mini|Wappen der Herren von Blumberg (Blumenberg) in der Zürcher Wappenrolle mini|Burg Blumberg (Zeichnung auf der Infotafel auf dem ehemaligen Burggelände)
Die Herren von Blumberg (auch Blumenberg) waren ursprünglich Dienstmannen (Ministeriale) der Zähringer und bauten – vermutlich in deren Auftrag – die Burg, nach der (bzw. nach einem Berg im Umfeld) sie sich dann benannten. Da die Zähringer 1218 ausstarben, erlangten sie eine relative Unabhängigkeit und konnten im Interregnum als Parteigänger des anfolgenden Königs Rudolf von Habsburg die Stadt Hüfingen zu ihrem Zentrum machen. Die Familie der Blumberger verzweigte sich im 14. Jahrhundert auf zahlreiche Burgen im Umfeld. Nach dem Verlust Hüfingens 1383 durch eine ungünstig verlaufende Erbschaftsregelung, zogen sie sich wieder auf ihre Stammburg Blumberg zurück. Mitte des 15. Jahrhunderts starben sie in der Hauptlinie aus, der Zweig der Blumegger überlebte sie noch einige Zeit.
Ministeriale der Zähringer mini|x220px|Grün: Das Territorium der Zähringer um 1200
Die Herkunft der Blumberger, die schon eine längere familiäre Vorgeschichte besessen haben werden, lässt sich nur über Dokumente im Freiburger Urkundenbuch (FUB)FUB = Freib. UB = Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau, hrsg. v. H. Schreiber. Freiburg i/B., 4 Theile in 2 Bänden, 1827–1828. bestimmen. Eduard Heyck ermittelte zwei Nennungen. Feststellbar ist dort: Der Ort Blumberg existierte neben den heute zugehörigen OrtschaftenIm Verzeichnis der Orte bei Heyck sind ebenfalls eingetragen: „Aachdorf, BA. Bonndorf. s. Ministerialen von Aachdorf“ (508), Hondingen (514), Opferdingen (517). bereits beim Ableben des letzten Zähringers, Berthold V. im Jahr 1218; es handelte sich um eine Burg und deren Besitzer waren Ministeriale vermutlich der Zähringer, gegebenenfalls vorübergehend auch im Besitz der Grafen von Urach.Eduard Heyck: Geschichte der Herzoge von Zähringen. J. C. B. Mohr, Freiburg im Breisgau 1891–1892 (Neudruck Aalen 1980), S. 487/507 und 489/509 (Seiten im Werk/im Digitalisat): Digitalisat S. 509.
Die Einschränkung Heycks, dass der Ort auch „anders als aus der zähringischen Herrschaft erworben“ sein könnte, ändert nichts an der Tatsache der Namensnennung Blumberg. Möglicherweise stand die Burg nach dem Ende der Zähringer, von dem die Uracher profitierten, auch unter deren Herrschaft, doch verloren diese mit dem Ende der Staufer um 1250 ihre Positionen und endeten „um 1261“ mit dem Tod Bertholds des Jüngeren.
In diesem Zeitraum treten erstmals in zwei Urkunden (1260) zwei namentlich benannte „Blumberger“ auf: Neben Bruder Hans von Blumberg (vermutlich ein Klosterangehöriger) dann Johannes von Blumberg („Iohannes de Blobinberch“), der in der Folge noch in zahlreichen weiteren Urkunden erwähnt ist.
Gewinn der Adelsherrschaft Der Bau der Burg Die Burg Blumberg „entstand auf dem Hügel, der sich unmittelbar über dem Wutachtal am südwestlichen Ausgang des Hochtals erhebt. […] Gegen Südwesten war die Anhöhe durch die steilen Abhänge des Wutachtals geschützt. Vom Norden und Osten her sperrte das moorige, später durch Weiheranlagen gesperrte Hochtal den ungehinderten Zutritt abseits einer leicht bewachbaren Straße. Die Funktion der Burg ging von Anfang an über diejenige einer reinen Ortsburg hinaus. Sie sollte offensichtlich den wichtigen Straßenzug Schaffhausen-Hüfingen decken und reiht sich damit in das Befestigungssystem ein, das die Herzöge von Zähringen begonnen und die Fürstenberger mit ihren Vasallen erweiterten.“
Selbstverständlich war, dass zu einer mittelalterlichen Burg ein Hof gehörte, der als wirtschaftliche Ergänzung „in Friedens- und Kriegszeiten die Ernährung sicherte. […] Aus diesem Bau- und Burghof ging das Dorf Blumberg hervor.“Zitate: Karl Siegfried Bader: Burg, Dorf, Stadt und Herrschaft Blumberg. Hrsg.: Stadt Blumberg, o. D., vermutlich 1950, ‚zur Wiedererlangung des Stadtrechtes‘, S. 7 ff.
Da im Mittelalter des beginnenden Burgenbaus eine Familie nicht ihren Namen der Burg gab, sondern sich nach dem Ort der Burg benannte, kann davon ausgegangen werden, das die Anhöhe (oder der nah gelegene Berg) zuvor im Volksmund Blumberg (Blumenberg) genannt wurde, und sich die Burgbauer somit als „Herren von Blumberg“ bezeichneten.,Festlegung des Vorgangs der Benennung bei H. Maurer: „Die Erbauer nannten nicht die Burg nach ihrem Namen, sondern sich nach dem der Burg gegebenen Namen.“ (Helmut Maurer: Die Rolle der Burg in der hochmittelalterlichen Verfassungsgeschichte der Landschaften zwischen Bodensee und Schwarzwald. Sonderdruck aus Die Burgen im deutschen Sprachraum. (Hrsg.: Hans Patze) in: Vorträge und Forschungen XIX, 1976.) andere Erklärungen in der Literatur wären ungewöhnlich und erscheinen auch nicht plausibel.
Hintergrund Vorausgegangen war dem Interregnum (1250–1273) ein beispielloser Konflikt zwischen Papst und Kaiser, der auch im Reich zu einer Vielzahl von Frontbildungen zwischen den Staufern unter Friedrich II. und der Kirche führte. Mit dem Tod des Kaisers 1250 kam es zu Machtkämpfen aller gegen alle – Bischöfe, Fürsten und auch das Bürgertum der noch neu entstandenen Städte versuchten, Territorien und Einflussbereiche zu vergrößern. Der niedere Adel stand den Großen in nichts nach, nur waren seine Methoden weniger subtil, das Raubrittertum entstand. Das Interregnum kann aber auch als eine Übergangsphase betrachtet werden: Die alte Ordnung zerbrach und schuf eine Entwicklung, in der die Landesfürsten zu den neuen Trägern der staatlichen Ordnung aufstiegen, und auch die Städte emanzipierten sich durch das an Reichtum gewinnende Bürgertum und traten somit selbstbewusster gegenüber den Fürsten auf. Zahlreiche Bünde entstanden und schließlich einigten sich geistliche Kurfürsten, Herzöge und Grafen auf die Wahl und Anerkennung eines neuen Königs: Graf Rudolf IV. von Habsburg.
Urkunden von 1260 In einer auf März 1260 datierten Urkunde wird als erster „brůder Hans von Blůmberg“ als Zeuge in einer „Urkunde des Ritters Volker von Kemnat und dessen Sohn Marquard“ genannt, die „im Kloster Paradies“ (bei Konstanz) ausgestellt wurde.WUB 5 [Wirtembergisches Urkundenbuch], Nr. 1578; ThurgUB 3 [Urkundenbuch Thurgau], Nr. 421. Zitat und Quelle bei Bechthold, 25 ff. „brůder“ kann ihn als Mitglied einer Ordensgemeinschaft bezeichnen. Beim Kloster Paradies handelte es sich um ein Frauenkloster der Klarissen.
Johannes von Blumberg Nach Hans von Blumberg wird noch im selben Jahr, im Juli 1260, ein „Iohannes de Blobinberch“ urkundlich genannt und dabei als „milites“ bezeichnet.Der aus dem Römischen stammende Begriff milites ging von miles = Soldat aus und meinte in der Spätantike auch zivile Verwaltungsbeamte. Daraus entwickelte ich im Mittelalter: „Minsteriale“. Ab dem 12. Jahrhundert bildete sich aus Teilen dieser ursprünglich unfreien Schicht von ‚Dienstmannen‘ der Stand des niederen oder ‚ritterbürtigen‘ Adels heraus – außer der Fähigkeit, höfische Aufgaben zu bewältigen mussten sie ‚waffenfähig‘ und über eigenen Besitz ökonomisch abgesichert sein. Somit als Ritter dienende Ministeriale waren zunächst auch ‚Burgmannen‘ auf den Burgen ihrer Herren gewesen, sie bauten sich seit dem 12. Jahrhundert als Mitglieder zu Wohlstand gekommener ritterlich lebender Familien auch eigene befestigte Häuser bzw. kleine Burgen (Ministerialenburgen). Dazu bedurften sie der landesherrlichen Genehmigung. Die Ministerialenburgen lagen nicht unbedingt in Nähe von bäuerlichen Siedlungen und Dörfern. Ihre Lage war dabei in erster Linie von der jeweiligen topographischen Situation abhängig und sicherte oft das Territorium ihrer Herren, denen sie ihre Burgen auf Anfrage zu „öffnen“ hatten.
Mit Johannes von Blumberg tritt nicht nur der Name des Ortes, sondern zugleich die Stellung des nun binnen wenigen Jahren zwölfmal in Urkunden benannten Ritters (miles) auf – in einem Dokument 1264 wird er zudem als nobilis vir … dominus Johannes de Blůmenberch bezeichnet, der hier somit unter „den ‚adligen Männern‘ aufgeführt wird. […] Man (kann) annehmen, daß der Blumberger zumindest dem sogenannten Niederadel zuzurechnen ist.“ Der Besitz einer Burg war dabei verpflichtend. Als Ritter wird er generell benannt, zumeist in den Urkunden an vorderster Stelle. Und es lässt sich über die Urkunden „das Personenfeld beschreiben, in dem sich der Blumberger bewegte: Es sind Graf Heinrich I. von Fürstenberg, die Grafen von Freiburg, die Herren von Klingen, Konstanzer Kleriker, Heinrich von Krenkingen, der Abt Albrecht von Reichenau, die Herren von Tengen und vor allem an erster Stelle Graf Rudolf von Habsburg.“
Johannes war dabei nicht nur in Eigentumsübertragungen einbezogen, die immer auch politische Entscheidungen bedeuteten – es ist dokumentiert, „daß er zusammen mit Rudolf von Habsburg und den Freiburger Grafen Fehden bzw. Kriege bestritt, demnach also mit einer eigenen Gefolgschaft, Rüstung, Pferden etc. ausgestattet war. Ebenso kann man davon ausgehen, daß er eine Familie besaß.“
Bei einer Beurkundung am 14. August 1272 war Johannes von Blumberg nicht anwesend, sondern – vermutlich stellvertretend – sein Sohn Johannesin von Blůminberc den jungen.Zitate im Abschnitt: A. Bechthold: Mittelalter. 1995, S. 30 ff. Die Urkunde mit Sohn in: FUBH 1, Nr. 259.
Ende des Interregnums Es erscheint nicht als Zufall, dass die Herren von Blumberg ab 1273 zunehmend hochrangiger vertreten sind – so wird am 20. Februar ein Conrad von Blumberg (domini C. de Blůmmberg, canonici in Constantienis) als Domherr in Konstanz genannt. In der „kaiserlosen Zeit“ von 1250 bis 1273 konnten Kreise oder Bünde von Adligen infolge der fehlenden Zentralgewalt auf eigene Faust und oft gewalttätig ihre Territorien und Machtbereiche erweitern. Das gelang mit Sicherheit auch den Blumbergern, denn Johannes zählte zum engeren Kreis von Rudolf von Habsburg, der am 1. Oktober 1273 zum neuen deutschen König gewählt wurde. Von der damit verbundenen Machtfülle profitierten auch die Herren von Blumberg – am 9. April 1274 (bestätigt) König Rudolf dem Edelherren Johannes von Blumberg, einem seiner ausgesuchten Getreuen, den Montagsmarkt, den er zu Hüfingen gewohnt ist, abzuhalten. Diese Rechtsverleihung bedeutet, dass Hüfingen „zum Zentrum der Herrschaft“ der Blumberger wird.
1275 in Eintragungen der „Liber decimationis“ wird Johannes von Blumberg „als ‚senior‘ bezeichnet und es wird deutlich, daß er in Blumenfeld, Blumberg, Mundelfingen, Riedböhringen, Watterdingen und Deißlingen Patronatsherr ist.“In dieser Urkunde wird Johannes von Blumberg auch als Pfarrer von Tuselingen (Deislingen bei Rottweil) und von Blumenfeld erwähnt, doch gibt es weiterhin keinen Nachweis einer Kapelle oder Kirche zu diesem Zeitpunkt in Blumberg. (Richard Gertis: Kirchengeschichte. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 276).
Eine weitere Urkunde vom 24. Juli 1280 „wurde in Blumberg ausgestellt. Acta sunt hec aput in Bluomenberg … Auch wenn in ihr kein Blumberger genannt wird, oder sie gar Blumberger Belange betrifft, hören wir hier urkundlich zum ersten Mal von dem Ort Blumberg – wahrscheinlich der Burg.“Zitate im Abschnitt: Bechthold: Mittelalter. S. 35 f. Quellen dort angegeben.
Ausbau der Burg In einer skizzenartigen Darstellung von 1620 aus der „Landtafel der Baar“ und konkreter auf einem Ölgemälde von Martin Meinrad aus dem Jahr 1688Das Gemälde befindet sich in fürstlich-fürstenbergischem Besitz (und) ist die einzige historische Darstellung für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert. Das Original befindet sich in Schloß Heiligenberg. (Bechthold, S. 81). ist die ehemalige klar abgegrenzte Lage von Burg, Stadt und Dorf wiedergegeben.
mini|Die Burg und die sich aus der Vorburg entwickelnde mittelalterliche Stadt Blumberg
Ursprünglich befand sich vor der Burg nur ein Wirtschafts- oder Bauhof, an die dann Bewohnungen für Handwerker und schließlich eine Mühle angegliedert waren. Allmählich erfolgte ein Ausbau bis hin zur bewehrten Stadtanlage.
Familie (Geschlecht) der Herren von Blumberg