mini|Franzburg in der Stralsunder Bilderhandschrift 1615 mini|Franzburg auf der Lubinschen Karte von 1618
Franzburg ist eine Landstadt im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Franzburg-Richtenberg, zu dem außer der Stadt Richtenberg acht weitere Gemeinden gehören. Franzburg und Richtenberg bilden für ihre Umgebung ein Grundzentrum. – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Geografie Franzburg, die bevölkerungsmäßig zweitkleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, liegt etwa in der Mitte zwischen den Städten Stralsund, Barth und Grimmen am Flüsschen Blinde Trebel, die über Trebel und Peene zur Ostsee entwässert. Das flachwellige, waldreiche Gebiet weist nur wenige Höhenunterschiede auf (bis 38 m ü. NHN). Die Stadt ist etwa 22 Kilometer vom Strelasund entfernt. Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Stadt Richtenberg, Wittenhagen, Gremersdorf-Buchholz und Millienhagen-Oebelitz. Zwischen Franzburg und Richtenberg entstand seit 2006 durch Aufstauung der Richtenberger See.
Umgeben wird Franzburg von den Nachbargemeinden Richtenberg im Norden, Wittenhagen im Osten, Gremersdorf-Buchholz im Süden sowie Millienhagen-Oebelitz im Westen. Zudem gibt es mitten im Stadtgebiet von Franzburg eine Enklave der Gemeinde Millienhagen-Oebelitz.
Zu Franzburg gehören die Ortsteile Gersdin, Müggenhall und Neubauhof. (PDF)
Geschichte Name Erstmals wurde das Schloss Frantz(en)burgh 1587 erwähnt, benannt nach dem Schwiegervater des Herzogs Bogislaw XIII. von Pommern, Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg. 1591 wurde daraus Franzburg. Zuvor trug der Ort seit 1231 den Namen des Klosters Rosetum sanctae Mariae und ab 1233 Novum Campum, niederdeutsch Nyencampe, nach dem niederrheinischen Ort Kampe bei Geldern.Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.
Ältere Geschichte 1231 hatte der Rügenfürst Wizlaw I. dem Zisterzienserkloster Altenkamp am Niederrhein (heute Stadt Kamp-Lintfort) den Bau eines Tochterklosters gestattet, das bald den Namen Neuenkamp führte. 1233 bezog der Konvent den Rosengarten der Heiligen Maria an der Blinden Trebel. Um dieses entstand langsam eine kleine Siedlung. Das Kloster erwarb umfangreichen Grundbesitz in Pommern, Rügen und auch in Mecklenburg. Der Kampische Hof in Stralsund war damals ein Wirtschaftsstandort des Klosters, und 1296 wurde auf Hiddensee ein Tochterkloster gegründet. Um 1300 entstand eine Klosterkirche, eine 25 Meter breite und 90 Meter lange große gotische Hallenkirche, von der nach einem Abriss im 16. Jahrhundert heute nur noch der südliche Querflügel als Pfarrkirche besteht. Die Äbte des Klosters bezeichnete Kaiser Karl V. als die obersten Prälaten in Pommern. Der letzte Abt, Johann Molner, klagte gegen die Aufhebung seines Klosters vor dem Reichskammergericht in Speyer und starb dort 1540 im Exil.
Nach der Reformation und der 1535 erfolgten Säkularisation des Klosters richtete in den erhaltenen Gebäuden Herzog Philipp I. von Wolgast für sich und seine Gemahlin Maria von Sachsen eine Nebenresidenz ein. Von 1569 bis 1575 residierte hier Bogislaw XIII. mit seiner Gattin Clara von Braunschweig-Lüneburg [d. J.] bis zur Fertigstellung des Renaissanceschlosses in Barth. In die daraufhin freien Gebäude zog die Schwiegermutter Bogislaws, Clara von Braunschweig-Lüneburg [d. Ä.] (Klara von Sachsen-Lauenburg) ein und lebte dort bis zu ihrem baldigen Tod am 27. März 1576.Jürgen Hamel: Herzog Bogislaw XIII. von Pommern. Porträt eines bedeutenden Renaissanceherzogs (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Barth, Band 6). AVA-Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2024, ISBN 3-946281-20-6. Im Jahre 1580 begann Herzog Bogislaw XIII. mit dem Bau eines vierflügeligen Schlosses und benannte Neuenkamp in Franzburg um, nach seinem Schwiegervater Franz (Braunschweig-Lüneburg). Das nach Stettin und Wolgast drittgrößte Schloss Pommerns umschloss einen Innenhof von 40 × 50 Metern. Daneben entstand eine Siedlung der Handwerker, vor allem der Tuchmacher. 1587 erhielt Franzburg das Stadtrecht. Die Tuchmacherei, die von Bogislaw XIII. eingerichtet worden war, gedieh jedoch nicht gut.Hans Branig: Geschichte Pommerns. Teil I: Vom Werden des neuzeitlichen Staates bis zum Verlust der staatlichen Selbstständigkeit 1300–1648. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 1997, ISBN 3-412-07189-7, S. 153. Um 1600 lebten in Franzburg circa 600 Einwohner, Ansiedler aus Holland, Mittel- und Westdeutschland. Nachdem 1605 die Regierungsgeschäfte nach Stettin verlagert wurden, verlor Franzburg zunehmend an Bedeutung. Die Handwerker und Künstler, vor allem die zahlreichen Wollweber, verließen den Ort.
Das Ende des pommerschen Herzogshauses ist mit dem Namen Franzburg verbunden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1627 in Franzburg die Weisung Wallensteins übergeben, das Gebiet für den Einmarsch der Truppen zu öffnen, die unter dem Befehl von Arnims standen. Herzog Bogislaw XIV. unterschrieb schließlich die Franzburger Kapitulation, da er den zehn wallensteinischen Regimentern nichts Nennenswertes entgegenzusetzen hatte. 1628 wurde Franzburg durch Wallensteins Truppen geplündert und verwüstet. Das Gebiet wurde von Gustav Adolf 1631 zurückerobert – Franzburg blieb für fast 200 Jahre schwedisch. Das zerstörte Schloss wurde 1660 auf Weisung Peter Appelmanns, des schwedischen Gouverneurs der Tafelgüter der Königin Christina, abgerissen und die Steine für den Bau des Wrangelschen Palais in Stralsund verwendet. Die Stadt zerfiel, und 1670 lebten hier nur noch 70 Menschen. Der Stadtgrundriss mit seinen eigenartigen, dreieckigen kleinen Plätzen und die markante Kirche mit Strebepfeilern sind sichtbare Zeugen einer größeren Vergangenheit. 1876 wurden die letzten Reste des Schlosses abgetragen.
Neuere Geschichte mini|Stadtplan von Franzburg von 1761 In Schwedisch-Pommern wurde Franzburg 1721 Sitz der Distrikthauptmannschaft für den Bereich zwischen Barth, Tribsees und Grimmen. Es erfolgte danach eine Wiederbesiedlung und wirtschaftliche Erholung. Die Stadtbrände von 1736 und 1758 verzögerten aber den Aufbau. Im 18. Jahrhundert entstand dann für den Amtshauptmann das königlich-schwedische Amtsgebäude (heute: Rathaus und Amt). Das Städtchen hatte 1783, so erweist es das Geographisch statistisch-topographische Lexikon von Obersachsen und der Ober- und Nieder-Lausiz von 1802, genau 451 Einwohner.Philipp Ludwig Hermann Röder: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Obersachsen und der Ober- und Nieder-Lausiz, Bd. 3, Stettinische Buchhandlung, Ulm 1802, S. 304. Um diese Zeit war der Franzburger mit dem Richtenberger See „vermittelst des faulen Sees und der Trebel verbunden“.
Nach dem Übergang Neuvorpommerns und Rügens an Preußen (1815) wurde Franzburg Sitz des Landrates und des Amtsgerichts für den 1818 gebildeten Kreis Franzburg. Ein Aufschwung begann. 1839 wurde mit der Bebauung des Schlossberges und der Schlossstraße begonnen. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich annähernd. So gibt das Neuestes Comtoir-, Post- und Zeitungs-Lexikon „gegen 1000 Ew.“ an.Carl Riedheim: Neuestes Comtoir-, Post- und Zeitungs-Lexikon: enthaltend in alphabetischer Ordnung die geographisch-statistische Beschreibung aller Erdtheile, Länder, Provinzen, Städte, der bedeutendsten Marktflecken, Dörfer, Bäder, Bergwerke, Meere, Seen, Flüsse, Inseln, Gebirge mit möglichst ausführlicher Angabe ihrer Lage, Producte, historischen und geographischen Merkwürdigkeiten, der Fabrikate und des Handels, der Anzahl ihrer Bewohner etc., Drechsler, Heilbronn 1848, S. 113. 1853 wurde das Lehrerseminar von Greifswald nach Franzburg verlegt, erhielt 1875 einen Neubau (Lehrerseminar (Franzburg)) und verblieb hier bis 1926, ergänzt durch die Präparandenanstalt (1907). 1900 erhielt der Ort einen Kleinbahnanschluss, der 1901 bis Tribsees verlängert wurde. In der Gründerzeit entstanden Ziegeleien, Nahrungsbetriebe, eine Molkerei und eine Möbelfabrik. 1925 wurde die Kreisverwaltung nach Barth verlegt. In die Gebäude des Lehrerseminars zog 1948 die Fichte-Oberschule ein, im Jahre 1954 die Fachschule für Unterstufenlehrer, Erzieher und Kindergärtnerinnen. Nachdem diese Einrichtung 1990 geschlossen worden war, fand hier das Johannes-Bugenhagen-Gymnasium seine Heimstatt, das jedoch 2008 ebenfalls geschlossen wurde. Das imposante, stadtbildbeherrschende, denkmalgeschützte Gebäude steht seitdem leer.
Das Stadtgebiet war bis 1952 Teil des Landkreises Franzburg-Barth (ab 1945: Landkreis Stralsund) und war dann von 1952 bis 1994 eine von drei Städten im Kreis Stralsund-Land (bis 1990 im DDR-Bezirkes Rostock, dann im Land Mecklenburg-Vorpommern). Von 1994 bis zur Kreisgebietsreform 2011 lag Franzburg im Landkreis Nordvorpommern, seitdem im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Neubauhof eingegliedert.
Innenstadt und Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.
Als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Autobahn A 20 wurde der seit 1920 langsam verlandende und vom Reichsarbeitsdienst 1936 bis 1938 trockengelegte See wiederhergestellt und der seit 1970 trockengefallene Richtenberger See von 2004 bis 2007 renaturiert. Das Gebiet war bereits seit 1920 laut Messtischblatt als Vogelschutzgebiet ausgewiesen und nimmt seit der Renaturierung und Flutung diese Funktion wieder wahr. Der 128 ha große See zwischen Franzburg und Richtenberg wurde damit auch wieder zur Naherholung nutzbar.
2008 wurde das Franzburger Gymnasium (Johannes-Bugenhagen-Gymnasium) geschlossen.
Geschichte der Ortsteile
Müggenhall: 1242 erwarb das Kloster Neuenkamp das Dorf Müggenhall vom Ritter Iwan. Hier verblieb es bis zur Säkularisation. Die Domäne Müggenhall bestand bis 1945. Am Ausfluss des Richtenberger Sees befand sich in Müggenhall eine Wassermühle. Als der See langsam verlandete, musste die Mühle aufgegeben werden und wurde dann in eine Gast- und Raststätte umgewandelt. Zum Schluss war es eine Tankstelle. Um 1990 brannte sie total aus und ist derzeit eine Ruine.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1600 600 1670 70 1780 310 1800 500 1850 1.400 Jahr Einwohner 1990 2.294 1995 2.088 2000 1.903 2005 1.729 2010 1.446 2015 1.462 Jahr Einwohner 2020 1.364 2021 1.367 2022 1.258 2023 1.244 2024 1.272
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Franzburg besteht aus 10 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 93,1 % 9 77,7 % 8 Einzelbewerber René Pittelkow – – 10,4 % 1 LfK – – 8,0 % 1 SPD 3,7 % 1 4,0 % – Einzelbewerber Manfred Held 3,1 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 1994–2009: Johannes Rudolph (CDU) 2009–2014: Mathias Blümel (SPD) In: Ostsee-Zeitung, 4. Februar 2014. seit 2014: Dieter Holder (CDU)
Holder wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 91,9 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Am 9. Juni 2024 wurde er ohne Gegenkandidat mit 65,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen Das Wappen wurde unter der Nr. 45 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.