mini|Jean-Michel Coulon, 1950. Jean-Michel Coulon (* 10. Oktober 1920 in Bordeaux; † 25. Oktober 2014 in Paris) war ein französischer Maler der École de Paris. Er war in der künstlerischen Bewegung der 1940er und 1950er Jahre bekannt und verkehrte mit Nicolas de Staël, Serge Poliakoff, André Lanskoy, Maria Helena Vieira da Silva, Picasso und insbesondere seinem Schwager Olivier Debré.
Leben In den 1930er-Jahren besuchte Coulon das Janson-de-Sailly-Gymnasium, danach absolvierte er die Vorbereitungsklasse auf das Elite-Gymnasium Henri-IV. Bis 1939 studierte er Geschichte in Paris.Karin Sagner: Coulon, Jean-Michel. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 21: Contell - Courtry. Saur, München u. a. 1999, ISBN 3-598-22761-2, S. 554. In seiner Jugend unternahm er viele Reisen, zunächst nach Deutschland, wo er die Sprache erlernte, nach dem Abitur zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Olivier Debré nach Italien, und entlang der afrikanischen Atlantik- und Mittelmeerküsten als frei fahrender Passagier an Bord von Handelsschiffen.
Während des Zweiten Weltkrieges verließ er 1943 Paris und beschaffte sich einen falschen Personalausweis. Er flüchtete mit Olivier Debré, der im gleichen Jahr seine Schwester Denise Coulon heiratete, nach Megève. Während dieser Zeit entschlossen sich die beiden Freunde, sich der Malerei zu widmen. 1944 wurde sein Bruder Jean-Rémi Coulon mit 19 Jahren auf dem Bauernhof By im Departement Loiret von den Deutschen hingerichtet.
Im Jahr 1945 begann Coulon, im Rahmen sogenannter Kunstsalons (Salon des Réalités Nouvelles, Salon de Mai) auszustellen. Er begegnete 1949 Caroline Garabedian, einer amerikanischen Violinistin, die nach Paris gekommen war, um dort am Konservatorium zu studieren. Sie wurde 1953 seine Ehefrau. Coulon stellte seine Werke im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung mit Braque, Picasso, Klee, Lurçat, Laurens, Nicolas de Staël, André Lanskoy, Maria Helena Vieira da Silva, Reichel, Bauchant, Manessier, Chapoval, Déchelette, Szenes und Kandinsky in der Jeanne-Bucher-Galerie in Paris aus. 1950 hatte er auch eine Einzelausstellung in der Jeanne-Bucher-Galerie. Das Gästebuch der Ausstellung zeugt davon, dass viele heute berühmte Maler, darunter Rothko, Lanskoy, Deyrolle, Arnal, Vieillard, Szenes und Vieira da Silva, die Ausstellung besuchten. Er stellte seine Werke auch im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung der New Yorker Künstlergruppe „Young Painters from US and France“, zu denen unter anderem Nicolas de Staël und Pierre Soulages gehörten, in der Sidney-Janis-Galerie aus. Dank eines Stipendiums der französischen Regierung verweilte er 1950 drei Monate im Maison Descartes in Amsterdam. Dort machte er sich mit den klassischen holländischen Malern vertraut und lernte Niederländisch.
mini|Invitation card to Coulon's exhibit (1950). mini|Painter Jean-Michel Coulon visiting St Peter Church in Leiden (1950)
Im Jahr 1955 zerstörte ein Feuer sein Haus und sein Atelier in Saint-Jean de Braye, in der Nähe von Orléans. Eine große Anzahl von Bildern wurde vernichtet. Er verbrachte 1956 zwei Monate in den USA und entdeckte dort die großen Metropolen. 1957 wurde seine einzige Tochter geboren.
Nach dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Militärstruktur der NATO zog die Familie 1968 nach Brüssel, da seine Frau dort beim Sitz der Organisation arbeitete. Dort blieben sie bis 1998. Eine 1971 vom Galeristen Michel Vockaer organisierte Ausstellung in der Régence-Galerie in Brüssel war ein Erfolg: Achtzehn Bilder wurden verkauft.
mini|Composition by Jean-Michel Coulon, 1960s
Coulon kehrte 1999 nach Paris zurück und widmete sich vermehrt der Collage, indem er Werke auf alten Leinwänden aus den 1950er- und 1960er-Jahren produzierte.
Seit 2012 hatte er gesundheitliche Probleme und verbrachte nach einem langen Krankenhausaufenthalt das Leben im Rollstuhl. Sein Atelier suchte er nicht mehr auf, stattdessen fertigte er seine Collagen in seiner Wohnung auf Canson-Papier an. 2014 starb Coulon mit 94 Jahren in Paris. Er wurde in Saint-Georges-de-Didonne, dem Familiensitz im Departement Charente-Maritime, begraben.
Werk Jean-Michel Coulon malte bis zu seinem Tod Ende 2014 unter Geheimhaltung: Er ließ niemanden in sein Atelier und sprach nie über seine Malerei, nicht einmal mit seinen engsten Vertrauten. Mehr als 600 Gemälde wurden am Tag nach seinem Tod bei der Begehung seines Ateliers entdeckt, das er selbst seit mehreren Jahren nicht mehr hatte besuchen können.
2021 erschien ein von seiner Tochter Aline Stalla-Bourdillon zusammengestellter Catalogue raisonné in drei Bänden.
Ausstellungen 1949: Gruppenausstellung in der Galerie Jeanne Bucher, Paris, Frankreich 1950: Einzelausstellung in der Galerie Jeanne Bucher, Paris, Frankreich 1950: Gruppenausstellung Young Painters from the US and France in der Sidney Janis Gallery, New York, USA 1952: Nimmt an der Ausstellung Posters by Painters and Sculptors im Museum of Modern Art (MoMA) in New York teil, USA 1969: Einzelausstellung in der Galerie Michel Vockar, Brüssel, Belgien 1971: Einzelausstellung in der Galerie Régence, Brüssel, Belgien 2018: Jean-Michel Coulon in der Galerie Dutko, Paris, Frankreich 2019: Jean-Michel Coulon: Une Vie pour la Peinture, Maison des Arts Châtillon, Châtillon, Frankreich 2019: Jean-Michel Coulon, 70 years of painting, Laurentin Gallery, Brüssel, Belgien 2019: Gruppenausstellung A Century of Collage in der Rosenberg & Co. Gallery, New York, USA 2020: Gruppenausstellung Couleur-Lumière in der Galerie 50, La Cadière d'Azur, Frankreich 2021: Gruppenausstellung Summer Show in der Galerie Dutko, Paris, Frankreich 2021: Gruppenausstellung Quatre Peintres Abstraits de l'Après-Guerrein der Galerie Luz 26, Saint-Jean de Luz, Frankreich 2021: Gruppenausstellung Petits Formats in der Galerie 50, La Cadière d'Azur, Frankreich 2021: Gruppenausstellung Collages des Années 50 aux Années 2000 in der Galerie Luz 26, Saint-Jean de Luz, Frankreich 2022: Ausstellung in der Galerie 50 in La Cadière-d'Azur, Frankreich 2023: Gruppenausstellung La Seconde Ecole de Paris in der Galerie Luz 26, Saint-Jean de Luz, Frankreich 2023: Gruppenausstellung Fine Art la Biennale (FAB) – Paris, Frankreich, Galerie Françoise Livinec 2024: Jean-Michel Coulon, l'appel de la lumière, Musée du Protestantisme, de la Réforme à la laïcité, Ferrières, Tarn, Frankreich 2025: Gruppenausstellung Salon du Dessin – Paris, Frankreich, Galerie Laurentin 2025 : Gruppenausstellung Fine Art la Biennale (FAB) – Paris, Frankreich, Galerie Laurentin
Werke in Sammlungen Nach der Klassifikation des Catalogue raisonné:
Frankreich Musée National d’Art Moderne, Paris, 2022: 0036H, 0824G, 0826G, 0837G und 0844G. https://grandpalaisrmn.fr/ Musée du protestantisme, de la Réforme à la laïcité, Ferrières, Tarn, 2025: 0279H. Musée d'Art Moderne André Malraux (MuMa), Le Havre, 2025 : 0840G, 0841G und 0848G.
Schriften Briefe aus Amerika, Vorwort von Annie Cohen-Solal (Gourcuff Gradenigo, 2019) Briefe aus Italien, Vorwort von Annie Cohen-Solal (Gourcuff Gradenigo, 2019)
Literatur Lydia Harambourg, Jean-Michel Coulon, Gourcuff-Gradenigo, 2018 Paul Baquiast, Une dynastie de la bourgeoisie républicaine, les Pelletan, L'Harmattan, 1996 Aline Stalla-Bourdillon, Jean-Michel Coulon (1920-2014), Catalogue raisonné in drei Bänden, Gourcuff Gradenigo, 2021 Patrick Cabanel, Patrice de Ginestet, Aline Stalla-Bourdillon, Jean-Michel Coulon, l'appel de la lumière, Musée du Protestantisme, de la Réforme à la laïcité, Ferrières, Tarn, Frankreich, Gourcuff Gradenigo, 2024
Weblinks
Jean-Michel Coulon, une Vie pour la Peinture
Einzelnachweise
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