mini|hochkant=2|alt=Dame mit üppigem Pelzschal und Dame mit pelzverbrämten Mantel vor einem Luxusauto. Illustration aus: Der Adler Standard, 6. Prospekt, Frankfurt|Georg Johann Köhler: Illustration aus dem Werksprospekt Der Adler Standard 6 um 1930 Als Sommerpelz wird in der Mode die im Sommer zu tragende Bekleidung aus Fell bezeichnet. Zeitweise bildete der Sommerpelz einen erheblichen Umsatzanteil der Pelzbranche in der sogenannten „ruhigen“, „stillen“ oder „toten Zeit“. In der Zoologie wird unter einem Sommerpelz oder Sommerfell dagegen das nach einem Fellwechsel im Frühjahr meist weniger dichte Fell der pelztragenden Tiere verstanden.

Daneben bestehen regionale, zumeist den Trachten zuzuordnende Pelze, die ganzjährig getragen werden, wie der Sporran, die Männertasche zum schottischen Kilt oder der Rotfuchsschweif an der Mütze des Fuchsmajors mancher deutscher Studentenverbindungen.

Hauptsächliche Sommerpelzarten, Kleidungsstücke und Accessoires Für sommerliche Pelzbekleidung eignen sich naturgemäß besonders leichte und kurzhaarige Fellsorten. Daneben werden aber auch langhaarige Felle, bevorzugt als kleine Fellschals, Kragen und Verbrämungen, in hellen Farben, in großem Umfang im Sommer getragen, zumeist aus Fuchsfell. In der Haute Couture wurde die Abendkleidung zeitweise vor allem von den wertvollsten Pelzarten dominiert, „sogar im Sommer“.

In der ersten Welle der Sommerpelze zum Anfang des 20. Jahrhunderts waren die für Luxuswaren üblichen Pelze sowie Pekanfelle und Wallabyfelle durch Einkauf der „russischen Pelzaristokraten“ so überteuert, dass sie für die deutsche Sommerkürschnerei nicht in Betracht kamen. Man wandte sich stattdessen anderem, für den Sommer geeignetem Pelzwerk zu. „Infolge der künstlerischen Verarbeitung“ verkauften sich veredeltes Kanin, Marder und Maulwurf gut. Eine plötzlich auftretende Vorliebe für gemusterte Pelze und Intarsieneffekte belebte den Umsatz der weißgegabelten Skunksfelle, von Zibetkatzenfellen, Leoparden [­Leopard-Katzen?] und vor allem „entzückendem Hermelinseal oder Weißfuchs-Luchsarrangements“.

mini|Flacher Sommermuff aus Hermelin und Tüll, bereits im Jahr 1907 (Otto Buchheim, Langensalza) Über die verschiedenen Pelzaccessoires hieß es im Jahr 1914:

Auch in der zweiten Epoche der Sommerpelze ab 1916 waren Fellarten, die bisher nur wenig oder keine Beachtung gefunden hatten, auf einmal besonders gefragt. Bei den kleinen und damit vor allem leichten, dünnledrigen und kurzhaarigen Fellen waren das unter anderem die Felle der als landwirtschaftliche Schädlinge verfolgten Burunduki, des Maulwurfs und des Peschaniki. Im Jahr 1927 schor und färbte man Gazellenfelle für Sommerpelze auf Modefarben ein, Felle, mit denen man bis dahin wegen der geringen Haltbarkeit nur Ärger gehabt hatte. Wohl in der berechtigten Ansicht, dass sie nicht so strapaziert würden wie Winterpelz. Auch das gleich empfindliche lilabraune Antilopenfell, in Paris zu Mänteln verarbeitet, fand jetzt Beachtung. Dem Berliner Journalisten Adolf Stein fielen, ebenfalls 1916, bei einem Modentee im großen alten Garten der Ressource in der Oranienburger Straße unter den „köstlichen leichten Sommerpelzen“ vor allem solche aus „blondem“ Maulwurf auf, sowie „königliches“ Hermelin, und als Ersatz weißes China-Kanin, Zobel, Zickel, Breitschwanz, Gazelle und Fuchs, darunter viel Gefärbtes und Geschorenes.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts kamen als Neuheit Pelze aus geflochtenen dünnen Fellstreifchen in Mode. Teils nur als loses Fellgitter, eignen sie sich in ganz besonderem Maß als sommerliches Accessoire. Schals, Capes, Westen und Ponchos waren seitdem zumindest im Frühjahr und Herbst in den Städten in größerer Zahl zu sehen. Die fast sämtlich in Asien hergestellten Teile sind überwiegend aus Kaninfell gearbeitet, recht häufig auch aus Nerzfell.

Geschichte mini| „Warum Pelze nur im Winter?“ „Reichs-Fuchswoche 25. März- 3. April“ (Plakat, etwa 1910) Eine Nutzung des Pelzes im sommerlichen Mitteleuropa oder anderen Ländern mit ähnlichem Klima ist weitgehend unerwartet. Quintus Aninius wusste im Jahr 1336 über die sagenhaften Bewohner der Insel Thule zu berichten: „Im Winter trugen sie seidne Kleider, und im Sommer Pelze. Ihre Weisen sperrten sie in Kefige, und ihre Narren ließen sie los. Es waren erznärrische Leute, die Thulenser.“In: Johann Baptist Strobl: Baierische Beyträge zur schönen und nützlichen Litteratur, Band 2. 1780, S. 1371. Zuletzt abgerufen am 21. Juni 2018. 1898 bis 1914, erstes Jahr des Ersten Weltkrieges Das Tragen von neuzeitlichen Sommerpelzen blieb bisher den Frauen vorbehalten.

In Österreich machte sich 1894, nach einer Reihe ungewöhnlich warmer Winter, ein österreichischer Kürschner bereits darüber Gedanken, „ob sich nicht auch in den Frühling- und Herbstmonaten für Erzeugnisse der Kürschnerei Absatz finden ließe“, wo doch sogar „die Damen in Paris ihre Sommerkleider mit Pelz verbrämen, ja sogar Damenleibwäsche mit Pelz garnirt wird“.St. H.:Stimmen aus Fachkreisen, Ende November. In: Österreichisch ungarische Kürschner-Zeitung, 1. Dezember 1894, S. 129–130. Abgerufen am 7. Januar 2026. Im Jahr 1913, noch vor dem Ersten Weltkrieg, hob der Kürschner Hans Werner aus Gera hervor, dass die „nicht minder rasche als erfolgreiche Einführung des Sommerpelzes in Deutschland den eleganten Französinnen zu verdanken ist, die an unserer Nordsee die Hochsaison verbringen. Pariser Kürschnerkunst in der Verarbeitung des Sommerrauchwerkes und die sprichwörtliche Meisterschaft toillettenkundiger Töchter der französischen Hauptstadt der Mode – kann sich der Pelzmann mächtigere Alliierte wünschen?“ Seit einigen Jahren versuchten damals „einflussreiche Firmen“ den Sommerpelz mit Hilfe der Mode gegen die seit zehn Jahren üblich gewordene Juli- und Augustkälte durchzusetzen. Längst war es normal, dass in die Sommerfrische der gesamte „Pelzstaat“ mitgenommen wurde. „An der See, wie in den Bergen“ konnte „man Kürschnerkunstwerke in modernsten Modellen sehen und in neueröffneten Zweiggeschäften bedeutender Häuser der Branche kaufen“.Hans Werner: Die Kürschnerkunst. Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Leipzig 1914, S. 182–183.The New York Public Library Digital Collections: Armand Vallée (1884–1960), Karikatur: Sommerpelze, der letzte Schrei von Norderney. In: Lustige Blätter, Berlin 1926. Zuletzt abgerufen am 21. Juni 2018.

Pelzverbrämungen und Pelzaccessoires wurden zu allen Jahreszeiten getragen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte seit 1918 der Pariser Modeschöpfer Paul Poiret, der sich von den Balletts des Russen Djagilew hatte inspirieren lassen. In einer englischen Publikation aus der Zeit hieß es: „Die dunkle, reichliche Fellzugabe ist bei praktisch jeder Beschreibung eines Mantels dabei, und, tatsächlich, bei jeder Bekleidung – sogar an Nachthemden und Pyjamas. […] Alles ist pelzverbrämt, von unseren Hüten und Handtaschen bis zur Lingerie. Viele der neuesten Crêpe-de-Chine-‚Untersachen‘ sind mit Pelz umrandet“. – Zu einer englischen Gartenparty im Jahr 1912 erschien Daisy, Countess of Warwick, in einem Sommerkleid, dazu trug sie einen großen Muff aus hauchdünnem Material, besetzt mit Rosen und Bändern aus Pelz.Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 124 (englisch).

1926 bis 1939, Zweiter Weltkrieg mini|„Sommerpelze, der letzte Schrei von Norderney“ (Lustige Blätter, 1926) Offenbar waren diese Erfolge und auch die Sommerpelze nach dem Krieg bereits wieder in Vergessenheit geraten. Der Grund, erneut das Tragen von entsprechend leichten Pelzen auch im Sommer durchzusetzen, war vor allem die wirtschaftliche Not der österreichischen und deutschen Kürschner nach dem Ersten Weltkrieg und der darauffolgenden deutschen Inflationszeit bis Mitte der 1920er Jahre. Wien galt schon in der Kaiserzeit als eine Stadt eleganter Mode und bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg trug die Wienerin besonders opulente Pelzkleidung. Der Wiener Kürschner Alexander Tuma jun. schrieb den wesentlichen Erfolg der Sommerpelzkampagne im Jahr 1926 seinem Vater zu: „Da und dort fand seine Idee begeisterten Widerhall. In den Kreisen der Prominenten aber war man mehr als skeptisch; man lachte sogar über diese Phantasmagorie. Man behauptete, eine Mode lasse sich nicht ‚machen‘, eine solche könne überhaupt nur von ‚draußen‘ kommen. Sein Vater blieb jedoch beharrlich, veröffentlichte beständig Artikel in den Fachzeitschriften und rief in Fachversammlungen zur Teilnahme an Werbeaktionen auf. Die Genossenschaft der Kürschner Wiens beschloss letztlich einstimmig, die Umlagen zur Finanzierung der Reklamekosten zu erhöhen. Es folgten Artikel mit Abbildungen in allen Tageszeitungen, Plakate an Straßenbahnen, Modevorführungen, ‚ein Propagandagehen der Frauen aus der Kürschnerbranche mit Sommerpelzen durch die Straßen Wiens‘, eine entsprechende Ausgestaltung der Schaufenster und anderes mehr. Die Auslandspresse griff das Thema ebenfalls auf‚ und in ganz kurzer Zeit hatte sich der Sommerpelz durchgesetzt‘. Wesentlich zur Akzeptanz der neuen Mode trugen die Modeateliers bei, die eigene Sommerpelzmodelle schufen.“

Tuma jun. berichtete weiter:

In der Wiener Fachzeitschrift des Alexander Tuma wurde 1926 noch einmal festgestellt, dass der „Sommerpelzrummel“ alle überrascht hatte, es war, als wenn das Publikum „auf den Sommerpelz nur gewartet hätte“. Man überlegte jetzt, wie dieser Erfolg mit minimalen Kosten auch auf den Winter zu übertragen wäre. Vorgeschlagen wurde die Wahl einer „Pelzkönigin“, die unter den Pelzträgerinnen selbst vorgenommen werden soll: „Auf diese Weise schaffen wir eine gute, allgemeine und billige Reklame, wir sichern uns für den Herbst und Winter größtes Interesse für unsere Artikel und wahren uns zugleich die Möglichkeit, für den kommenden Sommer eine ‚Königin des Sommerpelzes‘ zu wählen, wodurch wir in ganz selbstverständlicher unaufdringlicher Weise den Sommerpelz als Modefavorit vorführen können. - Kostenvoranschlag: Fünftausend Schillinge“.Ohne Autorenangabe: Herbstpropaganda - Wahl einer Wiener Pelzkönigin. Verlag Alexander Tuma, Wien 25. Juli 1926, S. 2–3.

Wie in Wien, so spannte man 1926 auch in Berlin die Kürschnerfrauen als Werbeträger für den Sommerpelz ein. Man lud zu einer Zusammenkunft in den Garten des Kroll-Etablissements ein und machte den Ehefrauen zur Pflicht, einen Pelzgegenstand zu tragen. Zu einer Modenschau im Rahmen der „Alpenländischen Sommerschau“ des Berliner Messeamts im Haus der Funkindustrie kamen nahezu 6000 Personen. In anderen deutschen Ländern fanden durch die lokalen Fachverbände ähnliche Aktionen statt.

Bereits 1927 hatten sich die deutschen Pelzhersteller ganz besonders auf die Fabrikation sommerlicher Pelze eingestellt. In Berlin beanspruchte man jetzt die Durchsetzung des Begriffs „Sommerpelze“ für sich: „Wir wollen nicht vergessen, daß dieses Wort, im vorigen Jahr von Berlin geprägt, heute in der ganzen Welt Eingang gefunden hat. Während man früher diesen Begriff kaum kannte, so ist er jetzt Schlagwort, und in den Hauptstädten wird er schon in diesem Jahre allergrößte Bedeutung haben. Der sommerliche Pelzmantel gehört zum treuen Begleiter der eleganten Frau.“Ohne Autorenangabe: Die Pelzkonfektion in Front. In: Rauchwarenmarkt und Konfektionär. Primärquelle: Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 143–144.