Rybno () ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Landgemeinde Sorkwity im Powiat Mrągowski.

Geographische Lage Rybno liegt inmitten der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 16 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Mrągowo (Sensburg).

Geschichte Ortsgeschichte RibbenDietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Ribben wurde 1526 gegründet, als Georg von Mangmeister, Amtshauptmann in Seehesten (), 36 Hufen zu Ribben an vier Getreue verkaufte und mit dem Rest 1528 Engel Stach von Golzheim belehnte, der bis in das 19. Jahrhundert das Gut Ribben besaß. 1785 war Ribben „ein adlig Gut und Kirchdorf mit 27 Feuerstellen“Ribben (Landkreis Sensburg). Am 8. April 1874 wurde Ribben Amtsdorf und damit namensgebend für einen AmtsbezirkRolf Jehke, Amtsbezirk Ribben, der bis 1945 bestand und zum Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Ribben gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Ribben stimmten 200 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 115 Bis zum 30. September 1928 waren die Landgemeinde Ribben und der Gutsbezirk Ribben getrennte Verwaltungsbezirke, die dann aber zur neuen Landgemeinde Ribben zusammengelegt wurden.

Als 1945 in Kriegsfolge das gesamte südliche Ostpreußen an Polen fiel, war auch Ribben davon betroffen. Es erhielt die polnische Namensform „Rybno“ und wurde Sitz der Gmina Rybno. Diese wurde 1954 in Gromadas aufgeteilt. Seit 1973 ist Rybno ein Schulzenamt ( sołectwo) der Landgemeinde Sorkwity. Ihr Gebiet gehörte bis 1998 zur Woiwodschaft Olsztyn und seit 1999 zur Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Einwohnerzahlen Jahr Anzahl 1818 325 1839 165 1871 302 1885 323 1898 333 1905 285 1910 248 1933 499 1939 520 2011 461Wieś Rybno w liczbach

Amtsbezirk Ribben (1874–1945) Zum Amtsbezirk Ribben gehörten bei seiner Errichtung 1874 insgesamt 14 Orte. Aufgrund von Strukturveränderungen waren es am Ende noch fünf: Name Polnischer Name Bemerkungen Domp1938–1945 Kleinsteinfelde Dąb Groß Kamionken1929–1945 Groß Steinfelde Kamionka Wielka Groß Kamionken, Gut 1928 in die Landgemeinde Steinhof eingemeindet Klein Kamionken 1928 in die Landgemeinde Steinhof eingemeindet Klein Maradtken Maradki Małe 1928 in die Landgemeinde Koslau eingemeindet Koslau Kozłowo Koslau, Gut 1928 mit der Landgemeinde Koslau vereinigt Pierwoy Pierwój 1928 in die Landgemeinde Groß Kamionken eingemeindet Ribben Rybno Ribben, Gut 1928 in die Landgemeinde Ribben eingemeindet Rosoggen Rozogi Rosoggen, Gut 1928 in die Landgemeinde Rosoggen eingemeindet Roßgarten Kobylec 1928 in die Landgemeinde Koslau eingemeindet Steinhof Kamionka

Am 1. Januar 1945 bildeten noch die Orte Groß Steinfelde, Koslau, Ribben, Rosoggen und Steinhof den Amtsbezirk Ribben.

Gut Ribben mini|Das ehemalige Gutshaus Ribben in Rybno mini|Blick in den ehemaligen Gutspark Im Jahre 1905 war Armin von Tyszka, seines Zeichens Landrat in Lötzen (), der Eigentümer und Georg Falk der Verwalter des Gutes RibbenRybno - Ribben bei ostpreussen.net. Es umfasste damals 1.030 Hektar, davon 621 ha Ackerfläche, 166 ha Wiesen, 22 ha Weiden, 61 ha Holzungen, 10 ha Wege und Unwege sowie 150 ha Wasser. Zum Besitz gehörten 51 Pferde, 266 Stück Vieh, 90 Kühe und 99 Schweine.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem das Gut Ribben gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. Auf dem Gut Ribben stimmten 120 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 115

Das kompakte Herrenhaus wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm der Staat den Besitz und verpachtete die Ländereien – damals 865 Hektar. Letzter Pächter des Guts war Hans Blum. 2001 war es Eigentum der Agencja Własności Rolnej Skarbu Państwa (AWRSP – Staatliche Agentur für Landwirtschaftliche Immobilien).

Im Gutspark hat sich ein alter Baumbestand, vornehmlich Eichen, erhalten.

Kirche Kirchengebäude Evangelische Kirche Schon zur Zeit des Deutschen Ordens stand in Ribben eine Kirche. Sie musste 1841 geschlossen werdenWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 139, Abb. 672, und der Gottesdienst wurde 14 Jahre lang in einem Insthaus und in der Schule gehalten. Die neue Kirche konnte am 2. Dezember 1855 eingeweiht werden, zunächst ohne Turm mit einem seitlichen Glockenstuhl. Später nahm ein holzverschalter Dachturm die Glocken auf.

Dem Gebäude fehlte jahrelang die geeignete Bauunterhaltung. Die finanziellen Kosten wachsen der zuständigen Kirchengemeinde in Sorkwity (Sorquitten) über den Kopf. Es ist an eine Übergabe an die katholische Gemeinde gedacht worden.

Katholische Kirche St. Bonifatius mini|Katholische St.-Bonifatius-Kirche Rybno Aus dem Jahre 1928 stammt die Kapelle, die jetzt Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde in Ribben ist. Ein freistehender Glockenträger verwahrt das Geläut.

Kirchen-/Pfarrgemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit wurde die Kirche in Ribben gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 501. In der Dorfchronik wurde im Jahre 1483 ein Kirchenpatron erwähnt.

Evangelische Kirchengemeinde Kirchengeschichte Im 16. Jahrhundert hielt die Reformation Einzug in Ribben, und die Pfarrstelle wurde mit einem lutherischen Geistlichen besetzt. Die Pfarrei war anfangs der Inspektion Rastenburg () zugeordnetFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 121, später gehörte sie zum Kirchenkreis Sensburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Bei der Volkszählung 1925 registrierte die Pfarrei 2.500 Gemeindeglieder, die in mehr als 20 Kirchspielorten wohnten. Das Kirchenpatronat war aufgeteilt und wurde wahrgenommen von der Domäne Ribben (Domänenfiskus), den Rittergutsbesitzern von Rosoggen (polnisch Rozogi) und Gaynen (Gajne) sowie dem Hospital Bosemb (Boże).

Trotz Flucht und Vertreibung der meisten Einwohner Ribbens konnte sich in Rybno eine evangelische Gemeinde halten. Sie lebt unter zahlreichen neuzugezogenen polnischen Katholiken in der Diaspora und wird von der Pfarrei in Sorkwity versorgt. Diese ist Teil der Diözese Masuren in der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Ribben gehörten vor 1945 die Dörfer, Ortschaften und WohnplätzeDer * kennzeichnet einen Schulort:

Name Polnischer Name Name Polnischer Name *Borowen1938–1945: Prausken Borowe Maradtkenwalde Maradzki Chojniak *Borowerwald1938–1945: Prauskenwalde Borowski Las Maradtkenwolka Wola Maradzka *Gaynen Gajne Neusorge Karczewiec *Glognau Głogno Pillacken Piłaki Heinrichshöhe Tyszkowo Pillackermühle Piłak Klein Maradtken Maradki Małe *Ribben Rybno Klein Rosoggen Babięty *Rosoggen Rozogi *Koslau Kozłowo Roßgarten Kobylec Leschienen Lesiny Schönruttkowen1938–1945: Schönrauten Rutkowo *Maradtken Maradki Sophienthal

Nach 1945 wurde Rybno Filialkirche der Pfarrei Sorkwity.

Pfarrer (bis 1945) Bis 1945 war die evangelische Kirche in Ribben eine Pfarrkirche. Als Geistliche waren tätig: Valentin Brodovius, 1575 Friedrich Foray Christoph Fröhlich, 1661–1665 Johann Schröder, 1667–1700 Johann Schröder, 1701–1721 Tobias Knobbe, bis 1733 Friedrich Krüger, 1734–1737 Karl Wilhelm Halecius, 1740–1743 Johann Friedrich Fleischer, 1744–1757 Johann Eberhard Thomas, 1757–1772 Christoph Lisiewski, 1752–1813 Johann Friedrich Biehahn, 1814–1816 Karl Ludwig Floeß, 1823–1837 Johann Friedrich Brzoska, 1838–1858 Anton Emil Willamowski, bis 1870 August Friedrich Myckert, 1870–1882 Eduard Gustav Tomzig, 1883–1894 Hermann Adam Skowronnek, 1895 Karl Heinrich Will, 1895–1903 Max Will, 1903–1909 Otto Kowalzik, 1909–1927 Helmut Grämer, 1927–1928 Franz Kahnert, 1928–1932 Johannes Timm, 1934–1936 Willi Loebel, 1938–1945 Heute ist die Kirche Rybno eine Filialkirche. Die Geistlichen amtieren von Sorkwity aus.

Katholische Pfarrgemeinde Das Dorf Ribben wurde 1860 in die katholische Pfarrei Bischofsburg (polnisch Biskupiec) eingepfarrt. Hier verblieb es bis 1894, als Ribben in die neu geschaffene Pfarrei Kobulten (Kobułty) umgegliedert wurde. Damit gehörte es zum Dekanat Seeburg (Jeziorany), dann von 1939 bis 1945 zum Dekanat Bischofsburg im damaligen Bistum Ermland. Nach 1945 stieg in Rybno die Zahl der katholischen Kirchenglieder. Am 21. April 1990 wurde hier eine eigene Pfarrei errichtetPfarrei St. Bonifatius Rybno beim Erzbistum Ermland, die dem Bischof und Märtyrer Bonifatius (Św. Bonifacego Biskupa i Męczennika) gewidmet ist. Sie ist dem Dekanat Mrągowo II im jetzigen Erzbistum Ermland zugeordnet.

Verkehr Rybno liegt an der verkehrstechnisch bedeutenden Woiwodschaftsstraße 600, die die beiden Regionen Mrągowo (Sensburg) und Szczytno (Ortelsburg) miteinander verbindet. Außerdem verbinden zwei kleinere Nebenstraßen den Ort mit der Region. Ein Anschluss an den Schienenverkehr besteht nicht.

Persönlichkeiten Aus dem Ort gebürtig Armin von Tyszka (1864–1934), Verwaltungsbeamter, Landrat des Kreises Lötzen; geboren auf Gut Ribben Hellmuth Will (1900–1982), Verwaltungsjurist und von 1933 bis 1945 letzter Oberbürgermeister von Königsberg Willi Erdmann (1937–2026), Rechtswissenschaftler, Richter am Bundesgerichtshof.

Mit dem Ort verbunden Gotthard von Tyszka (1801–1877), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags, war von 1830 bis 1864 Gutsherr auf Ribben.

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Einzelnachweise

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