350px|Johannespassion Autograph der ersten Seite der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach, die am 7. April in der Nikolaikirche in Leipzig uraufgeführt wird. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1724. mini|Geminiano Giacomelli – Ipermestra – Titelseite des Librettos – Venedig 1724 mini|Georg Friedrich Händel – Giulio Cesare in Egitto – Titelseite des Librettos – London 1724 mini|Georg Friedrich Händel – Tamerlano – Titelseite des Librettos – London 1724 mini|Antonio Orefice – Lo Simmele – Titelseite des Librettos – Neapel 1724 mini|Reinhard Keiser – Der sich rächende Cupido – Titelseite des Librettos mini|Antonio Vivaldi – Giustino – Titelseite des Librettos – Rom 1724 mini|Arie „Va tacito e nascosto“ aus Georg Friedrich Händel Oper Giulio Cesare in Egitto in der Erstausgabe (London 1724) mini|Sterbelied des Bajazet aus Georg Friedrich Händels Oper Tamerlano

Ereignisse Johann Sebastian Bach Johann Sebastian Bach ist seit dem 30. Mai 1723 Thomaskantor und musikalischer Leiter der Thomaskirche in Leipzig. Den Titel eines Fürstlich-Köthenischen Kapellmeisters darf Bach trotz seines Weggangs aus Köthen weiter führen. Er liefert noch bis zum Tod von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen (1728) Musik zu den Festtagen des Fürstenhauses. Auch reist er ab 1724 mehrmals nach Köthen, wo er mit Fürst Leopold zusammentrifft und ihm Musik aufführt. 1. Januar: Uraufführung der Kantate Singet dem Herrn ein neues Lied (BWV 190). 2. Januar: Uraufführung der Kantate Schau, lieber Gott, wie meine Feind (BWV 153). 6. Januar: Uraufführung der Kantate Sie werden aus Saba alle kommen (BWV 65). 9. Januar: Uraufführung der Kantate Mein liebster Jesus ist verloren (BWV 154). 23. Januar: Uraufführung der Kantate Herr, wie du willt, so schicks mit mir (BWV 73). 30. Januar: Uraufführung der Kantate Jesus schläft, was soll ich hoffen (BWV 81). 2. Februar: Uraufführung der Kantate Erfreute Zeit im neuen Bunde (BWV 83). 6. Februar: Uraufführung der Kantate Nimm, was dein ist, und gehe hin (BWV 144). 13. Februar: Uraufführung der Kantate Leichtgesinnte Flattergeister (BWV 181). 7. April: Die Uraufführung der Johannes-Passion (BWV 245) von Johann Sebastian Bach erfolgt am Karfreitag in der Nikolaikirche in Leipzig. 10. April: Uraufführung der Kantate Erfreut euch, ihr Herzen (BWV 66). 11. April: Uraufführung der Kantate Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß (BWV 134). 16. April: Uraufführung der Kantate Halt im Gedächtnis Jesum Christ (BWV 67). 23. April: Uraufführung der Kantate Du Hirte Israel, höre (BWV 104). 7. Mai: Uraufführung der Kantate Wo gehest du hin? (BWV 166). 14. Mai: Uraufführung der Kantate Wahrlich, wahrlich, ich sage euch (BWV 86). 18. Mai: Die Kirchenkantate Wer da gläubet und getauft wird (BWV 37) von Johann Sebastian Bach wird anlässlich des Festes Christi Himmelfahrt in Leipzig uraufgeführt. 21. Mai: Uraufführung der Kantate Sie werden euch in den Bann tun (BWV 44). 29. Mai: Uraufführung der Kantate Erhöhtes Fleisch und Blut (BWV 173). 30. Mai: Uraufführung der Kantate Erwünschtes Freudenlicht (BWV 184). 11. Juni: Uraufführung der Kantate O Ewigkeit, du Donnerwort (BWV 20). 18. Juni: Uraufführung der Kantate Ach Gott, vom Himmel sieh darein (BWV 2). 24. Juni: Uraufführung der Kantate Christ unser Herr zum Jordan kam (BWV 7). 25. Juni: Uraufführung der Kantate Ach Herr, mich armen Sünder (BWV 135). 2. Juli: Uraufführung der Kantate Meine Seel erhebt den Herren (BWV 10). 9. Juli: Uraufführung der Kantate Wer nur den lieben Gott lässt walten (BWV 93). 23. Juli: Uraufführung der Kantate Was willst du dich betrüben (BWV 107). 30. Juli: Uraufführung der Kantate Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (BWV 178). 6. August: Uraufführung der Kantate Was frag ich nach der Welt (BWV 94). 13. August: Uraufführung der Kantate Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (BWV 101). 20. August: Uraufführung der Kantate Herr Jesu Christ, du höchstes Gut (BWV 113). 3. September: Uraufführung der Kantate Allein zu dir, Herr Jesu Christ (BWV 33). 10. September: Uraufführung der Kantate Jesu, der du meine Seele (BWV 78). 17. September: Uraufführung der Kantate Was Gott tut, das ist wohlgetan (BWV 99). 24. September: Uraufführung der Kantate Liebster Gott, wann werd ich sterben (BWV 8). 29. September: Uraufführung der Kantate Herr Gott, dich loben alle wir (BWV 130). 1. Oktober: Uraufführung der Kantate Ach, lieben Christen, seid getrost (BWV 114). 8. Oktober: Uraufführung der Kantate Herr Christ, der einge Gottessohn (BWV 96). 15. Oktober: Uraufführung der Kantate Wo soll ich fliehen hin (BWV 5). 22. Oktober: Uraufführung der Kantate Schmücke dich, o liebe Seele (BWV 180). 29. Oktober: Die Kirchenkantate Aus tiefer Not schrei ich zu dir (BWV 38) von Johann Sebastian Bach hat ihre Uraufführung unter der Leitung des Komponisten in Leipzig. Sie basiert auf dem 200 Jahre früher entstandenen gleichnamigen Kirchenlied von Martin Luther. 5. November: Uraufführung der Kantate Mache dich, mein Geist, bereit (BWV 115). 12. November: Uraufführung der Kantate Wohl dem, der sich auf seinen Gott (BWV 139). 19. November: Uraufführung der Kantate Ach wie flüchtig, ach wie nichtig (BWV 26). 26. November: Uraufführung der Kantate Du Friedefürst, Herr Jesu Christ (BWV 116). 3. Dezember: Uraufführung der Kantate Nun komm, der Heiden Heiland (BWV 62). 25. Dezember: Uraufführung der Kantate Gelobet seist du, Jesu Christ (BWV 91). 26. Dezember: Uraufführung der Kantate Christum wir sollen loben schon (BWV 121). 27. Dezember: Uraufführung der Kantate Ich freue mich in dir (BWV 133). 31. Dezember: Uraufführung der Kantate Das neugeborne Kindelein (BWV 122). Bach hat einen ausgezeichneten Ruf als Orgelgutachter. Bei zahlreichen Orgel-Neu- und -umbauten wird er hinzugezogen: so beispielsweise 1724 in Gera (Fincke-Orgel der Salvatorkirche) und in Stöntzsch (Orgel von J. C. Schmieder der Laurentiuskirche) Johann Sebastian Bach wird zum neunten Mal Vater. Das zweite gemeinsame Kind mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena Bach, Gottfried Heinrich Bach (1724–1763), wird geboren. Als nach dem Tod des 13 Jahre älteren Bruders Johann Christoph Bach sein Neffe Johann Heinrich Bach Hilfe benötigt, nimmt Johann Sebastian Bach ihn von 1724 bis 1728 bei sich in Leipzig auf.

Georg Friedrich Händel Georg Friedrich Händel ist in London als musikalischer Direktor der Royal Academy of Music, eines Opernunternehmens auf Subskriptionsbasis am King’s Theatre, tätig. Er wohnt seit Juli/August 1723 in London in der 25 Brook Street und bewohnt hier bis zu seinem Tod im Jahr 1759 zwei Stockwerke. Nahezu alle Werke, die seit 1723 entstehen, werden in diesem Haus komponiert. Auch die Vorbereitungen der Aufführungen finden oft im Händelschen Dining Room statt. 20. Februar: Giulio Cesare in Egitto (HWV 17), eine italienische Oper von Georg Friedrich Händel mit dem Libretto von Nicola Francesco Haym nach G. F. Bussani, wird mit Erfolg am King’s Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführt. Der Mezzosoprankastrat Senesino singt die Titelrolle, die Cleopatra wird von Francesca Cuzzoni verkörpert. Weitere Rollen singen Margherita Durastanti, Gaetano Berenstadt und Giuseppe Maria Boschi. 31. Oktober: Die Uraufführung der Oper Tamerlano (HWV 18) von Georg Friedrich Händel erfolgt am King’s Theatre in London. Auch bei dieser Opera seria von Händel stammt das Libretto von Nicola Francesco Haym. Auf etwa 1724–26 datieren die Neun Deutschen Arien (HWV 202–210) für Solostimme, Melodieinstrument und Basso continuo von Händel aus Barthold Heinrich Brockes’ naturlyrischer Gedichtsammlung Irdisches Vergnügen in Gott.

Alessandro Scarlatti Alessandro Scarlatti, der sich in den Jahren 1717 bis 1722 überwiegend in Rom aufgehalten und dort mehrere Opern für das Teatro Capranica komponiert hat, verbringt seinen Lebensabend in Neapel. Scarlattis späte Sonaten für Flöte und Streicher sind möglicherweise 1724–1725 für seinen Schüler Johann Joachim Quantz entstanden.

Domenico Scarlatti Domenico Scarlatti ist seit 1719 in Lissabon Musiklehrer und Hofkapellmeister am Hofe des frommen und verschwendungssüchtigen Königs Johann V. Scarlatti hat hier vor allem geistliche Vokalwerke zu liefern und schreibt auch einige weltliche Serenatas. Er unterrichtet außerdem den jüngeren Bruder des Königs Dom António (1695–1757) und die an Asthma leidende portugiesische Prinzessin Maria Bárbara de Bragança am Cembalo, die sich als hochbegabte Musikliebhaberin erweist. Während seiner portugiesischen Zeit unternimmt Scarlatti drei Reisen nach Italien, eine davon 1724. In Rom trifft er dabei auf Farinelli und Johann Joachim Quantz.

Georg Philipp Telemann Georg Philipp Telemann ist seit 1721 Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg, eines der angesehensten musikalischen Ämter Deutschlands. In diesem Amt verpflichtet sich Telemann zur Komposition von zwei Kantaten wöchentlich und einer Passion pro Jahr, in späteren Jahren greift er allerdings bei seinen Kantaten auf frühere Werke zurück. Daneben komponiert er zahlreiche Musiken für private und öffentliche Anlässe, etwa für Gedenktage und Hochzeiten. Außerdem hat er im Vorjahr für ein Jahresgehalt von 300 Talern auch die Leitung der Hamburgischen Oper am Gänsemarkt übernommen und baut das bereits 1660 von Matthias Weckmann gegründete, aber mittlerweile nicht mehr konzertierende Collegium musicum neu auf. Telemann übernimmt zusätzlich eine Stelle als Kapellmeister von Haus aus für den Hof des Markgrafen von Bayreuth. Dorthin liefert er von Zeit zu Zeit Instrumentalmusik sowie eine Oper jährlich.

Antonio Vivaldi Antonio Vivaldi ist seit 1718 in Mantua tätig, wo er in Diensten von Prinz Philipp von Hessen-Darmstadt hauptsächlich als Intendant und Opernkomponist arbeitet. Die Opern La virtù trionfante dell’amore e dell’odio overo Il Tigrane (RV 740) und Turno Aricino (RV Anh. 125) sind wahrscheinlich 1724 entstanden. Die Uraufführung der Oper Giustino fand im Januar oder Februar 1724 im Teatro Capranica in Rom statt.

Weitere biografische Ereignisse Tomaso Albinoni komponiert für den Namenstag von Kaiser Karl VI. Il nome glorioso in terra, santificato in cielo. Gaetano Berenstadt verlässt London nach der Spielzeit 1723–1724 und geht zurück nach Italien. Joseph Bodin de Boismortier zieht von Perpignan nach Paris. Sébastien de Brossard vermacht seine Bibliothek gegen eine Pension Ludwig XV. Sie bildet den Grundbestand des Fonds de musique ancienne der Bibliothèque nationale de France. In London singen Francesca Cuzzoni und Senesino als Stars in folgenden Produktionen: Spielzeit 1723/1724 Vespasiano von Attilio Ariosti (17. Januar 1724) Giulio Cesare in Egitto von Georg Friedrich Händel Calfurnia von Giovanni Bononcini (18. April 1724) Spielzeit 1724/1725 Artaserse von Attilio Ariosti (21. Dezember 1724) In der Spielpause nach Ende der Spielzeit 1723/1724 gibt Cuzzoni zusammen mit anderen Musikern der Royal Academy of Music unter Leitung von Giovanni Bononcini ein Gastspiel in Paris und bekommt vom französischen König Ludwig XV., als sie bei ihm auf Schloss Fontainebleau in einer Messe gesungen hat, ein mit Diamanten besetztes Bildnis des Herrschers. Der jugendliche Farinelli tritt zu Beginn seiner Karriere, wie es einer beliebten Tradition entspricht, zunächst vor allem in Frauenrollen auf, so etwa an Karneval 1724 in Neapel als Salonice in Angelo Predieris Scipione. Johann Adolph Hasse studiert in Neapel Komposition bei Nicola Antonio Porpora und Alessandro Scarlatti. Antonia Margherita Merighi singt am 1. Februar in Neapel im Teatro San Bartolomeo die Rolle des Iarba in der Premiere von Domenico Sarros Didone abbandonata und tritt dort in mindestens 18 weiteren Opern auf. Pietro Metastasios erstes Opernlibretto Didone abbandonata wird mit der Musik von Domenico Sarro in Neapel aufgeführt, wobei seine Gönnerin, die römischen Primadonna Marianna Benti Bulgarelli, die Titelpartie singt.