mini|Markt Taschendorf von Südwesten Markt Taschendorf (fränkisch: DaschndorfW. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld. S. 197. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „dašṇdǫrf“.) ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld.
Geografie Geografische Lage Die von Feldern und Wiesen, teils auch von Wald umgebene Gemeinde liegt in hügeliger Landschaft im südlichen Teil des Steigerwaldes und wird von der Kleinen Weisach durchflossen. Die vom benachbarten Kornhöfstadt kommende Steinach durchfließt die Gemeindeteile Frankfurt, Lachheim und Obersteinbach. Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist die Hohe Föhre mit .
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Burghaslach, Vestenbergsgreuth, Münchsteinach, Baudenbach und Scheinfeld.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Auf dem Gemeindegebiet lag die Einöde Fallmeister, die im 20. Jahrhundert zur Wüstung wurde.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Frankfurt, Hombeer, Markt Taschendorf und Obersteinbach. Die Gemarkung Markt Taschendorf hat eine Fläche von 10,402 km². Sie ist in 951 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 10937,47 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Butzenmühle und Obertaschendorf.
Geschichte Aus der Zeit von 850 bis 550 v. Chr. gibt es Funde von Hügelgräbern in der Gegend. Etwa um das 9. Jahrhundert n. Chr. wurde Taschendorf gegründet.
Im Jahre 1285 wurde der Ort als „Toschendorff“ erstmals urkundlich erwähnt, 1311 mit dem Zusatz „inferior“ (das untere) und 1340 mit dem Zusatz „Nidern“ zur besseren Unterscheidung von dem westlich gelegenen (Ober-)Taschendorf. 1500 erhielt Taschendorf das Marktrecht, 1599 wurde es erstmals „Marck Doschendorff“ genannt. Der Ortsname ist ein slawisch-deutscher Mischname: Das Grundwort ist das mittelhochdeutsche dorf, das Bestimmungswort wahrscheinlich der slawische Personenname Toš.W. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld. S. 197 ff.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 144.
Man fand Anzeichen von elf untergegangenen Dörfern und Siedlungen in der nächsten Umgebung. Deren Zerfall wurde vermutlich durch Klimaverschlechterung und Hungersnöte im 15. Jahrhundert sowie den Dreißigjährigen Krieg verursacht.
Nördlich der Kleinen Weisach übte die Fraisch die Cent Burghaslach der Grafschaft Castell aus und südlich der Kleinen Weisach das Amt Scheinfeld der gefürsteten Grafschaft Schwarzenberg. Grundherr war das Rittergut Obersteinbach.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 195.
Im Jahre 1806 kam Taschendorf zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Taschendorf gebildet, zu dem Butzenmühle, Obertaschendorf und Hombeer gehörten. Die 1813 gegründete Ruralgemeinde Taschendorf war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war bis 1810 in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheinfeld zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Iphofen. Die freiwillige Gerichtsbarkeit und die Ortspolizei übte bis 1848 das Patrimonialgericht Obersteinbach aus, für ein Anwesen war das Herrschaftsgericht Schwarzenberg zuständig. 1810 kamen die Orte zum Landgericht Höchstadt und zum Rentamt Höchstadt. Am 31. Oktober 1819 wurde die Gemeinde an das Landgericht Neustadt an der Aisch und das Rentamt Neustadt an der Aisch abgegeben. Gleichzeitig wurde Hombeer nach Altershausen umgemeindet. Am 12. Februar 1827 wurde die Gemeinde an das Landgericht Markt Bibart und das Rentamt Iphofen abgegeben.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte Gossenberger, der Pächter des Rittergutes Obersteinbach, in seiner Rinderzucht Tiere des gelben Heilbronner Schlags und andere aus Baden ein, die er mit der einheimischen Landrasse kreuzte. Der so entstandene Scheinfelder Schlag wurde um 1834 überregional bekannt und trug zum sich entwickelnden Aufschwung des Neustädter Viehhandels bei.
Ab 1862 gehörte Taschendorf zum Bezirksamt Scheinfeld (1939 in Landkreis Scheinfeld umbenannt) und ab 1879 zum Rentamt Markt Bibart (1919–1929: Finanzamt Markt Bibart, 1929–1972: Finanzamt Neustadt an der Aisch, seit 1972: Finanzamt Uffenheim). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt Bibart, von 1880 bis 1973 war das Amtsgericht Scheinfeld zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte 1888 eine Gebietsfläche von 10,358 km², die sich 1904 8,787 km² verringerte.
20. Jahrhundert Am 2. Februar 1963 wurde der Gemeindename von Taschendorf amtlich in Markt Taschendorf geändert.
Von 1973 bis 1984 wurde die Flurbereinigung durchgeführt, 1987 die Dorferneuerung abgeschlossen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Frankfurt (mit Klösmühle) und Obersteinbach (mit Lachheim, Lerchenhöchstadt und Wilhelminenberg) sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Altershausen (nur Hombeer) und Kornhöfstadt (nur Birkach) eingegliedert.
Vor der Gebietsreform gehörte Hombeer zum ehemaligen Landkreis Neustadt an der Aisch, alle anderen Gemeindeteile zum ehemaligen Landkreis Scheinfeld.Markt Taschendorf
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 943 auf 985 um 42 Einwohner bzw. um 4,5 %.
Gemeinde Markt Taschendorf Jahr 1824 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2012 2016Einwohner 609 459 481 457 484 487 485 483 485 430 418 418 422 439 406 401 367 353 517 493 375 432 960 1029 1004 1003HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1824 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 91 75 77 79 80 74 76 79 260 354Quelle Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 454 Einwohner.
Ort Markt Taschendorf Jahr 1824 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2014Einwohner 376 344 351 361 367 321 311 366 267 299 312 482Häuser 50 57 60 61 58 58 60 98 Quelle
Politik Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2002 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: +Partei/Liste2020201420082002Bürgerblock7954Freie Wählergemeinschaft5332CSU/Freie Bürger−−46
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeinde hat keine Gemeindeflagge.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Markt Taschendorf ist Mitglied im Schulverband Scheinfeld.
Struktur Die Gemeinde ist landwirtschaftlich orientiert; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich durch neue Siedlungsgebiete der Charakter in Richtung Wohngemeinde. Auch das mittelständische Handwerk und der Fremdenverkehr spielen eine Rolle.
Verkehr Durch Markt Taschendorf verläuft die Staatsstraße 2417, die nach Frankfurt (3,1 km südwestlich) bzw. nach Hombeer führt (2 km östlich). Kreisstraße NEA 9 führt nach Obertaschendorf (1,2 km nordwestlich), die NEA 7 nach Kirchrimbach (2,9 km nördlich).
Söhne und Töchter der Gemeinde Johann Samuel Wiesner (1723–1780), evangelischer Theologe, Pädagoge und Orientalist Johann Oeder (1893–), Verwaltungsbeamter und Landrat, geboren in Frankfurt Hermann Dannheimer (1929–2020), Archäologe und Museumsdirektor Erich Häußer (1930–1999), Jurist Hans Pfeifer (1934–2019), Klarinettist und Professor für Klarinette
Literatur
Weblinks
Markt Taschendorf Geschichte des Marktes
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Markt in Mittelfranken Kategorie:Gemeindegründung 1813 Kategorie:Ersterwähnung 1285
Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim