Die Unterfamilie Passifloroideae gehört zur Pflanzenfamilie Passionsblumengewächse (Passifloraceae) innerhalb der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales). Zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae) gehören seit 2009 auch die Gattungen der ehemaligen Familien der Malesherbiaceae und Turneraceae. Die Unterfamilie ist weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet, mit Schwerpunkten in Afrika und der Neotropis.

Beschreibung

mini|Illustration aus The Botanical register consisting of coloured figures, 1815 von Androsiphonia adenostegia mini|Illustration von Dilkea retusa mini|Illustration von Passiflora manicata

Vegetative Merkmale Die Arten der Unterfamilie Passifloroideae sind verholzende Pflanzen: Bäume, Sträucher und Lianen, oder kletternde krautige Pflanzen. Klimmende Arten besitzen achselständigen Ranken.

Die wechselständig und spiralig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind einfach, eingeschnitten oder zusammengesetzt (handförmig gefiedert). Es sind extraflorale Nektarien an den Blattstielen vorhanden. Nebenblätter sind oft vorhanden. Die meist kleinen Nebenblätter sind untereinander nicht verwachsen und fallen früh ab.

Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder meist zu wenigen in seitenständigen, zymösen Blütenständen. Unter den Blüten stehen meist drei Tragblätter, die ein kelchartiges Involucrum bilden.

Bei den Arten der Unterfamilie Passifloroideae sind die Blüten meist zwittrig. Wenn die Blüten eingeschlechtig sind, dann sind die Pflanzenexemplare zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch).

Die relativ großen, radiärsymmetrischen Blüten sind drei- bis acht-, meist fünfzählig. Die Blütenhüllblätter sind meist in Kelch- und Kronblätter gegliedert; selten fehlen Kelchblätter. Die meist fünf (drei bis acht) Kelchblätter sind haltbar und überlappen sich dachziegelartig. Die meist fünf (drei bis acht) Kronblätter sind meist frei oder selten nur an ihrer Basis verwachsen und überlappen sich dachziegelartig. Es ist oft ein freier, oft hohler Blütenboden (Hypanthium) und oft ein Diskus vorhanden. Oft ist ein Androgynophor oder ein Gynophor ausgebildet. Es sind fünf oder 20 bis 60 Staubblätter vorhanden, manchmal ist nur ein Teil davon fertil, 15 bis 50 können Staminodien sein. Die oft intensiv gefärbten Staminodien können fadenförmig bis schuppenartig sein und eine oder mehrere Nebenkronen (Coronae) oder einen Ring bilden. Der Fruchtknoten ist kürzer oder länger gestielt. Meist drei (zwei bis fünf) Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Es sind meist drei parietale Plazenten mit zahlreichen Samenanlagen vorhanden. Es sind ein oder meist drei (zwei bis fünf) Griffel mit gleich vielen Narben vorhanden. Es ist oft ein Diskus vorhanden.

Die Arten der Unterfamilie Passifloroideae bilden Kapselfrüchte oder Beeren (Panzerbeere). Die grubig texturierten Samen sind oft von einem Arillus umhüllt. Die Samen enthalten ölhaltiges Endosperm. Der gerade, chlorophylllose Embryo ist gut entwickelt. Die zwei Keimblätter (Kotyledonen) sind flach.

Bei den Arten der Unterfamilie Passifloroideae betragen die Chromosomengrundzahlen x = 6 oder 9 bis 11.

Ökologie Bei den Arten der Unterfamilie Passifloroideae handelt es sich um Mesophyten oder Xerophyten.

Bei den Arten der Unterfamilie Passifloroideae erfolgt die Bestäubung durch Insekten (Entomophilie).

mini|Adenia glauca mini|Illustration von Adenia lobata Systematik Die Unterfamilie Passifloroideae wurde 1835 durch Gilbert Thomas Burnett in Outlines of Botany, Seiten 750–1092, 1130 aufgestellt. Typusgattung ist Passiflora

Bei APG III erfolgte 2009 die Eingliederung der Gattungen der ehemaligen Familien der Malesherbiaceae und Turneraceae in die Familie der Passifloraceae s. l., die seitdem drei Unterfamilien enthält.

Die Unterfamilie Passifloroideae ist in zwei Tribus gegliedert und enthält insgesamt 16 Gattungen mit etwa 705 Arten: Tribus Paropsieae : Die etwa sechs Gattungen mit etwa 22 Arten sind hauptsächlich in Afrika verbreitet, nur eine Art kommt in Südostasien vor: Androsiphonia : Sie enthält nur eine Art: Androsiphonia adenostegia : Sie kommt im tropischen Afrika nur in Guinea vor. Barteria : Die etwa vier Arten sind von Benin über die Demokratische Republik Kongo bis zum westlichen Tansania verbreitet. Paropsia : Die etwa zwölf Arten sind von Nigeria bis Madagaskar verbreitet, nur eine Art kommt in Südostasien vor. Paropsiopsis : Die nur zwei Arten kommen von Kamerun bis zum westlichen Kongo (Kinshasa) vor. Smeathmannia : Die nur zwei Arten kommen von Gambia bis Kamerun vor. Viridivia : Sie enthält nur eine Art: Viridivia suberosa : Sie kommt im tropischen Afrika in Sambia, Tansania und in der Demokratischen Republik Kongo vor. Tribus Passifloreae : Sie enthält etwa zehn Gattungen mit sehr weiter Verbreitung: Adenia (Syn.: Blepharanthes nom. inval., Clemanthus , Echinothamnus , Erythrocarpus , Jaeggia , Keramanthus , Kolbia , Machadoa , Microblepharis , Modecca , Ophiocaulon , Paschanthus ): Die 95 bis 100 Arten sind größtenteils ostafrikanische Sukkulente. Ancistrothyrsus : Die nur zwei Arten sind im tropischen Südamerika verbreitet. Basananthe (Syn.: Carania , Tryphostemma ): Die 30 bis 37 Arten sind in Afrika verbreitet. Crossostemma : Sie enthält nur eine Art: Crossostemma laurifolium : Sie kommt im tropischen Westafrika vor. Deidamia (Syn.: Thompsonia ): Die etwa fünf Arten kommen nur in Madagaskar vor. Dilkea : Die etwa sechs Arten sind von Panama bis zum tropischen Südamerika verbreitet. Darunter: Dilkea hebes Dilkea nitens Efulensia (Syn.: Giorgiella , Sematanthera ): Die nur zwei Arten sind in Zentralafrika von Nigeria bis Uganda verbreitet. Mitostemma : Sie enthält nur eine Art: Mitostemma glaziovii : Sie kommt in Brasilien vor. Passionsblumen (Passiflora , Syn.: Anthactinia , Asephananthes , Baldwinia , Ceratosepalum , Cieca , Decaloba, Disemma , Granadilla , Hollrungia , Monactineirma , Murucuja , Pentaria , Poggendorffia , Tacsonia , Tetrapathea , Tetrastylis ): Sie ist seit 2003 in fünf Untergattungen gegliedert und enthält im weiten Umfang etwa 525 Arten. Schlechterina : Sie enthält nur eine Art: Schlechterina mitostemmatoides : Sie kommt im tropischen Ostafrika in Kenia, Mosambik sowie Tansania vor.

Nutzung Von einigen Arten der Unterfamilie Passifloroideae werden die Beeren gegessen oder Saft daraus gewonnen (Passionsfrucht/Maracuja, Grenadille, Barbadine, Curuba). Einige Arten der Unterfamilie Passifloroideae werden als Zierpflanzen verwendet.

Quellen Die Familie der Passifloraceae s. l. bei der APWebsite. (Abschnitte Beschreibung und Systematik) Beschreibung der Familie der Passifloraceae s. str. bei DELTA von L. Watson & M. J. Dallwitz noch im alten Umfang. (Abschnitt Beschreibung der Familie im alten Umfang) T. Nunes, 2009: Neotropical Passifloraceae. In: W. Milliken, B. Klitgård, A. Baracat: Neotropikey - Interactive key and information resources for flowering plants of the Neotropics. (Abschnitt Beschreibung der Familie im alten Umfang)

Einzelnachweise An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III, in Botanical Journal of the Linnean Society, 2009, S. 105–121. bei C. Feuillet: Folia taxonomica 16. Dilkea (Passifloraceae) 1. Epkia, a new subgenus and five new species from western Amazonia and the Guianas. In: Journal of the Botanical Research Institute of Texas, Volume 3, 2009, S. 593–604. J. M. de Vos, F. J. Breteler A revision of the African genera Paropsiopsis and Smeathmannia (Passifloraceae - Paropsieae), including a new species of Paropsiopsis from Cameroon. In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 66, Issue 1, 2009, S. 27–49. Volltext-PDF.

Weblinks

Weiterführende Literatur

Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen – Eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe, Basel 1969, ISBN 978-3-0348-9391-6. Passifloraceae s. str. auf S. 293–298.

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