Markranstädt ist eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig in Sachsen.

Geografie Lage mini|hochkant=1.2|Kulkwitzer See mit Blick nach Markranstädt Markranstädt befindet sich in der Leipziger Tieflandsbucht etwa zehn Kilometer südwestlich vom Leipziger Zentrum. Die Stadt grenzt im Norden an Schkeuditz, im Osten an Leipzig, im Süden an Pegau sowie im Westen an die in Sachsen-Anhalt liegenden Städte Lützen, Bad Dürrenberg und Leuna. Sie liegt am Westufer des Kulkwitzer Sees.

Stadtgliederung Markranstädt besteht neben dem eigentlichen Stadtgebiet aus 17 Ortsteilen in sechs Ortschaften:

Ortschaft Ortsteile Frankenheim Frankenheim, Lindennaundorf, Priesteblich Göhrenz Albersdorf, Göhrenz Großlehna Altranstädt, Großlehna, Kleinlehna Kulkwitz Gärnitz, Kulkwitz, Seebenisch Markranstädt Markranstädt Quesitz Döhlen, Quesitz, Thronitz Räpitz Meyhen, Räpitz, Schkeitbar, Schkölen

Geschichte mini|hochkant|Altranstädt, Jubiläumsobelisk

Der Ortsname ist erstmals 1213 als Ranstede verschriftlicht, 1287 wird erstmals Ranstete forensi geschrieben (lat. forum = dt. ‚Markt‘). Der Name war ursprünglich der eines mittelalterlichen Dorfes in der Nähe von Großlehna, bei dem das Kloster Altranstädt gegründet wurde. Er geht auf ran = „Ort auf gerodetem Boden“ oder Ranno = „Wohnstätte des Ranno“ zurück. Der Ortsname wird mit Betonung auf der ersten Silbe ausgesprochen.

Die erste urkundliche Erwähnung Markranstädts erfolgte im Jahre 1285 als Gerichtsstuhl. Vermutlich als eine Tochtergründung des benachbarten Klostergutes Altranstädt entstanden, wird es 1287 als Marktort und 1354 als Städtchen erwähnt. Ranstädt bekam dann das Marktrecht, woraus sich der heutige Name Markranstädt ableitet. Aus dem Jahr 1285 stammt eine Urkunde, die den Verkauf des Gerichtsstuhls Ranstete (Markranstädt) mit 29 Dörfern vom Markgrafen von Landsberg an den Bischof von Merseburg belegt.Webseite des Heimatvereins Frankenheim-Lindennaundorf In der Folgezeit gehörte Markranstädt bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Lützen, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Im Jahre 1633, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Stadt von den Holkschen Reitern niedergebrannt. Dem Brand fiel unter anderem das Rathaus mit sämtlichen Schriften zum Opfer. Die 1634 herrschende Pestepidemie und die Hungersnot von 1639 führten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Im Jahre 1650 zählte Markranstädt weniger als 150 Einwohner. Die nächste lokale Katastrophe ereignete sich 1671, als bei einem Großfeuer 31 Wohnhäuser zerstört wurden. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts erholte sich die Stadt wieder. Das Schloss Altranstädt war von 1706 bis 1707 das politische Zentrum Nordeuropas, als der schwedische König dort sein Hauptquartier nahm.

Seinen zweiten Berührungspunkt mit der Weltgeschichte hatte Markranstädt am 23. Juli 1807, als Napoléon Bonaparte samt Gefolge zum ersten Mal im Gasthof „Zum Rosenkranz“ nächtigte, und am 19. Oktober 1813, als Napoleon auf seinem Rückzug nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Weg von Lindenau nach Lützen wiederum im Wirtshaus „Zum Rosenkranz“ gastierte.Vive L’Empereur – Napoleon in Leipzig. 1. Auflage. PRO Leipzig Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-936508-40-6. Im Verlauf der Völkerschlacht bei Leipzig wurde die Stadt 1813 erneut stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Lützen und die zum Kreisamt Leipzig gehörige Exklave Altranstädt im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Markranstädt verblieb jedoch mit dem Ostteil des Amts Lützen beim Königreich Sachsen und wurde dem Kreisamt Leipzig angegliedert. Es lag nun an der Grenze zu Preußen. Ab 1856 war Markranstädt Hauptort des Gerichtsamts Markranstädt und ab 1875 gehörte der Ort zur Amtshauptmannschaft Leipzig.

mini|hochkant=1.5|Rauchwaaren-Zurichterei und Färberei AG. vorm. Walter's Nachf. (um 1900) Eine wirtschaftliche Blüte erlebte Markranstädt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Durch die Nähe zum Pelzhandelszentrum des Leipziger Brühls florierte hauptsächlich die Pelzzurichtung, die Pelzveredlung und das Kürschnergewerbe. Hinzu kamen der Maschinenbau, die Markranstädter Automobilfabrik, aber vor allem die Markranstädter Brauerei. Sie war bis zum Zweiten Weltkrieg weithin bekannt für ihr „Markranstädter Pilsener“. 1886 wurde das erste Krankenhaus eröffnet, 1895 wurden das Wasserwerk und die Gasanstalt, der Wasserturm und die zugehörigen Leitungen gebaut.

mini|hochkant|Wasserturm Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden Gegner des NS-Regimes verfolgt und eingesperrt. Am 11. März 1933 wurde dabei der Kommunist Oswald Jäckel von SA-Männern ermordet. Zu seinem Gedenken trugen in der DDR-Zeit ein Altenheim und die heutige Krakauer Straße seinen Namen.

1947 wurde in der Marienstraße das Stadtkrankenhaus eröffnet, die später als gynäkologische Abteilung fungierte. 1993 wurde das Krankenhaus geschlossen, so dass die Einwohner seitdem zum Beispiel in das ca. 10 km entfernte Diakonissenkrankenhaus Leipzig fahren müssen.

Eingemeindungen EhemaligeGemeinde Datum Anmerkung Albersdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Göhrenz Altranstädt 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Großlehna Döhlen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Thronitz Frankenheim 1. Januar 1997 Eingemeindung nach MarkranstädtStBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997 Gärnitz 1. April 1936 Eingemeindung nach Kulkwitz Göhrenz 1. März 1994 Eingemeindung nach Markranstädt Großlehna 1. Januar 2006 Eingemeindung nach Markranstädt Kleinlehna 1. Oktober 1939 Eingemeindung nach Großlehna Kulkwitz 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Markranstädt Lindennaundorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Frankenheim Meyhen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Räpitz Priesteblich 1. Juni 1973 Eingemeindung nach Dölzig 1994 Eingemeindung nach Bienitz 1. Januar 2000 Umgliederung nach Markranstädt Quesitz 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Markranstädt Räpitz 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Markranstädt Schkeitbar 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Räpitz Schkölen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Räpitz Seebenisch 1. Juli 1948 Eingemeindung nach Kulkwitz Thronitz 1. Juni 1973 Eingemeindung nach Quesitz

Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 13.078 2005 15.301 2010 14.981 2015 15.119 2020 15.824 Jahr Einwohner 2021 15.981 2022 16.200 2023 16.212 2024 16.194

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Markranstädt besteht aus 22 Mitgliedern und der hauptamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (frühere Wahlen sind unten tabellarisch aufgeführt):

Liste202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU834,61041,01144,5AfD523,8418,3––Freie Wähler Markranstädt e. V.419,129,4419,2Grüne27,117,7––SPD16,429,2312,8Linke15,429,6314,3Bürger für Markranstädt13,514,716,8FDP–––––2,4Wahlbeteiligung68,8 %62,9 %47,5 %

Bürgermeister 1990–2000: Mischa Woitscheck (CDU) 2000–2005: Martin Schmeling (CDU) 2005–2013: Carina Radon (CDU) 2013–2020: Jens-Reiner Spiske (parteilos) seit 2020: Nadine Stitterich (parteilos)

Stitterich wurde in der Bürgermeisterwahl am 11. November 2020 mit 55,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt.

Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)2005Carina RadonCDU81,32012Jens-Reiner SpiskeFWM51,62020Nadine StitterichStitterich55,5

Wappen und Flagge Das Wappen zeigt einen in Gold auf grünem Boden nimbierten Heiligen in rotem Gewand und blauem Mantel, in der rechten Hand hält er ein silbernes Messer mit der Klinge nach oben, über dem linken Unterarm hat er einen gewebeartigen Gegenstand. Dargestellt wird der Heilige Apostel Bartholomäus, der Schutzheilige der Stadt, mit seinen Attributen Schindermesser und der ihm abgezogenen Haut.Beschreibung des Stadtwappens im „Markranstädter Stadtmagazin 2002“, Seiten 4 und 5 (PDF); abgerufen am 9. Mai 2023.

Die Stadtfarben sind gelb und grün, untereinander angeordnet.Hauptsatzung der Stadt Markranstädt auf markranstaedt.de (PDF)

Partnerstadt Mettmann, Nordrhein-Westfalen

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant=0.7|St. Laurentius mini|Baumhaus-Hort in Markranstädt

Sehenswürdigkeiten Kulkwitzer See, mit 160 Hektar Wasserfläche und 200 Hektar Uferzone St.-Laurentius-Stadtkirche, erbaut 1518–1525, Umbau und Aufstockung des Kirchturms 1899–1900 durch Julius Zeißig Romanische Kirchen in Kulkwitz und Frankenheim (Turm aus dem Jahr 1513) Barocke Kirchen in Schkeitbar und Quesitz (erbaut 1757, Orgel während der Völkerschlacht zerstört, 1819 neue Orgel, 2010 neue Glocken) Ehemalige katholische Kirche Maria Hilfe der Christen in Markranstädt, erbaut 1895–1896, geschlossen 2022 Altranstädter Schloss mit Kirche, Pfarrhaus und Kapelle der Grafen von Hohenthal-Dölkau Funktionstüchtige Bockwindmühle im Ortsteil Lindennaundorf Baumhaus-Hort in Markranstädt Skulptur Anima Urbana von Christian Schmit im Stadtpark Bockwindmühle Frankenheim-Lindennaundorf

Gedenkstätten Ehrenmal für die Opfer des Faschismus auf dem Friedhof, hier ist die Urne von Oswald Jäckel beigesetzt Grabstätte für sowjetische Kriegsgefangene, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden, mit Gedenktafel an sechs namentlich bekannte und ein unbekanntes Opfer Grabstätten und ein Gedenkstein für zwei unbekannte Personen, vermutlich aus der Sowjetunion, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden, auf dem Friedhof des Ortsteils Kulkwitz Grabstätten an zwei namentlich bekannte sowjetische Frauen, die nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden, auf dem Friedhof'des Ortsteil Räpitz Gedenkstein zum Gedenken an die gefallenen Frankenheimer sowie alle Opfer von Krieg und Gewalt unter der sogenannten Friedenseiche des Ortsteils Frankenheim. Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus an bisher zwei Standorten – siehe Liste der Stolpersteine in Markranstädt.

Kultur mini|Stadthalle Mit der 1999 errichteten Stadthalle besitzt die Stadt ein Gebäude, in dem vielfältige Veranstaltungen stattfinden können.

Markranstädt wird im Volksmund auch Lallendorf genannt. Dies ist sogar in das Motto des Markranstädter Carneval Club e. V. eingeflossen (Lallendorf -oho-, Markranstädt -oho-, MCC -oho-).

Seit dem Jahr 2000 findet jährlich ein Markranstädter Musiksommer in der Stadtkirche St. Laurentius statt. Neben regionalen „Jungmusikern“ traten auch international bekannte Künstler auf. Für Abwechslung im Programm sorgten neben weiteren bekannten Musikern auch die Jazzer David Timm und Reiko Brockelt. Tradition sind jeweils das Eröffnungs- und Abschlusskonzert mit dem Orchester des Sinfonischen Musikvereins Leipzig e. V., das neben Profimusikern auch aus Laien besteht.

Das Gymnasium Markranstädt bietet Schülern der 5. und 6. Klasse an, im Rahmen des Musikunterrichts ein Blasinstrument ihrer Wahl oder Schlagzeug zu lernen und gemeinsam mit ihren Mitschülern sogar auf Konzerten zu spielen. Schüler, die nach diesen zwei Jahren weiter spielen möchten, können dem klassenübergreifenden Youth Brass Orchester beitreten.

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Im Zentrum befinden sich vor allem entlang der Leipziger Straße zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte. In Markranstädt liegen die Gewerbegebiete Kulkwitz, Großlehna, Frankenheim und Ranstädter Mark.

Verkehr Straßenverkehr Markranstädt verfügt über eine gute Kfz-Verkehrsanbindung an die Großstadt Leipzig. Es bestehen zwei Anschlüsse an die A 9 (Anschlussstellen Leipzig-West und Bad Dürrenberg) sowie zwei Anschlüsse an die A 38 (Anschlussstellen Lützen und Leipzig-Südwest). Im Stadtgebiet kreuzen sich die Bundesstraßen B 87 und B 186.