mini|Stammwappen derer von Fürstenberg Fürstenberg ist der Name eines westfälischen Uradelsgeschlechts. Es führt seinen Namen nach der kurkölnischen Landesburg Fürstenberg im nördlichen Sauerland und wird 1295 mit Hermannus de Vorstenberg erstmals urkundlich erwähnt. Die Familie, seit 1660 im Reichsfreiherrenstand, verzweigte sich stark und besteht bis heute in etlichen Linien. Sie erwarb zahlreiche Besitzungen, ausgehend vom Herzogtum Westfalen auch an Rhein und Ruhr, im Baltikum und anderen Regionen. Die Familie stellte drei Fürstbischöfe, zahlreiche führende Beamte in geistlichen Staaten Nordwestdeutschlands, Domherren, Äbtissinnen sowie im 20. Jahrhundert einen Kurienkardinal.

Die Familie ist nicht mit dem schwäbischen Fürstenhaus Fürstenberg verwandt.

Geschichte Mittelalter mini|Modell der Burg Fürstenberg Das Geschlecht erscheint erstmals im Jahre 1295 mit Hermann von Fürstenberg, Burgmann auf der kurkölnischen Burg Fürstenberg am Nordrand des Sauerlandes über der Ruhr. Er entstammte wahrscheinlich der seit etwa 1200 bekannten Ministerialenfamilie von BinolenGerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 204., ein Hinweis ist u. a. die Ähnlichkeit der jeweiligen Familienwappen. Die von Binolen benannten sich nach ihrem Amtssitz. Die auf dem Fürstenberg gelegene Burg sicherte die Grenze des Herzogtums Westfalen, das dem Kurfürsten von Köln gehörte, zur Grafschaft Arnsberg. Die sichere Stammreihe beginnt mit Wilhelm von Vorstenberg (erwähnt 1319–1349), Richter und Burgmann zu Werl. Nachdem der kinderlose Graf Gottfried IV. von Arnsberg 1368 seine Grafschaft an das Erzstift Köln verkauft hatte, entfiel die Grenzfunktion. Die Fürstenberger traten auch in den Dienst der Grafen von der Mark.

mini|Burg Waterlappe bei Fürstenberg (mutmaßlicher Zustand vor 1680), Kupferstich von Fr. Wlh. v. Schorlemer (19. Jhd.) Die Familie Fürstenberg stieg während der Fehden des 14. und 15. Jahrhunderts zu einem wohlhabenden und wichtigen Geschlecht mit Besitzungen an Ruhr und Hellweg auf. Ihr Hauptsitz wurde die wohl um 1365/70 von ihr errichtete Burg Waterlappe im Norden des Fürstenbergs, eine zunächst als Burgmannshof angelegte Wasserburg, die Stammsitz der Familie blieb, bis sie 1633 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. War die Familie im 14. Jahrhundert vor allem auf die Burg Waterlappe konzentriert, bildete sie im 15. und 16. Jahrhundert verschiedene Linien aus. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden die Linien Höllinghofen und Neheim. Von der Linie Höllinghofen spaltete sich die Linie Büderich-Hörde ab, aus der wiederum die baltische Linie abstammte, die – wie bei vielen westfälischen FamilienAus Westfalen ins Baltikum zogen etwa auch die von der Recke, von Bodelschwingh, von der Borch, von Brockhausen oder Lambsdorff. – mit dem Deutschritterorden nach Kurland kam und dort in Meddum (Medumi, Bezirk Daugavpils) ansässig wurde. Aus der Linie Waterlappe ging im 16. Jahrhundert die Linie Stirpe hervor. Weitere Linien des 16. Jahrhunderts waren die in Geldern, Neheim-Neufürstenberg und Neheim-Senden. Viele der Linien starben aus. Von den Familienzweigen in Westfalen existierte im 17. Jahrhundert noch die auf dem 1633 zerstörten Stammsitz Waterlappe.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 8.

Die Heiratskreise im Spätmittelalter umfassten vor allem den Ritteradel der Ministerialen im Herzogtum Westfalen und angrenzenden Gebieten. Hinzu traten Patrizierfamilien etwa aus Soest, Dortmund und Osnabrück. Die Nachkommen des früheren Kanonikers Gotthard von Fürstenberg verbanden sich stark mit städtischen Führungsfamilien eher kleinerer Städte. Seit dem 14. Jahrhundert sind zahlreiche Stadthäuser oder Adelssitze der Familie nicht nur im Herzogtum Westfalen, sondern auch etwa in Dortmund, Soest, Osnabrück und sogar in Köln und Mainz bekannt. Nur einmal ist eine Eheverbindung zwischen zwei Linien der Familie nachweisbar.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 9.

Der Grundbesitz konzentrierte sich im späten Mittelalter im Bereich des Herzogtums Westfalen inklusive der an die Grafschaft Mark gefallenen Soester Börde. Auch in der übrigen Grafschaft Mark hatte die Familie Besitzungen. Weiter entfernt lebten die Linien in Geldern, Senden und Werne. Die meisten der Besitzungen außerhalb der Kerngebiets kamen durch Heirat an die Familie. Anders war es mit dem käuflichen Erwerb von Besitzungen und Weinbergen am Rhein, unter anderem in der Nähe von Mainz, seit dem 16. Jahrhundert.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 4.

mini|hochkant|Schwedisches Freiherrliches Wappen (1731) der pommerschen Fürstenbergs in der Kirche Groß Bünzow Die Familie gehörte seit dem Mittelalter zum Stiftsadel. Zahlreiche nachgeborene Söhne und Töchter traten in den geistlichen Stand ein. Damit einher ging für diejenigen, die ein höheres kirchliches Amt anstrebten, meist eine universitäre Ausbildung. Der Kanoniker Hermann von Fürstenberg etwa studierte um 1497 in Bologna. Präbenden hatte die Familie häufig im Kloster Himmelpforten (wo Ursula von Fürstenberg um 1514 Äbtissin war), im Kloster Oelinghausen, im Kloster Paradiese (wo Elisabeth von Fürstenberg 1593 erste evangelische Priorin wurde), im Kloster Siegburg (1516 war Johann von Fürstenberg dort Abt) und im Kloster Scheda inne. Margarete von Fürstenberg war um 1542 Äbtissin im Kloster Welver und Cordula von Fürstenberg um 1560 im Stift Geseke. Daneben gingen aus der Familie eine Reihe von Weltgeistlichen hervor. Erst seit 1471 gelangten mit Friedrich von Fürstenberg in Hildesheim erste Mitglieder der Familie auf Domherrenstellen.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 18.

Die Fürstenberger dienten auch im Spätmittelalter vornehmlich den Erzbischöfen von Köln in deren Herzogtum Westfalen. Einige von ihnen waren im 15. Jahrhundert Freischöffen beim Oberfreistuhl in Arnsberg, einer reichsweit aufgesuchten Oberinstanz der Femegerichtsbarkeit. Auch an anderen Gerichten waren Mitglieder der Familie Richter. Wennemar von Fürstenberg war um 1371/72 Amtmann in Arnsberg. Bereits früh traten Mitglieder der Familie als Kreditgeber für ihre fürstlichen Herren auf. Wennemar von Fürstenberg († 1387) schuldeten die Erzbischöfe von Köln 700 Gulden. Gotthard von Fürstenberg vergab 1445 ein Darlehen von 5000 Gulden. Dafür erhielt er als Pfand Burg und Stadt Neheim, wo er das Burghaus Gransau bewohnte. Die Pfandherrschaft blieb 120 Jahre bei der Familie, die dort das Drostenamt ausübte und auch den Drostenhof bewohnte; im 18. Jahrhundert erwarb die Familie in Neheim auch das Burghaus Schüngel sowie den Fresekenhof. Auch im Amt Werl stellte die Familie seit dem späten 15. Jahrhundert den Drost. Mit der Entstehung der Landstände hatten die Fürstenbergs bedeutenden Einfluss auch auf dem westfälischen Landtag. Einige Angehörige der Familie waren 1437 an der ersten Erblandesvereinigung zur Begrenzung der Macht des Landesherrn beteiligt.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 20–24.

mini|hochkant|Wappen derer von Fürstenberg im baltischen Wappenbuch, 1882 Eine hohe Zahl von Familienangehörigen kam als Deutschordensritter bis nach Livland. Besonders aus der Linie Höllighofen-Büderich-Hörde kamen seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Reihe von Ordensrittern. Aus einer Neheimer Linie stammte etwa der Landmeister Livlands Johann Wilhelm von Fürstenberg. Dieser geriet 1560 durch Verrat in russische Gefangenschaft, erkannte dennoch die Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen nicht an und starb 1568 in Moskau. Nach dem Ende der Ordensherrschaft entwickelten sich Angehörige der Familie zu weltlichen Gutsbesitzern und bildeten neue Linien aus.Fürstenbergsche Geschichte. Band 2, Die Geschichte des Geschlechts von 1400 bis 1600. Münster 1971, S. 25.

Frühe Neuzeit Grundzüge der Familienpolitik mini|Friedrich von Fürstenberg (1510–1567), (* um 1510/11 auf Burg Waterlappe; † 1567), kurkölnischer Rat und Drost mini|Kaspar von Fürstenberg (1545–1618), Herr auf Waterlappe, Erwerber von Burg Schnellenberg, kurkölnischer Drost zu Bilstein, Fredeburg und Waldenburg, Kurmainzer Amtmann zu Fritzlar und Naumburg, seit 1613 Landdrost des Herzogtums Westfalen mini|Burg Schnellenberg, Sauerland mini|Statue des Dietrich von Fürstenberg über dem Portal der von ihm gegründeten Akademia Theodoriana (heutiges Gymnasium Theodorianum) Den Veränderungen der Neuzeit passte sich die Familie Fürstenberg in bemerkenswerter Weise an. Etwa seit dem 16. Jahrhundert erhielten fast alle männlichen Familienmitglieder eine gute, meist akademische Ausbildung. Diese Tradition endete erst am Ende des 18. Jahrhunderts. Die Ausbildung empfahl die Mitglieder der Familie für anspruchsvolle Aufgaben im Dienst der Landesherren oder der Kirche.

Friedrich von Fürstenberg zeichnete durch sein Testament von 1564 die Familienpolitik für die kommenden Jahrhunderte vor. In dem Testament wurde die Unteilbarkeit des Besitzes festgelegt. Diesen sollte ein Erbe erhalten. Die anderen männlichen Söhne wurden mit Kirchenpfründen versorgt. Den nachgeborenen Söhnen wurde meist zu Domherrenstellen verholfen, deren Vorteil war, falls der Erbe ohne Söhne starb, konnte einer seiner Brüder auf sein geistliches Amt verzichten und den Familienbesitz übernehmen, sofern noch kein höherer Weihegrad erreicht war.Vgl. etwa Michael Lagers: Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen. Paderborn 2013, ISBN 978-3-89710-551-5, S. 269 f. Im Jahr 1660 wurde das Testament zum Vorbild eines neu gegründeten Familienfideikommiss. Dieser war der zweite in ganz Westfalen. Danach ging das Erbe nicht automatisch auf den ältesten Sohn über. Der Erblasser hatte vielmehr das Recht, einen Erben zu bestimmen, der ihm am geeignetsten erschien. Streitigkeiten klärte ein informeller Familienrat, dem die angesehensten Familienmitglieder angehörten.

Neben dem kirchlichen Dienst spielten das Militär und der Hofdienst keine Rolle. Die Töchter, sofern sie nicht verheiratet wurden oder in ein Stift eintraten, wurden abgefunden. Auch der Eintritt in ein adliges Damenstift schloss eine spätere Heirat nicht aus, sofern keine Gelübde abgelegt wurden. Von 29 männlichen Fürstenbergern, seit der Zeit Friedrichs bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches, hatten 23 geistliche Stellen, meist als Domherren. Vertreten waren sie vor allem in den Kapiteln des Domkapitels Paderborn, des Domkapitels Hildesheim und des Domkapitels Münster, aber auch im Mainzer Domkapitel und im Domkapitel Salzburg. Die Angewiesenheit der Familie zur Versorgung auf Klöster und Stifte verstärkte ihre Parteinahme für den Katholizismus noch.

Die Familie war mit ihrer Hinwendung zum Dienst in der Kirche einerseits und der Verbundenheit mit dem Herzogtum Westfalen andererseits ausgesprochen erfolgreich. Allein drei Familienmitglieder wurden zu geistlichen Landesherren gewählt (Dietrich in Paderborn, Ferdinand in Paderborn und Münster, Franz Egon in Hildesheim und Paderborn). Bei weiteren scheiterte dies nur an den politischen Gegebenheiten (Wilhelm, Johann Gottfried). Weitere zwei Fürstenberger stiegen in führende Ministerstellen in einem geistlichen Staat auf (Franz in Münster, Friedrich Christian in Paderborn und Köln). Ebenfalls zwei waren als Landdrosten Vertreter des Kurfürsten im Herzogtum Westfalen (Kaspar und Friedrich). Sechs Familienmitglieder wurden Dompropst.