Der Goldene Handschuh ist eine deutsch-französische Literaturverfilmung von Fatih Akin über den Frauenmörder Fritz Honka aus dem Hamburger Kiezmilieu der 1970er Jahre. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk und feierte am 9. Februar 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb gezeigt wurde. Der Kinostart in Deutschland war am 21. Februar 2019.
Handlung Hamburg-St. Pauli, 1970: Der Hilfsarbeiter Fritz Honka, eine gesellschaftliche Randexistenz, verbringt seine Abende meistens in der Kiezkneipe „Zum Goldenen Handschuh“. Mit seinem deformierten Gesicht, seiner Brille mit Kassengestell, seinem starken Schielen und seinem Sächseln gilt „Fiete“ dort als harmlos und schüchtern. Von seinem Gastwirt lässt er ältere, einsame Frauen ansprechen und lädt diese auf alkoholische Getränke ein. Als er eines Tages eine Frau für Sex mit in seine kleine, mit zahlreichen Pin-Up-Bildern versehene Mansardenwohnung nimmt, tötet er sie. Um keinen Verdacht im Haus zu erregen, zerstückelt Honka die Leiche und legt einige der menschlichen Körperteile in der Umgebung ab. Bei seinen späteren Verbrechen deponiert er die zerstückelten Leichenteile hinter den Verkleidungen unterhalb der Dachschrägen. Den Verwesungsgeruch versucht er mit Wunderbäumen zu überdecken. Gegenüber seinen Gästen gibt er stets den Kochkünsten der unter ihm lebenden griechischen Gastarbeiterfamilie die Schuld am penetranten Gestank.
Vier Jahre später nimmt Honka die ältere Wienerin Gerda aus der Kneipe mit zu sich nach Hause. Als er aufgrund seiner massiven Alkoholisierung keine Erektion bekommt, penetriert er sie mit einem Kochlöffel. Am nächsten Tag nach seiner Heimkehr von der Arbeit ist Gerda immer noch nicht aus seiner Wohnung verschwunden. Aus Wut schlägt er sie, lässt sie aber weiter bei sich wohnen, nachdem er feststellt, dass sie die Wohnung aufgeräumt hat. Honka zwingt Gerda zu erniedrigendem Geschlechtsverkehr und setzt einen Vertrag auf, um sie als Sklavin zu halten. Auch soll sie ihm ihre 30-jährige Tochter Rosi zuführen. Gleichzeitig gefällt es Honka, dass er von Gerda als „Chef“ angeredet wird. Neben ihr und seinen Saufkumpanen bleibt ihm als einzige Bezugsperson sein Bruder Siggi, der seit einer Trennung ebenfalls dem Alkohol zugeneigt ist. Gerda verlässt Honka, als sie nach den zahlreichen Erniedrigungen eines Tages im Goldenen Handschuh von Gisela, einer Majorin der Heilsarmee, mitgenommen wird, die ihr ein besseres Leben in Aussicht stellt. Wütend nimmt er die älteren Anna und Inge mit zu sich nach Hause. Während Honka Inge gewaltsam zum Sex zwingen will, flüchtet diese. Er tötet daraufhin die noch in seiner Wohnung verbliebene Anna.
Als Honka von einem Auto angefahren wird, plant er einen Neuanfang ohne Alkohol. Er wird Nachtwächter in einem Bürokomplex und lernt die jüngere Putzfrau Helga Denningsen und deren Mann Erich kennen. Durch Helga, in die er sich verliebt, fängt Honka wieder mit dem Trinken an. Ein Vergewaltigungsversuch scheitert an ihrem Widerstand. Eines von Honkas letzten Opfern wird eine frühere Zwangsprostituierte und KZ-Insassin. Er misshandelt sie, als er keine Erektion bekommt. Daraufhin rächt sie sich an ihm, indem sie ihm Senf auf seinen Penis streicht, während er schläft. Als sie versucht, Geld von Honka zu stehlen, würgt er sie bewusstlos und erschlägt sie mit mehreren Schnapsflaschen. Der Versuch, der attraktiven Schülerin Petra nachzustellen, schlägt fehl, als ein Brand in seinem Wohnhaus ausbricht. Maden waren zuvor durch die Decke zu den griechischen Nachbarn gedrungen, die daraufhin aus der Wohnung flüchteten und den Herd anließen. Die Feuerwehr findet beim Löschen des Brands Leichenteile und Fritz Honka wird trotz seines Versuches zu fliehen noch vor Ort von der Polizei verhaftet.
Produktion Literarische Vorlage und Stab mini|hochkant=0.9|Der Eingang der Kneipe Zum Goldenen Handschuh auf St. Pauli
Der Film basiert auf dem Roman Der goldene Handschuh von Heinz Strunk. Darin beschreibt er die Taten des Serienmörders Fritz Honka, der seine Opfer im Viertel rund um die Hamburger Reeperbahn und dort unter anderem in der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ fand.Drehstart für Fatih Akins „Der goldene Handschuh“. In: Süddeutsche Zeitung, 29. Juni 2018. Ende September 2016 wurde Strunk für seinen Roman mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet. Strunk hat zu Beginn des Films einen Cameo-Auftritt als Kneipengast.
Regie führte Fatih Akin, der auch Strunks Roman für den Film adaptierte. In: Focus Online, 26. Juni 2018. Der Film stellt Akins ersten Ausflug ins Horrorgenre dar. Als Produzentin fungiert Nurhan Şekerci-Porst, mit der gemeinsam Akin bereits Aus dem Nichts realisierte.Am Ort, wo der Frauenmörder die Damen traf. In: welt.de 23. Juli 2018.
Akin sagt, ihm habe an dem Buch gefallen, dass Strunk es geschafft hat, sowohl den Opfern als auch Fritz Honka eine Würde zu geben: „Honka ist für mich nicht ein Serienmörder wie Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer. Der mordet in den USA und ist ohnehin nur eine fiktive Figur. Honka war ein realer Mensch aus meiner Nachbarschaft.“ Er sei eine Angstfigur seiner Kindheit gewesen, und er brauche immer einen persönlichen Zugang zu einem Stoff, so Akin weiter.Volker Behrens und Michael Töteberg: Fatih Akin: Goldener Handschuh nüchtern nicht zu ertragen. In: Hamburger Abendblatt, 9. Februar 2019.
Die Kriminalautorin Simone Buchholz meint, Honka habe auf St. Pauli einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie Jack the Ripper in London. Schon als die ersten Gerüchte auftauchten, dass Fatih Akin sich des Stoffs annehmen würde, sei St. Pauli ziemlich aufgeregt gewesen, vor allem weil Akin in Altona aufgewachsen und er damit ein Junge aus der Nachbarschaft ist, erklärt Buchholz.Simone Buchholz: „Der goldene Handschuh“: Über den „Jack the Ripper“ von Hamburg. In: Zeit Online, 24. Oktober 2018.
Besetzung und Dreharbeiten mini|hochkant=1.1|Filmkulisse des Schankraums der Kneipe Zum Goldenen Handschuh Die Hauptrolle von Fritz Honka wurde mit dem Schauspieler Jonas Dassler besetzt. In: Focus Online, 29. Juni 2018. Dassler trug während der Dreharbeiten eine Kontaktlinse, die man in London herstellen ließ und anstatt der Iris einen angemalten Glaskörper zeigte, mit dem Honkas starkes Schielen dargestellt werden sollte. Auf diesem Wege wurde eine Figur in der Tradition von Victor Hugos Der Glöckner von Notre-Dame erschaffen, so Fatih Akin. Dassler sagt über seine Darstellung von Honka: „Der Leitsatz dabei war für mich, dass da jemand war, der eigentlich nach einer Normalität, nach einer Bürgerlichkeit gesucht hat. Und der Weg dahin ging leider auch über diese Morde. Dass es eine Frustration über sich selbst gab, die dann ausgebrochen ist.“Jonas Dassler im Gespräch mit Susanne Burg: „Fritz Honka sollte keine Karikatur werden“. In: Deutschlandfunk Kultur, 9. Februar 2019. In weiteren Rollen sind Lars Nagel, Uwe Rohde, Dirk Böhling und Philipp Baltus zu sehen sowie Ohnsorg-Legende Herma Koehn, Tristan Göbel (der Hauptdarsteller aus Akins „Tschick“) und Greta Sophie Schmidt.
Am 2. Juli 2018 wurden die Dreharbeiten auf St. Pauli begonnen, wo Aufnahmen rund um die Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ entstanden, die man nur von außen sieht.Gerrit Bartels: „Der Goldene Handschuh“ auf der Berlinale: Fatih Akin startet mit düsterem Frauenmörderporträt im Wettbewerb. In: Der Tagesspiegel, 9. Februar 2019. Die Kneipe wurde zudem im Maßstab 1:1 nachgebaut. Die Filmsets waren in den Hallen des ehemaligen Überseezentrums in Hamburg-Mitte aufgebaut. Auch Honkas Wohnung wurde hier nachgebaut. Für ihre Entwürfe konnten Szenenbildner Tamo Kunz und der Art Director Seth Turner auch auf Polizeifotos sowie Requisiten aus dem Polizeimuseum zurückgreifen, die nach Honkas Verhaftung entstanden waren. Im Abspann sieht man unter anderem Fotos von Tatortskizzen, Bekleidung der Opfer sowie den „Fuchsschwanz“, das mutmaßliche Tatwerkzeug Honkas.Hamburger Polizei zeigt Tatortfotos aus Honkas Wohnung In: Hamburger Abendblatt, 13. Februar 2019. Nach jedem von Honka verübten Mord zog Kunz die Wände ein wenig enger. Im August 2018 drehte man unter anderem an der St.-Joseph-Kirche.Stefan Schneider, Volker Peschel und Peter Sylent: Bulli haut Honka um. In: bild.de, 17. August 2018. Ursprünglich waren 31 Drehtage angesetzt, die dann auf 33 verlängert wurden. Als Kameramann fungierte Rainer Klausmann.
Finanzierung und Veröffentlichung
Der Film wurde von bombero international in Co-Produktion mit Warner Bros. Film Productions Germany und Pathé produziert. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gewährte eine Förderung von 750.000 Euro,Der Goldene Handschuh. In: ffhsh.de, abgerufen am 18. Juli 2018. die Filmförderungsanstalt förderte die Produktion mit 520.000 EuroAndreas Köhnemann: FFA vergibt 2,8 Mio. Euro für 11 Projekte. In: kino-zeit.de, 2. Mai 2018.Frisches Geld für neue Filme von Fatih Akin und Til Schweiger. In: welt.de, 4. April 2018. und die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters mit 300.000 Euro.Staatsministerin Monika Grütters fördert Spielfilmvorhaben mit 4,7 Millionen Euro. In: bundesregierung.de, 24. Juli 2018.
Zwei unterschiedlich lange erste Trailer wurden Mitte Januar 2019 vorgestellt.Fatih Akins „Der Goldene Handschuh“: Hier sind die ersten Szenen. In: Musikexpress, 15. Januar 2019.Fatih Akins „Der Goldene Handschuh“: Der erste lange Trailer ist online. In: Musikexpress, 22. Januar 2019. Der Film feierte am 9. Februar 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb gezeigt wurde.„Der Goldene Handschuh“: Fatih Akin im Wettbewerb der Berlinale. In: Spiegel Online, 13. Dezember 2018. Dort wurde der Film auch mit Audiodeskription vorgeführt. In: bsvh.org, abgerufen am 5. Februar 2019. Am 21. Februar 2019 kam er in die deutschen Kinos.Starttermine Deutschland In: insidekino.com, abgerufen am 15. Dezember 2018. Im September 2019 wurde er beim Fantastic Fest in Austin gezeigt.Adam Patterson: Fantastic Fest 2019: First Wave of Titles Announced. In: filmpulse.net, 30. Juli 2019. Seit dem 22. Februar 2021 ist er auf Netflix zu sehen.Nach wahren Begebenheiten: Deutscher Horror-Schocker kommt zu Netflix In: chip.de. Abgerufen am 25. Februar 2021.
Rezeption Altersfreigabe In Deutschland erhielt der Film von der FSK keine Jugendfreigabe. Gaby Sikorski von der Arbeitsgemeinschaft Kino erklärt hierzu, der Film verzichte zwar weitgehend auf Splatter-Effekte oder auf zur Schau gestellte Gewaltszenen, und das meiste passiere außerhalb des direkten Blickfelds der Kamera, doch blutig werde es trotzdem: „Bei der Betrachtung überwiegen allerdings eher Abneigung und Ekel anstelle von Angst.“Gaby Sikorski: Der Goldene Handschuh. In: programmkino.de. Abgerufen am 21. Februar 2019.
Kritiken und Einspielergebnis mini|hochkant=0.95|Jonas Dassler, hier 2019 auf der Berlinale, spielt im Film Fritz Honka Der Goldene Handschuh erhielt im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International 1,9 von vier möglichen Sternen und belegte damit gemeinsam mit dem skandinavischen Beitrag Pferde stehlen (Ut og stjæle hester) von Hans Petter Moland einen 12. Platz unter allen 16 Berlinale-Wettbewerbsfilmen. Emin Alpers Eine Geschichte von drei Schwestern und Nadav Lapids Synonymes (je 3,0) führten die Rangliste an.Ben Dalton: Two films tie for top spot on Screen’s final Berlin jury grid. In: screendaily.com, 15. Februar 2019.