mini|Holzschnitt, Ludwig Richter mini|Holzschnitt, Ludwig Richter Das Nußzweiglein ist ein Märchen (AaTh 425). Es steht in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch an Stelle 16 (1845 Nr. 18).
Inhalt Ein Kaufmann verreist und fragt seine Töchter, was er ihnen mitbringen soll. Die erste will eine Perlenkette, die zweite einen Diamantring, die Jüngste ein Nußzweiglein. Grade das sucht er lang vergebens. Als er doch im Wald einen Zweig mit goldenen Nüssen abbricht, kommt ein Bär und verschont ihn nur für das, was ihm daheim zuerst entgegenlaufe. Der Mann denkt an seinen Pudel, doch dann ist es die jüngste Tochter. Sie will das Versprechen auch erfüllen. Die Mutter rät, den Bären zu betrügen. Als er kommt, erhält er die Hirtin, merkt es aber und fordert seine Braut. Sie muss ihm in seine Höhle folgen, durch elf Zimmer voll grausigem Getier. Beim zwölften ist der Bär erlöst und ein schöner Fürst mit Schloss und Dienern.
Herkunft Bechstein gibt mündliche Überlieferung an und vergleicht Grimms Das singende springende Löweneckerchen. Nach seinem Vorwort von 1845 erzählte das Märchen Wilhelmine Mylius.Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 384. Wie Bechsteins Vergleich ausweist, handelt es sich um eine Variante des Märchentyps, den man auch von Die Schöne und das Biest kennt, vgl. Bechsteins Besenstielchen, Der weiße Wolf, Aschenpüster mit der Wünschelgerte. Der Zweig stößt an den Hut, wie in Grimms Aschenputtel. Dass der Bär nicht Schinken noch Würste statt der Frau akzeptiert, klingt wie Der Froschkönig. Das Unterschieben der Hirtin ähnelt Der Eisenofen.
Eine rumäniendeutsche Version des Märchens findet sich in dem Werk Sagen und Märchen aus dem Banater Bergen (Bukarest 1956, S. 104) von Alexander Tietz. Diese wurde 1944 in Reschitz aufgezeichnet und trägt den Titel Die Verwunschenen. Auch ist das Märchen bei den Deutschen in Ungarn bekannt.Elfriede Moser-Rath (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Deutsche Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1966, S. 209–212, 324. Eine lothringische Version erhielt im Deutschen den Titel Das verwunschene Schloß.Angelika Merkelbach-Pinck (Samm. und Aufz.): Die Märchen der Weltliteratur – Lothringer Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 129–132, 321.
Das Märchen mag Christian Handel inspiriert haben, wenn in seinem Fantasy-Roman Feenfluch zuletzt eine Probe mit einer Höhle voll Getier und ein Nusszweiglein vorkommt.Christian Handel: Feenfluch. Piper, München 2025, ISBN 978-3-492-70780-0, S. 360–369.
Literatur Bechstein Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 109–114, 384. Varianten Angelika Merkelbach-Pinck (Samm. und Aufz.): Die Märchen der Weltliteratur – Lothringer Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 129–132, 321. Elfriede Moser-Rath (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Deutsche Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1966, S. 209–212, 324.
Weblinks Märchen.com: Das Nußzweiglein, 1847 hekaya.de: Das Nusszweiglein Analyse zum Text Das Nußzweiglein gelesen (9:35) (LibriVox)
Einzelnachweise
Kategorie:ATU 425 Kategorie:Bechsteins Märchen Kategorie:Märchen Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literarisches Werk