mini|Jüdischer Friedhof, 2016 Der jüdische Friedhof in der Hansestadt Stade im niedersächsischen Landkreis Stade ist ein Baudenkmal. Auf dem Friedhof an der Albert-Schweitzer-Straße sind drei Mazevot (Grabsteine) erhalten.
Geschichte Vermutlich nach 1770 war den jüdischen Bewohnern der Stadt auf einem Teil des Stader Garnisonsfriedhofes eine Begräbnisstätte zugewiesen worden, die zunächst nur der Stader Familie Lefmann Meyer als Friedhof diente, bevor er als Begräbnisplatz für die gesamte jüdische Gemeinde genutzt wurde. Beigesetzt wurden etwa 70 Verstorbene aus Assel, Dornbusch, Freiburg, Hagenah, Himmelpforten, Horneburg, Oldendorf und Wischhafen.
Der Friedhof wurde von 1824 bis zum Jahr 1940 belegt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde während der Novemberpogrome 1938 jüdisches Wohneigentum demoliert und vier jüdische Einwohner inhaftiert. Im Juli 1940 wurde auf Anordnung des damaligen Bürgermeisters Carl Nörtemann der Friedhof geschändet. 30 Grabsteine und mehrere Grabhügel wurden eingeebnet, die restlichen Steine abgeräumt und auf dem damaligen Bauhof gelagert, von wo sie verschwanden. Nur drei Steine blieben stehen. Das Friedhofsgelände ging anschließend ins Eigentum der Kommune über. Hans Wohltmann fotografierte die 1940 abgeräumten Steine im Juli 1943 im Auftrag des Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschland. Dabei wurden jedoch nur 13 Steine aus der Zeit vor 1874 berücksichtigt.
Im Jahr 1953 wurde der Friedhof an die Jewish Trust Corporation und dann an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden zurückgegeben. Neben dem auf dem Areal befindlichen erhaltenen Grabstein sowie zwei Grabplatten wurde Ende der 1990er Jahre ein Granitblock mit einer Schriftplatte mit hebräischer Schrift aufgestellt. Der Text lautet übersetzt: „Friedhof der jüdischen Gemeinde Stade - eingeweiht im Jahr 5586 und von Fremden zerstört im Jahr 5700“. Auf dem Areal stehen außerdem drei Stelen mit den Namen der auf dem Friedhof Bestatteten sowie eine Informationstafel.
Siehe auch Liste der Baudenkmale in Stade Liste der Stolpersteine in Stade
Literatur Jürgen Bohmbach: Stade. In: Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2 (1668 S.), Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1404–1414 (darin S. 1413/1414: der jüdische Friedhof in Stade). Jürgen Bohmbach: Sie lebten mit uns. Juden im Landkreis Stade vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade, Bd. 21). Stade 2002.
Weblinks
Stade In: Übersicht über alle Projekte zur Dokumentation jüdischer Grabinschriften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Jüdische Friedhöfe in Niedersachsen
Einzelnachweise Der Friedhof von Stade. In: ViLe e.V.: Jüdische Friedhöfe in Deutschland und angrenzenden Ländern. Abgerufen am 6. April 2026
Aus der Geschichte jüdischer Gemeinden im deutschen Sprachraum. Stade (Niedersachsen). In: jüdische-gemeinden.de. Abgerufen am 6. April 2026
Jaana Bollmann: Daten zum jüdischen Friedhof in Stade gesammelt. In: Kreiszeitung Stade vom 1. September 2020. Abgerufen am 6. April 2026
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