer in südliche Richtung angenommen.

Das beständige Vordringen Indiens gen Norden in den eurasischen Kontinent hinein bewirkte letztlich eine Verdopplung der Krustendicke bis auf 70 Kilometer sowohl unterhalb des Himalayas als auch unterhalb des Karakoram-Lhasa-Blocks. Es entstand das Hochland von Tibet, das größte Hochplateau der Erde mit Höhen über 5000 Meter.

Zur Zeit hebt sich der Himalaya mit einer Geschwindigkeit von 5 Millimeter pro Jahr und die tektonische Einengung erfolgt mit einer Geschwindigkeit von 17 bis 18 Millimeter pro Jahr.

Aufbau des Himalayas mini|400px|Geologische Übersichtskarte des Himalaya, in Schwarz die Leukogranite. Der Mount Everest befindet sich im Nordosten von Kathmandu.

Das Himalaya-Orogen bildet eine klar umrissene Bogenstruktur, deren wellige Vorderfront kleinere Aus- und Einbuchtungen im Hundertkilometerbereich aufweist. Es baut sich aus fünf mehr oder weniger parallel zueinander verlaufenden lithotektonischen Gürteln auf: dem Transhimalaya-Batholith im Norden (rot) der Indus-Yarlung-Tsangpo-Suturzone (grün) der tethyalen Hochhimalaya-Sedimentfolge (hellblau) der metamorphen Greater Himalaya Sequence (orange) dem Vorderen Himalaya im Süden (gelb) Die Oberkruste des Tethys-Himalaya besteht aus 10 bis 12 Kilometer mächtigen, gefalteten und überschobenen Sedimenten des Phanerozoikums (Ediacarium bis Eozän) – bezeichnet im Englischen als Higher Himalayan Sedimentary Series (HHSS – Hochhimalaya-Sedimentfolge). Sie werden im Norden von der Indus-Yarlung-Tsangpo-Sutur abgeschnitten und finden nach Süden ihr Ende im flach liegenden Abscherhorizont des South Tibetan Detachment System (abgekürzt STDS – Südtibetisches Abschersystem) mit Top nach Norden als Bewegungssinn. Südlich hiervon schließt sich die 15 bis maximal 40 Kilometer mächtige Greater Himalayan Sequence (GHS) an – Metamorphite des Barrow-Typs, Migmatite und Leukogranite. Ihre stratigraphisch tiefsten Metapelite (Kuncha-Pelit) sind etwas älter als 1830 Millionen Jahre und stammen somit aus dem Proterozoikum. Die GHS endet gen Süden in einer 2 bis 4 Kilometer mächtigen Zone mit umgekehrt liegenden Metamorphose-Isograden, die ausgehend von der Sillimanit-Disthen-Zone zur Biotit-Chlorit-Zone zurückreichen. An der Basis folgt eine duktile Überschiebungszone mit Top nach Süden als Bewegungssinn, die Main Central Thrust (MCT – zentrale Hauptüberschiebung). Der südlich davor liegende Vordere Himalaya (engl. Lesser Himalaya) führt unterschobene Gesteine der Indischen Platte, darunter Proterozoisches Grundgebirge und Paläozoische Decksedimente relativ geringer Mächtigkeit. Das Himalaya-Orogen endet mit den beiden Überschiebungssystemen der Main Boundary Thrust am Nordrand des Vorderen Himalayas und der Main Frontal Thrust im nördlichen Siwaliks-Vorland Pakistans und Indiens. Die nirgendwo aufgeschlossene Unterkruste des Himalayas setzt sich vermutlich aus unterschobenen granulitfaziellen Schildgesteinen Indiens zusammen.

Beschreibung des Mount Everest Geologisch kann der Mount Everest – mit 8848 Meter über dem Meeresspiegel der höchste Berg der Erde – in drei lithotektonische Einheiten gegliedert werden, welche durch flach liegende, zum STDS gehörende Abschiebungen mit Bewegungssinn Top nach Norden voneinander getrennt werden. Vom Hangenden zum Liegenden lassen sich folgende Einheiten unterscheiden: Everest-Formation oder auch Qomolangma-Formation bzw. Jolmo-Lungama-Formation – Qomolangma-Detachment – North-Col-Formation – Lhotse-Detachment – Rongbuk-Formation Die North-Col-Formation, gelegentlich auch North-Col-Formation und Everest-Formation zusammen, werden oft auch als Everest-Serie (engl. Everest Series) bezeichnet.

Everest-Formation mini|400px|Der Gipfelaufbau des Mount Everest mit der grauen Everest-Formation im Hangenden und der dunklen North-Col-Formation im Liegenden, abgetrennt durch das Gelbe Band.

Die Everest-Formation wird oberhalb des Gelben Bandes (engl. Yellow Band) auf rund 8600 Meter Höhe durch das flach mit 5 bis 20° nach Nordosten einfallende Qomolangma-Detachment von der North-Col-Formation abgetrennt. Sie bildet auch den Gipfel des Mount Everest, von ihr sind somit 225 bis 250 Meter aufgeschlossen. Die mit rund 15° nach Nordnordost einfallende Formation wird von einem grauen bis dunkelgrauen, teils auch weißen, dickbankig-schichtigen, mikritischen Kalk des Unteren bis Mittleren Ordoviziums aufgebaut, in den untergeordnet rekristallisierte Dolomite und tonig-siltige Lagen zwischengeschaltet sind. Gansser (1964) war ursprünglich der Ansicht, dass der Kalk Crinoiden enthalte. Spätere petrographische Untersuchungen an Proben in Gipfelnähe ergaben, dass die Formation Karbonatpellets (Peloide) und fein zerkleinerte Reste von Trilobiten, Crinoiden und auch Ostrakoden enthielt. Viele Proben waren aber derart zerschert und rekristallisiert, dass die ursprünglichen Bestandteile nicht bestimmt werden konnten. Zirka 70 Meter unterhalb des Gipfels befindet sich eine 60 Meter mächtige, weiß verwitternde Thrombolith-Lage, die den Third Step umfasst und bis an die Basis der Gipfelpyramide heranreicht. Es handelt sich hier um Stromatolithen-ähnliche, flachmarine Sedimente, die durch den abgesonderten Biofilm von Mikroorganismen, insbesondere Cyanobakterien, eingefangen, gebunden und zementiert wurden. Die untersten 5 Meter der Formation oberhalb dem Qomolangma-Detachment sind sehr stark verformt.

Die Everest-Formation wird von zahlreichen steilen Verwerfungen durchzogen, welche alle im flachliegenden, spröden Qomolangma-Detachment auslaufen. Diese Abschiebung trennt die Formation vom darunterliegenden Gelben Band der North-Col-Formation.

North-Col-Formation Der Gipfelbereich des Mount Everest zwischen 7000 und 8600 Meter Höhe besteht aus der 1600 Meter mächtigen, mittelkambrischen, obergrünschiefer- bis unteramphibolitfaziellen North-Col-Formation. Ihr Hangendes zwischen 8200 und 8600 Meter Höhe bildet das am Nordostgrat bis an den First Step heranreichende Gelbe Band. Das 172 Meter mächtige Gelbe Band baut sich vorwiegend aus einem grobkörnigen, Calcit-reichen Diopsid-Epidot-Marmor auf, der zu einem auffälligen Gelbbraun verwittert, enthält aber auch Lagen von Muskovit-Biotit-Phyllit und Schiefern. Proben aus 8300 Meter Höhe ergaben einen Gehalt von rund 5 Prozent an Überresten rekristallisierter Arm- und Stielglieder von Crinoiden. Die obersten, in unmittelbarer Nähe des Qomolangma-Detachment gelegenen 5 Meter des Gelben Bandes sind äußerst deformiert; eine 5 bis 40 Zentimeter dicke Verwerfungsbrekzie trennen sie von der überlagernden Everest-Formation.

Unterhalb des Gelben Bandes zwischen 8200 und 7000 Meter Höhe führt die North-Col-Formation abwechslungsweise verformte Schiefer, Phyllite und untergeordnet auch Marmore. Die oberen 600 Meter zwischen 8200 und 7600 Meter Höhe stellen vorwiegend Biotit-Quarz- und Chlorit-Biotit-Phyllite, in die sich unbedeutendere Biotit-Serizit-Quarz-Schiefer einschalten. Darunter folgen zwischen 7600 und 7000 Meter Höhe Biotit-Quarz-Schiefer mit Einschaltungen von Epidot-Quarz-Schiefer, Biotit-Calcit-Quarz-Schiefer und dünne Lagen von quarzhaltigem Marmor.

All diese jetzt metamorph vorliegenden Gesteine der mittleren bis oberen Grünschieferfazies sind wahrscheinlich aus einem Tiefseeflysch des Mittel- oder Oberkambriums hervorgegangen, welcher ursprünglich aus Wechsellagerungen von Tonstein, Schieferton, tonigem Sandstein, kalkhaltigen Sandstein und sandigem Kalk zusammengesetzt war. Im Liegenden wird die North-Col-Formation vom duktilen Lhotse-Detachment flach abgeschnitten.

Rongbuk-Formation Die unterlagernde oberamphibolitfazielle Rongbuk-Formation (oder Rongpu-Formation) bildet unterhalb von 7000 bis auf 5400 Meter Höhe hinab den Unterbau des Mount Everest. Sie gehört bereits zur zentralen Kristallinzone des Himalayas (engl. Greater Himalayan Sequence oder abgekürzt GHS) und besteht aus Schiefern und Gneisen (dunkle, biotitreiche Sillimanit-Granat-Cordierit-Gneise), die von zahlreichen Lagergängen und Gängen aus Leukogranit – dem Everest-Nuptse-Granit – intrudiert werden. Die begleitende Kontaktmetamorphose konnte von Simpson und Kollegen (2000) mit 17,9 ± 0,5 Millionen Jahre datiert werden. Die Foliation der Rongbuk-Formation streicht generell Ost-West und fällt flach nach N 005 bis N 020 ein, zugehörige Strecklineare streichen Ostnordost. Kinematische Kriterien wie S-C-Strukturen, Glimmerfische und asymmetrische Porphyroklastenendungen belegen einen hochtemperierten Schersinn Top nach Norden bei gleichzeitigem Auspressen der GHS nach Süden. Mikrostrukturen in Quarz und c-Achsen von Quarz lassen auf Temperaturen von über 500 °C in der Scherzone schließen.

Darüber legen sich stellenweise in nördliche Richtungen streichende Falten im Kilometer- bis Zehner-Kilometerbereich.

Everest-Nuptse-Granit Der Everest-Nuptse-Granit, auch Pumori-Everest-Granit, ist ein ausgesprochen peraluminoser Zweiglimmer-Turmalin-Leukogranit, der die Minerale Quarz, Plagioklas, Alkalifeldspat (Mikroklin oder Orthoklas) und die Glimmer Muskovit und Biotit sowie Turmalin führt. Hinzu treten können auch noch Andalusit, Cordierit und Granat, sowie akzessorisch Zirkon, Monazit, Xenotim und Apatit. Die Mächtigkeit der Leukogranitgänge ist sehr variabel und kann sich vom Zentimeterbereich bis hin zu Aufblähungen im Tausend-Meterbereich erstrecken. Die höchste Mächtigkeit erlangt die 3000 Meter erreichende Aufblähung der Kangshung-Ostwand, die nahezu bis auf 7800 Meter an den South Col heranreicht. Diese dürfte letztlich für die enorme Höhe des Mount Everest und des Lhotse verantwortlich sein.