mini|St. Severin in Köln mini|Ostseite (Chor) mini|Blick durch das Langhaus Die katholische Pfarrkirche St. Severin ist eine romanische Basilika in Köln. Die Kirche ist auf den Titel des dritten Bischof von Köln, dem Heiligen Severin geweiht. Die Pfeilerbasilika St. Severin ist eine ehemalige Stiftskirche. Sie ist eine der 12 großen romanischen Kirchen in Köln. mini|Grundriss der Kirche
Geschichte mini|St. Severin und Severinstorburg. Holzschnitt, Ausschnitt aus Woensam „Große Ansicht von Köln“ von 1531 Patron der Kirche St. Severin ist Bischof Severin, Mitpatrone sind Cornelius und Cyprian.Hermann Friedrich Wilhelm Schmidt-Bleibtreu: Das Stift St. Severin in Köln. Köln 1988, S. 42 f. Die heutige Severinstraße, benannt nach der Kirche St. Severin, war in römischer Zeit die nach Bonn führende südliche Ausfallstraße. Zu beiden Seiten der Straße befanden sich im direkten Umfeld der Stadt Begräbnisstätten (eines der hier gefundenen Grabmale, das des Poblicius, befindet sich heute neben dem Dionysosmosaik im Römisch-Germanischen Museum).
Im 4. Jahrhundert entstand hier (unter dem heutigen Mittelschiff von St. Severin) ein kleiner rechteckiger Saalbau (cella memoriae) mit Apsis nach Westen. Vermutlich im 5. und 6. Jahrhundert erhielt der Bau seitliche Nebenräume und eine östlich gelagerte Vorhalle. Die Erweiterung nach Westen erfolgte vor 866.C. Schaden, S. 2 Anlass für die Baumaßnahmen könnte die Überführung der Reliquien des Hl. Severin in die damals neue karolingische Krypta gewesen sein. Als im November 799 Papst Leo III. durch Köln nach Westfalen zog, um Karl den Großen gegen seine Bedränger um Hilfe anzurufen, besuchte er das Grab des heiligen Severin und sagte zu seinen Begleitern: „Severin, der Schützer dieses Ortes, ist hier zu Hause; ich darf nicht vorübergehen, ohne ihn zu verehren“.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 1. 1990, S. 83.
In salischer Zeit wurde in mehreren Bauabschnitten ein neues Langhaus mit zwei Seitenchören errichtet. 1043 wurde die Hallenkrypta, deren westlicher Teil noch erhalten ist, geweiht. War der östliche Teil der Basilika bereits im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts vollendet, so waren die Arbeiten am südlichen Teil erst um 1300 abgeschlossen. Teile der südlichen Apsis sind als Mauerwerk im noch heute erhaltenen Chor von 1237 erhalten. Der romanische Westturm wurde zu Gunsten des spätgotischen Nachfolgebaus 1393 abgebrochen. Die Fertigstellung der großen Fassade des Turms gelang erst Mitte des 16. Jahrhunderts. Das Langhaus wurde vom Ende des 14. Jahrhunderts bis in das 16. Jahrhundert hinein im spätgotischen Stil erneuert. Aus der Zeit, um 1500, stammt das Netzgewölbe des Mittelschiffs.C. Schaden, S. 4 Vom ursprünglichen Bodenbelag des Mittelschiffs ist noch ein achteckiges Labyrinth erhalten, das heute zum Bestand des Diözesanmuseums gehört.
Papst Pius XII. erhob die Kirche am 9. März 1953 mit dem Apostolischen Schreiben Quae antiquitate in den Rang einer Basilica minor.Pius XII.: Litt. Apost. Quae antquitate. In: AAS. 46 (1954), n. 3, S. 89s.
Reliquien des Heiligen Severin mini|St. Severin (Köln), Hochaltar von Friedrich Wilhelm Mengelberg, Aufnahme um 1895 (Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Repros aus Cöln und der Rhein, 1895) Nach einem Regenschaden während einer Prozession musste der Reliquienschrein 1999 geöffnet werden, um eventuelle Beschädigungen des Inhalts auszuschließen. Die Gelegenheit wurde zur wissenschaftlichen Bestandsaufnahme und Untersuchung der Relikte genutzt. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Reliquien gemeinsam mit Textilien in einem eigenen Reliquienkasten aus Eichenholz befinden. Der Sarg besitzt Siegel von früheren Öffnungen, darunter eines aus der Zeit von Erzbischof Hermann III. von Hochstaden. Dadurch wurde die Umbettung der Gebeine durch Bischof Wichfried von Köln (924–953) bestätigt. Die vorgefundenen Gebeine und die kostbaren Seidengewebe, in die sie eingeschlagen waren, stammen nach den vorgenommenen Untersuchungen aus der Zeit um 400, also aus der Zeit, zu der Bischof Severin der Überlieferung nach gestorben sein soll. Anhand von Untersuchungen einer Zahnwurzel muss der Verstorbene 55 Jahre alt geworden sein. Der hölzerne Schrein ist nach den dendrochronologischen Untersuchungen der Jahresringe des Holzes zwischen 939 und 949 entstanden. Weitere Objekte im Schrein werden in die Zeit zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert datiert. Die aus Zentralasien stammenden Seidentücher aus dem 4. oder 5. Jahrhundert mit farbenprächtigen Tierdarstellungen sowie die Severinusscheibe werden seit 2005 in der Südkrypta der Kirche in einem Sakrarium ausgestellt.Der Heilige, der durch den Regen kam. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. August 2011, S. Z4.Gebeine des Heiligen Severin echt. In: epoc. Heft 6/2011, S. 10.
Ein als „Severinusstab“ verehrter Bischofsstab aus getriebenem Silber wird zusammen mit einem Korneliushorn, das seit 1829 ebenfalls Reliquien des Heiligen Severin enthält, in einem der Schreine aus dem 14. Jahrhundert aufbewahrt (siehe Ausstattung).
Im Jahr 1888 entwarf der aus Köln stammende Bildhauer Friedrich Wilhelm Mengelberg einen neoromanischen Hochaltar, bei dem mittels eines Stoffbaldachins der Schrein mit den Reliquien des heiligen Severin zur Verehrung sichtbar war oder hinter einem Vorhang verborgen werden konnte. Auf großen Bronzereliefs stellte Mengelberg die vier wichtigsten Stationen der Heiligenvita dar: Die Predigt des heiligen Severin Severin hört den Chor der Engel beim Tod des heiligen Martin von Tours Tod des heiligen Severin Prozession mit dem Reliquienschrein des heiligen Severin
Hinter dem Hochaltar standen sechs Säulen mit dazwischengespannten Vorhängen. Auf den Säulenkapitellen trugen Engelsfiguren die Leidenswerkzeuge Christi. Der zentrale Tabernakel zeigte das apokalyptische Lamm Gottes. Der Stipes des Hochaltares stellte im zentralen Feld das letzte Abendmahl dar, flankiert von alttestamentlichen Szenen, die in der katholischen Theologie des Mittelalters als verborgene biblischen Vorausdeutungen der Eucharistie gedeutet wurden. Der Hochaltar wurde im Jahr 1893 geweiht.
Die Altargestaltung war eingebettet in das Bildprogramm der historistischen Chorausmalung. Basierend auf mittelalterlichen Malereiresten, die man im Jahr 1887 entdeckt hatte, wurden in den Jahren 1888 bis 1895 auf die Seitenwände Szenen aus der Legende des Heiligen gemalt.Sybille Fraquelli: Ein bunter Traum. Kölns romanische Kirchen im Historismus. Begleitband zur Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum, 7. Juli bis 16. September 2012, hrsg. von Mario Kramp. (Revolution! Dekoration... Köln im 19. Jahrhundert, Bd. 2). Köln 2012, S. 75.
Einmal im Jahr findet das sogenannte Severinusfest statt. In einer abendlichen Prozession wird der Reliquienschrein des heiligen Severin durch die Kölner Südstadt getragen.
Wiederaufbau und Baukörper mini|Chor und Kruzifix aus 14. Jh. Die Kirche erlitt im Zweiten Weltkrieg zwischen 1942 und 1945 starke Kriegsschäden: Zerstört waren Gewölbe vor allem in der Vierung, im Mittelschiff und Turm. An den Seitenwänden waren die Obergadenfenster und fast alle Dächer zerstört. Der Turm war an der Ostseite schwer getroffen. Nach 1945 wurde die Kirche in Phasen wieder errichtet. Bis 1950 konnte das Innere wiederhergestellt, bis 1955 der Turm gesichert, die Dächer erneuert und bis 1961 schließlich der Turmhelm fertiggestellt werden.laut Webseite des Förderverein Romanische Kirchen Köln Grundlage für den Wiederaufbau war die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert während verschiedener Bauphasen erbaute Kirche. Der hoch aufragende zweigeschossige Westturm mit Knickhelm ist der im spätgotischen Stil vollendete Nachfolger eines romanischen Turms. Zwischen dem zweigeschossigen Langhaus mit Netzgewölbe und dem Chor liegt das Querhaus. Der spätromanische Chor ist zweigeschossig und wird außen von einer Zwerggalerie abgeschlossen. Flankiert ist er von zwei Türmen, die spätgotische Aufbauten tragen. Innen ist der Chor mit einem Muster aus schwarzem und gelbem Marmor ausgelegt. Reste des früheren Kreuzgangs befinden sich am Pfarrgebäude.
Maße St. Severin ist mit der Höhe des Westturms von 79,00 m die höchste der romanischen Kirchen Kölns. Die etwa 3 m tiefer am Rhein stehende Kirche Groß St. Martin und ihrem zentralen Turm mit 75,20 m folgt ihr. Allein der Schieferhelm des Turmes von St. Severin misst 33,50 m. Die Firsthöhe des Hauptschiffs beträgt 26 m, die Traufhöhe 17,70 m. Der Kirchenraum ist 62 m lang. Die dreischiffige Hallenkrypta misst 23,00 mal 9,50 m. mini|alternativtext=Wandgemälde der Krönung Mariens|Krönung Mariens im Chor
Ausstattung mini|alternativtext=Pieta und Farbfenster|Pietà, um 1410, vor Farbfenster von H. Lang mini|alternativtext=Vier Heilige im Hochchor|Altarflügel des Meisters von St. Severin mini|alternativtext=Bodenmosaik im Chor|Plattenmosaik aus Mitte 12. Jahrhundert