Die Passionsblumengewächse (Passifloraceae) sind eine Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales). Zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae) gehören seit 2009 auch die Gattungen der ehemaligen Familien der Malesherbiaceae und Turneraceae. Die Familie Passifloraceae s. l. ist weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet, mit Schwerpunkten in Afrika und der Neotropis, wenige Arten kommen in den gemäßigten Gebieten vor.
Beschreibung
mini|links|Illustration von Adenia lobata mini|Illustration von Passiflora manicata mini|links|Illustration aus The Botanical register consisting of coloured figures, 1815 von Androsiphonia adenostegia mini|Illustration aus The Botanical Magazine, Volume 8, 1794; Tafel 281 von Turnera ulmifolia mini|links|Illustration von Dilkea retusa
Nach molekulargenetischen Daten wurde der Umfang der Familie Passifloraceae erweitert. Morphologisch unterscheiden sich die Unterfamilien stark, ihre Merkmale siehe dort Malesherbioideae, Passifloroideae, Turneroideae.
Vegetative Merkmale Die Arten der Familie Passifloraceae s. l. können krautige oder verholzende Pflanzen sein. Die Pflanzenteile vieler Arten riechen unangenehm. Bei vielen Arten sind Kolleteren (drüsige Emergenzen) und extraflorale Nektarien vorhanden.
Die wechselständig und spiralig angeordneten Laubblätter sind oft in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Oft sind auf den Laubblättern Drüsen vorhanden. Die Spaltöffnungen (Stomata) sind paracytisch.
Generative Merkmale Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Kelch- und Kronblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Die Narben sind trocken.
Der Samenmantel ist gefurcht. Das haltbare Endosperm ist ölhaltig.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = meist 7, selten 5.
Nutzung Von einigen Arten der Unterfamilie Passifloroideae werden die Beeren gegessen oder Saft daraus gewonnen (Passionsfrucht/Maracuja, Grenadille, Barbadine, Curuba).
mini|Unterfamilie Passifloroideae: Adenia glauca mini|Unterfamilie Malesherbioideae: Malesherbia linearifolia mini|Unterfamilie Turneroideae: Piriqueta caroliniana
Systematik Die Familie Passifloraceae wurde unter dem Namen „Passifloreae“ 1806 von Antoine Laurent de Jussieu in Henri François Anne de Roussel: Flore du Calvados, 2. Auflage, 2, Seite 334 erstveröffentlicht und der Name Passifloraceae von Antoine Laurent de Jussieu in Karl Sigismund Kunth: Nova genera et species plantarum quas in peregrinatione ad plagam aequinoctialem orbis novi collegerunt Bonpland et Humboldt erst 1817. Typusgattung ist Passiflora
Die Verwandtschaft der Familien Malesherbiaceae, Turneraceae und Passifloraceae s. str. wurden kontrovers diskutiert. Bei APG III erfolgte 2009 die Eingliederung der Gattungen der ehemaligen Familien der Malesherbiaceae und Turneraceae in die Familie der Passifloraceae s. l. Auch in Veröffentlichungen im Jahr 2009 und danach blieben in konservativen Werken, diese drei Familien getrennt. Der Umfang Familie Passifloraceae s. l. mit den Arten der ehemaligen Familien Malesherbiaceae sowie Turneraceae und die Stellung innerhalb der Ordnung der Malpighiales wurde 2016 durch die Angiosperm Phylogeny Group in APG IV bestätigt. Synonyme für Passifloraceae nom. cons. sind seit 2009: Malesherbiaceae , Modeccaceae , Paropsiaceae , Piriquetaceae , Smeathmanniaceae , Turneraceae
Die Familie Passifloraceae s. l. ist seit 2009 in drei Unterfamilien mit insgesamt etwa 27 Gattungen gegliedert:
Unterfamilie Malesherbioideae (Syn.: Malesherbiaceae ): Sie enthält nur eine Gattung (siehe Hauptartikel): Malesherbia (Syn.: Gynopleura ): Die 24 bis 27 Arten sind in Südamerika nur in den Anden verbreitet.
Unterfamilie Passifloroideae : Sie ist in zwei Tribus gegliedert und enthält insgesamt 16 Gattungen mit etwa 705 Arten (siehe Hauptartikel).
Unterfamilie Turneroideae (Syn.: Piriquetaceae , Turneraceae ): Sie enthält etwa zehn Gattungen mit über 200 Arten. Die meisten Arten kommen in der Neuen Welt vor, aber die größte Vielfalt an Gattungen gibt es in der Alten Welt (siehe Hauptartikel).
Quellen Die Familie der Passifloraceae s. l. bei der APWebsite. (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
Einzelnachweise An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III, in Botanical Journal of the Linnean Society, 2009, S. 105–121. The Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG IV. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 181, 2016, S. 1–20. Die Familie der Passifloraceae s. l. bei der APWebsite. letzter Zugriff am 18. August 2018 bei (Abschnitt Beschreibung der Familie im alten Umfang) T. Nunes, 2009: Neotropical Passifloraceae. In: W. Milliken, B. Klitgård, A. Baracat: Neotropikey - Interactive key and information resources for flowering plants of the Neotropics. (Abschnitt Beschreibung der Familie im alten Umfang) Mats Thulin, Sylvain G. Razafimandimbison, Paul Chafe, Nahid Heidari, Anneleen Kool, Joel S. Shore: Phylogeny of the Turneraceae clade (Passifloraceae s.l.): Trans-Atlantic disjunctions and two new genera in Africa. In: Taxon, Volume 61, Issue 2, 2012, S. 308–323. Volltext-PDF.
Weblinks
Weiterführende Literatur
Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen – Eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe, Basel 1969, ISBN 978-3-0348-9391-6. Passifloraceae s. str. auf S. 293–298 und Malesherbiaceae auf S. 22–23.