mini|Münze Alexanders des Großen, zeigt den jungen Herakles mit Löwenfell

Dieser Artikel befasst sich mit der politischen Geschichte des Hellenismus und behandelt somit die Geschichte der auch als Hellenistische WeltVgl. etwa Michael Rostovtzeff: The Social and Economic History of the Hellenistic World. Oxford 1941. bezeichneten griechischen Welt zwischen 323 v. Chr. und 30 v. Chr. Allgemeine Informationen zu dieser Epoche finden sich im Artikel Hellenismus, für die Frühzeit der Diadochenreiche vergleiche Diadochen.

Die Ausgangslage nach Alexanders Tod

Zeitleiste

323 Alexander stirbt in Babylon 323/22 Lamischer Krieg 322 Perdikkas erobert Kappadokien, Eumenes wird Satrap

Alexander der Große starb am 10. Juni des Jahres 323 v. Chr. in Babylon, nachdem er seinem Freund und General Perdikkas seinen Siegelring gegeben hatte und angeblich verlauten ließ, er werde dem „Stärksten“ sein Reich übergeben. Selbst wenn diese und eine andere, sehr doppeldeutige Aussage („dass seine Freunde große Begräbnisspiele für ihn veranstalten werden“, bezeugt bei Diodor 17,117) so niemals getätigt worden sind, sie trafen doch den Kern der Frage, die sich jeder der kampferfahrenen Generäle stellen musste: Wer würde Alexander nachfolgen?

mini|hochkant=2|Das Weltreich, das beim Zug Alexanders entstanden war und das er seinen Nachfolgern 323 v. Chr. hinterließ

Perdikkas und andere Offiziere wollten abwarten, ob Roxane, die hochschwangere Frau Alexanders, einen Sohn zur Welt bringen würde. Die makedonische Heeresversammlung, der nach altem Recht die Wahl oblag, rief Alexanders schwachsinnigen Halbbruder Philipp III. Arrhidaios zum König aus. Perdikkas war ein Vertreter der Idee der Reichseinheit: Er wollte, dass Alexanders Sohn das Erbe seines Vaters antreten konnte, wobei er Unterstützung von der Reiterei des Heeres erhielt, in welcher der Anteil des Adels überwog. Dagegen erhob sich beim Fußvolk der Phalanx Widerstand, der bald gebrochen werden konnte. Als Roxane kurz darauf einem Sohn, Alexander IV. Aigos, das Leben schenkte, wurde er auf Druck von Perdikkas und den führenden Kommandeuren und im Einverständnis mit Philipp III. ebenfalls zum König ausgerufen.

Perdikkas begann nun, die Satrapien neu zu besetzen, wobei er darauf bedacht war, die Generäle möglichst von Babylon fernzuhalten. Antipatros, der Einfluss auf Perdikkas gewann, sollte weiterhin in Makedonien und Griechenland herrschen. Krateros – der theoretisch Vorgesetzter des Antipatros war – wurde zunächst übergangen, später aber zum „Repräsentanten“ beider Könige ernannt.

Ptolemaios erhielt Ägypten, Thrakien fiel an Lysimachos, das hellespontische Phrygien ging an Leonnatos, während Eumenes Kappadokien erhielt und Lykien, Pamphylien sowie Pisidien an Antigonos gingen. Die persische Landschaft Medien wurde zwischen Peithon und Perdikkas’ Schwiegervater Atropates geteilt. Lydien ging an Menandros, Karien an Asandros, während Laomedon, ein Freund Alexanders, Syrien erhielt und Seleukos Kommandeur der Elitekavallerie der Hetairen wurde.

Das Reich Alexanders wurde damit keineswegs aufgeteilt, sondern blieb eine Einheit, wobei Perdikkas weiterhin den wichtigen Posten eines Chiliarchen bekleidete. Einigen Generälen dürfte klar gewesen sein, dass dieser scheinbare Ausgleich nicht von langer Dauer sein würde. Zunächst musste für Ruhe gesorgt werden: ein Aufstand griechischer Soldaten in Baktrien wurde ebenso unterdrückt wie das Aufbegehren Athens in Griechenland (Lamischer Krieg). Die Niederlage Athens machte auch eines deutlich: Das Zeitalter der Polis war vorbei, die Zukunft sollte den Territorialstaaten und (in Griechenland) den Bundesstaaten gehören.

Zerfall des Alexanderreiches

Zeitleiste

320 Konferenz von Triparadeisos und Neuordnung unter den verbliebenen Diadochen 317 Polyperchon verkündet die „Freiheit der Griechen“, Ermordung von Philipp III. Arrhidaios 310 Alexander IV. Aigos wird von Kassandros ermordet, Ende des alten makedonischen Königshauses 306 Antigonos und sein Sohn Demetrios nehmen den Königstitel an 301 Schlacht bei Ipsos 281 Schlacht bei Kurupedion, Ende der Diadochenzeit

Bald nach der Verteilung der Satrapien durch Perdikkas traten die nur mühsam unterdrückten Konflikte offen zu Tage. Perdikkas stand einer Koalition bestehend aus Antipatros, Krateros, Antigonos und Ptolemaios gegenüber, die sich mit seiner Vorherrschaft nicht abfinden wollten, zumal Ptolemaios wohl mehr als jeder andere bereits auf eine Abspaltung seines Herrschaftsbereichs vom Reich spekulierte. 320 v. Chr. griff der von Eumenes unterstützte Perdikkas Ägypten an, doch scheiterte er am Nilübergang und wurde daraufhin von seinen eigenen Offizieren (darunter Seleukos) ermordet. Seleukos erhielt für seine Verdienste auf der nachfolgenden Konferenz von Triparadeisos von Antipatros, der zum Wächter des jungen Königs bestimmt wurde, die Satrapie Babylonien. Antigonos wurde zum General in Asien ernannt und damit beauftragt, Eumenes zu beseitigen, der Krateros besiegt und getötet hatte.

Antipatros überging bei der Regelung seiner Nachfolge seinen Sohn Kassandros und hatte einen General namens Polyperchon eingesetzt. Kassandros schloss sich daraufhin der Allianz von Antigonos, Ptolemaios und Lysimachos an, die mit dem Arrangement unzufrieden waren. Die nachfolgenden Kämpfe, in deren Verlauf die beiden „königstreuen“ Generäle Polyperchon und Eumenes kooperierten, zogen sich über Jahre hin. Am Ende der ersten Phase der sehr wechselhaft verlaufenden Kampfhandlungen wurde 316 v. Chr. der Großteil der makedonischen Königsfamilie ausgelöscht und Kassandros eroberte Makedonien. 310 v. Chr. ließ Kassandros auch Alexander IV. töten:

Auch Eumenes – neben Polyperchon einer der letzten Vertreter der Reichseinheit – konnte sich letztendlich nicht halten, obwohl er recht geschickt agierte. Als beispielsweise die Soldaten der Eliteeinheit der Silberschilde (Argyraspiden) zweifelten, ob der Kampf noch einen Sinn habe, begegnete er diesem Problem mit der Erinnerung an Alexander:

Eumenes, der sich immer mehr zurückgezogen hatte, wurde dennoch später von den Silberschilden verraten und an Antigonos ausgeliefert, der ihn kurz darauf hinrichten ließ (316 v. Chr.). Das Schicksal des Eumenes verdeutlicht auch die neuen Verhältnisse: Aus der stehenden makedonischen Armee waren faktisch Söldnerverbände geworden, die nur durch den Eid an den Befehlshaber gebunden waren. Auch die Grenzen der jeweiligen Machtbereiche außerhalb Ägyptens waren noch im Fluss, sie sollten sich erst Jahrzehnte später verfestigen. Währenddessen hatte sich Polyperchon in Griechenland zum Befreier der Poleis aufgespielt, bald aber an Macht verloren. Er ist zu einem unbekannten Zeitpunkt verstorben (nach dem Friedensschluss zwischen Antigonos und den anderen Diadochen im Jahre 311 v. Chr., welcher freilich nicht lange Bestand hatte).

Antigonos strebte nun offen nach der Alleinherrschaft. Er sicherte seine Position in Asien und vertrieb 315 v. Chr. Seleukos, der zu Ptolemaios floh. 312 v. Chr. besiegten sie Antigonos bei Gaza, woraufhin Seleukos nach Babylon zurückkehrte und in den folgenden Jahren seine Machtbasis sicherte sowie im Osten des Reiches expansiv tätig wurde. Der Kriegsschauplatz der folgenden Kampfhandlungen zwischen den Diadochen erstreckte sich wieder über große Teile des nun auseinander brechenden Alexanderreiches, doch brachten sie keine wirkliche Entscheidung. Die Macht der Antigoniden wuchs derweil weiter an.

mini|hochkant=2|Die Diadochenreiche und ihre Nachbarn nach der Schlacht bei Ipsos 301 v. Chr.

Demetrios, der Sohn des Antigonos, erkämpfte sich durch die Vertreibung der Makedonen aus Athen, der Wiederherstellung der attischen Demokratie und der Vernichtung der ptolemäischen Flotte bei Salamis in Griechenland und Makedonien eine gute Machtstellung. 306 v. Chr. nahmen er und sein Vater den Königstitel von Makedonien an, womit ein eindeutiger Führungsanspruch auf das (theoretisch immer noch vorhandene) Gesamtreich verbunden war. Im Jahr darauf nahmen auch die anderen Diadochen jeweils ihre eigenen Königstitel an. Währenddessen bahnte sich noch eine ganz andere Entwicklung an, die bald zu einem typischen Merkmal hellenistischer Herrscherideologie werden sollte: In mehreren Poleis wurden Kulte zu Ehren der Monarchen errichtet, die später teils sogar zu Göttern erklärt wurden.Vgl.

Um seine Schlagkraft zu erhöhen, erneuerte Demetrios im Auftrag seines Vaters 302 v. Chr. den Korinthischen Bund und übernahm dessen Führung. Den beiden Antigoniden stand nun eine Koalition bestehend aus Kassandros, Lysimachos und Seleukos gegenüber, während Ptolemaios den Lauf der Dinge abwartete. Es kam erneut zu Kampfhandlungen, die mit der Schlacht bei Ipsos im Jahr 301 v. Chr., bei der Antigonos fiel, endeten. Somit war faktisch auch die Idee der Reichseinheit zu Grabe getragen worden, da keiner der anderen Herrscher die Macht hatte, mit Gewalt das Reich zu einen.

In der darauffolgenden Zeit schien denn auch ein Status quo gefunden. Es folgte ein mehrjähriger, freilich labiler Frieden, der im Jahre 288 v. Chr. ein Ende fand. Demetrios versuchte weiterhin, die Machtstellung seines Vaters zu erlangen. Lysimachos und Pyrrhos von Epirus drangen in Makedonien ein, zwangen Demetrios zur Flucht und teilten Makedonien unter sich auf, wobei Lysimachos sich bald als Alleinherrscher durchsetzen konnte. Demetrios starb später in seleukidischer Gefangenschaft.

Gegen das nun formierte Reich des Lysimachos (welches auch große Teile Kleinasiens umfasste), zog Seleukos 281 v. Chr. in den Krieg. Zwar konnte er sich in der Schlacht bei Kurupedion gegen Lysimachos durchsetzen, doch wurde er kurz darauf von Ptolemaios Keraunos ermordet, der selbst die makedonische Königswürde anstrebte. Diese Ereignisse markieren das Ende des Zeitalters der Diadochen.

Als Ergebnis der Kämpfe hatten sich drei Nachfolgestaaten gebildet, die bis zum Einbruch Roms im 2. Jahrhundert v. Chr. Bestand haben sollten, das Ptolemäerreich in Ägypten, das Seleukidenreich in Asien und das Antigonidenreich in Griechenland.

Blütezeit der Diadochenreiche

Zeitleiste

256 Das Gräko-baktrische Reich wird gegründet 221 Die Antigoniden werfen die letzte spartanische Erhebung nieder 192–188 Antiochos III. unterliegt, wie schon 197 Philipp V., den Römern 168 Die Römer zerschlagen Makedonien

Makedonien konnte unter den Nachfahren des Antigonos Monophthalmos, die 276 v. Chr. dort wieder an die Macht kamen, die Hegemonie über Griechenland bewahren und griff zeitweise auch auf die Inseln der Ägäis aus. Die langjährige griechische Vormacht Athen wurde nach der Niederlage im Lamischen Krieg 322 v. Chr. im Chremonideischen Krieg 261 v. Chr. erneut besiegt. Athens Erzrivale Sparta unterlag 222 v. Chr. bei Sellasia den Antigoniden. Auch mit Unterstützung des Ptolemäerreiches konnten die griechischen Poleis ihre Unabhängigkeit nicht sichern. Makedonien blieb so, nicht zuletzt dank seines schlagkräftigen Heeres, trotz seiner verhältnismäßig geringen Fläche eine Großmacht. Im Inneren änderte sich dabei nur wenig.

Das reichste Diadochenreich war und blieb Ägypten unter den Ptolemäern. Das Reich des Ptolemaios galt als hellenistischer Musterstaat und ist durch die reichhaltigen Papyrusfunde am besten erforscht. Die Ptolemäer verfolgten wie die anderen großen hellenistischen Reiche das Ziel einer Hegemonie über das ehemalige Alexanderreich. Mit den Antigoniden stritten sie um Macht und Einfluss in Griechenland und der Ägäis, mit den Seleukiden um den Süden Kleinasiens, Zypern und Palästina. Die andauernden Kriege, die recht wechselhaft verliefen (siehe etwa die Schlacht bei Raphia 217 v. Chr. zwischen Seleukiden und Ptolemäern), auf die Dauer aber die Kraft der beteiligten Mächte aufrieben, brachten jedoch keinen eindeutigen Sieger hervor.