Brühl ist ein altes Wort für Wiesen, Wald oder Feuchtgebiete in Toponymen.
Vermutlich handelt es sich ursprünglich um eine frühmittelalterliche Wirtschaftsform.
Wortherkunft und Bedeutung Das Wort entstammt dem galloromanischen , auch oder , respektive , in einer Grundbedeutung ‚[abgegrenztes] Stück Land‘, insbesondere Wiesen oder Wald.Albert L. Lloyd, Otto Springer, Rosemarie Lühr, Karen K. Purdy: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen, Band 2, Vandenhoeck & Ruprecht, 1988, brüel, S. 368 ff. ().Brüel. In: Schweizerisches Idiotikon, 1881 ff., V 594 (online ortsnamen.ch).Brühl. In: Deutsches Rechtswörterbuch (drw-www.adw.uni-heidelberg.de). Es leitet sich vermutlich von einem keltischen ‚Territorium, Gebiet, Grenze, Grenzland‘ (, , kornisch, bretonisch ) ab. Eine mögliche indogermanische Wurzel dürfte es sich mit Mark teilen. Das Wort hat sich auch in die romanischen Sprachen verbreitet ( ‚Baum-, Küchengarten, Park‘, ‚eingezäuntes Gebüsch, Wald‘).Vergl. W. F. H. Rabwald: Zu einem Aufsatze …, einige Wörter im Capitulare de villes betreffend. In: Allgemeiner litterarischer Anzeiger CLXXI, 29. Oktober 1798, Brogilum, S. 1763 f. (ganzer Artikel S. 1761–1764; ).
Der Ausdruck wurde vermutlich von den Franken übernommen, in frühen lateinischen Texten findet er sich wie ein Fremdwort oder als Volksmund explizit umschrieben (so im Capitulare de villes Karls d. Gr., um 800: ‚unsere Orte, die das Volk Brühle nennt‘). Auf Viktor Ernst geht die Lehrmeinung zurück, dass es sich ursprünglich um die Parzellen einer der Zelgen- und Dreifelderwirtschaft vorausgehenden Wirtschaftsordnung handelt.
Bezeichnet sind im Mittelalter typischerweise eingehegte oder umzäunte Weiden, Forste, Gärten und ähnliches. Das Wort erscheint insbesondere in Rechtstexten und ist durchweg mit herrschaftlichem Besitz und mit Privilegien verbunden, wie Flurzwang, Zehentfreiheit oder genossenschaftlichem Weiderecht. Es findet sich häufig verbunden mit Herrengütern, Meierhöfen, Fronhöfen, adligem Hausgut, Klosterbesitz oder Stiftungen, oder für Grundstücke in der Nähe von Dörfern. Eine Nebenbedeutung dürfte bis hin zum Gatter für Jagdwild, also Tiergehege (Tiergarten), gehen.
Eine sekundäre Bedeutung ist aber ‚feuchtes Land‘ in diversen Ausprägungen, von ‚nasse Wiese‘ über ‚Aue‘, verbuschtes Feuchtgebiet,Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (6. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, 2011, S. 59, Sp. 2; ). oder ‚Sumpf‘ (so bei Hans Sachs, nach Adelung) bis hin zu ‚Quelltümpel‘ (Tirol),Josef Schatz: Wörterbuch der Tiroler Mundarten, S. 133; Angabe nach op. cit. Lloyd et al.: Etymologisches Wörterbuch 1988, S. 270, letzter Absatz des Eintrags; dort auch weitere dialektale Fundstellen. und findet sich so auch veraltet .Jan De Vries: Nederlands Etymologisch Woordenboek (Neuauflage Verlag Brill, 1987, S. 86; ).Heinrich Dittmaier: Brühl, Bruch, Bracht. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. 84. Bd., Heft 2 (1952), S. 174–178 (online JSTOR). Der Zusammenhang ist unklar und Gegenstand langer sprachwissenschaftlicher Diskussion, er führt vielleicht über Formen der Bewässerung, oder umgekehrt Urbarmachung durch Entwässerung, für die Areale reserviert wurden.Ein Zusammenhang mit Priel ‚Wasserlauf [im Watt]‘ ist möglich, da sich auch Brühl in der heutigen Form Priel findet; vergl. hierzu Bedeutungen der Ortsnamen im Lavanttal. lovntol.at; Eintrag Priel.
Das Wort als solches ist im deutschen Sprachschatz im Laufe der früheren Neuzeit ausgestorben, es findet sich mundartlich noch bis in das 19. Jahrhundert. Erhalten ist es aber – über ganz West- und Zentraleuropa verbreitet und im ganzen Bedeutungsfeld – in Flur- und Siedlungsnamen.
Einzelnachweise
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