Hummelsbüttel ist ein Stadtteil von Hamburg im Bezirk Wandsbek. Hummelsbüttel gehörte bis 2008 zusammen mit Poppenbüttel, Sasel und Wellingsbüttel zum ehemaligen Ortsamtsgebiet Alstertal.
Geographie Hummelsbüttel grenzt im Westen an Langenhorn und Fuhlsbüttel, im Norden an Norderstedt und im Osten an Poppenbüttel. Die Südgrenze wird durch die Alster gebildet.
Geschichte Das Dorf Hummelsbüttel wurde urkundlich 1319 als Humersbotle erstmals erwähnt. Der Ortsname deutet auf einen früheren Bestand, da die Nachsilbe -büttel auf eine sächsische Gründung verweist. So wird ein gewisser hier ansässiger Hunmar – ein Name, der erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt wird – als Namensgeber angenommen. Für die Mitte des 13. Jahrhunderts sind Handelsgeschäfte mit Korn belegt. Ein Lambertus de Hummersbutle wird 1253 und 1266 erwähnt. Das Geschlecht der Ritter von Hummelsbüttel gehörte im 14. Jahrhundert zu den mächtigsten Rittern in Holstein.Hans Gerhard Risch: Der holsteinische Adel im Hochmittelalter: Eine quantitative Untersuchung. Frankfurt am Main 2010, S. 439. Von seiner Burg in Stegen aus kontrollierte Johann von Hummersbuttel den Verkehr auf der Alster und überfiel Hamburger Kaufleute. 1346 gehörte er zu den Rittern, die sich gegen die Grafen von Schauenburg und Holstein erhoben. 1349 verlor er Hummelsbüttel an die Grafen, die das Dorf vom 14. bis zum 16. Jahrhundert dem Kloster Harvestehude überließen.
Mit der Reformation und der Auflösung des Klosters kam Hummelsbüttel 1528 an die Grafschaft Holstein-Pinneberg. Als die Grafen 1640 ausstarben, fiel das Dorf mit der Pinneberger Herrschaft an Dänemark, gehörte aber bis zum Gottorper Vergleich von 1768 zum Hamburger Kirchspiel Eppendorf. Seit dem 17. Jahrhundert wandelte sich Hummelsbüttel durch die Ansiedlung von Ziegeleien, die den gesteigerten Bedarf des nahen Hamburg befriedigten, weg vom reinen Bauerndorf. mini|Großsiedlung Tegelsbarg: Norbert-Schmid-Platz mini|Das letzte Reetdachhaus in Hummelsbüttel 1841 wurde (am heutigen Grützmühlenweg) eine Grützmühle erbaut, die ihren Betrieb bereits 1862 wieder einstellte. Das Gebäude wurde 1962 abgebrochen und im Museumsdorf Volksdorf wieder aufgebaut. Mit der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867 wurde Hummelsbüttel in den neugebildeten Kreis Stormarn eingegliedert. Die Einführung der preußischen Kommunalverfassung 1889 ordnete es dem Amtsbezirk Poppenbüttel zu. 1937 wurde es aufgrund des Groß-Hamburg-Gesetzes an Hamburg angeschlossen.
Seit den 1950er Jahren erlebte Hummelsbüttel eine völlige Veränderung seiner bislang dörflichen Struktur, besonders durch den Bau der Großsiedlungen Lentersweg und Tegelsbarg in den 1970er Jahren (teilweise auf Poppenbütteler Gemarkung gelegen).Dirk Schubert: Hamburger Wohnquartiere. Ein Stadtführer durch 65 Siedlungen, Berlin 2005, ISBN 3-496-01317-6, S. 274–277. Die Siedlung Tegelsbarg war ein gemeinsames Projekt von SAGA Unternehmensgruppe und Neue Heimat in den Jahren 1975–80. Nach Bürgerprotesten wurde die Zahl der Wohnungen von 4.800 auf 2.100 gesenkt. Außerdem musste Verblendmauerwerk verwendet werden statt der üblichen Betonoptik der Großtafelbauweise.Ralf Lange, Fusion, Krisen und neue Aufgabenfelder, in: SAGA: 100 Jahre Wohnen in Hamburg, Hamburg, 2022, S. 156f Dieses ist zwischenzeitlich aufgrund energetischer Sanierung allerdings an vielen Gebäuden nicht mehr sichtbar.
Die letzte Dampfziegelei stellte ihren Betrieb 1968 ein. Seit dem Bau der Hochhäuser im ehemaligen Ortskern, der nun Hummelsbüttler Markt heißt, obwohl es in Hummelsbüttel nie einen Markt gegeben hat, ist kaum noch erkennbar, dass es sich um ein echtes Bauerndorf gehandelt hat. Die Vernichtung zweier markanter, althummelsbüttler Gebäude durch Brände trug dazu bei. Das eine Gebäude war ein sehr langgestrecktes Reetdachhaus, am alten Dorfplatz gelegen, in dem sich der Dorfgasthof befunden hatte. Das andere war das älteste Haus Hummelsbüttels von 1672, ebenfalls mit Reetdach. Heute existiert nur noch ein Reetdachhaus in Hummelsbüttel, die ehemalige Schusterkate im Grützmühlenweg.
Sehr markant sind bis heute die erhaltenen Grenzsteine aus dänischer Zeit. In den Straßen Gnadenbergweg, Kurzer Kamp, Hummelsbütteler Kirchenweg, Heisterkamp, Ohkamp und entlang des Raakmoorgrabens sind die bis ca. 1,20 Meter hohen Granitstelen mit dänischem Königswappen zu sehen. Insgesamt 30 Steine aus der Zeit zwischen 1783 und 1862 sind erhalten (→Liste). Sie markieren die ehemalige Grenze zwischen der vom dänischen König in Personalunion als Herzog von Holstein regierten Herrschaft Pinneberg, zu der Hummelsbüttel gehörte und der Hansestadt Hamburg mit ihren Landgemeinden Fuhlsbüttel und Langenhorn.
Historische Orte Auf dem Gelände des heutigen Stadtteils Hummelsbüttel gab es mehrere Steinzeitgräber. Auf dem Schulgelände der Stadtteilschule Poppenbüttel am Poppenbüttler Stieg befindet sich ein hierhin verlagertes denkmalgeschütztes prähistorisches Steingrab.Eintrag in der Hamburger Denkmalsliste, Stand: 21. November 2012, Nr. 542. Seit der Gesetzesnovelle von 2013 lautet die Denkmal-ID 1355, Eintrag im Geoportal HamburgKai Wehl: Steinhaufen mit Geschichte. In: Alstertal-Magazin, 01/2022, S. 18, 20 Dies ist seit 2025 durch einen Zaun geschützt und mit einem Informationsschild versehenHappy End für Steingrab. In: Alstertal-Magazin, 12/2025, S. 34+35.
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Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 18,4 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023. (PDF; 6,4 MB) statistik-nord.de Anteil der Haushalte mit Kindern: 21,7 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 24,3 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 18,7 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Anteil von Leistungsempfängern nach SGB II: 10,4 % [Hamburger Durchschnitt: 10,0 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,4 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Die durchschnittlichen jährlichen Einkünfte pro Steuerpflichtigen in Hummelsbüttel betrugen im Jahre 2020 etwa 46.493 Euro und entsprachen damit ungefähr dem Hamburger Durchschnitt (48.035 Euro).
Bevölkerungsentwicklung 1937: 1.900 2002: 17.454 2004: 17.081 2005: 17.057 2011: 17.284 2012: 17.032 2013: 17.051 2014: 17.180 2015: 17.437 2016: 17.655 2017: 17.871 2018: 18.464 2019: 18.395 2020: 18.538 2023: 18.669
Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Hummelsbüttel zum Wahlkreis Alstertal – Walddörfer.
Bei den Bürgerschaftswahlen 2025, 2020, 2015, 2011, 2008, 2004, 2001, 1997, 1993, 1991, 1987, 1986, Dezember 1982, Juni 1982, 1978 und 1974 kam es zu folgenden Ergebnissen:
Wahljahr SPD CDU Grüne AfD Linke FDP Übrige202538,1 %28,0 %11,7 %8,1 %6,3 %1,9 %5,9 %202046,1 %13,3 %17,9 %7,1 %5,9 %4,9 %4,8 %201550,5 %18,6 %7,1 %6,7 %6,2 %8,3 %2,6 %201150,7 %25,0 %6,7 % –5,1 %8,2 %4,3 %200833,4 %48,1 %5,6 % –5,5 %5,2 %2,2 %200429,8 %52,9 %7,8 % – –3,9 %5,6 %200134,8 %30,2 %5,7 % –0,5 %6,1 %22,7 %199735,2 %33,8 %11,4 % –0,3 %3,6 %15,7 %199339,4 %27,1 %12,5 % – –4,6 %16,4 %199146,1 %37,7 %6,1 % – –6,8 %3,3 %198743,6 %42,4 %4,9 % – –8,6 %0,6 %198638,1 %46,4 %8,6 % – –6,3 %0,6 %Dez. 198246,4 %42,8 %5,8 % – –4,1 %0,3 %Jun. 198238,2 %47,9 %6,9 % – –6,0 %1,0 %197846,8 %41,5 %3,1 % – –6,1 %2,5 %197436,2 %48,1 % – – –13,0 %2,7 %
Bei Wahlen zur Bezirksversammlung gehört der Stadtteil zum Wahlkreis Poppenbüttel, Hummelsbüttel. Bei Bundestagswahlen zählt Hummelsbüttel zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Nord.
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Am Gymnasium Hummelsbüttel an der Hummelsbütteler Hauptstraße kann das Abitur abgelegt werden. Die ehemalige Haupt- und Realschule am Poppenbüttler Stieg ist inzwischen ein Standort der Stadtteilschule Poppenbüttel. Die einzige Grundschule befindet sich am Grützmühlenweg neben dem Gymnasium.
Verkehr Hummelsbüttel hat keinerlei Anbindung an das überregionale Autobahn- oder Bundesstraßennetz. Ebenso gibt es keine direkte Anbindung an das U- oder S-Bahn-Netz. Mehrere Haltestellen der Linien U1 und S1 liegen zwar in der Nähe, aber nicht direkt im Stadtteil, so dass folgende Bus-Linien für die Abdeckung des Stadtteils sorgen: 24 (Bahnhof Rahlstedt → U Niendorf Markt) (Metrobuslinie) 172 (Mundsburger Brücke → Lentersweg, Hummelsbüttel) 174 (U / S Ohlsdorf → U Volksdorf) 178 (U Garstedt → S Poppenbüttel) 179 (U Borgweg → S Poppenbüttel) 193 (U Garstedt → Lademannbogen (Ost) / (West)) 607 (S Reeperbahn → S Poppenbüttel) (Nachtbus)
Feuerwehr In Hummelsbüttel besorgt eine Freiwillige Feuerwehr den örtlichen Brandschutz. Die Feuerwache ist an der Straße Stiegstück ansässig. Sie ist organisatorisch dem Ortsteil Wandsbek der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg zugeordnet.
Im Bereich der Festwiese an der Ecke Hummelsbütteler Hauptstraße und Poppenbütteler Weg ist der Bau einer Feuer- und Rettungswache der Hamburger Berufsfeuerwehr geplant.
Kultur und Sehenswürdigkeiten In der Großsiedlung Lentersweg hat sich die IGL Interessengemeinschaft um den Lentersweg e. V. nach dem Entstehen der Siedlung gebildet. Die Aufgabe ist die Förderung der Stadtteilkultur und die Jugendarbeit.Interessengemeinschaft Lentersweg e. V. Nach anfänglichen Problemen hat die IGL seit 2010 ein eigenes Haus an der Flughafenstraße.
Am südöstlichen Rand der Großsiedlung Tegelsbarg liegt ein Haus der Jugend. 2024 erfolgte für 1,7 Mio. eine ErweiterungMaja Mijatovic, Eine Bühne für die Nachbarschaft: Jugend und Stadtteilhaus in Hummelsbüttel, in: "Architektur in Hamburg: Jahrbuch 2025/26, Hamburg, 2025, ISBN 978-3-96060-599-7, S. 98+99.
Auf einem über 8 ha großen Areal am Rande der Hummelsbüttler Feldmark unterhält der gemeinnützige HSN e. V.HSN e. V. (Hamburger Sport und Naturismus e. V.) (Hamburger Sport und Naturismus e. V.) ein naturbelassenes Gelände, auf dem man sich vom Alltagsstress erholen und vielseitigen Sport treiben kann. Vereins- und Verbandsmitgliedern (DFK und INF) stehen 2 Badeseen, Sport- und Spielplätze, Liegewiesen, ca. 80 Stellplätze für Wohnwagen, ein Vereinshaus, Sanitäranlagen (eine für Behinderte), Sauna und Jugendhütte zur Verfügung. Auch Nichtmitglieder können einen Tagesaufenthalt auf dem Gelände genießen oder eine Schnuppermitgliedschaft für 3 Monate nutzen.
Natur mini|Ausblick vom Müllberg auf die Hamburger Skyline Ein Großteil der Fläche Hummelsbüttels ist unter Schutz gestellt. Zu diesen Schutzgebieten gehören: Das Naturdenkmal Sievertsche Tongrube: In der ehemaligen Tongrube in Hummelsbüttel sind marine und limnische Ablagerungen der Holstein-Warmzeit erhalten geblieben. Die Naturschutzgebiete Raakmoor und Hummelsbüttler Moore: Beide sind über das Landschaftsschutzgebiet verbunden mit dem NSG Wittmoor im benachbarten Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt. mini|Müllberg und Hummelsee