350px|Grab von Lully Am 22. März stirbt der Komponist Jean-Baptiste Lully, der Begründer der nationalen Oper in Frankreich. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1687.
Ereignisse Personalia Andrea Adami da Bolsena tritt am 18. Januar in die Capella Sistina ein. Der englische Geiger und Komponist Samuel Akeroyde wird als Musiker des englisch Königs aufgeführt. Bonaventura Aliotti, Mitglied der Unione dei musici und Kapellmeister an der Chiesa del Gesù in Palermo wird wiederholt Maestro del Senato in Palermo. Cataldo Amodei wird am 14. September zum Zweiten Kapellmeister am Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel ernannt. Der italienische Komponist Giovanni Battista degli Antonii wird Organist an der Basilika San Giacomo Maggiore in Bologna, eine Aufgabe, die er bis 1698 wahrnimmt. Der spanische Komponist Pedro Ardanaz tritt am 27. Juni der Musikergilde Cofradía de S Acacio bei. Melchior d’Ardespine wird zum Direktor des Hoforchesters in München ernannt. Der französische Organist und Komponist Thomas Babou ist mindestens seit diesem Jahr Organist an der Kollegiatskirche Saint-Jean l'Évangéliste in Lüttich. Johann Philipp Bendeler wird Kantor in Quedlinburg. Giovanni Battista Bianchini wird zum Phonascus, Maestro di Canto, am Oratorio di San Marcello in Rom ernannt. Johann Ernst von Thun und Hohenstein wird Fürsterzbischof von Salzburg. Der österreichische Lautenist und Komponist Matthias Biechteler von Greifenthal, beendet sein Studium an der Jesuitenuniversität in Graz und folgt dem Dienstherrn seines Vaters nach Salzburg. Der italienische Organist, Sänger und Komponist Paolo Biego wird Organettaspieler und Sänger an San Marco in Venedig. Der englische Komponist und Organist Isaac Blackwell wird am 7. Februar Vicar-choral an der St Paul’s Cathedral in London. Quirinus Gerbrandszoon van Blankenburg wird Organist an der wallonischen Kirche in Den Haag. Der englische Komponist John Blow übernimmt als Nachfolger des plötzlich gestorbenen Michael Wise die Leitung des Chors (Almoner and Master of the Choristers) der St Paul’s Cathedral. Juan Bonet de Paredes wird am 1. Januar Kapellmeister am Real Monasterio de la Encarnación in Madrid. Pierre Bouteiller wird Maître de musique an der Kathedrale von Troyes. Petrus Hercules Brehy wird am 21. Mai im Alter von dreizehn Jahren Organist an Sant Nicolas in Brüssel. Sébastien de Brossard wird zum Vikar und kurz darauf zum Kapellmeister am Straßburger Münster ernannt. Francisco Xaraba y Bruna († 1690) wird Organist an der königlichen Kapelle in Madrid und Maestro de clavicordio der Königin. Ludwig Busbetzky, ein Schüler Dieterich Buxtehudes wird Organist an der deutschen Kirche in Narva. Johann Heinrich Buttstett wird Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt und Lateinlehrer. Er heiratet Martha Lemmerhirt, eine entfernte Cousine Elisabeth Lemmerhirts, der Mutter Johann Sebastian Bachs. Antonio Caldara, Sohn des venezianischen Geigers Giuseppe Caldara, ist Mitglied in der Musikergilde Signori musici di S Cecilia in Venedig. Francisco Pérez Camacho wird Kapellmeister an der Kathedrale in Caracas. Jerónimo de Carrión wird Kapellmeister an der Kathedrale von Mondoñedo. Der italienische Komponist Francesco Cavanni wird nach Abwesenheit wieder als Bassist an San Marco in Venedig engagiert. Er war in diesem Jahr Gründungsmitglied der Instrumentalistengilde in Venedig. Der österreichische Soprankastrat Clementin verlässt die Wiener Hofkapelle Leopolds I. und begibt sich in den Dienst Kurfürst Maximilian II. Emanuel in München. Johann Georg Conradi wird Kapellmeister in Römhild, der Residenz des Herzogs Heinrich von Sachsen-Römhild. Zu dieser singt sein zwölfjähriger Sohn, der spätere Komponist Johann Melchior Conradi, in der dortigen Hofkapelle. Arcangelo Corelli leitet am 2., 7. und 9. Februar in Rom drei große Konzertveranstaltungen zu Ehren Roger Palmers, des Botschafters Jakobs II. von England am Heiligen Stuhl, bei denen er ein Orchester von 150 Streichern und 100 Sängern leitet. Am 9. Juli tritt er ganz in die Dienste des wohlhabenden Kardinal und Kunstmäzen Benedetto Pamphili und zieht zusammen mit seinem Lebensgefährten und Schüler Matteo Fornari in Pamphilis Palazzo, wo er als Kapellmeister Konzerte mit 80 und mehr Mitwirkenden zu dirigieren hat. Am 14. Juli übernimmt der französische Organist und Komponist François Couperin alle Pflichten seines Vaters Charles Couperin an der Kirche St-Gervais-St-Protais in Paris. Lullys Acis et Galatée wird in Darmstadt aufgeführt. Der Soprankastrat Francesco de Castris tritt in die Dienste Ferdinando de’ Medicis in Florenz. Carlo Clerici, Kapellmeister am Dom von Gubbio, führt am 16. Mai in Gubbio die 1683 uraufgeführte Oper Aldimiro von Alessandro Scarlatti auf. Der Soprankastrat Francesco de Grandis wird am Wiener Hof engagiert. Nach seiner 1686 im Jesuitenkolleg in der Rue Saint-Jacques in Paris beendeten Ausbildung begibt sich der zukünftige französische Komponist André Cardinal Destouches auf eine Missionsreise nach Siam. Carlo Domenico Draghi, der Sohn Antonio Draghis, wird als Schüler des Hof- und Kammerorganisten Ferdinand Tobias Richter in die Wiener Hofkapelle aufgenommen. Giovanni Battista Draghi wird an Weihnachten zum Organisten der Catholic Chapel Jakobs II. ernannt. Mit der Übernahme des Amtes übernimmt er traditionell die musikalische Ausbildung der Tochter des Königs Anne. Der französische Cembalist und spätere Operndirektor Jean-Baptiste Duplessis schließt einen Dreijahresvertrag mit dem Direktor der Opera Lyon. Seine Aufgaben beinhalten die Begleitung und Ausbildung der Sänger. Der englische Geiger und Komponist Thomas Farmer hält sich im Sommer und Herbst in Diensten Jakobs II. in Hampton Court Palace und Windsor Castle auf und wird am 5. Juli als einer der Instrumentalisten der Chapel Royal aufgeführt. Der französische Geiger und Komponist Antoine Favre wird an der neu eröffneten Oper in Lyon engagiert. Der mährisch-deutsche Violist und Komponist Gottfried Finger erhält am 5. Juli eine Stellung an der Catholic Chapel Jakobs II. in London. Pietro Antonio Fiocco wird wahrscheinlich 1687 Kapellmeister der herzoglichen Kapelle der Kirche Notre-Dame du Sablon in Brüssel. Antonio Foggia leitet Fastenmusiken am Oratorium Santissimo Crocifisso in Rom. Jean-Nicolas de Francine, Schwiegersohn Jean-Baptiste Lullys, wird von Ludwig XIV. am 27. Juni zum Leiter der Opéra (Académie Royale de Musique) Giovanni Paolo Fusetti ist bis 1687 Organist am Dom von Udine. Johann Joseph Fux ist bis 1687 Student am Jesuitenkolleg Ingolstadt. Domenico Gabrielli wird am 14. Oktober wegen Vernachlässigung seiner Pflichten – Abwesenheit am Fest des Heiligen Petronius – als Cellist an San Petronio in Bologna entlassen. Francesco Gasparini nimmt an Akademien im römischen Palast des Kardinals Benedetto Pamphili teil. Er wirkte als Geiger und Komponist von Arien und Kantaten zu Texten des Kardinals. Michelangelo Gasparini, der jüngere Bruder Francesco Gasparinis singt ab dem 1. August im Chor von San Marco. Nach der Aufführung seiner Oper Le jugement du soleil am 5. Februar in Marseille Pierre Gautier im Sommer und Herbst des Jahres mit seiner Opernkompanie die Opern Phaëton und Armide in Avignon auf. Rinaldo Gherardini tritt ab 1687 als Sänger in Piacenza auf. Die italienische Sängerin Clarice Gigli tritt in die Dienste des Herzogs von Mantua, Ferdinando Carlo von Gonzaga-Nevers. Jean Gilles verlässt nach seiner Ausbildung bei Guillaume Poitevin den Knabenchor an der Kathedrale St Sauveur in Aix-en-Provence leistet aber weiterhin diverse Dienste in der Kathedrale. Der berühmte italienische Altkastrat Siface (eigentl. Giovanni Francesco Grossi) begibt sich nach London, um Maria Beatrice d’Este, die Ehefrau Jakobs II. und Schwester des Herzogs von Modena Francesco II. d’Este, zu unterhalten. Zum Abschied komponiert ihm Henry Purcell ein Cembalostück „Sefauchi‘s Farewell“, das 1689 in „The second part of Musick‘s Hand-maid“ von Playford veröffentlicht wird. Im Dezember ist der Sänger wieder zurück in Italien zu Auftritten in Neapel. Bei seiner Englandreise wurde Siface vom italienischen Sänger und Komponisten Carlo Ambrogio Lonati begleitet. Der englische Komponist, Sänger und Organist Bartholomew Isaack wird wegen Vernachlässigung seiner Pflichten aus dem Chor der St. Patrick’s Cathedral in Dublin entlassen. Der deutsche Komponist Matthias Kelz arbeitet als Regierungsbeamter in Augsburg. Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn, Bischof von Olmütz, fördert die Errichtung eines Piaristengymnasiums und eines angegliederten Musikalischen Seminars in Kremsier (Kroměříž). Als Kapellmeister an San Marco ist Giovanni Legrenzi mitverantwortlich für die musikalische Gestaltung zu den Feierlichkeiten der Siege Venedigs über die Osmanen. Der spanische Komponist Francisco Llussa wird Organist an der Kirche Santa Maria del Pino in Barcelona. Für die Feierlichkeiten zur Genesung von König Ludwig XIV., der erhebliche gesundheitliche Probleme gehabt hatte, bearbeitet Jean-Baptiste Lully sein 1678 komponiertes Te Deum und führt es am 8. Januar auf eigene Kosten mit 150 Musikern auf. Beim Dirigieren rammt sich dabei den Taktstock in den Fuß. Es entwickelt sich Wundbrand und weil er es ablehnt, eine Zehe amputieren zu lassen, stirbt der Komponist am 22. März an seiner Verletzung. Er wird in Notre-Dame-des-Victoires in Paris unter großer Anteilnahme begraben. Am 8. Juni wird Jean-Louis Lully Nachfolger seines gestorbenen Vaters als Surintendant und Compositeur de la musique de la chambre du roi am Hof Ludwigs XIV. In Lyon wird die Académie Royale de Lyon mit einem drei Jahre geltenden Privileg gegründet. Dieses beinhaltet Aufführungsrechte an zuvor in Paris aufgeführten Tragédies lyriques Jean-Baptiste Lullys mit Zahlung an die Erben des Komponisten. Erster Direktor ist Jean-Pierre Leguay, der als Sänger Jean Journet und seine zwei Töchter Andrée, genannt ‚Drion’, und Françoise engagiert. Der Chor hat eine Stärke von fünfundzwanzig vorwiegend männlichen Sängern. Acht Tänzer gehören zum Ensemble. Das Orchester besteht aus zwanzig Streichern, fünf Holzbläsern und Continuoinstrumentalisten. Dazu gehören die Bassviolisten Pierre Bellon und Jean Rebel, auch als Theorbist, und der Cembalist J. B. Duplessis, der als Korrepititor fungiert. Erster musikalischer Leiter ist Philippe Delacroix. Am 25. November wird in. Venedig die musikalische Bruderschaft Sovvegno di S Cecilia gegründet. Mitglieder sind unter anderem der Komponist Marc’Antonio Ziani, Antonio Lotti und der Trompeter Leonardo Laurenti. Luigi Mancia reist gemeinsam mit dem Sänger Ferdinando Chiaravalle an den Hof von Lüneburg Ernst August, des Herzogs von Braunschweig, in Hannover. Dort stellt er seine Oper Paride in Ida vor. Der deutsche Komponist Johann David Mayer wird Musikdirektor in Schwäbisch Hall. Johann Valentin Meder wird als Nachfolger Balthasar Erbens Kapellmeister an der Marienkirche in Danzig. Pierre Menault beendet sein Dienstverhältnis als Maître de musique an der Kathedrale von Chalons-sur-Marne um später eine Stelle mit der derselben Funktion an der Kathedrale von Dijon anzunehmen. In Nantes findet die erste Opernaufführung der Stadt statt. Aufgeführt wird die 1671 uraufgeführte Oper Pomone von Robert Cambert mit dem Libretto von Pierre Perrin von Opernkompanie um Sieur d’Aumont. Giacomo Antonio Perti ist Príncipe der Accademia filarmoniaca in Bologna. Johann Christoph Pez wird Chorregent an der Kirche St. Peter in München. Carlo Luigi Pietragrua wird durch Vermittlung von Kapellmeister Carlo Pallavicino, als Altist in die kurfürstlichen Hofkapelle in Dresden aufgenommen.Roland Würtz, rev. Paul Corneilson: Pietragrua, Carlo Luigi. In: Grove Music Online, 2001 (englisch); https://doi.org/10.1093/omo/9781561592630.013.90000380909