mini|Historisches Wappen des Pleißenlandes Das Pleißenland ist eine historische Landschaft im westlichen Sachsen und östlichen Thüringen. Es ist nach dem Fluss Pleiße benannt.
Überblick Wie archäologische Funde zeigen, war das Pleißenland ursprünglich vereinzelt elbgermanisch besiedelt. Im ausgehenden 6. Jahrhundert fand eine slawische Besiedlung statt. Unter König Heinrich I. wurde es im 10. Jahrhundert Teil des Ostfrankenreiches. Das in Urkunden lateinisch terra plisnensis benannte Gebiet, auch als Pleißengau oder Gau Plisni (urkundlich „pagus Plisni“Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 49.), war nach den Eroberungen Heinrichs zur Gänze Teil des Reichsguts. In den Auseinandersetzungen der Salier mit dem Reformpapsttum im 11. Jahrhundert schwand der königliche Einfluss auf die Krongüter im nordalpinen Reich, sodass diese allmählich in den Besitz verschiedener Grafengeschlechter gelangten. Wichtige Zentren der terra plisnensis, die sich vor allem im 12./13. Jahrhundert im Zuge der deutschen Ostsiedlung und der Förderung besonders durch die Staufer etablierten, waren Altenburg, Leißnig, Colditz (1143 Reichsburg) und Lausick. Im 12. Jahrhundert stand der Süden des Pleißenlandes unter dem Einfluss der Burggrafen von Nürnberg, im Norden gelangte Groitzsch 1135/43 in den Besitz der Wettiner. Das Reichsgut Pleißenland gewann besonders unter den Staufern an Gewicht.Anm.: z. T. enthalten die hier angegebenen Quellenverweise direkte Links zu digitalisierten Ausgaben der entsprechenden Editionen. Abkürzungen folgen den wissenschaftlichen Standards, die vollen Titel befinden sich in den Quellen- und Literaturverzeichnissen (Auflösung der Abkürzungen ebd.).
Auf- und Ausbau des Pleißenlandes unter Lothar III. und den frühen Staufern Lothar III. (1125–1133) Bereits Kaiser Lothar III. von Süpplingenburg hatte begonnen, die alten Krongüter als Stütze der königlich-kaiserlichen Macht im Reich zu sammeln und zu sichern, nachdem diese in salischer Zeit oftmals dem Königtum entfremdet worden waren. So begann er nicht nur wieder Altenburg als Itinerarort aufzusuchen,RI IV, 1,1 Nr. 292 und Nr. 390 ; vgl. UBA, Nr. 4, ebenso sondern förderte auch erste Ansätze eines Landesausbaus, die die königliche Macht im Land stärken sollten.Vgl. Elmar Wadle: Reichsgut und Königsherrschaft unter Lothar III. (1125–1137). Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte des 12. Jahrhunderts. (Schriften zur Verfassungsgeschichte 12). Duncker & Humblot, Berlin 1969. Typisch für die beginnende herrschaftliche Durchdringung des Krongutes erscheint die Errichtung von Klöstern, welche vor allem die umliegenden Wälder roden und urbar machen sollten. Wichtig für das Pleißenland war die Gründung des Klosters Chemnitz 1136, wodurch das westliche Erzgebirge zu einem Schwerpunkt von Rodungs- und Siedlungstätigkeiten wurde, die später vor allem durch pleißenländische Reichsministerialen vorangetrieben wurden.Wadle: Lothar III., S. 245; Lothar III. erscheint im Necrologium des Klosters Chemnitz, vgl. CDS II 6, Anhang II, S. 481 (isgv.de). Auch unter den Staufern blieben Klöster ein wichtiges Element der herrschaftlichen Stabilisierung, wie die Bestätigung der Besitzungen und des Königsschutzes für das Chemnitzer Kloster unter König Konrad III. zeigt.Urkunde Nr. 86 in (= UBA, Nr. 7 = CDS II 6 Nr. 302) (isgv.de). Einen zweiten Schwerpunkt bildeten die Gebiete um Leisnig, Colditz und Zwickau. 1135 starb das Haus Groitzsch im Mannesstamm aus, wodurch bereits ein Teil der Reichslehen wieder heimfiel. Wichtig waren auch die Klöster Pegau und Bürgel. Der größte Teil des Groitzscher Allodialgutes ging an Rapoto von Abenberg, wobei allerdings auch das Königtum Gebiete um Groitzsch und Leisnig erworben haben dürfte.Wadle: Lothar III., S. 241–243 und 280.
Konrad III. (1138–1152) Da es König Konrad III. an eigenem Hausgut mangelte, mit dem er seine Position im Reich hätte stärken können (das staufische Allodialgut unterstand seinem Bruder, Herzog Friedrich II. von Schwaben, dem Vater des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa), musste er sich zwangsweise auf die alten Kronländer aus ottonischer und salischer Zeit stützen, besonders da er sich der welfischen Konkurrenz im Reich erwehren musste.Friedrich Hausmann: Die Anfänge des staufischen Zeitalters unter Konrad III. In: Theodor Mayer (Hrsg.): Probleme des 12. Jahrhunderts. Reichenau-Vorträge 1965–1967 (= Vorträge und Forschungen; 12). Thorbecke, Konstanz / Stuttgart 1968, S. 62 f. Neben der weiteren Förderung von Klöstern (unter anderem wurden 100 Königshufen im Pleißenwald als Grundstock für die Gründung des späteren Klosters Remse genannt),Urkunde 85 in (= CDS I A2, Nr. 176 (online)).) die unter Konrad Burggrafschaften errichtet wurden, zum Beispiel 1147 in Altenburg.Zu den Burggrafschaften im Pleißenland s. André Thieme: Die Anfänge der Burggrafschaft Altenburg. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. Nr. 65, 1994, S. 27–38. und André Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg. Studien zu Amt und Herrschaft im Übergang vom hohen zum späten Mittelalter. (Schriften zur Sächsischen Landesgeschichte 2). Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2001. Diese stellten eine ständige Repräsentanz der Königsmacht dar, es waren Instrumente zur Sicherung und Verwaltung des königlichen Gutes in und um die Reichsburgen. Ihre Inhaber hatten militärische, richterliche und politische Aufgaben. Die durch den Landesausbau neu gewonnenen Nutzflächen unterstanden direkt dem Königtum, da keine älteren dynastischen oder kirchlichen Rechte auf den neu erschlossenen Siedlungsräumen lagen. So konnte Konrad III. das staufische Gewicht im Osten des Reiches verstärken und damit seine eigene Position festigen.Gerhard Billig: Pleißenland–Vogtland. Das Reich und die Vögte. Untersuchungen zu Herrschaftsorganisation und Landesverfassung während des Mittelalters unter dem Aspekt der Periodisierung. Vogtland-Verlag, Plauen 2002, S. 27; Hausmann: Konrad III., S. 66 und 76. Allerdings setzte von allen staufischen Königen allein Konrad konzentriert auf die Burggrafschaften; seine Nachfolger, besonders Friedrich Barbarossa, stützten sich auf die neue Institution der Reichsministerialen. Jedoch erwuchsen sowohl aus Burggrafen wie Ministerialen im 13. Jahrhundert zentrifugale Kräfte, die durch Ausbau des eigenen Allodialgutes die Königsmacht im Pleißenland schwächten.
In einer Stiftungsurkunde Konrad III. aus dem Jahre 1143Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 44 u. 52. für das Kloster Remse im Tal der Zwickauer Mulde, wird ein königlicher Bannwald, der „Pleißenwald“ im Westerzgebirge erwähnt „in regali silva Blissinensi“, in dem die gestifteten 100 Königshufen des neuen Klosters Remse lagen. Dieses westsächsische Waldgebiet war Königsgut im Pleißenland.
Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) Noch während Konrads III. Herrschaft war Herzog Friedrich III. von Schwaben, der spätere König und Kaiser Friedrich Barbarossa, im Pleißenland aktiv gewesen. Bald nach 1147 erwarb er von Rapoto von Abenberg Teile des Groitzscher Erbes, die aber nicht in Verbindung zu Altenburg standen. Eine gemeinsame Planung Konrads und Friedrichs im mitteldeutschen Osten ist aber nicht wahrscheinlich.Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg, S. 161; Billig: Pleißenland, S. 31; Hans Patze: Kaiser Friedrich Barbarossa und der Osten. In: Theodor Mayer (Hrsg.): Probleme des 12. Jahrhunderts. Reichenau-Vorträge 1965-1967. (Vorträge und Forschungen 12). Thorbecke, Konstanz/Stuttgart 1968, S. 360. Zwar befand sich Friedrich zu Beginn seiner Herrschaft in einer besseren Position als sein Onkel, doch die Auseinandersetzung mit den Welfen unter Heinrich dem Löwen (erst 1180/81 mit dessen Niederwerfung zeitweilig gelöst) und seine recht erfolglosen ersten Italienzüge 1154/55 und 1158 veranlassten auch Barbarossa, sich verstärkt auf die Krongüter im mitteldeutschen Osten zu konzentrieren, denn die Gebiete östlich der Saale boten die Möglichkeit der direkten Königsherrschaft über relativ große und noch zu erschließende Gebiete mit starkem wirtschaftlichen und politischen Potenzial. Die erste bedeutende Maßnahme war der Gütertausch mit Heinrich dem Löwen 1158. Dabei entschädigte der Kaiser das Reich für die abgetretenen Reichsgüter (z. B. den Königshof Pöhlde und weitere Güter im Westharz (Scharzfels, Herzberg)), indem er jenen Besitz dem Reich übereignete, den er vorher von Rapoto von Abenberg erworben hatte (namentlich waren das die Burgen Leisnig und Colditz, die Festung Lausick und andere).Urkunde 199 in (=UBA, Nr. 11 = CDS I A2, Nr. 277) (isgv.de); vgl. auch Walter Schlesinger: Egerland, Vogtland, Pleißenland. In: Walter Schlesinger (Hrsg.): Mitteldeutsche Beiträge zur deutschen Verfassungsgeschichte des Mittelalters. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1961, S. 197; Rudolf Kötzschke und Hellmut Kretzschmar: Sächsische Geschichte. Flechsig, Würzburg 2002, S. 71; Bernhard Töpfer und Evamaria Engel: Vom staufischen Imperium zum Hausmachtkönigtum. Deutsche Geschichte vom Wormser Konkordat 1122 bis zur Doppelwahl von 1314. Böhlau, Köln/Wien 1976, S. 137; Billig: Pleißenland S. 31; Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg, S. 167; Patze: Barbarossa, S. 360. Die wirkliche Umwandlung des Pleißenlandes in ein Reichsland trat erst um 1165 ein.Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg, S. 170 bietet eine überzeugende Datierung für die Einrichtung des Reichslandes Pleißen auf 1165. Zudem hielt sich Friedrich I. Barbarossa erst ab 1165 in Altenburg auf, s. RI IV 2, 2 Nr. 1454 und 1455 . Dies bedeutete einen intensiven Ausbau des Pleißenlandes und eine forcierte Städteentwicklung, zum Beispiel die Errichtung einer Pfalz in Altenburg und eines Augustiner-Chorherrenstiftes ebendort 1165, welches 1172 geweiht wurde. Auch die Verleihung von Markt-, Münz- und Zollrechten an das Kloster Pegau, die Stadtrechtsverleihung an die Altenburger Bartholomäussiedlung und die Einrichtung einer Münzstätte in Altenburg zählten dazu.Ab dieser Zeit taucht Altenburg als „imperiale castrum et oppidum“ auf, vgl. Zudem Patze: Barbarossa, S. 379 und 403; Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg, S. 165f. Wohl um 1170 gründete Friedrich Barbarossa die Städte Chemnitz und Zwickau bzw. verlieh ihnen das Stadtrecht und ließ zahlreiche weitere Burgen bauen oder ausbauen. Diese kaiserliche Landespolitik hätte für Altenburg, Chemnitz oder Zwickau unter Umständen auch eine Entwicklung zum Status von Reichsstädten bedeuten können, wäre das Pleißenland nicht in den Wirren der letzten Stauferjahre 1242/43 an die Wettiner gelangt.