mini|hochkant|Andreas Romberg Andreas Jakob Romberg (* 27. April 1767 in Vechta; † 10. November 1821 in Gotha) war ein deutscher Violinvirtuose, Komponist und Dirigent.
Gemeinsam mit seinem Cousin Bernhard Romberg (1767–1841) ist Andreas Romberg der bedeutendste Angehörige der Musikerfamilie Romberg. Im Unterschied aber zu seinem Cousin, dessen europaweiter Ruf sich vornehmlich auf seine Virtuosität als ausübender Künstler gründete, verschaffte sich Andreas Romberg primär als Komponist einen Namen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden seine Kompositionen auf eine Stufe mit denen Haydns, Mozarts und Beethovens gestelltIm Jahr 1817 heißt es z. B. über die Gattung Symphonie: „Was Haydn, Mozart, Beethoven und [Andreas] Romberg bisher in dieser Gattung von Tonstücken geleistet, und die Höhe, worauf diese Meister dieselbe erhoben haben [...].“ „[Rezension:] Sinfonie à grand Orchestre, par J. B. Moralt [...]“, in: Allgemeine musikalische Zeitung XIX (1817), Sp. 845–849; hier Sp. 845. Bereits 1808 hatte es in einer Rezension der 2. Symphonie von Romberg geheißen: „Sinfonieen von dem großen Charakter, von der kunstreichen Anlage und Ausführung, von dem Reichthum an origineller romantischer Dichtung, und von der schönen Zusammenstimmung aller ihrer Theile zu einem interessanten, Geist und Herz erhebenden Ganzen, wie die von Haydn, Mozart, Beethoven, [Andreas] Romberg, Eberl, sind ohne Zweifel die ersten Zierden unserer Konzerte.“ „[Rezension:] Symphonie à grand Orchestre [...] composée par Andr. Romberg. IIme Symphonie. O. 22“, in: Zeitung für die elegante Welt 8 (1808), Sp. 1646f.; hier Sp. 1646. ; nach seinem Tod verblasste sein Ruhm indes schnell. Einzig seine Vertonung von Friedrich Schillers Ballade Das Lied von der Glocke (1808) erfreute sich bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein großer Beliebtheit. Wie die Musik einiger anderer Zeitgenossen Mozarts und Beethovens erleben Rombergs Werke seit den 1990er Jahren eine Renaissance, die sich auf dem Musikalien- wie dem Tonträgermarkt bemerkbar macht.
Biographie Vechta, Münster und Reise nach Amsterdam (1767–1775) Geboren als Sohn des Militärmusikers (Gerhard) Heinrich Romberg (1743–1819) in Vechta, damals Garnisonsstadt im Niederstift des Bistums Münster/Westf., erhielt Andreas Romberg ersten Musikunterricht bei seinem Vater, der ein ausgezeichneter Klarinettist und Geiger war. Die ersten dreißig Jahre seines Lebens sind von der Lebensgeschichte seines um ein halbes Jahr jüngeren Cousins Bernhard Romberg, Sohn seines Onkels (Bernhard) Anton Romberg (1742–1814), nicht zu trennen: Bis 1798 unternahmen die Cousins nahezu alle Reisen und Ortswechsel gemeinsam. 1769 zogen beide Familien nach Münster um, und 1771 wurde Andreas’ Vater Heinrich in die dortige Hof- und Domkapelle aufgenommen. 1774 traten Andreas und Bernhard, fälschlich als „die jüngeren Brüder Romberg“ bezeichnet, erstmals öffentlich auf; Andreas als Geiger mit einem von seinem Vater komponierten Violinsolo, Bernhard als Cellist. 1775 konzertierten die Vettern, von ihren Vätern begleitet, in Amsterdam; Andreas spielte ein Violinkonzert der Tartini-Schülerin Maddalena Lombardini-Syrmen (1735–99)Mutmaßlich eines jener sechs Konzerte, die 1772/73 in Amsterdam im Druck erschienen waren. und war kurzfristig Schüler des Violinvirtuosen und Konzertunternehmers Ignazio Raimondi.
Jugend in Münster und erste Konzertreisen (1776–1784) Sicherlich haben sich Andreas und Bernhard nach ihrer Rückkehr nach Münster auch an Konzerten der Domkapelle beteiligt Blindow (2010), S. 46; fest angestellt in der Münsteraner Kapelle waren sie aber erst ab 1782. Stephenson (1938), S. 16 In den folgenden Jahren konzertierten Andreas und Bernhard in Begleitung ihrer Väter gelegentlich auswärts: Für 1779 ist ein Konzert in Osnabrück nachweisbar Blindow (2010), S. 46 und für den 5. Juli 1780 in Leipzig. Handschriftlicher Eintrag auf der Rückseite eines gedruckten Konzertprogramms vom 28. April 1780; Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Signatur: MT/81/2007. 1782 lernten die Familien Romberg anlässlich eines Besuches der Großmannschen Theatertruppe in Münster Christian Gottlob Neefe (1748–98) kennen, der Musikdirektor der Truppe und frisch bestallter Hoforganist des Kurfürsten zu Köln in Bonn war und fortan reges Interesse an der weiteren Entwicklung der beiden jungen Romberge nahm. Im September desselben Jahres wirkten die Väter Romberg mit ihren Söhnen an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Komödienhauses in Frankfurt/Main mit. Aus demselben Jahr stammen Andreas Rombergs erste überlieferte Kompositionen: Zwei Soli für die Violine. Kompositionsunterricht erhielt er zu dieser Zeit wahrscheinlich von Joseph Antony (1758–1832), seit 1781 Domorganist in Münster; Andreas war ihm zeitlebens dankbar, 1813 widmete er seinem Lehrer den Stimmdruck seiner dritten Symphonie (C-Dur op. 33).
In Paris (1784–1785) Im Frühjahr 1784 unternahmen die Väter Romberg mit ihren Söhnen eine Reise nach Paris. Im Februar, noch in Münster, hatte Andreas sein erstes Violinkonzert komponiert; auf der Reise entstand in Antwerpen ein Quartett für Violine, Violoncello, Klarinette und Fagott in Es-Dur, wohl zum gemeinsamen Spiel der vier Rombergs gedacht. Einen Anlaufpunkt in Paris hatten sie in dem musikliebenden Baron Carl Ernst Bagge, in dessen Salon viele Größen des Pariser Musiklebens verkehrten. Dort wurden Andreas und Bernhard von Jean Le Gros, dem damaligen Unternehmer der Pariser Concert spirituel gehört, und sogleich für die nächste Saison engagiert. Durch Vermittlung Bagges lernte Andreas auch François-André Danican Philidor (1726–95) kennen, und durch diesen wiederum Giovanni Battista Viotti (1755–1824), den Begründer des modernen französischen Violinspiels, den Andreas zeitlebens bewunderte. Im April 1784 waren die Rombergs wieder in Münster; Andreas komponierte im selben Monat noch sein zweites Violinkonzert in Es-Dur. Die vereinbarten Auftritte in den Pariser Concerts spirituels absolvierten die vier Rombergs im folgenden Frühjahr: Am 29. März 1785 trat Andreas mit einem eigenen Violinkonzert auf, und am 1. April musizierten alle vier Rombergs gemeinsam in einer Sinfonia concertante.
Lehrzeit in Münster (1785–1790) Von 1785 bis 1790 weilte Andreas offenbar ununterbrochen in Münster. Man wird annehmen dürfen, dass sich der Jüngling in dieser Zeit vornehmlich seiner weiteren Ausbildung als Violinist und der Ausweitung seiner kompositorischen Möglichkeiten widmete. In dieser Zeit entstanden neben fünf weiteren Violinkonzerten auch seine ersten fünf Sinfonien, sowie seine ersten größeren Vokalkompositionen: die Messe B-Dur (1787), sowie die Singspiele Das blaue Ungeheuer und Der Rabe (beide 1788). Alle diese Werke blieben ungedruckt, die Opern, obwohl sich Neefe bei seinem Dienstherrn Großmann stark für sie einsetzte, vorerst unaufgeführt. Etliche der Instrumentalwerke dürften aber im Rahmen von Hof- oder Abonnementkonzerten in Münster erklungen sein.
Mitglied der Bonner Hofkapelle (1790–93) Auf eigenes Betreiben wurden Andreas und Bernhard Romberg im Herbst 1790 von ihrem Dienstherrn Fürstbischof Maximilian Franz von Österreich, in Personalunion auch Kurfürst und Erzbischof von Köln mit Sitz in Bonn, in dessen Hofkapelle aufgenommen, die zu dieser Zeit ein Sammelplatz vieler außergewöhnlicher Talente war: der junge Beethoven weilte noch bis zum Herbst 1792 dort, weiterhin gehörten ihr zu dieser Zeit Josef Reicha (1752–95) und sein Neffe Anton (1770–1836) an, sowie der Geiger Franz Anton Ries (1755–1846) und der Hornist und Musikverleger Nikolaus Simrock (1751–1832). Bonn bot den beiden Rombergs vielfältige Möglichkeiten zur Erweiterung ihrer musikalischen Erfahrungen: Im Dezember 1790 und wieder im Juli 1792 besuchte Joseph Haydn die Residenzstadt; im Herbst 1791 nutzten Andreas und Bernhard Romberg eine Reise des Kurfürsten samt Hofkapelle nach Mergentheim, um zusammen mit Simrock, Ries und Beethoven dem seinerzeit berühmten Komponisten, Organisten und Pianisten Johann Franz Xaver Sterkel in Aschaffenburg einen Besuch abzustatten. Auf der Flucht vor den französischen Revolutionstruppen zog sich Kurfürst Maximilian Franz mitsamt seinem Hof zur Jahreswende 1792/93 nach Münster zurück. In der Karwoche 1793 wurde dort Rombergs kurz zuvor in Bonn vollendetes Oratorium Der Messias (nach dem gleichnamigen Epos von Friedrich Gottlieb Klopstock) uraufgeführt. Zu Ostern 1793 kehrte der Hof zurück nach Bonn, das weiterhin von französischen Truppen bedroht blieb. Im Oktober 1794 rückte die republikanische Armee in Bonn ein. Andreas und Bernhard hatten bereits im September 1793 vom Kurfürsten offiziell Urlaub vom Kapelldienst erhalten und sich nach Hamburg gewandt.
Hamburg I (1793–95) Ende Oktober 1793 trafen die Cousins in Hamburg ein und fanden sogleich eine Anstellung als führende Instrumentalisten im Orchester des Deutschen Theaters, das zu dieser Zeit von Friedrich Ludwig Schröder (1744–1816) geleitet wurde. Schröder brachte erstmals ein Bühnenwerk Andreas Rombergs zur Aufführung: Das Singspiel Der Rabe wurde am 7. April 1794 uraufgeführt. Es blieb bei dieser einen Produktion; dem Werk war, wie allen folgenden Opern Andreas Rombergs, kein Erfolg beschieden. Die Cousins beteiligten sich auch rege am Konzertleben der Stadt; sowohl in den von Schröder zum Vorteil der Pensionskasse für alte und kranke Schauspieler organisierten „Musikalischen Akademien“ im Deutschen Theater als auch in von ihnen selbst oder anderen Virtuosen veranstalteten Konzerten waren sie häufig zu hören. Andreas hatte die Zahl seiner Violinkonzerte bis 1793 auf acht vermehrt; dazu hatte er während der Zeit in Bonn auch ein Doppelkonzert für Violine und Violoncello komponiert; für die Konzerte, an denen Bernhard und er teilnahmen, dürfte er aus diesem Fundus geschöpft haben. Bekanntschaft schloss er mit Christian Friedrich Gottlieb Schwencke (1767–1822), seit 1789 in der Nachfolge Carl Philipp Emanuel Bachs Musikdirektor der fünf Hauptkirchen in Hamburg, dessen Anerkennung er sich schnell als Komponist wie als Violinvirtuose erwarb. Ende 1798 schreibt Schwencke in einem Korrespondenzbericht der Allgemeinen musikalischen Zeitung: „Ich habe viele sehr gute Violinspieler, z.E. Benda, Jarnowick [i.e.: Giornowichi], Möser, Lolli, Frenzl [i.e.: Fränzl], [Regina] Schlick, Rode, Müller, Pieltain, Pixis etc. von denen Ihnen gewiss mehrere bekannt seyn werden, und die sämmtlich ihre ausgezeichneten Verdienste haben, gehört; allein noch nie hat mich einer so ganz und gar befriediget, wie Andreas Romberg, als er vor 5 Jahren hier zum erstenmale in einer der hiesigen musikalischen Akademieen ein Concert von seiner eigenen Komposition aus dem b dur spielte. Die wesentlichsten Vorzüge, die diesen Virtuosen zum wahren Künstler machen und sogleich jedem Kenner und gebildeten Liebhaber auffallen und für ihn einnehmen müssen, sind vorzüglich folgende. Fürs erste: er ist ein sehr braver Componist, der einen richtigen guten Geschmack mit vielen Kenntnissen verbindet.“ Christian Friedrich Gottlieb Schwencke, „Briefe über Tonkunst und Tonkünstler. Zweiter Brief“, in: Allgemeine musikalische Zeitung I (1798/99), Sp. 123–128; hier Sp. 126f. Hervorhebungen original. Das Violinkonzert, von dem Schwencke spricht, dürfte das im Januar 1790 noch in Münster vollendete Konzert B-Dur sein. In dieser ersten Hamburger Zeit komponierte Andreas Romberg vornehmlich Kammermusik (Duos für Violine und Violoncello, Streichquartette), aber auch seine (in chronologischer Folge) siebte Sinfonie, die erste, die er der Publikation für würdig hielt; sie erschien 1805 im Druck.
Reise nach Italien und Wien (1795–97)