Flueggea ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie Phyllanthaceae. Die etwa 16 Arten sind meist in tropischen bis subtropischen und manche in warm-gemäßigten Gebieten weitverbreitet.
Beschreibung mini|hochkant|Habitus eines männlichen Pflanzenexemplares von Flueggea suffruticosa mini|Zweig mit gestielten, einfachen Laubblättern und Früchten von Flueggea leucopyrus mini|Zweig mit wechselständig und zweizeilig angeordneten, gestielten, einfachen Laubblättern und Früchten von Flueggea virosa mini|hochkant|Illustration von Flueggea leucopyrus aus D. Brandis: Illustrations of the Forest Flora of North-West and Central India, 1874, Tafel 54
Vegetative Merkmale Bei Flueggea-Arten handelt es sich um verholzende Pflanzen, die als aufrechte Sträucher oder kleine Bäume wachsen. An allen Pflanzenteilen ist kein Indumentum vorhanden. Die monopodial plagiotrop angeordneten Zweige bilden manchmal Dornenspitzen. Die Rinde der Zweige ist selten mit einfachen Trichomen behaart.
Die wechselständig und oft zweizeilig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattstiele sind relativ kurz. Die pergamentartigen, einfachen, symmetrischen Blattspreiten besitzen glatte Oberflächen. Die Blattränder glatt oder selten gesägt. Es liegt Fiedernervatur vor. Die Nebenblätter sind relativ klein, dreieckig mit spitzem oberen Ende.
Generative Merkmale Bei Flueggea-Arten sind meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch) oder selten einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die Blüten stehen einzeln direkt an den Zeigen oder zu mehreren in seitenständigen, büscheligen oder seltener traubigen oder rispigen Blütenständen. Es sind Deckblätter vorhanden. Je Knoten sind meist mehrere männliche Blüten oder eine bis einige weibliche Blüten vorhanden.
Die immer eingeschlechtigen Blüten sind radiärsymmetrisch und relativ klein. Die ungleichen Kelchblätter überlappen sich dachziegelartig. Kronblätter fehlen. Bei den männlichen Blüten sind die Blütenstiele relativ kurz und schlank. Die männlichen Blüten sind vier- bis sieben-, aber meist fünfzählig. Ihre vier bis sieben, aber meist fünf Kelchblätter sind schuppenförmig, ganzrandig oder gesägt. Der gelappte Diskus besteht vier bis sieben, aber meist fünf interstaminalen Drüsen, die mit den Kelchblättern abwechseln. Die vier bis sieben, aber meist fünf untereinander freien Staubblätter sind an der Basis des Diskus inseriert und länger als die Kelchblätter. Die aufrechten Staubbeutel bestehen aus zwei Theken und öffnen sich mit Längsschlitzen. Die rudimentären Stempel sind relativ klein und zwei- oder dreilappig. Die weiblichen Blüten haben dünne, bleistiftförmige bis eckige Blütenstiele, die sich bis zur Fruchtreife vergrößern. Die Kelchblätter der weiblichen Blüten gleichen denen der männlichen Blüten. Der Diskus ist untertassen- oder kniescheibenförmig, manchmal verdickt, einfach oder gelappt. Der meist flache, nur manchmal verdickte Diskus ist ringförmig und einfach oder leicht fünf- oder sechslappig. Die Fruchtknoten sind zwei- oder vier-, aber meist dreikammerig mit zwei Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der höchstens kurze meist nicht erkennbare Griffel ist und endet in einer freien, ausgebreiteten oder zurückgekrümmten, einfachen oder zweiteiligen Narbe.
Die Früchte sind runde oder dreilappige Kapselfrüchte, die sich lokulizig mit drei Fruchtklappen öffnen und drei Spaltfrüchte bilden oder bleiben auch Reif geschlossen und sind mehr oder weniger beerenartig, bis zur Größe einer Erbse. Die Columella, Narbe und die Kelchblätter sind auf den Früchten noch erhalten. Die Fruchtfächer enthalten meist zwei Samen. Die Samen sind meist dreikantig. Die Samenschale (Testa) ist relativ dünn, krustig, weich, glatt bis netzförmig oder warzig, manchmal am Hilum eingeschnürt. Es ist reichlich Endosperm ausgebildet. Der Embryo ist gerade bis deutlich gekrümmt, ohne Chlorophyll. Die Keimblätter (Kotyledonen) sind flach, breiter und viel länger als die Keimwurzel (Radicula).
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13.
Standorte Die etwa 16 Flueggea-Arten gedeihen hauptsächlich von tropischen bis subtropischen Gebieten und einige kommen auch in warm-gemäßigten Gebieten Ostasiens und des Mittelmeerraumes vor. Sie wachsen in Saisonaler Vegetation, im Regen- und Bergwald, in tropischen Savannen, in laubabwerfenden Wäldern und Buschland; manchmal auch auf Kalkstein. Sie kommt in Höhenlagen von 0 bis zu 3000 Metern vor.
Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Flueggea wurde 1806 durch Carl Ludwig von Willdenow in Species Plantarum, Editio quarta, Volume 4, Issue 2, Seite 637 und 757–758 (dort Fluggea geschrieben) aufgestellt. Der Gattungsname Flueggea ehrt den deutschen Botaniker Johannes Flüggé (1775–1816), der sich auf Kryptogamen spezialisiert hatte. Typusart ist Flueggea leucopyrus Willdenow verwendete Fluggea als Schreibweise, aber im Artikel 60.6 des Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen wurde durch McNeill et al. 2006, 106 festgelegt, dass Flueggea die zu verwendende Schreibweise ist.
Synonyme für Flueggea sind: Fluggea orth. var., Acidoton nom. rej., Bessera nom. illeg., Coilmeroa , Colmeiroa , Geblera , Neowawraea , Pleiostemon , Richeriella , Villanova .
Äußere Systematik Die Gattung Flueggea gehört zur Subtribus Flueggeinae aus der Tribus Phyllantheae in der Unterfamilie Phyllanthoideae innerhalb der Familie Phyllanthaceae. Der Umfang der Gattung Flueggea hat sich wesentlich geändert. Lange Zeit (Pax und K. Hoffmann 1931) waren alle Arten in die Gattung Securinega nom. cons. eingeordnet. Grady L. Webster teilte 1984 die Arten in die beiden Gattungen Flueggea und Securinega auf. Nur die Arten Madagaskars und der Maskarenen verbleiben in der Gattung Securinega. Flueggea wurde monophyletisch, als die einzige Art der Gattung Richeriella mit eingegliedert wurde.
Arten und ihre Verbreitung Flueggea-Arten sind weitverbreitet in Asien, Afrika und Inseln in den Ozeanen, mit nur drei Arten in Südamerika und einer Art auf der Iberischen Halbinsel. In China kommen vier Arten vor, eine davon nur dort. Drei Arten kommen in Malesien vor.
Es gibt etwa 16 Arten in der Gattung Flueggea: Flueggea acicularis (Syn.: Securinega acicularis ): Sie kommt in den chinesischen Provinzen westliches Hubei, östliches Sichuan sowie Yunnan vor. Flueggea acidoton (Syn.: Adelia acidoton , Adelia gracilis nom. superfl., Securinega acidoton , Flueggea acidothamnus , Securinega acidothamnus , Acidoton acidothamnus ): Sie kommt auf den Karibischen Inseln Bahamas, Kuba, Hispaniola, Jamaika, Puerto Rico und Kleinen Antillen vor. Flueggea anatolica : Sie kommt nur in der südlichen Türkei vor. Flueggea elliptica (Syn.: Phyllanthus ellipticus nom. illeg., Securinega elliptica , Acidoton ellipticus , Phyllanthus rubellus , Diasperus rubellus ): Sie kommt in Ecuador vor. Flueggea flexuosa (Syn.: Securinega flexuosa , Acidoton flexuosus , Phyllanthus acuminatissimus , Securinega acuminatissima , Securinega samoana ): Sie kommt von den Philippinen bis zu den südwestlichen pazifischen Inseln vor. Flueggea gracilis (Syn.: Baccaurea gracilis , Richeriella gracilis , Richeriella malayana , Richeriella malayana var. macrocarpa ) Diese Neukombination erfolgte 2006. Sie kommt in Hainan, auf der Thailändischen Halbinsel und in Palawan vor. Flueggea jullienii (Syn.: Phyllanthus jullienii ): Sie kommt in Kambodscha, Laos sowie Vietnam vor. Flueggea leucopyrus (Syn.: Phyllanthus leucopyrus , Securinega leucopyrus , Cicca leucopyrus , Acidoton leucopyrus , Phyllanthus lucena , Xylophylla lucena , Flueggea xerocarpa , Phyllanthus albicans nom. nud., Flueggea wallichiana nom. illeg.) Sie kommt von Äthiopien bis Somalia, auf Socotra sowie der Insel Sajid, in Sri Lanka, Indien, Pakistan, Myanmar und in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan vor. Flueggea monticola : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan vor. Flueggea neowawraea (Syn.: Neowawraea phyllanthoides , Drypetes phyllanthoides ): Sie kommt auf Hawaiianischen Inseln vor. Flueggea schuechiana (Syn.: Securinega schuechiana , Acidoton schuechianus ): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco vor. Flueggea spirei : Sie kommt nur in Laos vor. Flueggea suffruticosa (Syn.: Pharnaceum suffruticosum , Geblera suffruticosa , Securinega suffruticosa , Xylophylla ramiflora , Phyllanthus ramiflorus , Securinega ramiflora nom. illeg., Acidoton ramiflorus , Xylophylla parviflora , Geblera chinensis , Geblera sungariensis , Phyllanthus fluggeoides , Securinega fluggeoides , Acidoton flueggeoides , Flueggea flueggeoides , Securinega japonica , Flueggea japonica nom. illeg., Securinega suffruticosa var. amamiensis , Phyllanthus trigonocladus , Flueggea trigonoclada , Securinega multiflora ): Sie ist im gemäßigten Asien verbreitet. Flueggea tinctoria (Syn.: Rhamnus tinctoria , Securinega tinctoria , Adelia virgata , Securinega virgata , Colmeiroa buxifolia , Villanova buxifolia , Securinega buxifolia , Acidoton buxifolius ): Sie kommt auf der Iberischen Halbinsel vor. Flueggea verrucosa (Syn.: Phyllanthus verrucosus , Pleiostemon verrucosus , Securinega verrucosa , Diasperus verrucosus ): Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Ostkap sowie KwaZulu-Natal vor. Flueggea virosa (Syn.: Phyllanthus virosus , Securinega virosa , Acidoton virosus ): Es gibt drei Unterarten: Flueggea virosa subsp. himalaica : Sie kommt im zentralen Himalaya von Assam bis Nepal und bis Myanmar vor. Flueggea virosa subsp. melanthesoides (Syn.: Leptonema melanthesoides , Flueggea melanthesoides , Securinega melanthesoides , Securinega virosa var. australiana , Securinega keyensis , Flueggea keyensis , Flueggea novoguineensis , Flueggea virosa var. aridicola , Securinega melanthesoides var. aridicola ): Sie kommt in Neuguinea und im nördlichen Australien vor. Flueggea virosa subsp. virosa (Syn.: Phyllanthus hamrur nom. rej., Diasperus hamrur , Xylophylla obovata , Securinega obovata , Cicca obovata , Flueggea obovata nom. illeg., Acidoton obovatus , Bessera inermis , Drypetes bengalensis nom. superfl., Flueggea microcarpa , Securinega microcarpa , Phyllanthus obtusus , Phyllanthus angulatus , Flueggea angulata , Phyllanthus dioicus , Bradleia dioica , Phyllanthus retusus nom. illeg., Flueggea retusa , Cicca pentandra , Phyllanthus lucidus , Phyllanthus polygamus , Securinega abyssinica , Flueggea abyssinica , Flueggea ovalis , Flueggea phyllanthoides , Acidoton phyllanthoides , Phyllanthus leucophyllus , Phyllanthus reichenbachianus , Flueggea senensis , Securinega grisea , Acidoton griseus , Securinega leucopyrus , Diasperus portoricensis , Phyllanthus portoricensis , Conami portoricensis , Flueggea obovata var. luxurians ): Sie ist in Afrika und vom subtropischen bis tropischen Asien weitverbreitet. Sie ist in Florida und Puerto Rico ein Neophyt.
Nicht mehr zur Gattung Flueggea gehören Zahlreiche Arten, die in die Gattung Flueggea eingeordnet waren, wurden im 21. Jahrhundert in andere Gattungen gestellt (Auswahl): In die Gattung Leptopus :Maria S. Vorontsova, Petra Hoffmann: Revision of the genus Leptopus (Phyllanthaceae, Euphorbiaceae sensu lato). In: Kew Bulletin, Volume 64, 2010, S. 627–644. Flueggea capillipes → Leptopus chinensis
In die Gattung Ophiopogon nom. cons.: Flueggea anceps, Flueggea angulata non , Flueggea japonica non → Ophiopogon japonicus Flueggea dracaenoides → Ophiopogon dracaenoides Flueggea dubia , Flueggea intermedia , Flueggea jacquemontiana , Flueggea japonica var. intermedia , Flueggea wallichiana non → Ophiopogon intermedius Flueggea griffithii → Ophiopogon griffithii Flueggea jaburan , Flueggea japonica var. major → Ophiopogon jaburan Flueggea prolifera → Ophiopogon caulescens
In die Gattung Margaritaria : Flueggea eglandulosa , Flueggea major → Margaritaria anomala Flueggea fagifolia → Margaritaria discoidea var. fagifolia Flueggea nitida → Margaritaria discoidea var. nitida