Siersleben ist ein Ortsteil der Stadt Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz rund neun Kilometer nördlich der Lutherstadt Eisleben und etwa fünf Kilometer südlich von Hettstedt. Siersleben wird auch, zusammen mit Thondorf, Hübitz und Augsdorf, als die Griftdörfer, bzw. als Dörfer am Griftbach bezeichnet.
Geografie miniatur|Der Teich in der Teichstraße Siersleben liegt 209 m über dem Meeresspiegel inmitten der Mansfelder Platte, einer ebenen Landschaft, die im Süden zur Eislebener Senke hin abfällt. Im Osten wird sie vom Saaletal begrenzt sowie im Nordwesten vom Tal der Wipper. Weiter nordwestlich steigt das Gelände zum Östlichen Harzvorland an.
Die Landschaft um Siersleben dominieren neben den großen Bergbauhalden Thälmann und Brosowski hauptsächlich Raps- und Getreidefelder. Außerdem gibt es kleinere Wäldchen wie das Welfesholz im Norden und den Regenbeck an der Grenze zu Hettstedt im Nordwesten. Bei guter Sicht kann man im Osten den Petersberg erkennen. Der höchstgelegene Ort der Landschaft um Siersleben ist der westlich von Thondorf gelegene, 240 m hohe Sickberg, der jedoch kaum merklich ist. Nördlich der Ortschaft bildete der ab 1826 ausgetrocknete Sohlbach den Kreuzgrund. Einer der Quellbäche dieses Gewässers entsprang unmittelbar am Nordrand von Siersleben. Aus der einen Kilometer westlich gelegenen Ortslage Thondorf fließt dagegen bei Starkregenereignissen der für gewöhnlich auch ausgetrocknete Wickengraben zu. Seine Mündung in den Dorfteich Siersleben wurde überbaut und verrohrt. In dem schilfbewachsenen, aktuell verlandenden Dorfteich in der Dorfmitte von Siersleben leben verschiedene Froscharten und Enten; Anwohner wollen außerdem Bisamratten gesehen haben. Der Teich wird vom Rüsterbach entwässert, der nach Augsdorf im Osten abfließt.
Landschaftliche Besonderheiten Am Siersleber Dorfteich wächst die Mauerraute. Östlich der Straße nach Welfesholz im Kreuzgrund befindet sich das Dampfloch, in dem archaeologische Funde gemacht wurden. In der Landschaft zwischen Siersleben und Gerbstedt sind mehrere Wüstungen zu finden, z. B. Nienstedt oder Dankendorf.
Ortschaftsgliederung Zur Gerbstedter Ortschaft Siersleben gehören die beiden Dörfer Siersleben und Thondorf sowie der Wohnplatz Bahnhof Siersleben.
Geschichte Der Ursprung des Ortes geht wahrscheinlich zurück auf eine Siedlung der jungen Bronzezeit. Als ältester Fund allerdings gelten eine mittelneolithische Tontrommel in der Flur Apfelborn sowie viele Grabfunde in unmittelbarer Nähe des heutigen Ortes.
Erste Funde in der Ortslage (450 m südöstlich der Kirche) ließen sich aber erst auf etwa 650 n. Chr. datieren, wobei es sich um in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung ausgerichtete Gräber handelte.
Neben weiteren Siedlungen übergab König Otto III. am 6. Januar 992 den Ort Sigerslevo an die Reichsabtei zu Quedlinburg, mit der Maßgabe, die Erträge der Stiftskirche Walbeck (bzw. dem Kloster) zufließen zu lassen. Dieses gründete in Siersleben einen Klosterhof, welcher im Zuge der Reformation säkularisiert wurde. Als Vorwerk der Grafen von Mansfeld-Vorderort und nach weiteren mehrfachen Besitzerwechseln gelangte das spätere Gut schließlich in die Hände Wilhelm von Humboldts. Dieser hatte im benachbarten Altdorf (heute Stadtteil von Hettstedt) einen Sommerwohnsitz (das Humboldtschlößchen; heute Sitz des Mansfeld-Museums). Es ist anzunehmen, dass Siersleben zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung schon 600 Jahre bestand.
Der älteste Kern Sierslebens (um 300 n. Chr.) liegt nördlich der Andreaskirche, entlang des Ristebaches, der heutigen Teichstraße. Er hatte die Form eines Rundlings, in der Mitte wurde an der Quelle des Risterbaches ein Teich, der noch heute besteht, angelegt. Das Dorf war großzügig angelegt, Gemeindeflächen wie Kuhweiden wurden schon sehr früh miteinbezogen. Das damalige Straßennetz bestand aus einem von Osten her kommenden Weg, der um den Dorfteich führte und den Ort dann wieder in Richtung Osten verließ.
Erste Erweiterungen erfolgten nördlich des Rundlings, es wurde eine sackförmige Siedlung entlang eines neuen Angers angelegt. Dann wurde ein Anger westlich des Ortes an der heutigen Schulstraße angelegt, hier wurden früher mehrere Gärten, die bis ins 19. Jahrhundert bestanden, bewirtschaftet. Später erfolgte eine weitere Erweiterung des Ortes, der Pfingstanger (heute Augsdorfer Straße) südlich des Ortes wurde angelegt. Hier wurde dann ein Rittergut (der spätere Klosterhof) errichtet.
Aufgrund der Abteufung der Kupferschieferschächte Glückhilf und Niewandt entstanden Ende des 19. Jahrhunderts neue Siedlungshäuser zwischen der Straße und dem Fußweg nach Thondorf einerseits und zwischen den Straßen nach Hettstedt und Welfesholz andererseits.
Der Zweite Weltkrieg endete für Siersleben unblutig, am 13. April 1945 wurde es, 132 Jahre nach dem letzten Mal, von fremden Truppen besetzt. Der Ort war von amerikanischen Panzern von Westen und Süden umstellt worden, da die Amerikaner vermuteten, auf eine starke Verteidigung zu treffen. Auch der Luftraum war zuvor von Jägern der United States Air Force gesichert worden. Gegen 10 Uhr Vormittag tauchte ein Jeep mit zwei amerikanischen Offizieren aus Richtung Eisleben auf. Nachdem sie mit zwei Schüssen eine Fensterscheibe zerschossen hatten, gingen sie in den Gasthof Fleischhauer und tranken ein Bier. Dann fuhren sie wieder nach Eisleben ab. Gegen ein Uhr Nachmittags rückten aus zwei Richtungen, von Thondorf und von Eisleben her, motorisierte Truppen und Panzer ein, die von der Bevölkerung beobachtet wurden, aber auch gleich weiterzogen. Die Truppen aus Thondorf zogen nach Sandersleben und die aus Eisleben nach Heiligenthal und Gerbstedt weiter. Es gab keine Ausschreitungen im Dorf zwischen den Soldaten und der Bevölkerung.
Siersleben war bis 1945 Gemeinde im Mansfelder Gebirgskreis und ging dann 1949 an den Kreis Eisleben. Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Thondorf eingemeindet. Um 1994 kam Siersleben in die Verwaltungsgemeinschaft Mansfelder Platte des neu gegründeten Landkreis Mansfelder Land. 2005 wurde diese dann aufgelöst, Siersleben kam nun an die Verwaltungsgemeinschaft Gerbstedt. 2007 fusionierten der Landkreis Mansfelder Land und der Landkreis Sangerhausen zum Landkreis Mansfeld-Südharz. Am 1. Januar 2010 schlossen sich die Gemeinden Siersleben, Augsdorf, Friedeburgerhütte, Hübitz, Ihlewitz, Rottelsdorf, Welfesholz und Zabenstedt mit der Stadt Gerbstedt zur neuen Stadt Gerbstedt zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Die Verwaltungsgemeinschaft Gerbstedt, zu der Siersleben gehörte, wurde aufgelöst.
Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Siersleben wurden Siersleben und Thondorf jeweils Ortsteil der Stadt Gerbstedt und damit wurde auch für diese Ortsteile die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Weiterhin wurden nach der Eingemeindung einige Straßen umbenannt und dabei diese teils zusammengefasst.
Name Das Suffix -leben legt nahe, dass es sich um eine altthüringische Siedlung handelt. Als Vorläufer des Namens Siersleben selbst entstand im frühen Mittelalter die Bezeichnung Sigihersleiba (Wohnstätte des Sigiher), am 6. Januar 992 erwähnte König Otto III. den Ort als Sigerslevo. Die These, der Name stamme aus der Zeit der Schlacht am Welfesholz 1115 und bedeute „Sieh, hier's leben!“, ist falsch.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl Sierslebens nahm während der Blüte der Bergbauindustrie im Mansfelder Land stark zu. Nach dem Niedergang der Gruben in den 1960er-Jahren setzte ein lange anhaltender und starker Bevölkerungsschwund ein. Jahr Einwohner 1649 ca. 100 1718 200 1780 200 1784 300 1864 533 1870 832 1880 838 Jahr Einwohner 1890 1961 1910 2220 1919 2136 1925 2063 1933 2081 1939 2007 1945 2250 Jahr Einwohner 1955 3650 1958 3881 1959 4114 1962 3550 1964 3230 1974 2955 1989 2087 Jahr Einwohner 1990 2039 2000 1709 2002 1689 2004 1608 2006 1554 Jun. 2008 1505 Dez. 2008 1472
Quelle: Festschrift zum 1000-jährigen Bestehen Sierslebens von Klaus Foth.
Wirtschaft und Infrastruktur Gewerbegebiete Siersleben teilt mit den anderen Griftdörfern Hübitz, Augsdorf und Thondorf das Gewerbegebiet Apfelborn. Es befindet sich südlich des Dorfes.
Verkehr Straßenverkehr miniatur|Die wichtigste Straßenkreuzung Sierslebens An der in der Mitte des Dorfes gelegenen Straßenkreuzung (Knotenpunkt 048) treffen sich verschiedene regionale Straßen. Es durchqueren die aus Richtung Eisleben kommende und in Richtung Sandersleben führende Landesstraße 72 und die aus Klostermansfeld kommende Kreisstraße 2321, welche sich bis zum Knotenpunkt 019 östlich des Dorfes die Streckenführung mit der L72 teilt und dann in Helmsdorf in die Landesstraße 151 mündet, die Kreuzung und den Ort.
Auch die Gemeindestraße in das nordwestlich gelegene Hettstedt beginnt ihre Streckenführung an der Kreuzung. Bis zum 31. Juli 2009 führte auch die Bundesstraße 180 über die Kreuzung und durch den Ort. Durch die Freigabe der neuen Ortsumfahrung Hettstedt wurde diese jedoch auf eine neue Trasse weiter im Westen verlegt und die B180 zur L72 herabgestuft.
Vom Ort führen außerdem kleinere Straßen nach Hübitz, Augsdorf und Thondorf. Weiterhin existiert ein Radweg zwischen Siersleben und seinem Ortsteil Thondorf, welcher parallel zum versiegten Bach Wickengraben verläuft. Zuletzt verbindet ein Netz aus kleineren Feldwegen und Pisten die Siersleben mit den umgebenden Dörfern.
Autobahnanschlussstellen in der Umgebung sind Plötzkau an der Bundesautobahn 14 im Nordosten und Lutherstadt Eisleben an der Bundesautobahn 38 im Süden.
Geplante Ortsumfahrung Aufgrund des in den letzten Jahren gestiegenen Durchgangsverkehrs in Siersleben wurde bereits im Jahre 2004 eine Ortsumfahrung des Ortes als Vordringlicher Bedarf in den Landesverkehrswegeplan aufgenommen. Durch Siersleben fließt dabei der Verkehr zwischen den Bundesautobahnen 71 und 38 im Südwesten und der Bundesautobahn 14 im Nordosten, darunter ca. 20 % Schwerlastverkehr. Eine Bürgerinitiative setzt sich seit Jahren für eine solche Umfahrung ein. Das Land Sachsen-Anhalt konnte im Januar 2020 die Vorentwurfsplanung einer Ortsumfahrung östlich um Siersleben herum zwischen der Ortslage und Hübitz sowie Augsdorf abschließen.
Öffentlicher Personennahverkehr mini|Bahnsteige am alten Haltepunkt Sierslebens an der Kanonenbahn (mittlerweile abgerissen) Am 1 km nördlich der Ortsmitte gelegenen Haltepunkt Siersleben an der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim (sog. Kanonenbahn) halten keine Züge mehr. Die nächsten Bahnhöfe der Deutschen Bahn (DB) sind Klostermansfeld und Hettstedt, von denen aus stündlich Züge in Richtung Magdeburg und Erfurt abfahren. Die Mansfelder Bergwerksbahn unterhält einen Haltepunkt in Siersleben.
Es gibt in Siersleben drei Bushaltestellen der Verkehrsgesellschaft Südharz mbH mit Verbindungen nach Hettstedt, Aschersleben und Lutherstadt Eisleben: Am ehemaligen Bahnhaltepunkt der Kanonenbahn, in der Dorfmitte sowie am Übergang zum Gewerbegebiet Apfelborn.
Bildung Die Grundschule Siersleben befand sich neben der evangelischen Kirche an der Augsdorfer Straße. Das alte Schulgebäude hat vier Etagen plus Keller. Das Grundstück ist in einen großen Schulhof mit Spielgeräten und den Schulgarten unterteilt. Beide nehmen es zu gleichen Teilen ein. Eine Turnhalle befindet sich 100 Meter entfernt. Auf Grund einer immer wieder nur knapp erreichten, vom Land vorgegebenen Mindestschülerzahl war die Schule seit Jahren wiederkehrend von einer Schließung bedroht.
Zuletzt wurde die Schule nur noch von Schülern der Klassen 2 bis 4 besucht. Die Stadt Gerbstedt als Schulträger gab 2020 den kommunal betriebenen Standort auf. (Schulstreit von Gerbstedt)
Im Oktober 2020 hat sich daraufhin der „Freie Schule Siersleben e. V.“ gegründet. Er verfolgte das Ziel, die „Bewegte Schule Siersleben“ als private Grundschule zu gründen und ab dem Schuljahr 2021/22 zu betreiben. Das Ziel wurde nicht erreicht.