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Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee, auch als deutsche Südseeinseln bezeichnetPostverkehr mit den deutschen Südseeinseln. In: Vossische Zeitung, 2. Januar 1903 (rechte Spalte, unter Koloniales); ZEFYS. (völkerrechtlich betrachtet deutsche Kolonien) umfassten ein großes Gebiet großer und kleinster Inseln, die eine unterschiedliche Geschichte haben. Sie begründeten sich auf den kaiserlichen Schutzbrief für die Handelsniederlassungen deutscher Gesellschaften. Ihre deutsche Geschichte endete mit dem Ersten Weltkrieg.
Vorgeschichte: Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn und die deutsche Kolonialpolitik mini|hochkant|Johan Cesar Godeffroy. Ölgemälde von Robert Schneider, um 1847 mini|hochkant|„Die Südsee ist das Mittelmeer der Zukunft.“ – „Mir [Bismarck] kann es ganz recht sein, wenn die anderen dort unten Beschäftigung finden. Man hat dann endlich Ruhe hier oben.“ Karikatur, 1884
Seit dem 18. Jahrhundert begleiteten deutschsprachige Reisende Forschungsexpeditionen in die Südsee und versuchten, in Konkurrenz zu anderen Ländern Handel zu treiben. Besondere Berühmtheit erlangte hierbei das Hamburger Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn des Kaufmanns Johan Cesar Godeffroy. 1857 gründete sie eine Faktorei auf den Samoainseln, die bislang noch nicht von westlichen Nationen okkupiert waren. Die Station Apia/Samoa war zentral gelegen, denn Godeffroysche Handelsflotte verkehrte unter anderem zwischen den Häfen Melbourne, San Francisco und Valparaíso. Ausgehend von Samoa konnte die Firma ein Handelsnetz aufbauen, das am Ende 45 Stationen unterhielt und die Tonga-, Salomon- und Marshallinseln sowie den späteren Bismarck-Archipel umfasste. Der Haupthandelsartikel war Palmöl, das zunächst flüssig in Fässern, später aber als Kern der Kokosnuss (Kopra) ausgeführt wurde. Als Ergänzung der einheimischen Produktion ging die Firma zum Plantagenanbau über und holte ausländische Arbeiter aus Asien in die Südsee. Dies verstärkte aufgrund neuer Krankheitserreger und Alkoholeinfuhr den Niedergang insulaner Traditionen. Joh. Ces. Godeffroy & Sohn waren Förderer der Wissenschaft, die zahlreiche Forschungsreisen organisierten, um 1863 in Hamburg das Museum Godeffroy gründeten und eine Zeitschrift (Journal des Museum Godeffroy) herausgaben. 1879 stellte Joh. Ces. Godeffroy & Sohn die Zahlungen ein. Die Südsee-Sparte wurde an die neu gegründete Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft (DHPG) abgetreten, die schließlich an das Londoner Bankhaus Baring Brothers verpfändet wurde.
Reichskanzler Otto von Bismarck wollte es aus nationalem Interesse nicht dabei bewenden lassen. Er forcierte die Gründung einer Rettungsgesellschaft und legte 1880 dem deutschen Reichstag einen Vertrag vor, der eine staatliche Garantie beinhaltete, die sogenannte Samoa-Vorlage. Der Bundesrat stimmte der Vorlage am 15. April 1880 zu, jedoch entschied das Parlament am 27. April schließlich anders. Dennoch kann die Samoa-Vorlage als der Beginn der offiziellen deutschen Kolonialpolitik unter Bismarck betrachtet werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt trug die Südseepolitik des noch jungen deutschen Reiches mehr diplomatische als koloniale Züge. So war etwa 1876 ein Freundschaftsvertrag mit dem Inselstaat Tonga zustande gekommen. Rufe nach „Reichsschutz“ trafen anfangs auf die Zurückhaltung Bismarcks, wenngleich sich staatliche Interventionen ankündigten. Bereits 1878 hatte der deutsche Korvettenkapitän Bartholomäus von Werner auf den Inseln Makada und Mioko im späteren Bismarck-Archipel vermeintliche Rechte an Häfen erworben. Die Inseln kamen jedoch erst 1884/85 unter deutsche Herrschaft.Hermann Joseph Hiery: neueste.uni-bayreuth.de
Gebietsgliederung mini|Detailkarte Deutsch-Mikronesiens, 1905 mini|Detailkarte der Samoa-Inseln, um 1890 Die deutschen Südseegebiete bestanden ab 1906 aus zwei großen Verwaltungsgebieten, die eine Vielzahl von Inseln umfassten und die sich wiederum in mehrere Kulturräume gliederten: Deutsch-Neuguinea (offizieller Name ab ca. 1899)Deutsch-Neuguinea. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 1. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 315 ff.; (Deutsch-)Melanesien Bismarck-Archipel Kaiser-Wilhelms-Land (Nördliche) Salomon-Inseln, bis 1899 auch Choiseul und Ysabel (Deutsch-)Mikronesien Karolinen, als Ost- und Westkarolinen (inkl. Palau-Inseln) verwaltet nördliche Marianen Marshallinseln, 1885 bis 1906 eigenes Schutzgebiet Nauru Deutsche Samoainseln Savaiʻi Upolu
Bemerkenswert ist, dass die weiträumige Inselwelt Deutsch-Mikronesiens verwaltungsmäßig zu Deutsch-Neuguinea zählte. Während sich diese Inselgruppen somit über große Teile des Westpazifiks und einen Teil Neuguineas erstreckten, umfassten die deutschen Samoainseln lediglich zwei große Inseln und mehrere kleine Nebeninseln.
Gesamtbevölkerung Im Jahre 1909 lebten in den deutschen Südseegebieten geschätzte 450.000 Ureinwohner, 1150 Nachkommen fremder Siedler mit Einheimischen, 2140 Chinesen (die als Plantagenarbeiter in die Gebiete geholt wurden), 72 Japaner, 162 Malaien und Tagalen und 1534 Europäer.
Wirtschaft Volkswirtschaftlich spielten die Kolonien in der Südsee keine bedeutende Rolle. Das Hauptausfuhrprodukt, Kopra, machte lediglich 8 Prozent der deutschen Kopra-Importe aus. Der gesamte Handel des Deutschen Reiches mit seinen pazifischen Kolonien betrug im Jahre 1909 weniger als 0,15 Prozent des deutschen Außenhandels.Sebastian Conrad: Deutsche Kolonialgeschichte. C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56248-8, S. 33. Dennoch waren in den als Handelskolonien konzipierten Gebieten bekannte Privatunternehmen, etwa die Neuguinea-Kompagnie oder die Jaluit-Gesellschaft, tätig. In den Anfangsjahren der deutschen Kolonialherrschaft, 1884 bis ca. 1906, nahmen diese Unternehmen auch hoheitliche Verwaltungsaufgaben wahr.
Melanesien Kolonialgeschichte mini|hochkant=1.5|Politische Karte Neuguineas von 1884 bis 1919: Niederländisch-Neuguinea (westlich), Kaiser-Wilhelms-Land (nordöstlich) und Britisch-Neuguinea (südöstlich) Im Jahre 1884 wurde die Neuguinea-Kompagnie gegründet, die einen Staat unter deutschem „Schutz“ in Melanesien gründen wollte.
Am 19. August 1884 sagte Otto von Bismarck seine Unterstützung zu. Im November liefen daraufhin die deutschen Kriegsschiffe Elisabeth und Hyäne den Neubritannien-Archipel an und hissen die deutsche Flagge auf Neupommern, Neulauenburg und Deutsch-Neuguinea. Der Südosten Neuguineas war kurz zuvor von Großbritannien als Britisch-Neuguinea beansprucht worden. Der Westen zählte zum niederländischen Kolonialreich. Am 17. Mai 1885 bekam die Neuguinea-Kompagnie mit einem kaiserlichen „Schutzbrief“ die Hoheitsrechte für den Nordosten Neuguineas (genannt Kaiser-Wilhelms-Land) und den Bismarck-Archipel übertragen.S.G. Frith: The New Guinea Company, 1885–1899: a case of unprofitable imperialism. In: Historical Studies, 15, S. 316. 1886 kamen auch die nördlichen Salomon-Inseln hinzu.
Kaiser-Wilhelms-Land (Neu-Guinea) mini|Küstenabschnitt des Kaiser-Wilhelms-Lands, 1887
Geographie Die Beschreibung von 1899:Kleiner Deutscher Kolonialatlas. Hrsg.: Deutsche Kolonialgesellschaft. Verlag Dietrich Reimer, Berlin 1899, vorletzte Seite (unnummeriert).
Das Finisterre-Gebirge erreicht eine Höhe von 3475 m, diesem ist ein 1000 m hohes Küstengebirge vorgelagert. Im unerforschten Inneren gibt es noch die Kraetkekette und die Bismarckkette. Der Ramu-Fluss (auch Ottilienfluss) und der Kaiserin-Auguste-Fluss sind schiffbar. Außerdem gibt es noch den Fluss Gogol, der in die Astrolabebai mündet und den Markhamfluss, der in den Huongolf einfließt.
Bevölkerung mini|Pfahldorf in Neu-Guinea zur deutschen Kolonialzeit, Illustration um 1908 Die einheimische Bevölkerung aus Melanesiern oder Papuas wurde auf etwa 100.000 geschätzt. Versuche, Siedler für eine Siedlungskolonie anzuwerben schlugen fehl. Im Jahr 1900 lebten etwa 50 Deutsche und nur wenige andere Europäer in der Kolonie, darunter Missionare. Dazu kamen Verwaltungsbeamte der Neuguinea-Compagnie, die bis 1899 die Landeshoheit ausübte, sowie deren kleine Polizeitruppe.
1909 lebten hier 136 männliche und 61 weibliche Kolonisten. 185 Deutsche bildeten darunter die Majorität. An Berufen werden genannt: 21 Pflanzer, neun Seeleute, ebenso viele Regierungsbeamte, zwei Techniker und ein Arzt.
1913 war die Zahl auf 283 Europäer angewachsen (180 Männer, 103 Frauen, davon 38 Kinder). Schwerpunkt war 1913 Friedrich-Wilhelmshafen, das heutige Madang, mit 224 Personen, Eitape mit 47 Personen und Morobe-Bezirk mit 12 Personen. Statistiken gaben damals auch 17 Mischlinge an, davon 10 in Friedrich-Wilhelmshafen, 3 in Eitape und 4 in Morobe.
Geschichte Otto Finsch reiste Anfang 1884 mit der Samoa nach Neuguinea und besuchte von Mioko aus, auf fünf Reisen, fast die gesamte Nordküste. Bei seinen Reisen entdeckte er sieben Häfen und den Kaiserin-Augusta-Fluss, schloss Verträge über Landerwerbungen ab und hisste die deutsche Flagge.
Kirchlich waren die Rheinische Missionsgesellschaft und die Neuendettelsauer Mission (beide protestantisch) sowie das katholische Steyler Missionswerk in Kaiser-Wilhelmsland aktiv.Bernd G. Längin: Die deutschen Kolonien – Schauplätze und Schicksale 1884–1918. Mittler, Hamburg / Berlin / Bonn 2005, ISBN 3-8132-0854-0, S. 254.
Ab 1920 war das Gebiet zusammen mit dem ebenfalls ehemals deutschen Bismarck-Archipel völkerrechtlich australisches Mandatsgebiet. 1975 wurde es mit dem australischen Papua zu Papua-Neuguinea vereinigt und unabhängig.
Stationen der Europäer mini|Friedrich-Wilhelmshafen mit dem Regierungsschiff Seestern, vor 1910 mini|Handelsstation der Neuguinea-Kompagnie in Potsdamhafen Die erste Station wurde am 5. November 1885 in Finschhafen, 1899 Sitz des Landeshauptmanns, gegründet. Sie bildete den Ursprung der Neuguinea-Compagnie. Bald folgten Hatzfeldhafen und Konstantinhafen nach. 1888 kam Stephansort, 1890 Erima und später noch Maraga und Jamba hinzu.
Finschhafen war, bis zur großen Malaria-Epidemie 1891, Sitz des Landeshauptmanns. Eine weitere wichtige Stadt war Friedrich-Wilhelmshafen, die von 1891 bis 1899 Sitz des Landeshauptmanns war und Zentrum der Neuguinea-Compagnie und später Sitz des Bezirks Friedrich-Wilhelmshafen wurde. Weitere Häfen waren Potsdamhafen und Berlinhafen.
Ausfuhr Es wurden Tabak, Kopra, Holz, Baumwolle, Trepang und Perlmutter exportiert.
Verkehr Dampferverkehr mit Neu-Guinea fand 1899 alle acht Wochen über Singapur statt. Daneben gab es noch Segelschiffe Richtung Australien. Schienenverkehr war kaum vorhanden. Eine Ausnahme bildete die von Ochsen gezogene Feldbahn in der Astrolabe Bay, die in Stephansort Schuppen und Wagenhallen besaß.Maximilian Krieger (Hrsg.): Neu-Guinea. Alfred Schall, Berlin 1899, S. 237 (Reihe: Bibliothek der Länderkunde). Außer einigen wichtigen Pflanzungen verband die 1896 in ErimahafenGustav Meinecke (Hrsg.): Koloniales Jahrbuch 1895. Carl Heumanns Verlag, Berlin 1896, S. 127.Erimahafen. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 1. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 575; begonnene Bahnverbindung über zwei Nebenstrecken auch das nahe Hinterland.Maximilian Krieger (Hrsg.): Neu-Guinea. Alfred Schall, Berlin 1899, S. 238 (Reihe: Bibliothek der Länderkunde).
Bismarck-Archipel mini|Bismarck-Archipel zur deutschen Kolonialzeit, Illustration um 1908 mini|Verlassene Häuptlingshütte am Strand von Neumecklenburg, vor 1910
Geographie Der Archipel besteht aus mehreren gebirgigen Inseln, die geographisch Melanesien zugeordnet sind. Die Inselgruppe wurde nach Otto von Bismarck benannt.
Die wichtigsten Inseln des Bismarck-Archipels sind: Admiralitäts-Inseln Französische Inseln, heute Vitu-Inseln Neuhannover, heute Lavongai Neulauenburg, heute Duke-of-York-Inseln Neumecklenburg, heute Neuirland Neupommern mit der Gazelle-Halbinsel, heute Neubritannien Westliche Inseln
Bevölkerung