Maxim „Max“ Galitzenstein (geboren am 14. Juli 1886 als Maximilian Galitzenstein in Hacking, heute zu Wien gehörig; gestorben am 4. Dezember 1932 in BerlinLandesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin IV a, Nr. 476/1932 (online auf Ancestry, kostenpflichtig).) war ein österreichischer Filmmanager und Filmproduzent beim deutschen Stummfilm der 1920er Jahre.

Leben und Wirken Galitzenstein ist einer der großen Unbekannten unter den Filmproduzenten vor 1933. Über seine frühe Vita ist kaum etwas bekannt. Der Sohn des Börsenmaklers Adolf Galitzenstein und dessen Frau Hermine, geb. Spitzer,Wiener Stadt- und Landesarchiv, Geburtsregister der Israelitischen Kultusgemeinde Sechshaus, Nr. 573/1886 (online auf FamilySearch, anmeldepflichtig). Die Schreibweise des Familiennamens variiert zwischen Galitzenstein und Gallizenstein. kam bereits vor dem Ersten Weltkrieg zum deutschen Film und arbeitete sich bei den Produktionsfirmen Oskar Messters bis zum VertriebschefMaxim Galitzenstein auf books.google.de. bzw. GeschäftsführerMaxim Galitzenstein auf cinegraph.de. hoch.

1918 gründeten Maxim Galitzenstein und sein Bruder Paul Ebner eine eigene Produktionsfirma, die Maxim Filmgesellschaft Ebner & Co. OHG.Handelsregister Berlin HRA Nr. 47849. Als Produktionsstätte dienten Ateliers des früheren Galitzenstein-Chefs Messter in der Berliner Blücherstr. 31/32, die der Neu-Produzent von Messter am 30. März 1919 anmietete.Maxim Galitzenstein auf cinegraph.de. In nur zehn Jahren produzierten Galitzenstein und Ebner eine Fülle von Stummfilmen, die zum Teil beträchtliche Erfolge waren und mit berühmten Namen wie Ernst Lubitsch (Regisseur von Romeo und Julia im Schnee), Paul Wegener und Asta Nielsen (Hauptdarsteller in Steuermann Holk), Emil Jannings und Fritz Kortner (Hauptdarsteller in Die Brüder Karamasoff), sowie Henny Porten und G. W. Pabst (Hauptdarstellerin und Regisseur von Gräfin Donelli) aufwarten konnten.

Im November 1922 gründete Galitzenstein die Austro Americana Film Company GmbH (1922–1928) in Berlin.Handelsregister Berlin HRB Nr. 27390. Gegenstand des Unternehmens war laut Handelsregistereintrag: „Die Herstellung und der Vertrieb von Films, insbesondere auch der Export von Films nach Österreich und Amerika, sowie der Import aus beiden Ländern; ferner der Betrieb aller Geschäfte, welche sich mit kinematographischen Unternehmungen beschäftigen; auch das Verleihen von Films nach dem Auslande, insbesondere nach Österreich und Amerika, sowie aller hiermit zusammenhängender Unternehmungen. Die Gesellschaft darf auch Lichtspieltheater betreiben und sich an Unternehmungen, welche in dieses Gebiet fallen, insbesondere in Österreich und Amerika, beteiligen“.

Mit dem Ende der Stummfilm-Ära stellte Galitzenstein zum Jahresschluss 1929 seine Produktionstätigkeit ein, da seine kleine Firma mit den großen Studios, die seit der Umstellung vom Stumm- zum Tonfilm weitgehend das Sagen hatten, nicht mehr konkurrieren konnte. Sein Bruder und Kompagnon Paul Ebner kam am 18. Oktober 1930 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.Der Tod des Filmdirektors Ebner. In: Vossische Zeitung, 19. Oktober 1930, S. 7. Nach der Scheidung von seiner Ehefrau und einer Geschäftsreise in die USA im März 1931, die seine Erwartungen nicht erfüllte, gründete Galitzenstein im November gemeinsam mit dem Wiener Kaufmann Otto Popper die Maxim-Film-Handelsgesellschaft m.b.H.Handelsregister Berlin HRB Nr. 46690. Doch der Erfolg früherer Jahre blieb aus. Galitzenstein geriet in eine finanzielle Notlage, eine für ihn unerträgliche Situation, die ihn in den Selbstmord trieb.Selbstmord eines Filmproduzenten. In: Vossische Zeitung, Abend-Ausgabe, 5. Dezember 1932, S. 4.

Trivia und Familiäres Der Produzent war seit dem 23. November 1918 mit Karla Galitzenstein, geb. Mandowsky (geboren am 14. Mai 1895), verheiratet.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin I/II, Nr. 537/1918 (online auf Ancestry, kostenpflichtig).

In gewissem Sinne soll Galitzenstein die Karriere Billy Wilders lanciert haben. Wilder wohnte 1927 in Berlin-Schöneberg (Viktoria-Luise-Platz 11) zur Untermiete. Galitzenstein soll eines Nachts in Unterhosen aus dem Schlafzimmer einer Nachbarin in Wilders Zimmer geflüchtet sein. Wilder erkannte den Firmenchef und half ihm aus dieser delikaten Situation heraus, woraufhin der Produzent ihm aus Dankbarkeit dessen erstes Drehbuch abkaufte.Hellmuth Karasek: Billy Wilder. Eine Nahaufnahme. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, ISBN 3-455-09553-4, S. 68.

Filmografie 1919: Arme Thea 1920: Moj 1920: Der Kammersänger 1920: Romeo und Julia im Schnee 1920: Steuermann Holk 1920: Die Brüder Karamasoff 1921: Die Rache einer Frau 1921: Seefahrt ist not! 1921: Die drei Tanten 1921: Die verbotene Frucht 1921: Eines großen Mannes Liebe 1921: Kean 1922: Schatten der Vergangenheit 1922: Die Tänzerin Navarro 1923: Die Liebe einer Königin 1923: Das Geheimnis von Brinkenhof 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen 1924: Gräfin Donelli 1924: Claire 1925: Der Herr Generaldirektor 1925: Der Maler und sein Modell 1925: Der Mann im Sattel 1926: Fedora 1926: Der Herr des Todes 1926: Der Sohn des Hannibal 1926: Wenn das Herz der Jugend spricht 1927: Die leichte Isabell 1927: Tragödie einer Ehe 1928: Ariadne in Hoppegarten 1929: Der Weg durch die Nacht 1929: Die Schleiertänzerin 1929: Anschluß um Mitternacht

Anmerkungen und Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Österreichischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Mann