Der Al-Zein-Clan (auch El-Zein, Al-Zain, Al-Zayn) ist eine vor allem in Deutschland ansässige arabischstämmige Großfamilie, die teilweise der Clan-Kriminalität zugerechnet und mit schweren Straftaten in Verbindung gebracht wird. tagesschau.de, 15. Januar 2020 Einige der etwa 3000 Mitglieder in Deutschland sind als Intensivtäter durch organisierte Kriminalität bzw. Bandenkriminalität auffällig geworden.Thomas Kieschnick: KaDeWe-Raub eines arabischen Clans: „Bitte, bitte macht ihn tot.“ In: Die Welt, 15. Dezember 2016.

Mehrfach vorbestraft oder verurteilt sind einige Familienmitglieder vor allem wegen Drogen- und illegalen Medikamentenhandels, wegen schwerer Gewalt- bzw. Körperverletzungsdelikten, gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr, Betrugsdelikten, wegen Raubs bzw. Ladendiebstahls und Hausfriedensbruchs, wegen Leistungsmissbrauchs, illegalen Waffenbesitzes, Geiselnahme und Tötungsdelikten.Video: Innenansichten einer arabischen Großfamilie. In: Spiegel TV, 17. September 2018, 27:33 Min. In Interviews gaben Mitglieder auch das Betreiben von Geldwäsche und Schutzgelderpressung zu.Video: Arabische Clans in Berlin. In: Spiegel TV, 11. Dezember 2016.Michael Behrendt: Razzia gegen arabische Clans: „Jetzt kam die große Überraschung.“ In: Die Welt, 12. April 2016.

Das LKA Nordrhein-Westfalen rechnete dem Al-Zein-Clan im Jahr 2022 insgesamt 231 Verdächtige in NRW zu, die für 431 Straftaten verantwortlich sein sollen. Im selben Jahr befand sich eine zweistellige Anzahl von Clan-Angehörigen im Gefängnis. Der Clan gilt als zweitgrößter krimineller Clan in Nordrhein-Westfalen.

Herkunft Die Familie wird der arabisch-kurdischen Volksgruppe der Mhallami zugerechnet, die ursprünglich aus der Provinz Mardin stammt, insbesondere aus den Dörfern Ückavak, Yenilmez und Kayatepe. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wanderten große Teile der Al-Zein-Familie aus wirtschaftlichen Gründen und aufgrund von Diskriminierung in den Libanon ein, insbesondere in den 1930er-Jahren. Dort nahmen sie den arabischen Namen Al-Zein an.

In den 1980er-Jahren wanderte ein großer Teil der Familie dann über den Libanon und die DDR nach West-Berlin aus.

Clanmitglieder und mediale Aufmerksamkeit Mahmoud Al-Zein Mahmoud (Mohaiddine) Al-Zein gilt als Oberhaupt des Clans in Deutschland (Stand Januar 2021). Er ist auch als „Pate von Berlin“ oder „El Presidente“ bekannt. Nach Ermittlungen der Polizei ist er in Wirklichkeit türkischer Staatsangehöriger mit Namen Mahmut Uca und aus der südanatolischen Provinz Mardin.Mahmoud El-Zein darf wieder nach Deutschland: Neffe des Clanchefs schlägt Journalisten – das Gericht sah keine Gefahr. In: Der Tagesspiegel, 20. Dezember 2024. Er reiste 1982 mit seiner Familie als Urlauber mit libanesischem Pass nach West-Berlin ein.Spiegel TV vom 1. Februar 2021 Nachdem die 1984 erfolgte Ablehnung seines Asylantrags im Jahr 1986 rechtskräftig wurde, war er als Staatenloser in Deutschland nicht mehr abschiebbar, da seine Staatszugehörigkeit aufgrund nicht mehr vorhandener Ausweisdokumente nicht zweifelsfrei zugeordnet werden konnte.Jens Anker: Berlin: Banden verursachten 187 Millionen Mark Schaden. In: Der Tagesspiegel, 11. September 1998. Mahmoud Al-Zein war bereits 1998 wegen Drogenhandels, Körperverletzung und räuberischen Diebstahls vorbestraft und wurde erneut 2003 als Drogenhändler verurteilt. Bereits zu dieser Zeit bezeichneten ihn Medienberichte als Clanchef. Im Jahr 2002 bestätigte die Türkei, dass Mahmoud Al-Zein dort als Mahmut Uca registriert sei; die türkische Staatsbürgerschaft sei ihm nach Nichtableistung des Wehrdienstes aberkannt worden. 2003 wurde Mahmoud Al-Zein Gesprächsthema zwischen dem damaligen türkischen Innenminister Abdülkadir Aksu und dem damaligen deutschen Innenminister Otto Schily, da die türkische Seite eine Abschiebung seiner Person in die Türkei verweigerte.Michael Müller: Das ist der Berliner Bandenchef Mahmoud Al-Zein. In: Berlin Journal, 14. April 2016. Mahmoud Al-Zein ist 2005 erneut wegen Drogenhandels verurteilt worden und wurde mit einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten bestraft.Christoph Wöhrle: Gangster-Report. Ehrenwerte Familien: Sie beherrschen ganze Straßenzüge. Libanesische Clans in Deutschland. In: Focus, 24. April 2017, Nr. 16. Von 2005 bis 2021 war Mahmoud fast 70 Mal als Tatverdächtiger erfasst und elf Mal verurteilt worden. Laut Spiegel TV bezog er monatlich für sich, seine Frau und neun Kinder 3200 Euro „Arbeitslosengeld, Kindergeld usw.“

Am 29. Januar 2021 bestätigte die Berliner Senatsinnenverwaltung, dass Mahmoud Al-Zein ausgereist sei. Er flog am selben Tag vom Flughafen Berlin Brandenburg mit einigen Familienangehörigen nach Istanbul, um einer möglichen Abschiebung zu entgehen. Gegen ihn wurde zunächst für die Dauer von sechs Monaten eine Wiedereinreisesperre verhängt. Schon 2020 hatte er sich in der Türkei wieder einbürgern lassen. 2020 hatte er auch erneut in Berlin Asyl aus familiären und gesundheitlichen Gründen beantragt. Die Ausländerbehörde verlängerte sein Einreise- und Aufenthaltsverbot auf sieben Jahre. El-Zein reichte gegen das Einreise- und Aufenthaltsverbot eine Klage ein. Das Verwaltungsgericht drängte die Ausländerbehörde im Dezember 2024 zu einem Vergleich, da das Gericht das siebenjährige Einreiseverbot für unverhältnismäßig hielt. In einem Vergleich wurde das Einreiseverbot von sieben auf viereinhalb Jahre verkürzt und endete damit am 29. Juli 2025. Er könnte danach ein Visum beantragen. Nach der Verhandlung griff der wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Drogenhandel vorbestrafte Neffe Fadie Al-Zein den Reporter Thomas Heise von Spiegel TV mit der Faust an. Heise erstattete Anzeige. Ein Fachkommissariat für Organisierte Kriminalität ermittelt wegen Körperverletzung.

Mord an Iptehal Al-Zain Am 1. September 2008 wurde die damals 20-jährige Iptehal Al-Zain an einer Autobahnraststätte tot aufgefunden. Im Januar 2010 verurteilte das Landgericht Hagen ihren zum Tatzeitpunkt 20-jährigen Cousin Ezzedin Al-Zain wegen Beteiligung am Mord aus niedrigen Beweggründen zu 14 Jahren Haft. Der ebenfalls am Mord beteiligte Onkel des Opfers konnte sich durch Ausreise der Strafverfolgung zunächst entziehen. Laut dem Urteil des Gerichts beschloss den Mord (einen so genannten Ehrenmord) ein Familienrat, der den Lebensstil der Frau nicht akzeptierte, da sie in einem Frauenhaus lebte.Brigitta Biehl: In: cileli.de, 16. Juli 2013.Polizei verfolgt Spur nach Marburg. Rastplatz-Tote sah Entführung ihres Ex-Freundes. In: Westfalenpost, 4. September 2008. Im September 2012 wurde der tatverdächtige Onkel Hussain Al-Zein in Finnland festgenommen, nach Überführung nach Deutschland am 15. Juli 2013 wegen gemeinschaftlichen Mordes schuldig gesprochen und mit lebenslanger Freiheitsstrafe belegt. Iptehals Bruder Hüsein Al-Zein wurde im selben Verfahren wegen Mordbeteiligung zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Familien-Union Im Februar 2011 stellte das Familienmitglied Zadine El-Zein zusammen mit einem Angehörigen des Miri-Clans in einem Interview mit dem Tagesspiegel eine Familien-Union vor, die geschätzte 70 % der Mitglieder beider Familien erreiche. Die Familien-Union habe zum Ziel, vor allem junge Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass der Bildungsweg aussichtsreicher sei als eine kriminelle Laufbahn. So wollte die Familien-Union eigene Freizeiteinrichtungen in den Berliner Ortsteilen Neukölln, Wedding und Spandau eröffnen. Zugleich betonte die Union im Interview eine Kooperationsbereitschaft mit der Polizei. Unter den Mitgliedern befinden sich auch Angehörige weiterer arabischer Großfamilien, unter anderem des Remmo-Clans.Claudia Keller: Die Clanchefs bitten zum Tee. In: Der Tagesspiegel, 26. Februar 2011.

Ende 2018 stellte die Stadt Essen die Kooperation mit dem Verein „aufgrund nicht erfüllter Hoffnungen“ ein. Ebenfalls brach die Arbeiterwohlfahrt im Jugendbereich die Partnerschaft mit der Familien-Union „wegen Unvereinbarkeit der Ziele“ ab. Mitglieder der Familienunion bekamen 2019 von der Essener Polizei eine Gefährderansprache, nachdem der Berliner Migrationsforscher Ralph Ghadban nach der Veröffentlichung des Buches Arabische Clans – die unterschätzte Gefahr von Mitgliedern verschiedener Clans bedroht worden war. Im Mai 2019 trat der Vorsitzende der Familien-Union zurück.

Mahmoud Charr In der Nacht zum 2. September 2015 wurde Mahmoud Charr in einem Döner-Imbiss in Essen angeschossen und schwer verletzt. Am 14. September stellte sich der bis dahin per Öffentlichkeitsfahndung gesuchte Youssef Hassan, geborener Al-Zein, mit einem Tateingeständnis bei der Polizei.lnw: Essen. Nach Schüssen auf Profiboxer: Polizei fahndet mit Foto nach Täter. In: Rheinische Post, 4. September 2015. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt.dpa: Fünf Jahre Haft für Attentat auf Profiboxer Manuel Charr. In: Frankfurter Neue Presse, 21. März 2016.

KaDeWe-Überfall Am 20. Dezember 2014 überfielen fünf Personen, darunter Khalil Al-Zein, Jehad Al-Zein, Hamza Al-Zein sowie Hussein Miri das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Dabei richteten sie mit Hiebwaffen erheblichen Sachschaden an und begingen mit dem Versprühen von Reizgas Körperverletzung, da dies Atemwegsbeschwerden bei den anwesenden Kunden verursachte. Ihre Beute war Schmuck im Wert von 817.260 Euro. Nach einer öffentlichen Fahndung konnten drei der fünf Täter gefasst und verurteilt werden. Im Mai 2016 wurde Jehad Al-Zein zu 6 Jahren und 8 Monaten Haft und Hamza Al-Zein im Oktober desselben Jahres zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt.Ulf Morling: . In: rbb, 2. Dezember 2015.Thomas Kieschnick: KaDeWe-Raub eines arabischen Clans: „Bitte, bitte macht ihn tot.“ In: Die Welt, 15. Dezember 2016.Karin Hendrich und Anne Losensky: KaDeWe-Raub: Haupttäter wandert für 6 Jahre, 8 Monate in den Knast. In: B.Z., 25. Mai 2016.Anne Losensky: Angeklagte gestehen KaDeWe-Überfall. KaDeWe-Räuber wohnen noch bei Mutti in Neukölln. In: B.Z., 12. Oktober 2016.

Razzia 2016 Am 12. April 2016 wurden bei einer Razzia 16 Wohnungen, Lokale und Gewerbebetriebe der Familie in den Berliner Ortsteilen Lankwitz, Hermsdorf und Gropiusstadt durchsucht. Für den Einsatz wurden 200 Polizeibeamte eingesetzt, davon 60 Beamte des SEK. Es wurden acht Haftbefehle vollstreckt sowie ein Porsche, Schmuck, Bargeld und eine scharfe Schusswaffe konfisziert.Axel Lier, Katharina Metag, Maren Wittge, Matthias Lukaschewitsch, Peter Rossberg, Victor Reichardt: Das Protokoll der Razzia bei Großfamilie Al-Z. In: B.Z., 13. April 2016.

Mordauftrag von Zaki Al-Zein Im Dezember 2017 wurde Zaki Al-Zein wegen versuchter Anstiftung zum Mord und der Beihilfe beim KaDeWe-Raub, in die seine Söhne Jehad Al-Zein und Hamza Al-Zein involviert waren, zu sechs Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: Machenschaften einer Großfamilie: „Papa, wir haben das KaDeWe gemacht!“ In: SpOn, 11. Dezember 2016.

Paralleljustiz In einer RBB-Reportage aus dem Jahr 2018 über kriminelle arabische Clans bestätigte Jamal El-Zein eine Paralleljustiz, ebenso bereits erfolgte Urteile nach Tötungsdelikten.akw/kel: Clan-Friedensrichter behauptet: Selbst Morde „klären wir innerhalb von zwei Wochen“. In: Focus Online, mit Video, 1:35 Min., 10. August 2018, aufgerufen am 5. Oktober 2018.

Razzia 2021 und Verurteilungen