mini|Am 22. November 2022 führte das BBK Cell-Broadcast-Tests durch, welche nur auf Geräten angezeigt wurden, die dafür konfiguriert wurden, sämtliche Alarme auszugeben – auch solche, die eigentlich nicht angezeigt werden sollen
Mit EU-Alert werden Warnungen im Katastrophenfall per Cell Broadcast an alle Mobiltelefone im betreffenden Gebiet gesendet. Das System ist europaweit seit Ende 2022 in Betrieb und orientiert sich an dem aus den USA kommenden .
Nachdem in vielen Ländern die Sirenen abgebaut worden waren, ergab sich die Notwendigkeit, die Bevölkerung auf andere Weise zu warnen. Der Rat der Europäischen Union passte daher im Dezember 2018 die neue Richtlinie zum europäischen Kodex für elektronische Kommunikation an (). Entsprechend dieser Richtlinie mussten alle EU-Mitgliedstaaten bis zum 21. Juni 2022 ein solches Warnsystem zum Zivilschutz einrichten. Artikel 110:
Cell Broadcast Eine Cell-Broadcast-Nachricht sieht für den Endbenutzer ähnlich wie eine gewöhnliche SMS aus und ähnelt ihr auch technisch, wodurch die Nachricht von alten und neuen Geräten gleichermaßen empfangen werden kann. Im Gegensatz zur SMS wird die Nachricht von der Mobilfunk-Basisstation allerdings nicht nur an ein Endgerät, sondern durch Rundsenden gleichzeitig an alle Endgeräte in Reichweite verschickt. Es können bestimmte Basisstationen zum Versenden ausgewählt werden, wodurch das System standortbasiert ist. Die Textnachricht hat eine maximale Länge von 1395 Zeichen und wird ohne Benutzerinteraktion auf dem Bildschirm angezeigt. Gleichzeitig ertönt ein standardisierter Klingelton, und in der Regel vibriert das Mobiltelefon.
Technische Spezifikation Die technische Spezifikation des Europäischen Instituts für Telekommunikationsnormen (ETSI) ist das Dokument TS 102 900 V1.3.1 vom Februar 2019. Es verwendet den Cell-Broadcast-Dienst, um Nachrichten an Mobiltelefone zu senden.Emergency Communications (EMTEL); European Public Warning System (EU-ALERT) using the Cell Broadcast Service auf den Seiten der ETSI
Abhängig von der Gesetzgebung des Landes, gibt es verschiedene Typen von Nachrichten: Alarmmeldungen in drei Schweregraden Höchste Alarmstufe () Extreme Bedrohungen: klassifiziert als Bedrohungen für Leben und Eigentum, wie ein drohendes katastrophales Wetterereignis, beispielsweise ein Hurrikan oder ein Terroranschlag. Schwere Bedrohungen: weniger ernst als die extremen Bedrohungen; dies können die gleichen Arten von Situationen sein, aber in einem kleineren Maßstab. EU-Info: öffentliche Sicherheitsnachrichten, um empfohlene Maßnahmen zu übermitteln (z. B. Notunterkünfte oder eine Wasseraufbereitungsverordnung). EU-AMBER: Vermisstenmeldung, benannt nach dem US-amerikanischen System Amber EU-Übung: Testnachrichten für nationale, regionale, lokale Zwecke.
Nachteile Es sind nur Textnachrichten möglich, inklusive Weblinks. Mögliche weiterführende Daten wie Wettergrafiken oder erwartete Überflutungszonen auf einer Karte sind nicht übertragbar. Oft genutzte Geräte ohne Mobilfunkhardware (Mobilfunkantenne, SIM-Karten-Slot), beispielsweise Standrechner in Büros, Notebooks, Fernseher oder Tablets, erhalten keine Warnmeldungen.
Nutzerländer mini|Verfügbarkeit von EU-Alert in Form von Cell Broadcast: Dunkelblau: Cell Broadcast aktiv Hellblau: Cell Broadcast geplant Grau: Kein Cell Broadcast
Cell Broadcast in Betrieb Länder, in denen EU-Alert mit Cell Broadcast in einer nationalen Variante bereits in Betrieb genommen wurde: +LandName des WarnsystemsStatusEinführungsdatumNiederlandeNL-AlertAktiv8. November 2012LitauenLT-AlertAktiv1. September 2012RumänienRO-AlertAktiv17. September 2018GriechenlandGR-AlertAktiv1. Dezember 2019FrankreichFR-AlertAktiv24. Juni 2022SpanienES-AlertAktiv21. Juni 2022NorwegenNødvarselAktiv14. Februar 2023DeutschlandDE-AlertAktiv23. Februar 2023Vereinigtes KönigreichEmergency AlertsAktiv19. März 2023DänemarkS!renenAktiv3. Mai 2023KroatienHR-AlertAktiv3. Juni 2023BulgarienBG-AlertAktiv29. November 2023ItalienIT-AlertAktiv13. Februar 2024ÖsterreichAT-AlertAktiv 5. Oktober 2024LuxemburgLU-AlertAktiv17. Oktober 2024LettlandLV-AlertAktiv1. Juli 2025SlowenienSI-AlertAktiv27. September 2025ZypernCY-AlertAktiv26. Mai 2026SchwedenSE-AlertAktiv1. Juli 2026
Cell Broadcast geplant Länder, in denen EU-Alert mit Cell Broadcast in einer nationalen Variante geplant ist: +LandName des WarnsystemsStatusEinführungsdatumFinnlandFI-AlertImplementierungsphaseOktober 2026TschechienUnbekanntPlanungsphase2026MaltaReverse 112Implementierungsphase2026SlowakeiSK-AlertImplementierungsphase2026EstlandTaskusireenPlanungsphase2027IrlandUnbekanntPlanungsphase2027Republik MoldauMD-AlertPlanungsphase2027LiechtensteinUnbekanntPlanungsphase2029SchweizUnbekanntPlanungsphase2029PortugalUnbekanntPlanungsphaseUnbekanntPolenUnbekanntPlanungsphaseUnbekanntUngarnUnbekanntPlanungsphaseUnbekannt
Standortbasierte SMS Länder, in denen EU-Alert mit standortbasierten SMS umgesetzt wurde oder geplant ist: Alert RCB für Polen BE-Alert für Belgien EE-Alarm für Estland Portugal – 2019 dauerte die Auslieferung der Nachrichten 2 Stunden. Inzwischen wird die Einführung von Cell Broadcast angestrebt.
EU-Alert in Deutschland
mini|Beispiel für eine Probewarnung am Bundesweiten Warntag am 8. Dezember 2022 in Deutschland
Zur Warnung der Bevölkerung in Deutschland wurde unter Federführung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) das Modulare Warnsystem (MoWaS) entwickelt und etabliert. Dieses steht dem Bund im Verteidigungsfall und den Ländern zur Warnung vor Katastrophen zur Verfügung. Über MoWaS können die zuständigen Behörden diverse Warnkanäle und verschiedene Warnmultiplikatoren anwählen, um über den Mehrkanalansatz oder „Warnmix“ möglichst viele Menschen vor Gefahren zu warnen. Dieser Warnmix umfasste neben der Warnung über Medien auch die Ansteuerung von Warn-Apps wie etwa NINA, Katwarn und BIWAPP, jedoch nicht den Warnkanal DE-Alert.
Das bisherige Modulare Warnsystem, an das viele, aber nicht alle Warnmittel angeschlossen sind, wurde im September 2021 kritisiert, nachdem es beim ersten bundesweiten Warntag wegen Überlastung zu keiner Auslösung von Warnmeldungen kam. Die beim Testlauf offenbarten Mängel für die Warnung in Deutschland riefen erste Forderungen danach hervor, neben den bisherigen Warnkanälen auch den EU-Alert auf Basis von Cell Broadcast auch in Deutschland einzuführen.
Bundestagsbeschluss zur Einführung von Cell-Broadcast-Warnungen Nach dem verheerenden Hochwasser 2021 in NRW und Rheinland-Pfalz mit über einhundert Toten wurde die Einführung von Cell-Broadcast-Warnungen am 7. September 2021 vom Bundestag beschlossen. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie schlug die Einführung der Mobilfunk-Warn-Verordnung vor, um das Telekommunikationsgesetz zu ergänzen. Der Bundestag stimmte im August 2021 zu, der Bundesrat im November 2021. Der Dienst ging fristgerecht zum 23. Februar 2023 unter dem Namen DE-Alert in den Wirkbetrieb. Die Details der Umsetzung wurden in der technischen Richtlinie TR DE-Alert der Bundesnetzagentur festgelegt. Erstmals erprobt wurde der neue Warnkanal zum bundesweiten Warntag 2022. Für einen ausreichenden Vorlauf verlegte das BMI das Datum um drei Monate auf den 8. Dezember.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten bei Cell Broadcast Die Einführung des Warnkanals Cell Broadcast umfasst nicht nur die Inbetriebnahme des Übertragungskanals Cell Broadcast in allen deutschen Mobilfunknetzen, sondern auch die Anbindung dieses Kanals an das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes. An der Planung und Umsetzung sind daher mehrere Behörden des Bundes und der Länder sowie Wirtschaftsunternehmen aus der Telekommunikationsbranche beteiligt.
Für die Bearbeitung der fachlichen Aspekte der Warnung über Cell Broadcast wurde auf Initiative des BBK hin im November 2021 eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe gegründet. Sie legte u. a. die optische, akustische und haptische Signalisierung von Cell Broadcast-Warnungen für die verschiedenen Warnstufen auf Mobilfunkendgeräten fest. Darüber hinaus stellte das BBK den Anschluss des Warnkanals an das von ihm betriebene Modulare Warnsystem (MoWaS) her.
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) betreut im Bereich der Telekommunikationsinfrastruktur alle Aspekte der Inbetriebnahme von Cell Broadcast in den deutschen Mobilfunknetzen. Sie erstellt die Technische Richtlinie (TR DE-Alert) und setzt deren Einhaltung durch die Verpflichteten durch, als wesentliche Grundlage für die Inbetriebnahme und Umsetzung des Warnkanals.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurde bei der Erstellung der Technischen Richtlinie (TR DE-Alert) und insbesondere bei der Festlegung der notwendigen Sicherheitsvorgaben für den Warnkanal Cell Broadcast beteiligt.
Die in Deutschland tätigen Mobilfunknetzbetreiber sind zur technischen Umsetzung von Cell Broadcast in den von ihnen betriebenen Mobilfunknetzen innerhalb eines Jahres, bis Ende Februar 2023, gesetzlich verpflichtet. Die Mobilfunknetzbetreiber arbeiten mit dem BBK an der Schnittstelle für den Anschluss an das MoWaS. Die Anbieter von Mobilfunkdiensten sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden über die Einführung von Cell Broadcast zu informieren. Das BBK stellt den Mobilfunkanbietern die vorliegenden Informationen in Zusammenhang mit der Einführung und dem Betrieb von Cell Broadcast zur Verfügung.
Die Endgeräte- und Betriebssystemhersteller stellen die zum Empfang notwendigen Software-Updates zur Verfügung und rüsten die Endgeräte zur Anzeige der Warnmeldungen aus. Alle an der Einführung des Warnkanals Cell Broadcast beteiligten Akteure stehen in engem Austausch, um die einzelnen Teilschritte aufeinander abzustimmen und praktisch umzusetzen.
mini|Screenshot vom Cell Broadcast zum Bundesweiten Warntag 2022.Die Nachricht wird fälschlich als „Benachrichtigung des Präsidenten“ betitelt (statt als „Warnstufe 1“ oder „Warnung auf höchster Stufe“), da das empfangende Mobiltelefon die Bezeichnungen des US-Systems Emergency Alert System benutzt.
Allgemeine Nutzung von Cell Broadcast
Praktisch alle Mobiltelefone und Smartphones unterstützen Cell Broadcast in seiner originären Form mit 3-stelligen CB-Message-IDs. Mit Stand 2020 war in Deutschland die Funktion nicht bei allen Betreibern aktiviert. Zeitweise gab es Kanäle mit verschiedenen Themen wie Nachrichten (ProSieben, Handelsblatt), Online-Angeboten (snap123 auf Kanal 123 im D2-Netz) und Wettervorhersagen. Da diese sich mehr und mehr zurückziehen, stehen bei vielen Anbietern nur noch Basisthemen zur Verfügung (Standortbestimmung, Tarifinformation). Da CB für den Benutzer kostenlos ist, wurden diese Dienste meist durch Sponsoren finanziert.
Nutzung von Cell Broadcast zur Warnung der Bevölkerung
Nach dem von einer technischen Panne überschatteten Bundesweiten Warntag am 10. September 2020 kamen zunehmend Forderungen auf, den Cell Broadcast-Dienst auch in Deutschland zur Warnung der Bevölkerung einzusetzen. Die Forderungen verstärkten sich nach dem Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 mit Schwerpunkt innerhalb Deutschlands in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.Sascha Lobo: Die bürokratische Verhöhnung des 21. Jahrhunderts. In: spiegel.de, 21. Juli 2021. Die Bundesregierung beschloss die Einführung im August 2021. Bundestag und Bundesrat stimmten der hierfür nötigen Änderung des Telekommunikationsgesetzes in der Folge zu. Mit der Zustimmung des Bundesrats zur Einführung der Mobilfunk-Warn-Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie am 26. November 2021 sollte der Dienst Ende 2022 nutzbar sein.Bundesrat stimmt für Handy-Warnung im Katastrophenfall. Zeit Online, 26. November 2021, abgerufen am 26. November 2021. Bundesweit verfügbar ist er seit dem 23. Februar 2023.