350px|Senesino, Cuzzoni, Berenstadt Karikatur einer Aufführung von Georg Friedrich Händels Flavio, re de’ Longobardi in London: Senesino links, Francesca Cuzzoni in der Mitte und rechts Gaetano Berenstadt. Die Oper wurde am 14. Mai uraufgeführt. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1723. mini|Antonio Caldara – La concordia de' pianeti – Titelseite des Librettos – Wien 1723

Ereignisse Johann Sebastian Bach Johann Sebastian Bach ist seit dem 7. August 1717 Kapellmeister und Director derer Cammer-Musiquen am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen in Köthen. Im Vorjahr hat er sich um die Stelle als Thomaskantor in Leipzig beworben. Den Titel eines Fürstlich-Köthenischen Kapellmeisters darf Bach weiter führen und er liefert noch bis zum Tod Leopolds von Anhalt-Köthen (1728) Musik zu den Festtagen des Fürstenhauses. 7. Februar: Für seine Bewerbung als Thomaskantor führt Bach die Probestücke Jesus nahm zu sich die Zwölfe (BWV 22) und Du wahrer Gott und Davids Sohn (BWV 23) auf. Nach den Absagen von Georg Philipp Telemann und Christoph Graupner erhält Bach das Amt als Drittgereihter. 13. April: Bach erhält die Erlaubnis, Köthen zu verlassen, um seine neue Position als Thomaskantor und musikalischer Leiter der Thomaskirche zu Leipzig anzutreten. April: Gleich nach seiner Ankunft in Leipzig fängt Bach an, die notwendigen Kantaten zu komponieren oder zu überarbeiten. Bei dieser systematischen Arbeit schafft Bach in den ersten beiden Jahren im Schnitt ungefähr ein Werk pro Woche, danach verlangsamt er das Tempo. Insgesamt sind zwei vollständige Jahrgänge überliefert, der Nekrolog berichtet von drei weiteren (siehe Bachkantate). Hinzu kommen Aufträge für Kantaten zu Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen. 30. Mai: Mit der Aufführung seiner Kantate Die Elenden sollen essen (BWV 75) in der Nikolaikirche tritt Johann Sebastian Bach seinen Dienst als Thomaskantor in Leipzig an. Er wird diese Stelle bis zu seinem Tod 1750 ausüben. 6. Juni: Uraufführung der Bach-Kantate Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (BWV 76) 20. Juni: Am vierten Sonntag nach Trinitatis führt Bach erstmals seine Kantate Ein ungefärbt Gemüte (BWV 24) auf. Das Libretto stammt von Erdmann Neumeister und Johann Heermann. Es ist wahrscheinlich, dass er im selben Gottesdienst auch die frühere Kantate Barmherziges Herze der ewigen Liebe dirigierte, die er zum selben Anlass 1715 in Weimar komponiert hatte. 24. Juni: Die Bach-Kantate Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe (BWV 167) wird erstmals aufgeführt. 2. Juli: Uraufführung der Bach-Kantate Herz und Mund und Tat und Leben (BWV 147) an Mariä Heimsuchung. 11. Juli: Uraufführung der Bach-Kantate Ärgre dich, o Seele, nicht (186). 18. Juli: Die Bach-Kantate Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz (BWV 136) wird uraufgeführt. 25. Juli: Uraufführung der Bach-Kantate Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht (BWV 105). 1. August: Die Kantate Schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei (BWV 46) von Johann Sebastian Bach hat ihre Uraufführung. 8. August: Uraufführung der Bach-Kantate Siehe zu, daß deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei (BWV 179). 15. August: Uraufführung der Bach-Kantate Lobe den Herrn, meine Seele (BWV 69a). 22. August: Uraufführung der Bach-Kantate Du sollt Gott, deinen Herren, lieben (BWV 77). 29. August: Uraufführung von Bachs Kantate Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe (BWV 25). 30. August: Anlässlich der Ratswechselfeierlichkeiten wird Bachs Kantate Preise, Jerusalem, den Herrn (BWV 119). 5. September: Uraufführung von Bachs Kantate Warum betrübst du dich, mein Herz (BWV 138). 12. September: Die Bach-Kantate Christus, der ist mein Leben (BWV 95) wird uraufgeführt. 19. September: Uraufführung der Bach-Kantate Bringet dem Herrn Ehre seines Namens (BWV 148). 3. Oktober: Die für den 19. Sonntag nach Trinitatis komponierte Kantate Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen (BWV 48) von Bach wird uraufgeführt. 17. Oktober: Uraufführung der Bach-Kantate Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben! (BWV 109). 24. Oktober: Uraufführung von Bachs Kantate Was soll ich aus dir machen, Ephraim (BWV 89). 2. November: Bachs Kantate Höchsterwünschtes Freudenfest (BWV 194) wird erstmals zur Einweihung der Kirche und Orgelweihe in Störmthal aufgeführt. 7. November: Uraufführung der Bach-Kantate O Ewigkeit, du Donnerwort (BWV 60). 14. November: Die Bach-Kantate Es reißet euch ein schrecklich Ende (BWV 90) wird uraufgeführt. Für Weihnachten 1723 komponiert Bach die zweite Fassung des Magnificat in Es-Dur (BWV 243a) mit weihnachtlichen Einlagesätzen. 21. November: Uraufführung der Bach-Kantate Wachet! betet! betet! wachet! (BWV 70). 26. Dezember: Die Weihnachtskantate Darzu ist erschienen der Sohn Gottes (BWV 40) von Bach wird in Leipzig uraufgeführt. Am folgenden Tag erfolgt auch die Uraufführung der Kantate Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget (BWV 64), die unter anderem eine Bearbeitung von Martin Luthers Choral Gelobet seist du, Jesu Christ enthält. Johann Sebastian Bach wird zum achten Mal Vater. Das erste gemeinsame Kind mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena Bach, Christiana Sophia Henrietta Bach (1723–1726), wird geboren. Als Kantor und Musikdirektor ist er für die Musik in den vier Hauptkirchen der Stadt verantwortlich. Dazu zählt die Vorbereitung einer Kantatenaufführung an allen Sonn- und Feiertagen. Außerdem obliegt ihm der Musikunterricht in der Thomasschule. Die Internatsschüler sind verpflichtet, als Chorsänger die Gottesdienste mitzugestalten. Sein Deputat als Lateinlehrer, das mit seiner Stelle traditionell verbunden ist, überträgt er gegen eine Geldzahlung an Siegmund Friedrich Dresig, den Konrektor der Schule. Für seine Frau Anna Magdalena Bach, die in Köthen eine anerkannte Sängerin war, gibt es in Leipzig kaum Gelegenheit für öffentliche Auftritte. Ihr Singen beschränkt sich ab nun auf Hausmusiken und einige auswärtige Gelegenheiten. Aufgrund seines ausgezeichneten Rufs als Orgelgutachter begutachtet Bach die Orgel von Zacharias Hildebrandt in Störmthal und äußert sich über dessen Orgel voller Begeisterung.

Georg Friedrich Händel hochkant|mini|Georg Friedrich Händel – Flavio, re de’ Longobardi – Titelseite des Librettos – London 1723 hochkant|mini|Georg Friedrich Händel – Ottone, re di Germania – Titelseite des Librettos – London 1723 Georg Friedrich Händel ist in London als musikalischer Direktor der Royal Academy of Music, eines neuen Opernunternehmens auf Subskriptionsbasis am King’s Theatre, tätig. Neben Händel beschäftigt die Akademie zeitweise noch die Komponisten Giovanni Bononcini und Attilio Ariosti. Das Publikum spaltet sich in Parteien, die sich entweder hinter Händel oder Bononcini stellen. Insbesondere in der Anfangszeit sind Bononcinis Aufführungen erfolgreicher als Händels. Nach heutigen Erkenntnissen ist die Opernakademie von Anfang an unterfinanziert und nur in den besten Zeiten wirtschaftlich tragfähig. Das Management versucht dadurch zum Erfolg zu kommen, dass es noch mehr Starsänger einkauft. Ab Januar 1723 wird Francesca Cuzzoni für zunächst 1500 Pfund pro Saison engagiert. 12. Januar: Ottone, re di Germania, ein Dramma per musica von Georg Friedrich Händel auf ein Libretto von Nicola Francesco Haym auf Basis einer Dichtung von Stefano Benedetto Pallavicino, hat mit dem Mezzosoprankastraten Senesino in der Titelrolle seine Uraufführung am King’s Theatre in Haymarket in London. Die Aufführung hat sich wegen der verspäteten Ankunft der Sopranistin Francesca Cuzzoni um ein halbes Jahr verschoben. 14. Mai: Flavio, re de’ Longobardi, ein weiteres Dramma per musica von Georg Friedrich Händel hat in der gleichen Besetzung wie Ottone in London seine Uraufführung. Nicola Francesco Hayms Libretto basiert auf einer älteren römischen Quelle, Il Flavio Cuniberto von Silvio Stampiglia, die ihrerseits auf ein gleichnamiges venezianisches Opernbuch von Matteo Noris für den Komponisten Giovanni Domenico Partenio zurückgeht. Juli/August: Georg Friedrich Händel zieht in London in die 25 Brook Street und bewohnt hier bis zu seinem Tod im Jahr 1759 zwei Stockwerke. Nahezu alle Werke, die seit 1723 entstehen, werden in diesem Haus komponiert. Auch die Vorbereitungen der Aufführungen finden oft im Händelschen Dining Room statt. Finanziell ergeht es Georg Friedrich Händel zu dieser Zeit gut, das Geschäft mit seiner eigenen Musik blüht. So ist er etwa am Verkauf von Eintrittskarten und Noten beteiligt. Die Pension, die er vom englischen Königshaus erhält, macht nur etwa ein Viertel seines Einkommens aus.

Alessandro Scarlatti Alessandro Scarlatti, der sich in den Jahren 1717 bis 1722 überwiegend in Rom aufgehalten und dort mehrere Opern für das Teatro Capranica komponiert hat, verbringt seinen Lebensabend in Neapel. Scarlatti beginnt sein letztes Hauptwerk, eine Serenata für die Hochzeit des Prinzen von Stigliano, die durch seinen Tod im Oktober 1725 unvollendet bleiben wird.

Domenico Scarlatti Domenico Scarlatti ist seit 1719 in Lissabon Musiklehrer und Hofkapellmeister am Hofe des frommen und verschwendungssüchtigen Königs Johann V. Scarlatti hat hier vor allem geistliche Vokalwerke zu liefern und schreibt auch einige weltliche Serenatas. Er ist außerdem Cembalolehrer von Dom António (1695–1757), dem jüngeren Bruder des Königs, und der Prinzessin Maria Bárbara de Bragança, die sich als hochbegabt erweist.

Georg Philipp Telemann Georg Philipp Telemann ist seit 1721 Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg, eines der angesehensten musikalischen Ämter Deutschlands. In seinem neuen Amt verpflichtet sich Telemann zur Komposition von zwei Kantaten wöchentlich und einer Passion pro Jahr, in späteren Jahren greift er allerdings bei seinen Kantaten auf frühere Werke zurück. Daneben komponiert er zahlreiche Musiken für private und öffentliche Anlässe, etwa für Gedenktage und Hochzeiten. Das Amt des Cantoris Johannei ist auch mit einer Tätigkeit als Musiklehrer des Johanneum verbunden; seinen Verpflichtungen zu außermusikalischem Unterricht kommt Telemann jedoch nicht selbst nach. Außerdem übernimmt er für ein Jahresgehalt von 300 Talern auch die Leitung der Hamburgischen Oper am Gänsemarkt und baut das bereits 1660 von Matthias Weckmann gegründete, aber mittlerweile nicht mehr konzertierende Collegium musicum neu auf. Telemann übernimmt zusätzlich eine Stelle als Kapellmeister von Haus aus für den Hof des Markgrafen von Bayreuth. Dorthin liefert er von Zeit zu Zeit Instrumentalmusik sowie eine Oper jährlich. Telemanns Konzertveranstaltungen finden meist im Drillhaus, der Exerzierhalle der Hamburgischen Bürgerwehr, statt und sind aufgrund des hohen Eintrittspreises den höheren Klassen vorbehalten. Telemann liefert für seine Aufführungen – abgesehen von denen im Opernhaus – fast ausschließlich eigene Kompositionen. mini|Vivaldi-Karikatur von P. L. Ghezzi (1723) 6. April: Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Hamburgischen Admiralität wird die von Georg Philipp Telemann komponierte Hamburger Admiralitätsmusik zusammen mit der Ouvertüresuite Hamburger Ebb’ und Fluth als Serenade uraufgeführt. Der Text stammt von Michael Richey.

Antonio Vivaldi Antonio Vivaldi ist seit 1718 in Mantua tätig, wo er in Diensten von Prinz Philipp von Hessen-Darmstadt hauptsächlich als Intendant und Opernkomponist arbeitet.

Weitere biografische Ereignisse François Couperin muss sein Organistenamt in St-Gervais in Paris, das er seit 1685 innehatte, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.