mini|Die ersten Stolpersteine in Lettland erinnern an die Familie Brachmann aus Riga Die Liste der Stolpersteine in Lettland enthält die Stolpersteine, die in Lettland verlegt worden sind. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen aus diesem Land, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.

Die Stolpersteine liegen in der Regel vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers. Bisher erfolgte nur eine Verlegung in Riga am 28. Juli 2018. Insgesamt wurden hierbei vier Steine verlegt.

Nationalsozialistische Verbrechen

1941 überfiel das Dritte Reich im Rahmen des Unternehmen Barbarossa die Sowjetunion und besetzte auch Lettland. Eines der ersten Verbrechen war die Zerstörung der Großen Choral-Synagoge in Riga. Eine Reihe von Verbrechen gegen die Menschlichkeit folgten, wie die Massaker von Rumbula und Liepāja im November und Dezember 1941. Bis Ende 1941 wurden über 43.000 Juden in Lettland ermordet.Katrin Reichelt: Rettung kennt keine Konventionen: Hilfe für verfolgte Juden im deutsch besetzten Lettland 1941–1945, Lukas Verlag 2016, S. 40 Während des Holocausts wurden mehr als 70.000 lettische Juden ermordet, weitere 20.000 ermordete Juden waren aus Deutschland und den besetzten Gebieten nach Riga deportiert worden. Mehr als die Hälfte aller 90.000 Judenmorde im Land ging auf das Konto lettischer Helfer.Birgit Johannsmeier: Lettland und die Frage nach Täter oder Opfer, Jüdische Allgemeine, 1. Juli 2021 Die Erforschung des Holocaust in Lettland war auf Grund der antiisraelischen Politik der Sowjetunion, die es auch nicht erlaubte Holocaust-Ereignisse getrennt von den Opfern des gesamten „Sowjetvolks“ im Zweiten Weltkrieg zu betrachten, nicht möglich.Holocaustgedenken in Lettland, abgerufen am 2. August 2018

„Insgesamt sind also in den baltischen Republiken rund 210 000 Juden durch deutsche Organisationen und ihre Helfershelfer umgebracht worden.“Gert Robel: Sowjetunion, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. dtv München 1996, ISBN 3-423-04690-2, Seite 556

Verlegte Stolpersteine Riga Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Die Namen können auf der Projektseite "Center for Judaic Studies" der University of Latvia aufgefunden werden.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEMALKA BRAHMANEGEB. 1874DEPORTIERT 1941GHETTO RIGAERMORDET 1941Stabu iela 59 , auch Brachmannes wird in dieser Liste durchgehend die Namensschreibung des Projektes Jews of Latvia: A Project. Names and Fates 1941-1945 verwendet: Center for Judaic Studies of the University of Latvia: Seite des Projektes, Archivlink abgerufen am 12. Mai 2026, wurde am 18. August 1874 in Riga geboren. Ihre Eltern waren Movsha Wilentschik, ein Schneider, und Esther, geborene Liebesman.Passport von Ester Wilentschik, abgerufen am 27. August 2018Malka Wilentschik Geburtsregisterauszug, abgerufen am 3. August 2018Malka Wilentschik Geburtsregisterauszug, S. 64 Nr. 157, abgerufen am 3. August 2018 (kostenlose Registrierung notwendig) 1901 heiratete sie Eizik Brachman, sie wurden Eltern von fünf Kindern: Moisy und Sarah-Deborah (beide geboren 1902), Nessa (geboren 1904), Behr (geboren 1910) und Sholom (geboren 1916). Sie war Inhaberin eines Lebensmittelgeschäftes, welches sich unweit ihrer Wohnung, in der Bruninieku iela befand.Personas Kartite Malka Brachman S.1, abgerufen am 27. August 2018Personas Kartite Malka Brachman S.2, abgerufen am 27. August 2018 Malka Brachmann wurde mit ihrem Mann im Ghetto Riga interniert und dort 1941 ermordet.Center for Judaic Studies of the University of Latvia - Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Malka Brachmann, abgerufen am 12. Mai 2026120px HIER WOHNTEBERS BRAHMANSGEB. 1910EINBERUFEN 1941SOWJETISCHE ARMEEGEFALLEN 6.09.1942STARAJA RUSSAStabu iela 59 , auch Behr Brachmann, wurde am 25. Februar 1910 in Riga geboren., Inhalte nicht mehr abrufbar, kein Archivlink auffindbar am 13. Mai 2026 Seine Eltern waren Eizik und Malka Brachmann.Center for Judaic Studies of the University of Latvia - Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Behr Brachmann, abgerufen am 13. Mai 2026 Er hatte vier weitere Geschwister. Er besuchte das Jüdische Gymnasium in Riga und beherrschte fünf Sprachen (Jiddisch, Russisch, Lettisch, Deutsch und Hebräisch). 1928 machte er sein Abitur. Behr Brachmann reiste mit seinem Vater Eizik, einem Holzhändler, durch Polen und Litauen, er sollte wahrscheinlich auch Holzhändler werden. Behr Brachmann interessierte sich für kommunistische Ideen und brachte sich aktiv in die Kommunistische Bewegung ein, nahm an Demonstrationen teil und verteilte Flugblätter. Er wurde mehrfach deswegen verhaftet. Riga Jüdische Weltliche Schule, Archivlink abgerufen am 13. Mai 2026 Ab 1941 diente er in der Roten Armee. Behr Brachmann wurde 1942 bei Staraja Russa während eines Kampfes getötet.The Central Database of Shoah Victims' Names: Behr Brachmann, abgerufen am 31. Juli 2018120px HIER WOHNTEEIZIKS MARKUSBRAHMANSGEB. 1875DEPORTIERT 1941GHETTO RIGAERMORDET 1941Stabu iela 59 , auch Eizik Markus Brachmann, wurde am 27. Mai 1875 in Jēkabpils geboren. Er war der Sohn von Ruven Brachmanis.Geburtsregisterauszug Šoloms Brachmanis, abgerufen am 1. August 2018 (kostenlose Registrierung notwendig) Als er 21 Jahre alt war, arbeitete er als Hebräisch-Lehrer in Krustpils.JewishGen: All Russia 1897 Census Aisik Brachmann, abgerufen am 1. August 2018 Er heiratete 1901 Malka, geborene Wilentschik.Heiratsauszug Brachman, abgerufen am 1. August 2018JewishGen: Jewish Marriages in Riga, 1854-1921: Eintrag zu Aisik Brachmann und Malka Wilentschik , abgerufen am 1. August 2018 Das Paar hatte fünf Kinder: Moisy und Sarah-Deborah (beide geboren 1902)Geburtsregisterauszug für Moisey und Sarah-Deborah, S. 74 Nr. 197, abgerufen am 1. August 2018 (kostenlose Registrierung notwendig), Nessa (geboren 1904), Behr (geboren 1910) und Sholom (geboren 1916). Eizik Brachmann wurde mit seiner Frau im Ghetto Riga interniert und dort 1941 ermordet.The Central Database of Shoah Victims' Names: Eisik Brachman, abgerufen am 1. August 2018.Center for Judaic Studies of the University of Latvia - Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Eisik Brachmann, abgerufen am 13. Mai 2026

Zwei seiner Söhne, Behr und Sholom, kämpften in der Roten Armee und wurden während Kämpfen getötet. Seine Tochter Sarah-Deborah floh während des Zweiten Weltkrieges, überlebte, heiratete David Ginsburg, die Ehe hielt nicht. Sarah-Deborah starb am 22. November 1987. Sie liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Šmerlis, Riga, neben ihrer Schwester Nessa begraben.Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Sarah-Deborah Brachmann, abgerufen am 13. Mai 2026, abgerufen am 1. August 2018 Seine Tochter Nessa besuchte ebenso wie ihre Brüder das Jüdische Gymnasium in Riga. Sie studierte in Jena Medizin und graduierte 1930. Ab 1933 arbeitete sie in der therapeutischen Abteilung des Krankenhauses Bikur Holim und im Sanatorium in Priedaine. Während des Zweiten Weltkrieges war sie als Ärztin an der Front tätig, nach Ende des Krieges kehrte sie nach Riga zurück und arbeitete ab 1946 in der Kinderklinik. Ab 1954 war sie Therapeutin am 1. Städtischen Krankenhaus von Riga.Riga Jüdische Weltliche Schule: Archivlink, abgerufen am 13. Mai 2026 Nessa Brachmann starb am 5. Juli 1961 und ist auf dem Jüdischen Friedhof in Šmerlis, Riga begraben.Center for Judaic Studies of the University of Latvia - Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Nessa Brachmann, abgerufen am 12. Mai 2026120px HIER WOHNTEŠOLOMS BRAHMANSGEB. 1916EINBERUFEN 1941SOWJETISCHE ARMEEGEFALLEN 28.08.1941TALLINNStabu iela 59, auch Sholom Brachmann oder Brachmanis, wurde am 1. April 1916 in Riga geboren.Geburtsurkunde, abgerufen am 5. August 2018Center for Judaic Studies of the University of Latvia - Names and Fates 1941-1945: Eintrag zu Scholom Brachmann, Archivlink abgerufen am 13. Mai 2026 Seine Eltern waren Eisik und Malka Brachmann. Er besuchte wie seine anderen Geschwister das 1. Jüdische Gymnasium in Riga. Er beherrschte ebenso wie sein älterer Bruder Behr Brachmann fünf Sprachen (Jiddisch, Russisch, Lettisch, Deutsch und Hebräisch). Scholom Brachmann arbeitete als Händler in einer Sägemühle, laut einer weiteren Quelle war er Journalist. Er diente ab 1941 in der Roten Armee. Scholom Brachmann wurde am 28. August 1941 bei Kämpfen in Tallinn getötet.

Verlegedaten Die Stolpersteine in Riga wurden von Gunter Demnig am folgenden Tag verlegt:Gunter Demnig: , abgerufen am 13. Mai 2026 28. Juli 2018

Weblinks

Stolpersteine.eu, Demnigs Website

Einzelnachweise

Lettland Kategorie:Judentum in Lettland