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}mini|Ein detailgetreuer Nachbau des New Yorker Hauptquartiers: Das Haus von Chabad-Lubawitsch in der Siedlung Kfar Chabad, etwa zehn Kilometer südöstlich von Tel Aviv, Israel.
Chabad () oder Lubawitsch (), oft kombiniert zu Chabad-Lubawitsch, ist eine innerhalb des Judentums umstrittene jüdische Gruppierung, die von Rabbiner Schne'ur Salman (1745–1812) im späten 18. Jahrhundert in Ljady begründet wurde und Teil des Chassidismus, einer religiös-mystischen Strömung, ist. Die Anhänger organisieren sich in Gruppierungen oder Dynastien, geleitet von deren Rebbes, und unterhalten Institutionen und Emissäre, genannt Schluchim,Erklärung zu Schluchim, abgerufen am 17. Dezember 2022 in rund 70 Ländern. Ihr heutiges Zentrum liegt im Wohnviertel Crown Heights im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Die zentrale Chabad-Synagoge liegt ebenfalls in Crown Heights und wird nach ihrer Adresse „770 Eastern Parkway“ auch 770 genannt.
Geschichte mini|Russisches Kaiserreich, Westteil 1827
Als „Chabad“, ein Akronym aus hebräisch Chochma (חכמה, „Weisheit“), Bina (בינה, „Erkenntnis, Verständnis“) und Daat (דעת, „Wissen“), bezeichnen sich chassidische Gruppen, für die diese drei Begriffe (Sephiroth) aus der Kabbala von zentraler Bedeutung sind. Die Namensgebung Lubawitscher bezieht sich auf den ursprünglich im Ansiedlungsrayon gelegenen Ort Ljubawitschi (), einem Dorf nahe Smolensk, damals Russisches Kaiserreich, das ab 1813, als sich der zweite Rebbe der Chabad-Dynastie Dovber Schneuri („Mitteler Rebbe“) dort niederließ, bis zur Evakuierung 1915 in den Wirren des Ersten Weltkrieges das Zentrum der Bewegung bildete.
Die einzelnen Gruppen des Chassidismus unterscheiden sich traditionell in der Betonung verschiedener Bereiche im Dienst Gottes. Chabad betont besonders das kontemplative Gebete-wellsprings.org: und das intensive, systematische Studium der chassidischen Lehre.Siehe Michael Chanoch Golomb, Schaare Limud HeChassidut, New York 1998, ISBN 0-8266-5284-0 Gemeinsam mit anderen chassidischen Gruppen betont die Chabad-Philosophie den Dienst Gottes mit Freude (hebr. Simcha) und die Aufgabe des Menschen, durch den Gebrauch von materiellen Gütern die innewohnenden göttlichen Funken (hebr. Nitzotzot) zu befreien (dieser Vorgang heißt im Hebräischen Tiqqun Olam).
Seit Rabbi Menachem Mendel Schneerson (1902–1994) werden außerdem erhebliche Anstrengungen unternommen, ihre im Judentum unübliche, messianische Art der Toraauslegung außerhalb der Bewegung zu popularisieren. Siehe etwa Lamplighters. The Philosophy of Lubavitch Activism in Jacob Immanuel Schochet, The Mystical Dimension, vol. III, New York 1995, ISBN 0-8266-0530-3, S. 183–214
Der Hauptsitz von Chabad lag unter Schneur Salman in Ljady, unter seinem Sohn und Nachfolger R. Dowber wurde der Sitz nach Lubawitsch verlegt. Nach der Evakuierung von Lubawitsch während des Ersten Weltkrieges lebten die Chabad-Rebbes in Rostow am Don, Riga und Warschau, bis Rabbi Yosef Yitzchak Schneersohn 1940 in die USA floh. Er ließ sich im New Yorker Stadtteil Crown Heights (Brooklyn) nieder, wo auch sein Nachfolger Rabbi Menachem Mendel Schneerson bis zu seinem Tode wohnte.
Verlässliche Angaben zur Mitgliederzahl der Chabad-Bewegung liegen nicht vor.Siehe Sue Fishkoff: The Rebbe's Army. Inside the World of Chabad-Lubavitch, New York 2003, ISBN 0-8052-4189-2, S. 13: There's no membership roster, no official census. Many reporters use the figure of 2000,000 Lubavitchers worldwide, but that's little more than guesstime. („Es gibt keine Mitgliederlisten, keine offizielle Zählung. Viele Berichterstatter sprechen von ungefähr 200.000 Lubawitschern auf der ganzen Welt, das ist jedoch kaum mehr als eine geratene Schätzung.“) Die Zahl der Anhänger beträgt etwa 17.000 Familien,Marcin Wodziński, Historical Atlas of Hasidism, Princeton University Press, 2018. S. 192–196. Einige tausend nichtreligiöse Juden nehmen gelegentlich an Chabad-Aktivitäten teil.
Das Buch Tanja Das Buch Tanja, auch „Sefer Shel Beinonim“ () von Schneur Salman, ist das zentrale Werk des Chabad-Chassidismus. Es erschien erstmals 1797 in Slawita.Kizzurim We-Haorot Le-Sefer Ha-Tanya, New York 1989, S. 113. Der Name „Tanja“ geht auf die zu Beginn des Buches zitierte Talmudstelle zurück, die mit dem Wort Tanja („wir haben gelernt“) beginnt. Das Buch Tanja umfasst in den heutigen Druckausgaben fünf getrennte Teile: Likkutej Amarim, auch Tanja oder Sefer Schel Bejnonim („Das Buch der Durchschnittsmenschen“) genannt. Schaar HaJichud WeHaEmuna („Tor der Einheit und des Glaubens“) Iggeret HaTeschuva („Brief über die Rückkehr“) Iggeret HaKodesch („Heiliger Brief“) Kuntres Acharon („Letzte Abhandlung“) Mit dem Namen Tanja wird heute das gesamte Buch, und nicht nur Teil I, bezeichnet. In Teil I (53 Kapitel) ist, wie im Untertitel „Das Buch der Durchschnittsmenschen“ angedeutet, der Durchschnittsmensch (hebr. Bejnoni) und sein spirituelles Potenzial Hauptthema. Nach R. Schneor Salman gelingt es dem Bejnoni, weder in Gedanke, Wort noch Tat zu sündigen. Der äußerlichen Kontrolle über diese Bereiche zum Trotz ist aber beim Bejnoni das Potenzial zum Bösen weiterhin in vollem Ausmaß vorhanden und erfordert ständige Wachsamkeit und Bekämpfung. R. Schneor Salman zufolge ist die Persönlichkeit des Bejnoni nicht bloßes Ideal, sondern von jedem praktisch erreichbar. Grundlage für Teil II Schaar HaJichud WeHaEmuna (12 Kapitel) ist eine der Hauptthesen von R. Schneor Salman: Dass Glauben und Wissen notwendige Ergänzungen sind, um Gott richtig dienen zu können. Der Mensch muss bis an die Grenzen der eigenen intellektuellen Fähigkeiten um ein Verständnis von Göttlichkeit ringen und erst jenseits dieser Grenze den Glauben anwenden. Teil II behandelt u. a. die Themen „Schöpfung aus dem Nichts“, göttliche Essenz und Emanation, und Tzimtzum (hebr. „Verringerung“, „Verdichtung“). Teil III, Iggeret HaTeschuva (12 Kapitel), behandelt das Thema der Teschuva (hebr. „Umkehr“, „Rückkehr“). Bei R. Schneor Salman erhält der Begriff Teschuva eine facettenreiche Deutung: Von der Abkehr von augenscheinlich Bösem bis hin zur spirituellen Weiterentwicklung von Gutem. Teil IV, Iggeret HaKodesch, wurde postum von den Söhnen des Verfassers hinzugefügt und enthält 32 Briefe, die inhaltlich keinen Zusammenhang aufweisen. Manche der Briefe verweisen auf Themen in Teil I des Tanja. Das Gebot der Mildtätigkeit (hebr. Zedaka) ist ein dominierendes Thema. Darüber hinaus werden die Notwendigkeit des Studiums der mystischen Dimension der Tora und eine ausführliche Begründung der chassidischen Lehre angesprochen. Teil V, Kuntres Acharon (9 Abhandlungen), wurde ebenfalls postum von den Söhnen des Verfassers herausgegeben. Die Abhandlungen dieses Teils stehen untereinander in keinem inhaltlichen Zusammenhang und behandeln größtenteils komplexe Theorien der Kabbala. Die letzten zwei Abhandlungen (Nr. 8 und 9) enthalten jedoch praktische Anweisungen für das tägliche Gebet, die Anweisung, jeden Schabbat die Halachot (hebr. „Gesetze“) des Sabbat zu lernen und gleichzeitig den Sabbat nicht nur dem Gesetz nach, sondern auch in seiner inneren Dimension zu hüten.
Das Studium des Chassidismus im Allgemeinen und des „Buch Tanja“ im Besonderen ist für Chabad-Chassidim ein wichtiger Teil des Studiums. Eine deutsche Übersetzung aller fünf Teile des „Buch Tanja“ erschien im Jahr 2000 in Wien.Das Buch Tanja, ins Deutsche übertragen von Levi Sternglanz unter der Leitung von Rabbiner Jacob I. Biderman, Kehot Publication Society, Wien 2000, 486 Seiten, ISBN 0-8266-6124-6 Weitere Ausgaben folgten.
Bräuche Chabad hat einen eigenen Gebetsritus (), der dem Ritus von Rabbi Isaak Luria folgt und vom Chabad-Gründer Rabbi Schneor Salman von Ljadi erstmals 1803 publiziert wurde. Anders als die Gebetbücher nach dem lurianischen Ritus, die bis dahin gedruckt wurden, war die von R. Schneor Salman redigierte Ausgabe nicht als Präsentation mystischer Kawanot (Intentionen), sondern als Gebetbuch für die Praxis gedacht und konnte ohne jede Vorkenntniss der Kabbala benutzt werden. Aus diesem Grund druckte R. Schneor Salman nur den tatsächlichen Text der Gebete, ohne Kawanot. Die Liturgie folgt jedoch in jedem Detail der lurianischen Kabbala.Rabbi Nissen Mangel in der Einleitung zu seiner Übersetzung des Siddur Tehillat Hashem, Annotated Edition, New York 2003, S. XV, ISBN 0-8266-0152-9 Frauen haben bei Chabad keine volle liturgische Gleichberechtigung und werden im Eherecht immer noch benachteiligt.
R. Schneor Salman soll sechzig verschiedene Versionen der Liturgie kritisch überprüft haben, um die korrekte Version des liturgischen Textes festzustellen, die sowohl mit der Halacha als auch der Kabbala übereinstimmt.Rabbi Nissen Mangel in der Einleitung zu seiner Übersetzung des Siddur Tehillat Hashem, Annotated Edition, New York 2003 Ursprünglich unter dem Titel Siddur Tora Or publiziert, wurde das Gebetbuch später in einer erweiterten Fassung unter dem Titel Siddur Tehillat Hashem verlegt.
Im Gegensatz zu anderen Ultraorthodoxen ist Chabad weniger auf Geschlechtertrennung fixiert. Sterna Wolff, die Frau des verstorbenen Chabad-Rabbiners Benjamin Wolff in Hannover:
„Die Aufgabe der Frau ist es vor allem, Hausfrau zu sein. Aber der Rebbe hat uns gelehrt, stolz darauf zu sein. Er hat ständig darüber gesprochen, wie wichtig die Frauen sind. Heute würde ich nicht mit einem Mann tauschen wollen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Der Rebbe hat uns beigebracht, dass wir gleichwertig sind. Wir Frauen sind wie Diamanten, wir sind das Wichtigste im Haus. Unsere Aufgabe ist es, Kinder zur Welt zu bringen und sie zu erziehen. Aber dass wir Mütter sind bedeutet nicht, dass wir den ganzen Tag in der Küche sitzen. Unsere Aufgabe ist es, unser Frausein für unsere Arbeit einzusetzen, gut auszusehen, nach außen zu wirken und uns an den Aktivitäten eines Chabad-Hauses zu beteiligen.“Strikte Geschlechtertrennung Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 10. Juni 2022
Die für verheiratete Frauen übliche Bekleidung (Rock mit Oberteil oder Kleid) bedeckt Schlüsselbein, Ellenbogen und Knie. Diese bevorzugen tendenziell hochwertige Perücken (Sheitl) statt Kopftüchern (Tichel) um das Haar zu bedecken.
In dieser Bewegung geht es darum, jedes Land so heilig zu machen wie das Land Israel. Der Vorhang vor dem Toraschrein der Berliner Synagoge zeigt daher auch das Brandenburger Tor, aus dem zwei Torarollen herausragen.
Auf manchen Gebieten gibt es gruppenspezifische Minhagim (hebr. „Bräuche“), die u. a. in den Büchern Sefer Ha-Minhagim Chabad und dem mehrbändigen Schaare Halacha u-Minhag dargelegt und begründet werden.
Chabad in Israel Im Jahr 1823 gründeten Anhänger von Rabbi Dowber, dem zweiten Rebben der Chabad-Dynastie, auf dessen Anraten eine chassidische Gemeinde in Hebron. Unter den Gründungsmitgliedern waren auch die Familie Kuli und Menucha Rachel Slonim, die eine Tochter von Rabbi Dowber war. Im Zuge des Hebron-Massakers von 1929 flüchteten die in der Stadt ansässigen Chabad-Chassidim mit den übrigen jüdischen Einwohnern.
Dem überwiegend säkular ausgerichteten politischen Zionismus der Neuzeit standen Rabbiner Schalom Dowber und Rabbiner Yosef Yitzchak von Lubawitsch ablehnend gegenüber; seit der Gründung des Staates Israel beteiligt sich die Chabad-Bewegung jedoch aktiv am Aufbau des Staates. 1948 gründeten Anhänger von R. Yosef Yitzchak Schneersohn auf dessen Anraten das Dorf Kfar Chabad, das in der Nähe von Tel Aviv liegt. Ursprünglich arbeiteten die Einwohner vor Ort in eigenen landwirtschaftlichen Betrieben. Heute zählt das Dorf rund 2000 Einwohner. Außerdem befindet sich dort die Jeschiwa Tomche Tmimim mit rund 250 Studenten, ein Bet Sefer Le-Melacha für handwerkliche Berufe mit rund 100 Schülern und die berufsbildende Schule Bet Rivka (für Frauen) mit rund 1000 Schülerinnen.