350px|CristoforiPiano1726LeipzigKeyboardView Bartolomeo Cristofori vollendet 1726 den Bau des Hammerklaviers. Heute gibt es noch drei Originale dieses Instrumentes: eines befindet sich im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig (siehe oben), eines im Museo Nazionale degli Strumenti Musicali in Rom und eines im Metropolitan Museum of Art in New York City. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1726. mini|Georg Friedrich Händel – Alessandro – Titelseite des Librettos – London 1726 mini|Georg Friedrich Händel – Publio Cornelio Scipione – Titelseite des Librettos – London 1726 mini|Giuseppe Porsile – Spartaco – Titelseite des Librettos – Wien 1726 mini|Reinhard Keiser – Der lächerliche Prinz Jodelet – Titelseite des Librettos

Ereignisse Johann Sebastian Bach Johann Sebastian Bach ist seit dem 30. Mai 1723 Thomaskantor und musikalischer Leiter der Thomaskirche in Leipzig. Den Titel eines Fürstlich-Köthenischen Kapellmeisters darf Bach trotz seines Weggangs aus Köthen im Jahr 1723 weiterführen. Er liefert noch bis zum Tod von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen (1728) Musik zu den Festtagen des Fürstenhauses. 1. Januar: Uraufführung der Bach-Kantate Herr Gott, dich loben wir (BWV 16) an Neujahr. 13. Januar: Uraufführung der Bach-Kantate Liebster Jesu, mein Verlangen (BWV 32) am 1. Sonntag nach Epiphanias. 20. Januar: Uraufführung der Bach-Kantate Meine Seufzer, meine Tränen (BWV 13) am 2. Sonntag nach Epiphanias. 27. Januar: Uraufführung der Bach-Kantate Alles nur nach Gottes Willen (BWV 72) am 3. Sonntag nach Epiphanias. 30. Mai: Uraufführung der Bach-Kantate Gott fähret auf mit Jauchzen (BWV 43) an Christi Himmelfahrt. 1. Juni: Uraufführung der Bach-Kantate O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe (BWV 34) am 1. Pfingstfesttag. 16. Juni: Uraufführung der Bach-Kantate Gelobet sei der Herr, mein Gott (BWV 129) an Trinitatis. 23. Juni: Uraufführung der Bach-Kantate Brich dem Hungrigen dein Brot (BWV 39) am 1. Sonntag nach Trinitatis. 21. Juli: Uraufführung der Bach-Kantate Siehe, ich will viel Fischer aussenden (BWV 88) am 5. Sonntag nach Trinitatis. 28. Juli: Johann Sebastian Bachs Kirchenkantate Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust (BWV 170) wird in seinem vierten Jahr als Thomaskantor in Leipzig gemeinsam mit der Kantate Ich will meinen Geist in euch geben von Johann Ludwig Bach uraufgeführt. 4. August: Uraufführung der Bach-Kantate Es wartet alles auf dich (BWV 187) am 7. Sonntag nach Trinitatis. 11. August: Uraufführung der Bach-Kantate Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist (BWV 45) 8. Sonntag nach Trinitatis. 25. August: Uraufführung der Bach-Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben (BWV 102) am .10. Sonntag nach Trinitatis. 8. September: Die geistliche Kantate Geist und Seele wird verwirret (BWV 35) von Bach wird in Leipzig uraufgeführt. 22. September: Uraufführung der Bach-Kantate Wer Dank opfert, der preiset mich (BWV 17) am 14. Sonntag nach Trinitatis. 29. September: Die Kantate Es erhub sich ein Streit (BWV 19) hat ihre Uraufführung in Leipzig. Wahrscheinlich wurde der ursprüngliche Text von Picander von Johann Sebastian Bach selbst umgearbeitet. 6. Oktober: Uraufführung der Bach-Kantate Wer weiß, wie nahe mir mein Ende? (BWV 27) am 16. Sonntag nach Trinitatis. 13. Oktober: Uraufführung der Bach-Kantate Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden (BWV 47) am 17. Sonntag nach Trinitatis. 20. Oktober: Die Kirchenkantate Gott soll allein mein Herze haben (BWV 169) von Bach hat ihre Uraufführung in Leipzig. 27. Oktober: Die Kantate Ich will den Kreuzstab gerne tragen (BWV 56) von Johann Sebastian Bach wird in Leipzig am 19. Sonntag nach Trinitatis aufgeführt. 3. November: Uraufführung der Bach-Kantate Ich geh und suche mit Verlangen (BWV 49) am 20. Sonntag nach Trinitatis. 10. November: Uraufführung der Bach-Kantate Was Gott tut, das ist wohlgetan (BWV 98) am 21. Sonntag nach Trinitatis. 17. November: Uraufführung der Bach-Kantate Ich armer Mensch, ich Sündenknecht (BWV 55) am 22. Sonntag nach Trinitatis. 24. November: Uraufführung der Bach-Kantate Falsche Welt, dir trau ich nicht (BWV 52) am 23. Sonntag nach Trinitatis. 11. Dezember: Die Kantate Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten (BWV 207) wird erstmals in Leipzig aufgeführt. 1726 wird Johann Sebastian Bach zum elften Mal Vater. Das vierte gemeinsame Kind mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena Bach, Elisabeth Juliana Friederica, genannt „Liesgen“ (1726–1781), wird geboren. Ihr erstes gemeinsames Kind, Christiana Sophia Henrietta (1723–1726), stirbt in diesem Jahr. Im Laufe des Jahres kopiert Bach insgesamt 18 Kirchenkantaten, die von seinem Cousin Johann Ludwig Bach geschrieben wurden und führt diese auf.

Georg Friedrich Händel Georg Friedrich Händel ist in London als musikalischer Direktor der Royal Academy of Music, eines Opernunternehmens auf Subskriptionsbasis am King’s Theatre, tätig. Er wohnt seit Juli/August 1723 in London in der 25 Brook Street und bewohnt hier bis zu seinem Tod im Jahr 1759 zwei Stockwerke. Nahezu alle Werke, die seit 1723 entstehen, werden in diesem Haus komponiert. Auch die Vorbereitungen der Aufführungen finden oft im Händelschen Dining Room statt. 16. Januar: Vermutlich an diesem Tag wird Händels Te Deum in A-Dur in der Königskapelle, St. James’s Palace in London uraufgeführt. 12. März: Das Dramma per musica Publio Cornelio Scipione von Händel hat seine Uraufführung am King’s Theatre am Londoner Haymarket durch die Royal Academy of Music. Das Libretto stammt von Paolo Antonio Rolli nach der gleichnamigen Vorlage von Antonio Salvi. Die Stars der Uraufführung sind Senesino, Francesca Cuzzoni, Luigi Antinori und Giuseppe Maria Boschi. 5. Mai: Die Opera seria Alessandro von Georg Friedrich Händel nach einem weiteren Libretto von Paolo Antonio Rolli wird am King’s Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführt. Die literarische Vorlage La superbia d’Alessandro stammt von Ortensio Mauro. Bei der Uraufführung kommt es zum erstmaligen Aufeinandertreffen der beiden berühmtesten Sängerinnen der Zeit: Francesca Cuzzoni (Sopran) und Faustina Bordoni (Mezzosopran), die mit dem Mezzosoprankastraten Senesino ein „Triumvirat“ bilden. Die Oper ist so erfolgreich, dass die übliche Anzahl von zwei Aufführungen wöchentlich nicht ausreicht. Bereits im November gelangt die Oper zweimal unter dem Titel Der hochmüthige Alexander an der Hamburger Oper am Gänsemarkt zur Aufführung. Georg Friedrich Händel wird britischer Staatsbürger.

Domenico Scarlatti Domenico Scarlatti ist seit 1719 in Lissabon Musiklehrer und Hofkapellmeister am Hofe des frommen und verschwendungssüchtigen Königs Johann V. Scarlatti hat hier vor allem geistliche Vokalwerke zu liefern und schreibt auch einige weltliche Serenatas. Er unterrichtet außerdem den jüngeren Bruder des Königs Dom António (1695–1757) und die an Asthma leidende portugiesische Prinzessin Maria Bárbara de Bragança am Cembalo, die sich als hochbegabte Musikliebhaberin erweist.

Georg Philipp Telemann Georg Philipp Telemann ist seit 1721 Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg, eines der angesehensten musikalischen Ämter Deutschlands. In diesem Amt verpflichtet sich Telemann zur Komposition von zwei Kantaten wöchentlich und einer Passion pro Jahr, in späteren Jahren greift er allerdings bei seinen Kantaten auf frühere Werke zurück. Daneben komponiert er zahlreiche Musiken für private und öffentliche Anlässe, etwa für Gedenktage und Hochzeiten. Außerdem hat er für ein Jahresgehalt von 300 Talern auch die Leitung der Hamburgischen Oper am Gänsemarkt übernommen, baut das bereits 1660 von Matthias Weckmann gegründete, aber mittlerweile nicht mehr konzertierende Collegium musicum neu auf und übernimmt zusätzlich eine Stelle als Kapellmeister von Haus aus für den Hof des Markgrafen von Bayreuth. Dorthin liefert er von Zeit zu Zeit Instrumentalmusik sowie eine Oper jährlich.

Antonio Vivaldi Antonio Vivaldi, der seit 1718 in Mantua tätig war, wo er in Diensten von Prinz Philipp von Hessen-Darmstadt hauptsächlich als Intendant und Opernkomponist arbeitete, kehrt 1726 als musikalischer Leiter des Teatro Sant’Angelo in seine Heimatstadt Venedig zurück. Dort wird er sowohl als Komponist als auch als Geigenvirtuose zur lebenden Legende und zum „Wallfahrtsziel“ für viele Musiker aus ganz Europa. Wahrscheinlich am 4. oder 5. November 1726 wird die Serenata in zwei Teilen La Senna festeggiante von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Domenico Lalli anlässlich des Namenstages des französischen Königs Ludwig XV. in Venedig uraufgeführt. Spätestens 1726 entstehen die Opern Cunegonda (RV 707), Dorilla in Tempe (RV 709) und La fede tradita e vendicata (RV 712). Um das Jahr 1726 lernt Vivaldi die damals 16 Jahre alte Anna Girò (ursprünglich Giraud) kennen, eine Sängerin französischer Herkunft, die ihn fortan auf seinen Reisen begleitet.

Weitere biografische Ereignisse Giuseppe Matteo Alberti ist von 1726 bis zu seinem Tod im Jahr 1751 Kapellmeister der Kirche San Giovanni in Monte in Bologna. Francisco António de Almeida, der sich ab 1720 zu Studienzwecken in Italien aufgehalten hat, kehrt nach Portugal zurück. Kurz vor seiner Rückkehr kommt sein zweites Oratorium La Giuditta in Italien zur Aufführung. Am 14. Januar 1726 wird im Teatro delle Dame in Rom Leonardo Vincis Oper Didone abbandonata uraufgeführt; wie in den päpstlichen Staaten üblich besteht die gesamte Besetzung ausschließlich aus Kastraten, darunter der für seine Frauenrollen berühmte Farfallino (eigentl. Giacinto Fontana; 1692–1739) in der Titelpartie, Filippo Finazzi als Göttin Selene, und der aus Händels Biografie bekannte Gaetano Berenstadt in einer Nebenrolle., abgerufen am 25. Oktober 2014., abgerufen am 29. September 2014.Didone abbandonata (Leonardo Vinci) bei operabaroque.fr, abgerufen am 1. Februar 2015. Am 4. November 1726 erlebt in Neapel auch Vincis L’Ernelinda ihre Uraufführung (am Teatro San Bartolomeo). Farinelli singt 1726 in Mailand. Johann Adolph Hasse gibt mit Sesostrate am 13. Mai 1726 seinen erfolgreichen Einstand am renommierten Teatro San Bartolomeo in Neapel und reiht sich mit seinen folgenden Opern unter die beliebtesten Opernkomponisten Italiens ein. Giuseppe Porsile komponiert zu Ehren des französischen Königs Ludwig XV. anlässlich dessen Geburtstags am 15. Februar die Kantate Il giorno natalizio di Giove, die in der Residenz des französischen Botschafters, dem Herzog von Richelieu, aufgeführt wird. Porsiles bekanntestes Werk, die Oper Spartaco, wird am 21. Februar im Kleinen Hoftheater in Wien uraufgeführt. Der damalige Hofdichter Apostolo Zeno vermerkt in seinen Lettere (IV, 98), dass deren Erfolg sowohl auf die Schönheit der Musik als auch auf den Gesang von Faustina Bordoni zurückgeht, die darin erstmals in Wien auftritt. Er lässt die stimmlichen Fähigkeiten Faustinas und der drei anderen international berühmten Sänger durch den genutzten Tonumfang, dramatische melodische Sprünge und lange melodische Phrasen ideal zur Geltung kommen. In der Wahnsinnsszene des Spartacus im dritten Akt verzichtet er auf die traditionelle da-capo-Form. Am 25. Februar heiratet Jean-Philippe Rameau im Alter von zweiundvierzig Jahren die neunzehnjährige Marie-Louise Mangot aus einer Musikerfamilie. Jean-Philippe Rameau, der 1722 sein theoretisches Werk Traité de l'harmonie réduite à ses principes naturels in Druck gegeben hatte veröffentlicht 1726 Nouveau Système de musique theorique. Mit diesen Büchern begründet er die moderne Musiktheorie für Akkord- und Harmonielehre und erwirbt sich einen Ruf als Musiktheoretiker.

Gründungen In London wird die Academy of Ancient Music gegründet.

Uraufführungen Bühnenwerke Oper mini|Beginn der Ouvertüre von Georg Friedrich Händels Oper Alessandro 14. Januar: Die Oper Didone abbandonata von Leonardo Vinci mit dem Libretto von Pietro Metastasio wird am Teatro delle Dame in Rom uraufgeführt.