Ziegelstein (, nürnbergisch: ZeijglschdahD. Fastnacht: Nürnberg, S. 484. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „dsęiglšdā“.) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Nürnberg (Mittelfranken, Bayern). Der Statistische Bezirk 84 wird ebenfalls Ziegelstein genannt, ebenso gibt es eine Gemarkung Ziegelstein. Das ehemalige Dorf wurde am 1. August 1920 nach Nürnberg eingemeindet und entwickelte sich zu einem vorstädtischen Stadtteil.

Geographie Gemarkung Die Gemarkung Ziegelstein hat eine Fläche von 9,766 km². Sie ist in 4582 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2131,40 m² haben. In ihr liegen die Stadtteile Buchenbühl, Loher Moos und Ziegelstein.

Lage Ziegelstein liegt nordöstlich der Nürnberger Innenstadt und unmittelbar südöstlich des Nürnberger Flughafens. Benachbarte Stadtteile sind Buchenbühl im Norden, Schafhof im Südosten, Loher Moos und Herrnhütte im Süden und Südwesten, Marienberg und Mooshof im Westen. Der Hirschsprunggraben durchfließt das Gebiet von Ost nach West.

Statistische Distrikte

Der Bezirk 841 Ziegelstein besteht aus folgenden Distrikten: 840 Ziegelstein Süd-West 841 Ziegelstein Süd-Ost 842 Ziegelstein Nord-Ost 843 Ziegelstein Nord-West

Geschichte mini|Wasserburg Ziegelstein (abgegangen) mini|Imhoffschloss heute Der Ort entstand neben einer städtischen Ziegelhütte. Im Jahr 1370 wurde er als „Zygelstein“ erstmals schriftlich erwähnt.D. Fastnacht: Nürnberg, S. 483. Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde Ziegelstein zerstört. Der Ort war früher Besitz der Nürnberger Patrizierfamilie Haller, die dort ein Schloss besaß, das 1642 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Im 15. Jahrhundert ging der Name des Schlosses Ziegelstein auf die ganze Siedlung über, die sowohl in den beiden Markgrafenkriegen als auch im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. 1647 kam der Ort an die Schlüsselfelder und von 1666 bis 1848 an die Imhoff.H. Rusam: Ziegelstein, in: Stadtlexikon Nürnberg, S. 1212. Das Imhoffschloss steht heute noch; der Turm wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Soldaten zerstört und das Gebäude in den Folgejahren durch Modernisierungsversuche stark verunstaltet.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Ziegelstein aus 28 Anwesen (1 Schloss, 1 Wirtshaus, 1 Ziegelei, 1 Hirtenhaus, 1 Schulhaus, 11 Güter, 7 Gütlein, 5 Häuser, 2 Brandweinbrennereien). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte der Nürnberger Eigenherr von Imhoff.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 191.

1796 kam Ziegelstein zu Preußen und 1810 zum Königreich Bayern. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Ziegelstein dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt und der im selben Jahr gebildeten Ruralgemeinde Großreuth hinter der Veste zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Ziegelstein, zu der Herrnhütte gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 24 Anwesen von 1822 bis 1848 dem Patrimonialgericht Ziegelstein. Ab 1826 wurde die Gemeinde dem Landgericht Nürnberg und dem Rentamt Nürnberg überwiesen (1919 in Finanzamt Nürnberg umbenannt).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 245. Ab 1862 gehörte sie zum Bezirksamt Nürnberg (1938 in Landkreis Nürnberg umbenannt). Die Gerichtsbarkeit liegt seit 1879 beim Amtsgericht Nürnberg. Die Gemeinde hatte 1904 eine Gebietsfläche von 2,479 km². Am 1. August 1920 wurde Ziegelstein in die Stadt Nürnberg eingemeindet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Gelände des im Osten Ziegelsteins gelegenen heutigen Technologieparks Nordostpark Waffen hergestellt. Gegen Ende des Krieges wurden die Fabriken bombardiert, wobei einige Bomben auch im nahegelegenen Reichswald östlich von Ziegelstein einschlugen. Die Einschlaglöcher sind noch zu sehen.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Ziegelstein Jahr 1818 1824 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919Einwohner 202 246 282 374 350 386 445 534 540 553 564 565 631 635 632 657 623HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1824 als Hauptgebäude, 1840 als Häuser, 1836 und Von 1871 bis 1900 als Wohngebäude. 49 35 44 67 75 79 81 Quelle Für die Gemeinde Ziegelstein zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Herrnhütte (S. 39). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 297 Einwohner.

Ort Ziegelstein Jahr 1818 1836 1840 1861 1871 1885 1900Einwohner 176 197 235 302 449 423 516Häuser 40 35 40 60 65Quelle

Religion mini|hochkant|St.-Georgs-Kirche (2024) Ziegelstein ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Jobst gepfarrt, seit 1935 ist die Melanchthonkirche zuständig. Die Katholiken sind seit 1937 nach St. Georg gepfarrt.D. Fastnacht: Nürnberg, S. 482f. Zur evangelisch-lutherischen Gemeinde gehört die Gnadenkirche Schafhof, eine Notkirche, die mit einem Hilfsprogramm durch das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland 1951 erbaut wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler mini|hochkant|Melanchthonkirche von Westen Einige Bauernhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts sind erhalten. Markant bemerkbar machen sich jedoch die Wohnanlagen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die mit großer Sorgfalt renoviert wurden. Insgesamt gibt es im statistischen Bezirk Ziegelstein zehn Baudenkmäler: Am Anger 21: Wohnhaus Am Bauernwald 25: Volksschule Angerburger Straße 12: Melanchthonkirche, evangelisch-lutherische Pfarrkirche Eschenauer Straße 64, 66, 68, 70, 72, 74, 76, 78, 80, 82, 84: Wohnsiedlung Eschenauer Straße 30: Wohnhaus Heroldsberger Weg 42a: Kinderhort Ziegelsteinstraße 183: Wohnhaus, Nebengebäude und Hoftorpfeiler einer ehemaligen Hofanlage Ziegelsteinstraße 185: Wohnhaus Ziegelsteinstraße 196: Sandsteinhaus Ziegelsteinstraße 224: Wohnstallhaus Grenzstein

ehemalige Baudenkmäler Am Anger 5, 7, 11, 15, 17, 19, 20: Kleine eingeschossige Häuser, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; teilweise modernisiert. Nr. 11 mit zweigeschossigem abgewalmten Anbau, Nr. 15 seitlich bezeichnet „1757 HW“.G. P. Fehring u. a.: Nürnberg, S. 490. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Am Anger 28: Zweigeschossiges verputztes Giebelhaus mit erdgeschossigem Seitenflügel und geringen Resten von Fachwerk; im Kern Mitte des 19. Jahrhunderts. Am Anger 30 und 32: Zweigeschossige verputzte Häuser mit Satteldach; im Kern erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; Fenster und Dachgauben modernisiert. Am Anger 34: Hofhaus der ehemaligen vierseitigen Hofanlage des 18. Jahrhunderts, mit Fachwerk an Giebel und Längsseiten. Schwedengarten 1: Kleines eingeschossiges Haus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ziegelsteinstraße 198, 200: Kleine erdgeschossige des 18./19. Jahrhunderts, teilweise modernisiert, Nr. 198 aufgestockt und mit Zwerchgiebel. Steinkreuz in der Gartenkolonie Eigenheim.

Brauchtum und Vereine Der Ziegelsteiner Brauchtumsverein veranstaltet jedes Jahr Brauchtumsfeste wie Kirchweih, Sonnwendfeier, Kartoffelfeuer, Erntedankfest und Adventssingen und bäckt jeden ersten Samstag von März bis November im selbst gebauten Backofen auf dem Ziegelsteiner Anger Holzofenbrot.

Sport Es existieren viele lokale Sportvereine. So sind in Ziegelstein der ehemalige Fußball-Gauligist ASN Pfeil Nürnberg sowie der ehemalige Handballbundesligist TuSpo Nürnberg ansässig. Die Hockey-Gesellschaft Nürnberg war 1968 deutscher Meister im Hallenhockey und spielt aktuell in der 1. Bundesliga. Mit dem Club am Marienberg besteht ein zweiter Hockey- und Tennisverein. Die DJK-Berufsfeuerwehr Franken Concordia ist eine weitere Fußballvereinigung.

Auf dem Gelände des ASN Pfeil Phönix Nürnberg befindet sich auch die sogenannte ASN-Radrennbahn, die 1949 eingeweiht, 1968 außer Dienst gestellt und seit 2022 wieder reaktiviert wird.

Fritz-Munkert-Platz mini|hochkant|Fritz-Munkert-Platz Als Endhaltestelle der ehemals verkehrenden Straßenbahn entwickelte sich die Fläche um die Kreuzung Marienbergstraße/Bierweg mit der Ziegelsteinstraße als Stadtteilzentrum der verschiedenen Siedlungen. 1982 wurde die Fläche nach dem Nürnberger Sozialdemokraten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Georg Friedrich Munkert in Fritz-Munkert-Platz benannt, der bis 1935 selbst in Loher Moos lebte, ehe er 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. Mit dem Bau der U-Bahn wurde der Platz umgestaltet und bietet seitdem neben einem Café und den Erschließungsbauwerken zum U-Bahnhof Platz für einen jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag stattfindenden Wochenmarkt.Wochenmarkt Fritz-Munkert-Platz auf nuernberg.de, abgerufen am 8. Mai 2022

Wirtschaft Die Viehzucht beschränkte sich weitgehend auf Imker und die Dorfallmende, die heute noch als „der Anger“ für Zirkusauftritte und Brauchtumsfeste wie die Ziegelsteiner Kirchweih verwendet wird. Eine der Hauptstraßen, der Bierweg, liegt auf einer noch aus dem Mittelalter stammenden Route, über die einst Bier transportiert wurde.

Verkehr und Infrastruktur Stadtverkehr Ziegelstein verfügt mit der in der Nähe liegenden U-Bahn-Station Herrnhütte und der eigenen U-Bahn-Station Ziegelstein über einen direkten Anschluss an die U-Bahn, die die zuletzt dort verkehrende Straßenbahnlinie 3 ablöste und den direkten Anschluss zur Innenstadt und zum Flughafen ermöglicht.

Des Weiteren verkehren durch den Stadtteil die Buslinien 21, 30, 31 und 45, die zahlreiche Direktverbindungen ins Stadtgebiet bieten.

Haltepunkt Ziegelstein mini|Bereich des ehemaligen Bahnhofs

Durch Ziegelstein führt die Gräfenbergbahn, die kurze Zeit einen Haltepunkt Ziegelstein am Bahnübergang an der Neuwieder Straße hatte.

Der Bahnhof wurde am 1. Februar 1908 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffnet. Am 13. Januar 1926 wurde die Station mit der Verlängerung der Straßenbahn nach Ziegelstein aufgelassen und stattdessen im nördlich gelegenen und damals neu entstandenen Stadtteil Buchenbühl ein Haltepunkt eröffnet. Seit dessen Wegfall im Jahr 1983 ist der Nürnberger Nordostbahnhof bei Herrnhütte für Ziegelstein der nächstgelegene Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn.

Bilder

Schulen In Ziegelstein gibt es eine Grund- und Teilhauptschule am Heroldsberger Weg.

Persönlichkeiten In Ziegelstein verbrachte die Autorin Esther Vilar ihre Kindheit.Esther Vilar zu Gast in Nürnberg Kindheit in Ziegelstein - „Das ist schon eine seltsame Stadt“ auf Nordbayern.de vom 19. Februar 2009

Literatur

Julius Kelber: Die ehemalige Dorfgemeinde Ziegelstein (bis zur Eingemeindung in die Stadt Nürnberg), Zeder Druck Nürnberg 1939.

Knud Willenberg; Rudolf Groh: Ziegelstein und Herrnhütte früher. Hrsg.: Verein zur Förderung der Begegnungsstätte in Ziegelstein e. V. Nürnberg: Korn und Berg Teil 1: (Bis 1945), 1989, 52 S., ISBN 3-87432-141-X Teil 2: (Nach 1945), 1990, 92 S., ISBN 3-87432-200-9

Weblinks

Fußnoten

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