Ein Pluraletantum (von lateinisch plurale tantum „nur Plural“), Pluralwort oder Mehrzahlwort ist ein Substantiv, das ausschließlich im Plural gebräuchlich ist. Der Plural von Pluraletantum lautet gemäß Online-Duden Pluraletantums oder Pluraliatantum (pluralia + tantum). Das Gegenwort zu Pluraletantum ist Singularetantum (Einzahlwort).

Im Deutschen und in anderen Sprachen mit grammatischem Genus, bei denen im Plural die Genera zusammenfallen, kann für Pluralwörter kein eigenes Genus festgestellt werden.

Anwendung

Beispiele für Pluraletantums in der deutschen Sprache sind:

Geografische Bezeichnungen: Azoren, Tropen, Vogesen

Unechte Pluraliatantum Unechte Pluraliatantum sind Substantive, bei denen es einen (oft selten gebrauchten) Singular im Nominativ gleich der Schreibweise wie im Plural gibt: Geschwister (ein Geschwister) Möbel (ein Möbel) Lebensmittel (ein Lebensmittel) Spaghetti (eine Spaghetti; auch der Spaghetto)Duden: Deklination Spaghetti duden.de, abgerufen am 7. März 2025Duden: Spaghetto duden.de, abgerufen am 7. März 2025

Besondere Fälle Zu manchen Wörtern, die überwiegend nur in der Mehrzahl gebräuchlich sind, gibt es regional jedoch auch die Einzahlform: Zu Trümmer gibt es so in Bayern, Schwaben und Österreich den Singular Trumm (wenn auch mit anderer Bedeutung: großes oder schweres Teil statt Zerstörtes).

Zu anderen Wörtern gibt es einen Singular, der jedoch nur in bestimmter Bedeutung verwendet wird: Zu Daten gibt es den Singular Datum, der etwa als Kalenderdatum für einen bestimmten Zeitbezug gebraucht wird, oder als geodätisches Datum für einen bestimmten Raumbezug.

Ein Sonderfall ist der Plural -leute für einige Zusammensetzungen mit -mann und -frau: Fachleute – Fachmänner, Fachfrauen Feuerwehrleute – Feuerwehrmann, Feuerwehrfrau Geschäftsleute – Geschäftsmänner, Geschäftsfrauen Hauptleute, Hauptmänner – Hauptmann Kaufleute – Kaufmann, Kauffrau Landsleute – Landsmann, Landsfrau Ombudsleute – Ombudsmann, Ombudsfrau Seeleute – Seemann, SeemänninWorteintrag: Seemännin, die: In: Duden online. Abgerufen am 23. März 2022; Zitat: „Bedeutung: weibliche Person, die auf einem Seeschiff beschäftigt ist (Berufsbezeichnung)“.Ebenda: Seefrau, die: Synonym zu Seemännin.Ebenda: Seemann, der: „Bedeutung: männliche Person, die auf einem Seeschiff beschäftigt ist (Berufsbezeichnung)“. Vertrauensleute – Vertrauensmann, Vertrauensfrau

Singularbildung durch Komposita Ein dem Singular entsprechender Sachverhalt kann bei Pluraliatantum häufig durch eine Zusammensetzung ausgedrückt werden:

die Ferien – der Ferientag die Kosten – der Kostenanteil die Eltern – der Elternteil (fachsprachlich auch: der oder das Elter) die Geschwister – der Geschwisterteil (fachsprachlich auch: das Geschwister)

Beispiele aus anderen Sprachen Englisch: clothes – Kleider trousers – die Hose thanks – der Dank scissors – die Schere

Französisch: les lunettes – die Brille les ciseaux – die Schere les fiançailles – die Verlobung

Siehe auch Kollektivum (Sammelname, Sammelbezeichnung) Defektivum (Wort, das nicht in allen grammatikalischen Formen seiner Wortart auftreten kann) Numerus (grammatische Zählform)

Literatur Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 180–181, Randnummern 276–277: Pluraliatantum ().

Weblinks

Einzelnachweise Worteintrag: Pluraletantum, das. In: Duden online. Abgerufen am 22. März 2022; Zitat: „Bedeutung: Substantiv, das nur als Plural vorkommt; Herkunft: zu lateinisch pluralis (Plural) und tantum = nur; […] Plural: die Pluraletantums und Pluraliatantum“. Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 157, Randnummer 233 (); Zitat: „Bei Substantiven, die nur im Plural vorkommen (Pluraliatantum), kann daher kein Genus festgestellt werden: die Leute, die Trümmer, die Gliedmaßen, die Masern“. Angelika Wöllstein, Duden-Redaktion (Hrsg.): Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, S. 180, Randnummer 276: Pluraliatantum (). Gerhard Stickel: Beantragte staatliche Regelungen zur „Sprachlichen Gleichbehandlung“: Darstellung und Kritik. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik. Jahrgang 16, Nr. 3, 1988, S. 330–355, hier S. 342 (IDS-Direktor; PDF: 4,8 MB, 26 Seiten auf bsz-bw.de); Zitat: „Neben den genuslosen, geschlechtsübergreifenden Ausdrücken Eltern und Geschwister finden sich gelegentlich die geschlechtsneutralen Neutra Kind, Mitglied, im StGB auch Opfer (§ 177), außerdem die geschlechtsneutralen Maskulina Mensch, Vormund, Abkömmling, wiederholt auch das geschlechtsneutrale Femininum Person.“

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