Die allgemeinen Wahlen in Brasilien 2018 fanden am 7. und 28. Oktober statt. Die rund 145 Millionen wahlpflichtigen Brasilianer wählten
den Präsidenten und den Vizepräsidentenvgl. Artikel 77 der Verfassung von 1988. zwei Drittel des Bundessenats (54 von 81) mit einer Amtszeit von acht Jahren die gesamte Abgeordnetenkammer (513 von 513) mit einer Amtszeit von vier Jahren für die 56. Legislaturperiode vom 1. Februar 2019 bis 31. Januar 2023 sowie 27 Gouverneure und die 1024 Abgeordneten der 27 Parlamente der Bundesstaaten. kas.de. Abgerufen am 31. Juli 2018
2018 galt als Superwahljahr, für das die Sommerzeit wegen möglichst einheitlicher Wahllokalöffnungszeiten verschoben wurde.
Wahlkalender Im Dezember 2017 legte das Tribunal Superior Eleitoral (Oberstes Wahlgericht) den zeitlichen Ablauf fest:
Wahlkalender 201820. Juli bis 5. August Nominierungen der Kandidaten auf den Parteikonventen15. August letzter Termin zur offiziellen Registrierung16. August bis 6. Oktober Zeit für Wahlkampagnen zum 1. Wahlgang31. August bis 4. Oktober Zeit für Nutzung von Radio und Fernsehen für Wahlkampagnen17. September Frist für die Gerichte, um die Antragsunterlagen abschließend zu beurteilen,Frist um Ersatzkandidaten anzumelden7. Oktober 1. Wahlgang8. bis 27. Oktober Zeit für Wahlkampagnen zum 2. Wahlgang für Stichwahlen12. bis 26. Oktober Zeit für Nutzung von Radio und Fernsehen für Wahlkampagnen28. Oktober 2. Wahlgang
Präsidentschaftswahl
Brasilien hat ein präsidentielles Regierungssystem. Daher ist die Präsidentschaftswahl die wichtigste Wahl, die 2018 in Brasilien stattfindet. Der Präsident wird für vier Jahre gewählt. Gewählt ist, wer die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhält.
Amtsinhaber Michel Temer übernahm am 12. Mai 2016 für die Zeit der maximal sechsmonatigen Suspendierung der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff als Vizepräsident die Regierungsgeschäfte. Nachdem der Senat endgültig für die Amtsenthebung Rousseffs in einer Abstimmung befunden hatte, wurde Temer am 31. August 2016 als Präsident Brasiliens eingesetzt und bildete die liberal-konservative Regierung Temer. Ende 2016 hat die Justiz Temer aber untersagt, wieder zu kandidieren, weil er gegen Wahlgesetze verstoßen hatte.
Die Amtszeit des neuen Präsidenten begann am 1. Januar 2019.Artikel 82 der Verfassung.
Präsidentschaftskandidaten Als Kandidaten waren von ihren Parteien nominiert und ihre Registrierung beim Obersten Wahlgericht eingereicht worden:
#PräsidentschaftskandidatVizepräsidentschaftskandidatParteiWahlkoalitionFrühere politische Ämter 12 x150px|zentriert Ciro Gomes (PDT) x150px|zentriertKátia Abreu (PDT) „Brasil Soberano“PDT, AVANTE (bis 2017 Partido Trabalhista do Brasil, PT do B)Gomes: Bundesabgeordneter für Ceará 2007–2011; Minister für Nationale Integration 2003–2006; Finanzminister 1994–1995; Gouverneur von Ceará 1991–1994; Präfekt von Fortaleza 1989–1990; Landtagsabgeordneter in Ceará 1983–1989; Präsidentschaftskandidat 1998 und 2002.13 x150px|zentriertFernando Haddad (PT) x150px|zentriertManuela d’Ávila (PCdoB) „O Brasil Feliz de Novo“PT, PROS, PCO, PCdoBHaddad: 2005–2012 Bildungsminister; 2013–2017 Stadtpräfekt von São Paulod’Ávila: 2005–2006 Stadtratspräsidentin von Porto Alegre; 2007–2015 Bundesabgeordnete für Rio Grande do Sul; seit 2015 Landesparlamentarierin in Rio Grande do Sul15 x150px|zentriertHenrique Meirelles (MDB) x150px|zentriertGermano Rigotto (MDB) „Essa é a solução“MDB, PHSMeirelles: Wirtschaftsminister 2016–2018; Präsident der Zentralbank von Brasilien 2003–2011. 16 x150px|zentriertVera Lúcia Salgado (PSTU) x150px Hertz Dias (PSTU) Partido Socialista dos Trabalhadores Unificado (PSTU) 17 x150px|zentriertJair Bolsonaro (PSL) x150px|zentriertAntônio Hamilton Mourão (PRTB) „Brasil acima de Tudo, Deus acima de Todos“PSL, PRTBBolsonaro: Bundesabgeordneter für Rio de Janeiro seit 1991. 18 x150px|zentriert Marina Silva (REDE) x150px|zentriert Eduardo Jorge (PV) „Unidos para transformar o Brasil“REDE, PVSilva: Sprecherin des REDE seit 2013; Senatorin für Acre 1995–2011; Umweltministerin 2003–2008; Landesabgeordnete in Acre 1991–1995; Stadträtin in Rio Branco 1989–1991; Präsidentschaftskandidatin 2010 und 2014.19 x150px|zentriertÁlvaro Dias (PODEMOS) x150px|zentriertPaulo Rabello de Castro (PSC) „Mudança de Verdade“PODEMOS, PSC, PTC, PRPDias: Senator für Paraná 1983–1987 und seit 1999; Gouverneur von Paraná 1987–1991; Bundesabgeordneter für Paraná 1975–1983; Landesabgeordneter in Paraná 1971–1975. 27 x150px|zentriert José Maria Eymael (DC) x150px|zentriert Helvio Costa (DC) Democracia Cristã (DC)Eymael: Präsident des DC seit 1997; Bundesabgeordneter für São Paulo 1986–1995; Präsidentschaftskandidat 1998, 2006, 2010 und 2014; Kandidat als Stadtpräfekt (Bürgermeister) von São Paulo 2012.30 x150px|zentriertJoão Amoêdo (NOVO) x150px|zentriertChristian Lohbauer (NOVO) Partido Novo (NOVO)Amoêdo: Präsident des NOVO 2011–2017.45 x150px|zentriertGeraldo Alckmin (PSDB) x150px|zentriertAna Amélia Lemos (PP) „Para Unir o Brasil“PSDB, DEM, PP, PR, PRB, SD, PTB, PSD, PPSAlckmin: Gouverneur von São Paulo 2011–2018 und 2001–2006; Präsident des PSDB seit 2017; Staatssekretär für Entwicklung im Bundesstaat São Paulo 2009–2010; Vizegouverneur von São Paulo 1995–2001; Bundesabgeordneter für São Paulo 1987–1994; Landtagsabgeordneter in São Paulo 1983–1987; Stadtpräfekt (Bürgermeister) von Pindamonhangaba 1977–1982; Stadtrat von Pindamonhangaba 1973–1977; Präsidentschaftskandidat 2006. 50 x150px|zentriert Guilherme Boulos (PSOL) x150px|zentriert Sônia Guajajara (PSOL) „Vamos Sem Medo de Mudar o Brasil“PSOL, PCBBoulos: Hochschullehrer der USP, politischer und sozialer Aktivist, Koordinator der MTST, Autor.51 x150px|zentriertCabo Daciolo (PATRI) x150px|zentriertSuelene Balduino Nascimento (PATRI) Patriota (PATRI)Daciolo: Bundesabgeordneter für Rio de Janeiro seit 2015. 54 x150px|zentriert João Vicente Goulart (PPL) x150px|zentriert Léo Alves (PPL) Partido Pátria Livre (PPL) Goulart: Landesabgeordneter in Rio Grande do Sul 1982–1986.
Umfragen mini|780px|Die Grafik repräsentiert die Mittelwerte von Umfragen zu den Wahlabsichten der Brasilianer bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2018. Jede Linie steht für eine politische Partei (siehe Legende ganz oben). Parteien werden deswegen anstelle der Kandidaten dargestellt, da einige Parteien ihre Kandidaten wechselten. Nicht zur Wahl zugelassene Kandidaten, wie Lula da Silva (siehe dazu das Kapitel Justizmachtkampf im Vorfeld), werden von der Grafik nicht gezeigt.
Die Grafik repräsentiert die Mittelwerte von Umfragen zu den Wahlabsichten der Brasilianer bei den Präsidentschaftswahlen 2018. Jede Linie steht für eine politische Partei (siehe Legende ganz oben). Parteien werden deswegen anstelle der Kandidaten dargestellt, da einige Parteien ihre Kandidaten wechselten. Nicht zur Wahl zugelassene Kandidaten, wie Lula da Silva (siehe dazu das Kapitel Justizmachtkampf im Vorfeld), werden von der Grafik nicht gezeigt.
Justizmachtkampf im Vorfeld Der nach allen Umfragen aussichtsreichste Kandidat der Präsidentschaftswahl, der ehemalige Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, wurde am 25. Januar 2018 in zweiter Instanz wegen Korruption verurteilt und durfte deshalb nicht kandidieren. Ironischerweise war eine der Ursachen dafür, dass er aufgrund des von ihm 2010 selbst erlassenen sogenannten Saubere-Westen-Gesetzes (Ficha Limpa) nicht antreten durfte. Dieses Gesetz verbietet eine Kandidatur von Politikern, die in zweiter Instanz verurteilt wurden. Da Silva sitzt derzeit in Curitiba im Gefängnis. Ein Justizstreit über seine Freilassung hat – während des brasilianischen Wahlkampfes – internationale Schlagzeilen gemacht. Der Machtkampf der Richter hatte entscheidenden Einfluss auf die politische Zukunft Brasiliens.
Rolle der Medien Die Anzahl der politischen Werbeeinschaltungen im TV ist bei Wahlen in Brasilien gesetzlich detailliert geregelt und von vergangenen Wahlerfolgen abhängig. Für die Präsidentschaftswahl 2018 ergeben sich daraus folgende maximal zugelassene wöchentliche TV-Spots: Alckmin (80), der noch nicht bekannte Kandidat der PT (27), Bolsonaro (3).
Die Dauer der TV-Werbung ist ähnlich geregelt. Sie wird vom 31. August bis zum 4. Oktober in Werbeblocks von jeweils 12 Minuten und 30 Sekunden gesendet. Die größten Veränderungen ergaben sich bei Meinungsumfragen bisheriger brasilianischen Präsidentenwahlen erst nachdem die politische Werbung im TV begonnen hatte. Daher war und ist es bedeutsam, welcher Kandidat wie viel der von öffentlichen Sendern kostenlos ausgestrahlten Werbezeit zugeteilt bekommt. Die Wahlwerbung in Brasilien wird im Abschnitt Wahlkampfkoalitionen näher ausgeführt.
Gemäß dem brasilianischen Meinungsforschungsinstitut IBOPE fällt jeweils rund ein Drittel der brasilianischen Wähler die Wahlentscheidung nach eigenen Angaben überwiegend aufgrund von Informationen aus dem TV bzw. dem Internet.
Ergebnisse
Wahl des Senats Gewählt werden 54 von 81 Senatoren, die ihre Heimatstaaten vertreten. Jeder Bundesstaat und der Bundesdistrikt entsendet drei Senatoren für eine Amtsdauer von 8 Jahren, dem Doppelten einer normalen Legislaturperiode.
Für die 54 zu wählenden Senatorenämter haben sich 357 Kandidaten angemeldet, darunter auch Dilma Rousseff für Minas Gerais., Website eleições2018.com. Abgerufen am 13. September 2018.
Wahl der Abgeordnetenkammer Gewählt werden 513 Bundesabgeordnete, die ihre Heimatstaaten vertreten. Die Anzahl je Bundesstaat variiert abhängig von der Bevölkerungszahl.
Gouverneurswahlen Die Gouverneurswahlen in Brasilien 2018 fanden am Sonntag, den 7. Oktober 2018, zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen und den gesamtstaatlichen und einzelstaatlichen Parlamentswahlen statt. Gewählt wurden die 27 Gouverneure mit ihren Vizegouverneuren der brasilianischen Bundesstaaten und des Bundesdistrikts.
Insgesamt bewarben sich 199 Kandidaten um einen Gouverneursposten, die im jeweils regionalen Wahlgericht, dem Tribunal Regional Eleitoral, eingetragen wurden.
Wahlergebnisse 2018