Der Wahlbezirk Schlesien 15 war ein Wahlkreis für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im österreichischen Kronland Schlesien. Der Wahlbezirk wurde 1907 mit der Einführung der Reichsratswahlordnung geschaffen und bestand bis zum Zusammenbruch der Habsburgermonarchie.
Geschichte Nachdem der Reichsrat im Herbst 1906 das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht beschlossen hatte, wurde mit 26. Jänner 1907 die große Wahlrechtsreform durch Sanktionierung von Kaiser Franz Joseph I. gültig. Mit der neuen Reichsratswahlordnung schuf man insgesamt 416 Wahlbezirke, wobei mit Ausnahme Galiziens in jedem Wahlbezirk ein Abgeordneter im Zuge der Reichsratswahl gewählt wurde. Der Abgeordnete musste sich dabei im ersten Wahlgang oder in einer Stichwahl mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Der Wahlkreis Schlesien 15 umfasste die hochindustrialisierte Gerichtsbezirke Freistadt und Oderberg,Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder. 1907, IX. Stück, Nr. 17: „Gesetz vom 26. Jänner 1907 betreffend die Wahl der Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrates“ ohne fünf Gemeinden des Wahlbezirks Schlesien 6 (Schönichl, Dombrau, Karwin, Lazy, Orlau) sowie zwei Gemeinden des Wahlbezirks Schlesien 4 (Oderberg und Freistadt).
Aus der Reichsratswahl 1907 ging der polnische Sozialdemokrat Tadeusz Reger als Sieger hervor. Er verzichtete jedoch noch im selben Jahr und wurde durch seinen Parteikollegen Ignacy Daszyński ersetzt. Bei der Reichsratswahl 1911 setzte sich erneut Tadeusz Reger durch. Seine Gegner waren u. a. Franciszek Halfar, als in Einklang zugebrachter Kandidat des polnischen Bunds der schlesischen Katholiken und mehr evangelischen geprägt PSN (Polskie Stronnictwo Narodowe), aber auch mit einer kuriosen Unterstützung der deutschen Liberaler (örtlich bis 1909 unter der Leitung vom Pastor Theodor Haase). Franciszek Friedel war der Kandidat und der Hauptideologe der sogenannten freistädter RadikalerG. Wnętrzak, 2014, S. 117. Im Jahr 1911 der dritte Gegner war Gardawski (Tschechische autonomistische Sozialdemokraten), der in keiner Gemeinde gewann (hat aber etwa 30 % in Petřvald, Rychvald, Vrbice und Záblatí).
Wahlergebnisse Reichsratswahl 1907 mini|Reichsratswahl 1907: Die Reichsratswahl 1907 wurde am 14. Mai 1907 (erster Wahlgang) durchgeführt. Die Stichwahl entfiel auf Grund der absoluten Mehrheit für Tadeusz Reger im ersten Wahlgang. Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent Tadeusz Reger Polnische Sozialdemokraten 6901 72,8 % Franz (Franciszek) Halfar Polnische Agrarier 1725 18,2 % Franz (Franciszek) Friedel Polnische Nationalpartei 825 8,7 % Sonstige Parteien 33 0,3 % Wahlberechtigte: 9842, Ungültige/Leere Stimmen: 40, Wahlbeteiligung: 996,8 %
Reichsratsergänzungswahl 1907 Nachdem Tadeusz Reger zu Gunsten des im Wahlbezirk Krakau gescheiterten Sozialdemokraten Ignacy Daszyński zurückgetreten war, wurde am 16. Dezember 1911 die Reichsratsergänzungswahl durchgeführt. Daszyński erreichte dabei bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit.
Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent Ignacy Daszyński Polnische Sozialdemokraten 6246Laut den Zeitungsberichten entfielen 6246 Stimmen auf und 2274 auf Bura, wobei die Stimmen von 677 Wahlberechtigten noch nicht ausgezählt waren. ? Bura Tschechische Christlich-Soziale 2274 ? Sonstige Parteien Wahlberechtigte: 10807, Ungültige/Leere Stimmen: ?, Wahlbeteiligung: ? %
Reichsratswahl 1911 mini|Reichsratswahl 1911: Die Reichsratswahl 1911 wurde am 13. Juni 1911 (erster Wahlgang) durchgeführt. Die Stichwahl entfiel auf Grund der absoluten Mehrheit für Tadeusz Reger im ersten Wahlgang.
Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent Tadeusz Reger Polnische Sozialdemokraten 6231 61,4 % Franz (Franciszek) Halfar Polnische Volkspartei 2828 27,9 % Gardowski Tschechische autonomistische Sozialdemokraten 997 9,8 % Sonstige Parteien 94 0,9 % Wahlberechtigte: 10807, Ungültige/Leere Stimmen: 108, Wahlbeteiligung: 94,9 %
Literatur Die Ergebnisse der Reichsratswahlen in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern im Jahre 1907. In: Österreichische Statistik. LXXXIV. Band, 2. Heft, Wien 1908 (Herausgegeben von der k .k. Statistischen Zentralkommission), S. I. 80 Die Ergebnisse der Reichsratswahlen in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern im Jahre 1911. In: Österreichische Statistik. Neue Folge. 7. Band, 1. Heft, Wien 1912 (Herausgegeben von der k .k. Statistischen Zentralkommission), S. 116
Einzelnachweise
Schlesien 15 Schlesien 15 Kategorie:Aufgelöst 1918