350px|Bach BWV 152 Als Konzertmeister in Weimar muss Johann Sebastian Bach alle vier Wochen eine Kirchenkantate komponieren. Seine Kantate Tritt auf die Glaubensbahn (BWV 152) wird am 30. Dezember uraufgeführt. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1714.
Ereignisse Johann Sebastian Bach Johann Sebastian Bach ist in Weimar als Hoforganist und Kammermusiker am Hof von Herzog Wilhelm Ernst tätig. 2. März: Bach wird zum Konzertmeister ernannt. Obwohl er in der Hierarchie immer noch unter dem Kapell- und dem Vizekapellmeister steht, bekommt er mit 250 Gulden ein erheblich höheres Gehalt als beide. Mit dem neuen Amt ist die Pflicht verbunden, alle vier Wochen eine Kirchenkantate auf den jeweiligen Sonntag zu komponieren. 8. März: Carl Philipp Emanuel Bach, der Berliner oder Hamburger Bach, wird als fünftes Kind von Maria Barbara Bach und Johann Sebastian Bach geboren. 19. März: Nach drei Monaten Nachdenkzeit sagt Bach für die angebotene Stelle als Organist an der Marktkirche Unser Lieben Frauen in Halle mit der Begründung, dass die Besoldung nicht seiner Erwartung entspreche, ab. 25. März: In der Weimarer Schlosskirche kommt am Palmsonntag Bachs erste Auftragskomposition Himmelskönig, sei willkommen (BWV 182) zur Aufführung. Textdichter ist vermutlich Salomon Franck. Ihr folgten in regelmäßigen Abständen noch mindestens 20 weitere Werke, die den Grundstock der späteren Leipziger Kantatenjahrgänge bilden. 22. April: Die Kantate Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (BWV 12) wird in der Schlosskirche uraufgeführt. Der Text stammt vermutlich wieder von Salomon Franck. Der abschließende Choral ist die letzte Strophe des Kirchenliedes Was Gott tut, das ist wohlgetan von Samuel Rodigast. 20. Mai: Zu Pfingsten erklingt die Kantate Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten! (BWV 172) zum ersten Mal. 17. Juni: Die Kantate Ich hatte viel Bekümmernis (BWV 21) wird uraufgeführt. 1. Juli/15. Juli: Die Kantate Widerstehe doch der Sünde (BWV 54) hat ihre Uraufführung. Der Kantatentext stammt von Georg Christian Lehms aus dem Jahr 1711. 12. August: Auch für die Kantate Mein Herze schwimmt im Blut (BWV 199) hat Bach eine Vorlage von Georg Christian Lehms verwendet. 2. Dezember: Zum Ersten Adventssonntag führt Johann Sebastian Bach erstmals seine Kantate Nun komm, der Heiden Heiland (BWV 61) in der Schlosskirche zu Weimar öffentlich auf. Der Textdichter Erdmann Neumeister übernimmt die erste Strophe von Martin Luthers Nun komm, der Heiden Heiland, dem Hauptlied des 1. Advent, für den Eingangschor und benutzt als Schlusschoral den Abgesang der letzten Strophe von Philipp Nicolais Wie schön leuchtet der Morgenstern. Der dritte Satz enthält die Bitte um ein „selig neues Jahr“, da mit dem ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr beginnt. mini|Bühnenbild, wahrscheinlich für Amor d'un ombra Akt I von Domenico Scarlatti (Rom 15. Januar 1714), Entwurf von Filippo Juvarra 30. Dezember: Tritt auf die Glaubensbahn (BWV 152) ist Bachs letzte Kirchenkantate, die in diesem Kalenderjahr zur Aufführung gelangt. Wiederum stammt der Text von Salomon Franck. Während seiner Amtszeit in Weimar in den Jahren 1712 bis 1717 komponiert Johann Sebastian Bach eine Sammlung choralgebundener Orgelstücke (Choralvorspiele), bekannt als das Orgelbüchlein (BWV 599–644).
Georg Friedrich Händel Georg Friedrich Händel weilt seit Oktober 1712 in London und wohnt seit 1713 beim Earl of Burlington. 26. September: Vermutlich an diesem Tag wird Händels Caroline Te Deum in der Königskapelle im St. James’s Palace in London uraufgeführt.
Alessandro Scarlatti mini|Domenico Scarlatti – Amor d'un' ombra e gelosia d'un' aura – Titelseite des Librettos Alessandro Scarlatti, der in Neapel als Kapellmeister der Cappella Reale tätig ist, beschäftigt sich mit der von ihm bis dahin vernachlässigten Instrumentalmusik. 1715 wird er die 12 Sinfonie di concerto grosso herausgeben können. Ebenfalls in Neapel wird Alessandro Scarlattis Oper Scipione nelle Spagne auf das Libretto von Apostolo Zeno uraufgeführt.
Domenico Scarlatti Domenico Scarlatti ist in Rom seit 1709 bei der im Exil lebenden und im Palazzo Zuccari wohnenden polnischen Königin Maria Casimira Sobieska angestellt, für deren Privatbühne er im Laufe der Jahre sechs Opern, sowie mindestens eine Kantate und ein Oratorium komponiert. Seit 1713 ist er außerdem maestro di capella an der Capella Giulia des Vatikans. Von 1711 bis 1714 arbeitet Scarlatti mit dem Librettisten Carlo Sigismondo Capece und dem Bühnenbildner Filippo Juvarra zusammen. 15. Januar: Die Uraufführung der Oper Amor d'un ombra e gelosia d'un aura (in Deutschen: Liebe eines Schattens und Eifersucht einer Morgenröte) von Scarlatti auf das Libretto von Carlo Sigismondo Capece findet in Rom statt. Schon 1714 nimmt er zusätzlich zu seinen übrigen Verpflichtungen eine Anstellung beim portugiesischen Botschafter Marquês de Fontes an, der einer der zahlungkräftigsten Gesandten in Rom ist.
Georg Philipp Telemann mini|Antonio Caldara – Tito e Berenice – Titelseite des Librettos – Rom 1714 Georg Philipp Telemann ist städtischer Musikdirektor und Kapellmeister der Barfüßer- und Katharinenkirche in Frankfurt am Main. Telemann übernimmt zusätzlich die Organisation der wöchentlich stattfindenden Konzerte sowie verschiedene Verwaltungsaufgaben der vornehmen Stubengesellschaft Zum Frauenstein im Haus Braunfels auf dem Liebfrauenberg, wo er selbst auch wohnt. Während seiner Zeit in Frankfurt komponiert Telemann neben den Kantaten Oratorien, Orchester- und Kammermusik, von der ein Großteil veröffentlicht wird, sowie Musik für politische Festakte und Hochzeitsserenaden. Allerdings findet er keine Gelegenheit, Opern zu veröffentlichen, wenngleich er weiterhin für die Leipziger Oper schreibt. Telemann heiratet die 16-jährige Maria Catharina Textor (1697–1775), die Tochter eines Ratskornschreibers.
Antonio Vivaldi Antonio Vivaldi ist musikalischer Leiter (maestro de’ concerti) des Orchesters des Ospedale della Pietà (eines von vier Heimen in Venedig für Waisenmädchen). Das Orchester erlangt bald einen für die damalige Zeit legendären Ruf und lockt zahlreiche Italienreisende an. Vivaldis zweite Oper Orlando finto pazzo auf das Libretto von Grazio Braccioli wird uraufgeführt. Sie ist seine erste Oper für das Teatro Sant’Angelo in Venedig. mini|Antonio Vivaldi – Orlando furioso – Titelseite des Librettos – Venedig 1714 Dezember: Die Oper in drei Akten Orlando furioso von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Grazio Braccioli nach Ludovico Ariostos Der rasende Roland wird im Teatro Sant’Angelo in Venedig uraufgeführt.
Weitere biografische Ereignisse Thomas Brattle importiert die erste Kirchenorgel nach Nordamerika. Die Brattle-Orgel wird in Boston in der King’s Chapel installiert. Die zwölf Concerti grossi op. 6 von Arcangelo Corelli werden veröffentlicht, ein Jahr nach dem Tod des Komponisten. Ab 1714 geht François Couperin fast jeden Sonntag nach Versailles, wo nachmittags die königlichen Kammerkonzerte mit seinen „Concerts royaux“ stattfinden. Das Ensemble ist meist nur klein: Cembalo (meist Couperin), Violine, Bassviola, Oboe und Fagott. Diese kleinen Konzerte, die ausschließlich für den König komponiert sind, haben eine unterhaltende und graziös-charmante Art, die der nun 75-jährige Ludwig XIV. sehr schätzt. In ihnen trachtet Couperin, den spielerischen italienischen und den eher ernsten französischen Geschmack zu vereinen, wie er über seine „Concerts royaux“ selbst geschrieben hat. Francesco Geminiani reist nach London. Unter dem Mäzenat des 3. Herzogs von Essex beschäftigt er sich mit dem Unterrichten und Komponieren. Melchior Hoffmann wird das Organistenamt an der Liebfrauenkirche in Halle zugesprochen. Er nimmt die Stelle zwar an, tritt aber den Dienst aufgrund einer tödlichen Krankheit nicht mehr an. Zwischen dem 31. Mai 1713 und dem 26. Mai 1714 gibt Johann Mattheson in Hamburg die Zeitschrift Der Vernünfftler heraus, die erste deutschsprachige „Moralische Wochenschrift“. Sie enthält auf Hamburgs Verhältnisse gezielte und ins Deutsche übersetzte Auszüge aus den beiden englischen Zeitschriften Tatler und Spectator. Obwohl die Zeitschrift nur gut ein Jahr lang erscheint, hat sie einen nachhaltigen Einfluss auf „die gesamte Entwicklung der deutschen Literatursprache.“ Jean-Joseph Mouret wird Mitglied der Académie royale de musique, der Vorläuferin der Pariser Oper, welche das Musikleben in Frankreich regelt. Als Orchesterleiter komponiert Mouret mehrere Bühnenwerke für diese Institution. Arp Schnitger ist von 1708 bis 1714 königlich preußischer Hoforgelbauer. Francesco Maria Veracini wohnt eine Zeit lang in London, wo er im King’s Theatre Violinsoli als Zwischenspiele in diversen Opern darbietet, wobei er u. a. auch Georg Friedrich Händel kennengelernt haben dürfte. Nach dem Tod seines Vaters unternimmt Unico Wilhelm van Wassenaer eine ausgedehnte Reise durch Europa, auf der er vermutlich Paris, Rom, Florenz, Venedig, Wien und Prag besucht.
Uraufführungen Bühnenwerke Oper 13. Mai: Die Uraufführung des musikalischen Dramas Pisistrato von Leonardo Leo erfolgt am Teatro San Bartolomeo in Neapel. 1. Oktober: Die Uraufführung der Oper Dafne in lauro von Johann Joseph Fux findet in Wien statt. 1. Oktober: Das musikalische Schauspiel in drei Akten mit Epilog Die oesterreichische Großmuth, oder Carolus V. von Reinhard Keiser auf das Libretto von Johann Ulrich König wird am Theater am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt. 1. Oktober: Die Uraufführung der Oper Arianna e Teseo von Nicola Antonio Porpora auf das Libretto von Pietro Pariati findet in Wien statt. Oktober: Auch das heroische Schäferspiel in drei Akten L’inganno fedele oder Der getreue Betrug von Reinhard Keiser auf das Libretto von Johann Ulrich König wird uraufgeführt. Eine Wiederaufführung zum Krönungsfest Georg Ludwigs von Großbritannien findet am 15. November unter dem Titel Die gecrönte Tugend statt. 20. November: An der Pariser Oper wird zum ersten Mal die Tragédie lyrique Télémaque (oder Calypso) von André Cardinal Destouches gegeben; das Libretto stammt von Simon-Joseph Pellegrin. Dezember: Die Oper in drei Akten Orlando furioso von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Grazio Braccioli nach Ludovico Ariostos Der rasende Roland wird im Teatro Sant’Angelo in Venedig uraufgeführt. Jean-Baptiste Matho – Arion (Tragédie en musique, Libretto von Louis Fuzélier, Paris) Jean-Joseph Mouret Les Fêtes de Thalie Les Amours de Ragonde Alessandro Scarlatti – Scipione nelle Spagne (Libretto von Apostolo Zeno, Neapel) Domenico Scarlatti – Amor d’un Ombra e Gelosia d’un Aura (Dramma per musica, Libretto von Carlo Sigismondo Capece, Rom) Antonio Vivaldi – Orlando finto pazzo (Libretto von Grazio Braccioli, Teatro Sant’Angelo, Venedig)
Oratorium Francesco Feo – Il martirio di S. Caterina Antonio Lotti – L’umiltà coronata in Esther (Libretto von Pietro Pariati, ca. 1714, Wien) Alessandro Scarlatti – S. Filippo Neri
Instrumentalmusik mini|Arcangelo Corelli – Concerto grosso op. 6, Nr. 4: 1. Satz mini|Arcangelo Corelli – Concerto grosso op. 6, Nr. 8: Weihnachtskonzert, 1. und 2. Satz mini|Arcangelo Corelli – Concerto grosso op. 6, Nr. 8: Weihnachtskonzert, 4., 5. und 6. Satz Orchester Arcangelo Corelli Zwölf Concerti grossi op. 6 (Amsterdam 1714; Nr. 8 das bekannte Weihnachtskonzert in g-Moll)
Kammermusik Arcangelo Corelli 6 Sonate a tre op. post. (Amsterdam; um 1714)
Tastenmusik Cembalo Johann Sebastian Bach Transkriptionen von 16 Konzerten nach Antonio Vivaldi, Alessandro und Benedetto Marcello, Giuseppe Torelli, Georg Philipp Telemann, Johann Ernst IV. von Sachsen-Weimar, für Cembalo solo (oder Orgel manualiter ?) BWV 972–987 (komponiert um 1713–1714 ?) Johann Mattheson – 12 Suiten für Cembalo
Orgel mini|Orgel von Arp Schnitger in der Christkirche in Rendsburg Johann Sebastian Bach Nun komm, der Heiden Heiland (BWV 599, komponiert 1713–1715)