mini|Jane Eyre, Erstausgabe von 1847
Jane Eyre. Eine Autobiographie (Originaltitel: Jane Eyre. An Autobiography), erstmals erschienen im Jahr 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell, ist der erste veröffentlichte Roman der britischen Autorin Charlotte Brontë und ein Klassiker der viktorianischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts.
Der Roman erzählt in Form einer chronologischen Ich-Erzählung die Lebensgeschichte von Jane Eyre (ausgesprochen /ˌdʒeɪn ˈɛə/), die nach einer schweren Kindheit eine Stelle als Gouvernante annimmt. Mr. Rochester, ihr reicher Arbeitgeber, ist die zweite Hauptperson des Romans. Durch seine Erzählungen in der Ich-Form erfährt die unerfahrene und mittellose Jane mehr über den weitgereisten, lebenserfahrenen und 20 Jahre älteren Mann. Ihre Unterhaltungen sind immer wieder von Wortgefechten auf Augenhöhe geprägt, an denen beide teilweise ihre Freude zu haben scheinen. Sie verlieben sich ineinander, finden aber erst nach einer langen Odyssee am Ende des Romans zueinander.
Als klein, dünn, blass, stets schlicht dunkel gekleidet und mit strengem Mittelscheitel beschrieben, gilt die Heldin des Romans Jane Eyre nicht zuletzt aufgrund der Kino- und Fernsehversionen der Romanvorlage als die bekannteste englische Gouvernante der Literaturgeschichte.Irene Hardach-Pinke: Die Gouvernante: Geschichte eines Frauenberufs. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1993, S. 16.
Zusammenfassung der Handlung mini|Die junge Jane mit Mrs. Reed, Illustration von F. H. Townsend mini|Blanche Ingram
Die Erzählerin und Hauptperson Jane Eyre ist ein armes Waisenkind. Die ersten Kapitel handeln vom Verlauf ihrer freudlosen Kindheit. Ihr reicher Onkel Mr. Reed auf Gateshead hatte versprochen, sich nach dem Tode ihrer Eltern um sie zu kümmern. Doch als er stirbt, behandeln Janes verwitwete angeheiratete Tante Mrs. Reed und ihre drei verwöhnten Kinder Jane schlecht und lassen sie deutlich spüren, dass sie sozial unter ihnen steht. Jane ist ein einfaches, ruhiges und intelligentes Mädchen mit einer leidenschaftlichen Seele und der Neigung zu Direktheit und zu Zornesausbrüchen, die sie überkommen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. Da sie manchmal sehr lebhafte Träume hat, fast Visionen, entfremdet sie sich ihrer Pflegefamilie noch mehr.
Die Spannungen auf Gateshead eskalieren, und Jane wird in das Internat Lowood geschickt, das von dem heuchlerischen Geistlichen Mr. Brocklehurst geführt wird. Aus einem nichtigen Anlass wird Jane von ihm als Lügnerin bezeichnet, worunter sie noch mehr leidet als unter schlechter Ernährung und Kälte. Bald findet sie aber eine Vertraute in Miss Temple, der verehrten Schulleiterin, und gewinnt eine ältere Schülerin, Helen Burns, als Freundin. Helen Burns ist gebildet, intelligent und sehr fromm. Sie erträgt die schwierigen Verhältnisse im Internat beinahe stoisch, während Jane ihrer Wut manchmal nur schlecht Einhalt gebieten kann. Dazu passt die ruhige Ergebung, mit der sich die an Tuberkulose leidende Helen in ihr Schicksal ergibt; sie stirbt in Janes Armen, während viele andere Mädchen des Internats einer Typhus-Epidemie zum Opfer fallen.
Nach dieser Epidemie, und nachdem Mr. Brocklehurst wegen ruchbar gewordener Verfehlungen von der Leitung des Instituts entbunden worden ist, verbessern sich die Verhältnisse dort. Jane erarbeitet sich durch ihren Fleiß eine Vertrauensposition und bleibt nach dem Ende ihrer eigenen Schulzeit als Lehrerin in Lowood, das sie seit ihrer Kindheit nicht verlassen hat. Als Miss Temple heiratet und Lowood verlässt, hält auch Jane dort nichts mehr.
Von Mrs. Fairfax, der Hauswirtschafterin von Thornfield Hall, einem prächtigen alten Herrensitz, erhält sie eine Anstellung als Gouvernante. Die achtzehnjährige Jane wird dort herzlich empfangen. Ihre Schülerin ist die achtjährige Adèle, ein französisches Mädchen, das laut Mrs. Fairfax das Mündel des Hausherrn Mr. Rochester ist. Neben ihrer Arbeit als Lehrerin und Erzieherin verbringt Jane die meiste Zeit mit der verwitweten Mrs. Fairfax. Sie schätzt die Gesellschaft der gutherzigen Hauswirtschafterin, die sie als gut erzogen und durchschnittlich intelligent einschätzt. In der Abgeschiedenheit von Thornfield Hall wird Jane oft von Ruhelosigkeit gequält. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Frauen sehr ruhig seien, würden Frauen wie Männer empfinden und wie diese unter Stagnation leiden. Sie wünscht sich Respekt für Frauen, die versuchen, mehr zu arbeiten und zu lernen als das, was bisher für ihr Geschlecht als notwendig erachtet wurde.
Nach drei Monaten auf Thornfield Hall stürzt vor Janes Augen während eines Spaziergangs ein ihr unbekannter Reiter mit seinem Pferd. Sie führt ein kurzes Gespräch mit dem Leichtverletzten, den sie auf ein Alter von 35 Jahren schätzt, und hilft ihm, wieder in den Sattel zu kommen. Abends erfährt Jane, dass es sich bei dem Reiter um ihren Arbeitgeber handelt, der bisher immer nur kurz und selten auf seinem Anwesen weilte. Am nächsten Tag wird sie zum ersten Tee bei ihrem launischen Herrn eingeladen. Er befragt sie gründlich, wobei sein Stil an ein Verhör erinnert. Für seinen Reitunfall macht er Jane verantwortlich und prahlt mit seiner Lebenserfahrung. Lobend äußert er sich über die schulischen Fortschritte von Adèle. Rochester findet Jane zwar nicht hübsch, lädt sie aber immer öfter ein, ihm am Abend Gesellschaft zu leisten.
Mit achtzehn Jahren sei er ihr gleich gewesen und zu einem guten Menschen bestimmt gewesen. Doch im Alter von einundzwanzig Jahren sei er vom rechten Weg abgekommen und seitdem sei es ihm nicht geglückt auf diesen zurückzufinden. Er erzählt Jane von seiner französischen Geliebten Céline (auch Cecile) Varens. Sie habe ihn mit einem Offizier betrogen. In einem Duell schoss er diesem in den Arm. Obwohl er seitdem nicht mehr glaube, dass Adèle seine leibliche Tochter sei, habe er sie Jahre nach seiner Trennung von seiner Geliebten nach England gebracht, nachdem sie von ihrer Mutter in Paris alleine zurückgelassen wurde.
Jane bemerkt, dass Mr. Rochester seinen Hochmut ihr gegenüber immer mehr ablegt. Er verhält sich freundlicher, und seine ebenso korrekte wie wohltuende Offenherzigkeit zieht sie zu ihm hin. Es bereitet ihr Vergnügen, ihn in Gesprächen abwechselnd zu reizen und wieder zu besänftigen. Ihr sicherer Instinkt bewahrt sie davor, zu weit zu gehen. Sie blüht auf und vergisst, sich nach Gefährtinnen ihres Geschlechts zu sehnen.
Eines Nachts wird Jane von einem dämonischen Lachen geweckt. Sie bemerkt Brandgeruch und Rauchwolken, die aus Rochesters Gemach quellen, löscht eilig das Feuer und bewahrt so ihren schlafenden Hausherrn vor dem Flammentod. Jane verdächtigt eine Bedienstete, ein Komplott geschmiedet zu haben. Doch Rochester gebietet ihr, nicht über ihren Verdacht zu sprechen. Am nächsten Morgen behauptet er gegenüber den Hausangestellten, er sei eingeschlafen und habe das Licht brennen lassen. Tief bewegt bedankt er sich bei Jane für ihre Rettungstat. Er möchte ihre ergriffene Hand überhaupt nicht mehr loslassen, doch sie entzieht sich ihm. Noch in derselben Nacht wird Jane sich im Traum bewusst, dass sie in Rochester verliebt ist. Zum ersten Mal in ihrem Leben kommt ihr eine Heirat in den Sinn. Als Mrs. Fairfax ihr jedoch am nächsten Abend von Rochesters Abreise zu einer vornehmen Gesellschaft erzählt und erwähnt, dass er dort sicherlich auch Blanche Ingram treffen werde, eine unverheiratete Schönheit aus reichem Haus, mit der er schon einmal so wunderbar im Duett gesungen habe, zerplatzen Janes Illusionen. Ihr wird gewahr, dass sie nur eine arme, alleinstehende und hässliche Gouvernante ist.
Während des Besuchs von Aristokraten aus der Nachbarschaft – darunter Miss Ingram – veranstaltet Mr. Rochester ein umfangreiches Verwirrspiel mit Jane. Um ihre Eifersucht zu wecken, wirbt er scheinbar um die Hand der Schönen, was Jane, nach außen gelassen, schweren Herzens mit ansehen muss. Außerdem verkleidet er sich als Zigeunerin, um der feinen Gesellschaft seine Dienste als Wahrsagerin anzubieten. Mit diesem Trick kann er seinen Gästen so manches Geheimnis entlocken. So erfährt er von Miss Ingram, dass sie reiche Männer bevorzugt. Trotz hartnäckiger Fragen gelingt es ihm jedoch nicht, Janes Gefühle für ihn in einer längeren Sitzung zu ergründen. Schließlich gibt er sich ihr zu erkennen und wird wegen des Einsatzes unlauterer Methoden von ihr deutlich getadelt. Zu seinem weiteren Verdruss informiert Jane ihn darüber, dass sie sich eine andere Stelle suchen und Thornfield Hall verlassen werde, sobald er mit Miss Ingram vermählt sei. Außerdem empfiehlt sie, Adèle in ein Internat zu schicken. In der folgenden Nacht ereignet sich ein weiterer Zwischenfall. Mr. Mason, ein überraschend erschienener Gast, muss wegen einer stark blutenden Bisswunde ärztlich behandelt werden. Um den Vorfall gegenüber den anderen Gästen zu verheimlichen und eine weitere Konversation zwischen ihnen und Mr. Mason zu verhindern, lässt Rochester den Verletzten mit Janes Hilfe im Morgengrauen aus dem Haus bringen.
Unterdessen bekommt sie Besuch von einem Angestellten des Hauses ihrer Tante Reed. Er berichtet, dass die Tante im Sterben liege und nach Jane gefragt habe. Jane möchte am Sterbebett Frieden schließen, doch Mrs. Reed zeigt sich weiter verbittert und unversöhnlich. Sie habe Jane schon gehasst, als sie sie zum ersten Mal gesehen habe. Da sie jedoch Gewissensbisse plagen, überlässt sie Jane einen drei Jahre alten Brief ihres Onkels John Eyre, der auf der Insel Madeira lebt. Darin äußert er den Wunsch, Jane zu adoptieren und ihr nach seinem Tod seinen gesamten Besitz zu vermachen. Tante Reed beichtet Jane, dass sie ihr das Erbe nicht gönnte und deshalb zurückgeschrieben habe, sie sei in Lowood an Typhus gestorben. Trotzdem möchte Jane sich immer noch mit ihrer Tante versöhnen. Diese geht jedoch nicht auf das Friedensangebot ein und stirbt noch in der Nacht.
Zurück in Thornfield macht Rochester, der Jane offenbar vermisste, in einem Zwiegespräch launische Bemerkungen über ihre einmonatige Abwesenheit. Sie ist froh, wieder zu Hause zu sein, und die Freude, ihren Herrn wiederzusehen, lässt sie fast die Fassung verlieren. Ihr rutscht heraus, dass ihr einziges Heim dort ist, wo er ist. Doch bald holt sie der unangenehme Gedanke an Mr. Rochesters bevorstehende Heirat wieder ein. Eines Tages macht sie daher Andeutungen, dass sie bald eine neue Stelle als Gouvernante suchen müsse.
An einem lichten Sommerabend trifft Jane im Garten zufällig auf Mr. Rochester. Er erinnert sie daran, dass es ihr Wunsch sei fortzuziehen, sobald er sich vermählen würde. Er plane, innerhalb eines Monats zu heiraten, und habe bereits eine neue Stelle für sie im weit entfernten Irland gefunden. Tief bewegt beteuern beide einander, wie sehr sie sich vermissen werden. Dann schließt Mr. Rochester Jane in seine Arme, küsst sie und macht ihr einen Heiratsantrag. Jane ist zunächst skeptisch und glaubt, verspottet zu werden. Nach einigen Beteuerungen und weiteren Liebesbekundungen von Seiten Rochesters, willigt sie schließlich glücklich und befreit von dem Albdrücken der nahe bevorstehenden Trennung ein, sein Weib zu werden. Inzwischen hat sich das Wetter verändert und Blitze zucken vom Himmel. Beide eilen zurück und kommen vollständig durchnässt im Haus an. Der Kastanienbaum, unter dem sie sich eben noch aufgehalten hatten, wurde zur Hälfte von einem Blitz zerschmettert.