Watari (jap. , -chō) ist eine japanische Stadt im gleichnamigen Landkreis der Präfektur Miyagi.

Geografie mini|links|Torinoumi-Lagune mit der Insel Hiruzuka an der Küste von Watari (aus 8 Luftaufnahmen von 1984 zusammengesetztes Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT.

Watari liegt an dem Abukuma, der die nördliche Grenze des Gemeindegebietes bildet und dort in die Sendai-Bucht fließt. Die höchste Erhebung ist der Shihō-zan () mit auf der Grenze zum westlich gelegenen Kakuda und Yamamoto im Süden. Nördlich am anderen Ufer des Abukuma erstreckt sich Iwanuma.

Die rechte Seite der Flussmündung wird als Arahama-DistriktDer Arahama-Distrikt der Stadt Watari ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Distrikt im Bezirk Wakabayashi (若林区) der Stadt Sendai (仙台市), in dem es wie im erstgenannten Distrikt zu Zerstörungen durch den Tōhoku-Tsunami vom 11. März 2011 kam (Quelle: ) bezeichnet, der über einen Bade- und Surfstrand verfügt. (Veröffentlicht am 29. März 2012). Ebenfalls in diesem Gebiet südlich der Flussmündung befindet sich die 1,30 km² große und 4,4 m tiefe Brackwasser-Lagune Torinoumi (), deren nordöstlicher Teil als Naturhafen genutzt wird. Die Lagune erhält Süßwasser durch ein System von Bewässerungskanälen für die umliegenden Felder, die dem Abukuma Wasser entnehmen. Innerhalb liegt das etwa 4 ha große Eiland Hiruzuka ().

Das Wohngebiet von Arahama (荒浜) liegt zwischen dem Fluss und dem See.

Geschichte Der Landkreis Watari in der Schreibweise wird erstmals im Shoku Nihongi in einem auf das Jahr 718 datierten Eintrag erwähnt.

Während der Edo-Zeit gehörte das Gebiet zum Lehen (han) Sendai und Date Shigezane errichtete hier die Burg Watari (), um die sich herum eine Burgstadt (Jōkamachi) bildete, die die Keimzelle des heutigen Watari war. Auf der Burg residierte dabei die Watari-Linie des Date-Klans. Die Stadt war zudem eine Poststation der alten Fernstraße Rikuzenhama-kaidō, der die heutige Nationalstraße 6 folgt.

Während der frühen Meiji-Zeit wanderten die Samurai nach Hokkaidō aus und gründeten die Stadt Date-Mombetsu (heute: Date). Die Wirtschaft Wataris bildeten die Sake-Brauereien, die Ölherstellung, Bauholzproduktion und Geräteherstellung. Der Hafen Arahama an der Flussmündung diente als Verschiffungshafen von Reis in die Hauptstadt Edo (heute: Tokio).

Die heutige Gemeinde Watari entstand am 1. April 1889 bei der Neuorganisation des japanischen Gemeindewesens. Zum 1. Februar 1955 wurde die Nachbarstadt Arahama (, -machī), sowie die Nachbardörfer Yoshida (, -mura) und Ōkuma (, -mura) eingemeindet.

Tōhoku-Erdbeben 2011 Ausmaß der Überflutung und Schäden Am 11. März 2011 wurde die Stadt vom Tōhoku-Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami getroffen. Der Fluss Abukama war – wie in Japa üblich – durch Flussdämme geschützt, die selbst keinen sichtbaren Schaden erlitten. Doch war der Tsunami höher als die Flussdämme, überschritt diese und verursachte Schäden des dahinter liegenden Gebiets. An anderen Orten entlang des Küstenverlaufs waren Küstendeiche als Schutz gegen von Taifunen verursachte Sturmfluten errichtet worden, die jedoch vom Tsunami an vielen Orten völlig zerstört wurden. Das Überschreiten dieser Küstendeiche durch den Tsunami führte zur Unterspülung ihrer Rückseite. Dadurch wurde ihre Konstruktion untergraben, was zur Freilegung ihres zentralen Sand- und Kieskernes führte, der so vom Tsunami leicht erodiert wurde, was schließlich den Zusammenbruch des Deichkörpers mit sich zog. Auch Küstendeiche im Distrikt Arahama der Stadt Watari konnten dem Tsunami nicht standhalten und wurden zerstört. (Veröffentlicht am 29. März 2012).

Während in Nähe der Küstendeiche Überflutungshöhen von 7,56 m gemessen wurden, betrugen sie im landeinwärts gelegenen Gebiet 4,82 m.

Der Tsunami überflutete in der Stadt Watari eine Fläche, in der (mit Stand von 2010) 10.920 Menschen in 3.230 Haushalten gelebt hatten. 23,2 % dieser in den Überflutungsgebieten lebenden Menschen in Watari waren im Jahr 2010 65 Jahre oder älter gewesen.

Die Anzahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird auf 2.389 und die der teilweise zerstörten auf 1.150 beziffert.

Opfer Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde meldete in ihrem Schadensbericht 283 Tote und 4 Vermisste in Watari. (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 7. März 2018.

Gemessen an der Gesamtbevölkerung Wataris, die bei der Volkszählung von 2010 mit 34.845 angegeben worden war, (PDF, japanisch), stat.go.jp (Statistics Japan – Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and communication), Volkszählung 2010, Zusammenfassung der Ergebnisse für die Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima, URL: https://www.stat.go.jp/data/kokusei/2010/index.html. betrug die Opferrate durch die Katastrophe von 2011 0,8 %, wenn alle in dem 157. FDMA-Schadensbericht vom 7. März 2018 registrierten Toten und Vermissten berücksichtigt werden beziehungsweise 0,77 %, wenn von den registrierten Opfern die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) gemeldeten katastrophenbedingten Todesfälle abgezogen werden, wodurch sich eine Zahl von 270 Toten und Vermissten ergibt. Mit der gleichen Datengrundlage, aber allein auf das Überflutungsgebiet des Tsunamis in Natori bezogen, das eine Fläche von 35 km² umfasste, ergab sich eine Opferquote von 1,92 %. (Online veröffentlicht am 15. August 2017), hier S. 22, Tabelle 2., 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 153. Bericht, 8. März 2016.

Sehenswürdigkeiten Bedeutendstes Tourismusziel ist die Torinoumilagune. Das auf Höhe des Meeresspiegels gelegene Areal bildet ein kleines Ästuarsystem mit angegliedertem Marschland an der südwestlichen Küste der Bucht von Sendai. Im November 1986 wurde die Torinoumilagune, die als Feuchtgebiet eine sehr wichtige Funktion als Sammelstelle für Zugvögel einnimmt, für 20 Jahre als präfekturales Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 180 ha ausgewiesen.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der 700 Jahre alte Scheinkastanienbaum, der als Naturdenkmal unter Schutz steht, auf dem Gelände des Shōmyō-Tempels (), sowie der Watari-Schrein () mit den Überresten der alten Burg.

Verkehr Watari ist an das japanische Schienennetz mit den Bahnhöfen Hamayoshida, Watari und Ōkuma über die JR East Jōban-Linie nach Tokio und Sendai angeschlossen.

Bedeutende Fernstraßen sind die Jōban-Autobahn nach Misato, sowie die Nationalstraße 6 nach Tokio oder Sendai.

Bildung In Watari befinden sich sechs Grundschulen, vier Mittelschulen (Arahama, Ōkuma, Watari und Yoshida) und eine Oberschule.

Städtepartnerschaften Date, Schwesterstadt seit dem 17. April 1981

Weblinks

mini|Rathaus von Watari 10万分1浸水範囲概況図, 国土地理院 (Kokudo Chiriin, Geospatial Information Authority of Japan, ehemals: Geographical Survey Institute = GSI), www.gsi.go.jp: 地理院ホーム > 防災関連 > 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震に関する情報提供 > 10万分1浸水範囲概況図: Das GSI veröffentlicht an dieser Stelle zwei Landkarten mit Watari (浸水範囲概況図13, 浸水範囲概況図14), auf denen die vom Tōhoku-Tsunami 2011 überfluteten Gebiete auf Grundlage von Auswertungen von Luftbildern und Satellitenaufnahmen eingezeichnet sind, soweit dies möglich war.

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Ort in der Präfektur Miyagi Kategorie:Ort mit Seehafen