mini|300px|Blick auf Bad Reichenhall, im Hintergrund das Lattengebirge Die Liste der Straßen und Plätze der Stadt Bad Reichenhall beschreibt das Straßensystem einschließlich benannter Wege mit den entsprechenden historischen Bezügen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Einleitung Geschichtliche Entwicklung mini|hochkant|Stadtplan von 1817, vor dem Stadtbrand von 1834 Die Entwicklung der Straßen und Plätze der Stadt Bad Reichenhall war über Jahrhunderte hinweg einem stetigen Wechsel unterworfen und ist es – wenn auch nur in einem sehr kleinen Umfang – bis heute noch. Maßgeblich prägend für das Stadtbild war der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt – die Salzerzeugung aus Sole in der Saline – und die damit einhergehenden Brandkatastrophen, die zuletzt 1834 die Stadt und ihre Bewohner heimsuchten. In jüngerer Vergangenheit waren es der Kurbetrieb und der damit verbundene Bau von Bädern, Heilanstalten, Sanatorien, Villen, Pensionen und Hotels ab der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die Bombardierung der Stadt am 25. April 1945 durch alliierte Bomberverbände.

Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es, insbesondere in den inzwischen zur Stadt gehörenden, damals noch eigenständigen Gemeinden Karlstein und Marzoll, zu einer umfassenden Schaffung von Wohnraum für die wachsende Bevölkerung der Stadt. 1952 wurde mit dem schrittweisen Bau der Umgehungsstraße (B20/B21/Loferer Straße) begonnen. Diese leitet den Fernverkehr von und nach Salzburg, dem salzburgischen Pinzgau und Tirol sowie über die Deutsche Alpenstraße in Richtung Inzell, Ruhpolding und Traunstein an der Stadt vorbei.Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, S. 806 1952 und 1953 erfolgte der Bau des nördlichen Teils bis zur Reichenbachstraße. In diesem ersten Schritt konnte der Durchgangsverkehr am nördlichen Teil der Stadt und des Innenstadtbereichs vorbeigeleitet werden. 1966 begann der Bau des südlichen Abschnitts der Loferer Straße, der Bau der Kretabrücke und des Verkehrsverteilers Süd. 1968 wurde der Stachus umgestaltet.Henrike Seitz: Städtebauliche Entwicklung der Stadt Bad Reichenhall seit 1945 in Das Heilbad Bad Reichenhall im 19. und 20. Jahrhundert; Festschrift, Hrsg. Kurdirektor Hans Wolfgang Städtler; S. 116f In der Zeit zwischen 1954 und 1965 wurden schrittweise Maßnahmen zur Einschränkung des Verkehrs eingeführt. Bereiche der Stadt – insbesondere das Kurviertel – wurden zu bestimmten Ruhezeiten mittags und nachts für Kraftfahrzeuge gesperrt und Motorräuder aus dem kompletten Innenstadtbereich ausgeschlossen. Die Salzburger Straße wurde nachts zwischen 24 und 6 Uhr durch Schranken abgesperrt. mini|hochkant|links|Stadtplan von 1865 nach dem Neubau der Alten Saline 1968 wurde mit dem Bau einer innerstädtischen Tangente als neue Nord-Süd-Achse begonnen, um den Altstadtbereich und das Kurviertel zu entlasten. Der Bau dauerte insgesamt zehn Jahre, kostete 15,5 Millionen DM und umfasste den Neubau der Münchner Allee, den neu angelegten Bahnhofsplatz und den Straßendurchbruch am Gradierwerk. Ab 1974 wurde die ursprüngliche Hauptverkehrsachse durch die Stadt (Salzburger Straße, Ludwigstraße, Salinenstraße, Kammerbotenstraße) im Bereich der oberen Salzburger Straße und der Ludwigstraße als Fußgängerzone ausgewiesen und entsprechend umgestaltet. Für die Gestaltung der Fußgängerzone wurde Bad Reichenhall 1979 mit dem Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet. auf europanostra.at, abgerufen am 2. Juni 2021 Bis auf die letzten verbleibenden Bahnübergänge im Stadtgebiet an der Teisendorfer und Frühlingstraße wurden alle Übergänge durch Unterführungen ersetzt, der Übergang am Tiroler Tor entfiel ersatzlos. Heute bewegt sich der Straßenverkehr hauptsächlich über den Straßenzug Münchner Allee, Bahnhofplatz, Bahnhofstraße, Wittelsbacherstraße und Innsbrucker Straße durch die Stadt. Die Kretabrücke und der Verkehrsverteiler Süd wurden in den 1960er und 1970er Jahren errichtet. Der Verkehr in Richtung Thumsee und Deutsche Alpenstraße läuft seitdem nicht mehr über die denkmalgeschützte Luitpoldbrücke und die alte Thumseestraße, sondern über die Kretabrücke und die neu errichtete Staatsstraße 2101. Anfang der 1990er Jahre wurden der Rathausplatz und die Poststraße ebenfalls als Fußgängerzone ausgewiesen, sind jedoch auch für Fahrradfahrer freigegeben. Mitte der 1990er Jahre wurde die Ampel am Gablerknoten entfernt und durch einen großzügig angelegten Verkehrsverteiler mit Abschleifern und einer Unterführung ersetzt, um dem täglichen Stau zu Stoßzeiten entgegenzuwirken.

Viele der Straßen in Bad Reichenhall trugen im Lauf der Zeit unterschiedliche Namen.Johannes Lang: Straßennamen als Spiegel der Zeit, Heimatblätter des Reichenhaller Tagblatts vom 28. Oktober 2006 Grund hierfür waren sowohl gesellschaftliche als auch wirtschaftliche Veränderungen innerhalb der Stadt. Ein Milchplatz (heutige Waaggasse hinter dem Alten Rathaus) oder eine Pferdeschwemme (heute Unterer Lindenplatz) haben im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verloren. Auch bedingt durch größere Umstrukturierungen innerhalb der Stadt nach Bränden – insbesondere nach dem letzten großen Stadtbrand 1834 – änderten sich die Namen der Straßen. Die letzten großen Änderungen passierten während und nach der Zeit des Dritten Reiches als die Namen jüdischer Bürger aus den Straßennamen verbannt wurden und viele Straßen nach Persönlichkeiten des Dritten Reiches benannt wurden. Diese Änderungen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Teil rückgängig gemacht, zum Teil erhielten die Straßen neue oder andere Namen. Die Namen jüdischer Mitbürger fanden jedoch nur langsam wieder Einzug. Auch nach der Gebietsreform musste ein Teil der Straßen umbenannt werden, um doppelt vergebene Straßennamen nach der Eingemeindung von Karlstein und Marzoll zu vermeiden.

Straßennamen mini|200px|Typisches Straßenschild in Bad Reichenhall mini|200px|Altes Emailleschild mit veralteter Schreibweise Die Vergabe der Straßennamen folgt dem Muster, das man so auch in vielen anderen deutschen Städten findet. Einige der Ausfallstraßen wurden nach den Orten oder Ländern benannt, in deren Richtung sie führen bzw. führten (Salzburger Straße, Tiroler Straße, Berchtesgadener Straße). Andere sind nach in der Nähe befindlichen Bauwerken benannt (z. B. Salinenstraße nach der Alten Saline, Am Münster nach dem Münster St. Zeno, der Schloßberg nach dem Schloss Marzoll) oder der Rathausplatz. Viele sind Personen gewidmet, die entweder in Bad Reichenhall gewirkt haben (z. B. Wörgötterplatz, Max-Zugschwerdt-Straße, Reichenbachstraße, Karl-Weiß-Straße, Alfred-Nathan-Straße, Hofrat-Harl-Straße) oder die entsprechend berühmt wahren (z. B. Ludwig-Thoma-Straße, Adalbert-Stifter-Straße, Barbarossastraße, Beethovenstraße, Goethestraße, Von-Martius-Straße). Die Schmalschlägerstraße in Karlstein ist die einzige Straße der Stadt, die nach ihrem Erbauer benannt ist. Auch viele Hof-, Haus- und Flurnamen (z. B. Am Eisenbichl, Froschhamer Weg, Weitwiesenring, Vogelthennstraße, Rauchbichl, Langackerstraße oder der Garneiweg) sowie einige der die Stadt umgebenden Berge (z. B. Staufenstraße, Zwieselstraße, Müllnerhorngasse, Untersbergstraße) finden sich in den Straßennamen wieder.

Die Blumen- und Baumstraßen der Neubaugebiete der 1960er, 1970er und 1980er Jahre weisen eine Besonderheit auf. Damals wurde seitens der Stadt entschieden, welche Bereiche Blumen- oder Baumnamen tragen, über die Straßennamen selbst durften die Anwohner entscheiden. Und so kommt es, dass anstatt für die Gegend typische Alpenblumen wie Edelweiß, Enzian, Hahnenfuß oder Distel die Straßen nun die Namen von Tulpe, Lilie, Nelke, Aster und Rosen tragen.

Weitere Straßen mit sog. Kunstnamen sind in Bad Reichenhall z. B. der Bergweg, der Gartenweg oder der Blumenweg. Hier wurde versäumt, Straßen den Personen zu widmen, die einen sehr starken historischen Bezug zur Stadt haben. Im konkreten Fall sind dies unter anderem Wilhelm Barth (Leiter der Philharmonie), Ernst Baumann (bekannter Berg- und Sportfotograf, der auch hunderte Motive für Reichenhaller Ansichtskarten fotografiert hat), Johann Sebastian von Clais (Erneuerer der bayerischen Salinen), Georg von Cornet (Tuberkuloseforscher), Wiguleus Fröschl von Marzoll (Fürstbischof von Passau), Joseph Gungl (Begründer des Reichenhaller Kurorchesters), Sebastian Hinterseer (bedeutender Heilpraktiker), Josef „Pewo“ Pertsch (einer der besten alpinen Skirennläufer seiner Zeit, hielt lange den Rekord für die Nordabfahrt des Predigtstuhls, gefallen im 1941 im Alter von 21 Jahren am Fuße des Olymp), Anderl Hinterstoißer (bekannter Kletterer, verunglückt in der Eiger-Nordwand), Viktoria Savs (Frontsoldatin im Ersten Weltkrieg, das „Heldenmädchen von den Drei Zinnen“), Josef Maurer (Archäologe, leitete die wichtigen Ausgrabungen im Langackertal und an der heutigen Schmalschlägerstraße), Fritz Schön (bedeutender Zahnmediziner), Alois Seethaler (Hotelier und Initiator zahlreicher Einrichtungen) sowie Fritz Hofmann (Stadtheimatpfleger, Initiator zur Gründung des Vereins für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung).

Der Lungenfacharzt Gustav Ortenau musste aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1938 aus Bad Reichenhall fliehen, dem bei den Bürgern der Stadt beliebten Arzt wurde der Ortenaupark gewidmet.

Beschilderung mini|200px|Schild an der Langenfeldstraße, die zum Teil auf dem Gebiet von Bayerisch Gmain liegt Seit den 1970er Jahren kommen in Bad Reichenhall üblicherweise hellgraue, rechteckige Straßenschilder aus einer Aluminiumlegierung mit schwarzer Schrift in Druckbuchstaben zum Einsatz. Diese Schilder werden auf eigenen Masten aufgestellt oder an vorhandenen Straßenlaternen oder Ampelmasten befestigt, sofern sich diese an einer geeigneten Stelle befinden. Vor den 1970er Jahren wurden blau emaillierte Blechschilder mit einer weißen Schrift und einem weißen Rahmen verwendet. Diese alten Schilder sind nur noch selten zu finden. In Gebieten mit altem Häuserbestand wurden sie jedoch nicht immer ausgetauscht. Für diese Schilder wurde oft eine damals übliche Schreibweise mit Bindestrich verwendet, anstatt Turnergasse steht deshalb an der Fassade des ehemaligen Tigerwirt immer noch Turner-Gasse sowie am Kindergarten in St. Zeno Kloster-Straße und Hubertus-Straße anstatt Klosterstraße bzw. Hubertusstraße.

Eine Besonderheit weist die Langenfeldstraße auf. Diese liegt zum Teil auf dem Gebiet der Stadt Bad Reichenhall, zum Teil auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Bayerisch Gmain. Die Zufahrt in diese Sackgasse ist nur über Bayerisch Gmain möglich, weshalb hier ein anderes Schild Verwendung findet. Bayerisch Gmain verwendet zwar die gleichen modernen Materialien wie Bad Reichenhall, das Erscheinungsbild ist aber angelehnt an ältere Straßenschilder und ist weiterhin in weißer Schrift auf blauem Grund ausgeführt.

mini|links|Alte Hausnummer mit alter Schreibweise am Florianiplatz Hausnummern Die Vergabe der Hausnummern folgt meist dem üblichen Muster der Orientierungsnummerierung. In Gebieten mit altem Häuserbestand oder in sehr verwinkelten Straßen/Gassen kann aber von diesem Muster abgewichen werden wie z. B. in der Alten Saline, der Dreifaltigkeitsgasse oder in Glück im Winkel. Die Ortsteile Thumsee und Nonn der ehemals eigenständigen Gemeinde Karlstein weisen ohne den Zusatz im, am bzw. Straße, Platz oder Gasse nur Hausnummern auf. Die Häuser sind durchlaufend nummeriert, eine klare Trennung zwischen geraden und ungeraden Hausnummern gibt es auch nicht immer. Nonn teilt sich auf in das Nonner Unterland in der Nähe des Nonner Stadions und des Nonner Kircherls und das Nonner Oberland, das zwischen dem Sportplatz der Kaserne, der Padinger Alm und dem Listwirt liegt. Neben Nonn gibt es im Reichenhaller Stadtgebiet nur noch in der Frühlingstraße und im Ortsteil Marzoll in der Reichenhaller Straße Hausnummern, die dreistellig sind.

Besonderheiten