mini|hochkant|Émile Bayard: Mélac (1876). mini|hochkant|Seidenstoff, Lyon (ca. 1770). Les deux amis ou Le négociant de Lyon (Die beiden Freunde oder Der Kaufmann von L.) ist ein Drama in fünf Akten in Prosa von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732–1799).
Anders als in dessen erstem Stück Eugénie sind die Hauptpersonen dem Dritten Stand zuzurechnen, auch wenn sich Aurelly wie Beaumarchais den Adel erkauft hatLes deux amis ou Le négociant de Lyon, Drame en cinq actes en prose, par M. de Beaumarchais (…), Veuve Duchesne, Paris 1770, 1. Akt, Szene 11, S. 13 () et passim. Beaumarchais hatte den Adel mit dem Amt eines conseiller secrétaire du Roi erworben. und der ehemalige Kadett Mélac dem armen Landadel entstammtLes deux amis ou Le négociant de Lyon, Drame en cinq actes en prose, par M. de Beaumarchais (…), Veuve Duchesne, Paris 1770, 2. Akt, Szene 5, S. 23 ().. Sie bewegen sich in einer Welt, die der Autor als Schützling und Juniorpartner des Financiers Joseph Pâris-Duverney (1684–1770) selber kannte.In den Entretiens (Unterhaltungen) über sein Stück Le fils naturel (Der natürliche Sohn) hatte Diderot 1757 bedauernd festgestellt, dass der Financier noch nicht auf die Bühne gebracht worden sei. Vgl. Le fils naturel (…), Marc Michel Rey, Amsterdam 1757, S. 151 ().
In der Anton Bettelheim: Beaumarchais, Eine Biographie, 2., neubearbeitete Auflage, C. H. Beck, München 1911, S. 104. vorangegangen war ihm Sedaine mit der 1765 entstandenen Komödie Le philosophe sans le savoir (Der Philosoph ohne es zu wissen).
Handlung Stolz verweist Aurelly auf die staatstragende Funktion des Unternehmers:
Im Spiel sind beim damaligen Geldwert riesige Summen: Aurelly hat seinen Pariser Bankier Préfort beauftragt, Wertpapiere im Wert von 800 000 LivresDie Bezeichnungen Livre und Franc wurden synonym verwendet. zu verkaufen. Er weiß noch nicht, dass Préfort gestorben ist und dessen Nachlass versiegelt wurde. Aurellys Kassier Dabins aber erfährt dies durch einen Kurier, der zwölf Stunden vor der Post in Lyon eintrifft. Aurelly müsste am folgenden Tag Zahlungen in der Höhe von 600 000 Livres vornehmen. Dabins bringt es nicht über sich, seinen Herrn von der drohenden Insolvenz zu unterrichten, und berät sich mit Mélac, der ihn erzogen hat.
Mélac verdankt Aurelly sein Amt als Steuereinnehmer. Um die Ehre des Freundes zu retten, leiht er Dabins neben 100 000 Francs, die zur Ausstattung seines Sohnes bestimmt waren, eine halbe Million aus der ihm anvertrauten Steuerkasse. Aurelly soll davon nichts erfahren. Mélac will nach Paris fahren, um Aurellys Wertpapiere freizubekommen und zu verkaufen. Da trifft Steuerpächter Saint-Alban ein, der ein Auge auf Aurellys Nichte PaulineBeaumarchais taufte diese Figur nach der Kreolin Pauline Le Breton, die ihm einen Korb gegeben hatte. Vgl. Maurice Lever: Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, 1. Band, Fayard, Paris 1999, S. 298. geworfen hat. Neben der guten Nachricht, dass der Sohn Mélacs zu dessen Nachfolger designiert worden ist, bringt er die schlechte mit, dass Mélac unverzüglich seine Kasse abliefern muss. Mélac erklärt sich dazu außerstande, schweigt aber über die Ursache. Auch Aurelly hält ihn darum für schuldig, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. Zwar will er für den Freund bürgen, doch akzeptiert die Steuerpachtgesellschaft nur Bargeld.
Pauline, die von Mélac erzogen wurde und dessen Sohn liebt, bittet ihren Onkel, den Ruin der beiden abzuwenden. Aurelly antwortet, er habe zwar noch eine halbe Million in Papieren bei Préfort deponiert, doch seien 100 000 Écus (300 000 Livres) davon ein geheiligtes Pfand. Schließlich gesteht er Pauline, dass sie seine Tochter aus einer heimlichen Ehe mit einer Adligen ist und die 100 000 Écus ihre Mitgift darstellen. Pauline setzt durch, dass Aurelly sein und ihr Geld aufs Spiel setzt, um Mélac zu retten.
Saint-Alban akzeptiert die halbe Million, die ihm in Paris ausbezahlt werden soll, macht sein Stillschweigen über Mélacs Verfehlung aber davon abhängig, dass dieser zurücktritt. Um dem Sohn das Amt des Vaters zu sichern, verspricht Aurelly Saint-Alban einen Gegendienst. Dieser bittet ihn darauf um Paulines Hand. Während Pauline aber in ihrer Liebe zu Mélacs Sohn fest bleibt, will Letzterer zugunsten seines Vaters sowohl auf dessen Amt als auch auf die Geliebte verzichten. Endlich erfährt auch Aurelly, dass Préfort tot und sein Geld blockiert ist – durch Saint-Alban, dem er eine Zahlungsanweisung an den Bankier übergeben will. Aurelly lässt Dabins rufen, der den Knoten löst, indem er erzählt, was Mélac für den Freund getan hat. Beschämt von so viel Großherzigkeit, ruft Saint-Alban aus: Les deux amis ou Le négociant de Lyon, Drame en cinq actes en prose, par M. de Beaumarchais (…), Veuve Duchesne, Paris 1770, 5. Akt, Szene 5, S. 72 (). Er bürgt für Mélac, so dass Pauline und Mélacs Sohn noch gleichentags heiraten können.
Schauplatz Lyon Die drittgrößte Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille beherrschte im Zeitalter der Aufklärung den europäischen Seidenmarkt. Auch wurden dort wichtige Schritte auf dem Weg zur Mechanisierung der Textilindustrie getan.1725/28 erfanden Basile Bouchon und Jean-Baptiste Falcon die Lochstreifen- bzw. Lochkartensteuerung, 1745 Jacques Vaucanson den mechanischen Webstuhl (mit Walzensteuerung). Hatte sich die Produktion von 1720 bis 1760 verdoppelt, verursachte der Siebenjährige Krieg (1756–1763) Absatzprobleme.Vgl. den Artikel Histoire de la soierie à Lyon in der französischsprachigen Wikipedia und Les deux amis ou Le négociant de Lyon, Drame en cinq actes en prose, par M. de Beaumarchais (…), Veuve Duchesne, Paris 1770, 1. Akt, Szene 11, S. 13 (), et passim, wo von einer Krise die Rede ist.
Aufführungen An der Uraufführung verkörperte Préville (Pierre-Louis Dubus) Aurelly, Brizard (Jean-Baptiste Britard) Mélac, Mademoiselle Doligny (Louise-Adélaïde Berton-Maisonneuve) Pauline und François-René Molé Mélacs Sohn. Das Stück brachte es nur auf elf Vorführungen, denen 1783 zwei weitere folgten. Dies wohl, weil die Finanztransaktionen der Protagonisten schwer zu verstehen sind und ihr Edelmut alle Vorstellungen übersteigt. Immerhin spielte man das Werk auch in Lyon, Marseille und Rouen.Pierre Larthomas, unter Mitwirkung v. Jacqueline Larthomas (Hrsg.): Beaumarchais, Œuvres, Gallimard (Bibliothèque de la Pléiade), Paris 1988, S. 1270 f. Friedrich Ludwig Schröder führte es unter dem Titel Der Kaufmann von Lion in Hamburg auf.Vgl. Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer: Friedrich Ludwig Schröder (…), 2. Theil, 2. Abth., Hoffmann und Campe, Hamburg 1819, S. 57, 128, 151 ().
Beurteilung Wie zuvor schon Eugénie wurde auch Les deux amis von der Kritik (Pidansat de Mairobert, Grimm, Collé, Palissot) zerrissen.Vgl. Maurice Lever: Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, 1. Band, Fayard, Paris 1999, S. 299–303. Der Ökonom Galiani hingegen schrieb nach einer Vorstellung in Neapel von einem . Ihm habe es unendliche Freude bereitet, aber die Mehrheit des Publikums habe nicht begriffen, was ein sei. Trotzdem habe das Werk viel Erfolg gehabt, besonders André, der einzige gutherzige Diener, den er je auf der Bühne gesehen habe.An Madame d’Épinay, Neapel, 27. Februar 1773, in: Correspondance inédite de l’abbé Galiani (…), 2. Band, J. G. Dentu, Paris 1818, S. 18 (). Beaumarchais selber nannte Les deux amis das am besten aufgebaute seiner Stücke, den Barbier de Séville (Barbier von Sevilla) eingeschlossen.Pierre Larthomas, unter Mitwirkung v. Jacqueline Larthomas (Hrsg.): Beaumarchais, Œuvres, Gallimard (Bibliothèque de la Pléiade), Paris 1988, S. 1274 (Brief an die Comédiens-Français vom 22. November 1779).
Literatur Les deux amis ou Le négociant de Lyon, Drame en cinq actes en prose, par M. de Beaumarchais, Représenté pour la première fois sur le Théâtre de la Comédie-Française à Paris, le 13 janvier 1770, Veuve Duchesne, Paris 1770 (). Anton Bettelheim: Beaumarchais, Eine Biographie, 2., neubearbeitete Auflage, C. H. Beck, München 1911, S. 99–108. Pierre Larthomas, unter Mitwirkung v. Jacqueline Larthomas (Hrsg.): Beaumarchais, Œuvres, Gallimard (Bibliothèque de la Pléiade), Paris 1988, ISBN 2-07-011137-7, S. 199–264, 1267–1293. Maurice Lever: Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, 1. Band, Fayard, Paris 1999, ISBN 2-213-59561-5, S. 294–305.
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Drama Kategorie:Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais