Die Schlacht um Tula (russisch: Тульская оборонительная операция) vom 24. Oktober bis 5. Dezember 1941 war während des Zweiten Weltkrieges eine Angriffsoperation der deutschen Wehrmacht und Teil der Schlacht um Moskau. Sie spielte sich an der Ostfront am rechten Flügel der Heeresgruppe Mitte ab. Nach 45 Tagen auf beiden Seiten verlustreicher Kämpfe mit erheblichen Zerstörungen in der Stadt Tula gelang es der Roten Armee Anfang Dezember dank gut organisierter Waffen- und Nachschublieferungen, die deutschen Truppen in einer Gegenoffensive zurückzuschlagen.
Vorgeschichte Die deutsche 2. Panzerarmee unter Generaloberst Guderian hatte Anfang Oktober im Rahmen des Unternehmens Taifun den Angriff auf Moskau eröffnet und zusammen mit der 2. Armee unter Generaloberst von Weichs die Kesselschlacht bei Brjansk durchgeführt. Während die Armeekorps der deutschen 2. Armee die eingeschlossene Masse der sowjetischen 3., 13. und 50. Armee niederkämpften, nahm das XXIV. Armeekorps (mot.) den Vorstoß nach Orel auf. Die 18. und 17. Panzerdivision unter Generalleutnant von Arnim konnte am 5. und 6. Oktober Karatschew und Brjansk besetzen, der 3. Panzer-Division gelang die Einnahme von Belew, aber die 4. Panzer-Division wurde im Kampf bei Mzensk durch Gegenangriffe der sowjetischen 4. Panzerbrigade unter Oberst Katukow zeitweilig gestoppt. Der Kommandeur der eingekesselten sowjetischen Brjansker Front, General Jerjomenko wurde vermisst und zwischenzeitlich durch General M. P. Petrow abgelöst. Am 8. Oktober tauchte Jerjomenko wieder auf und koordinierte die 3. und 13. Armee selbst. Die 50. Armee war inzwischen durch einen weiteren deutschen Vorstoß vom Rest der Brjansker Front getrennt und weitgehend eingeschlossen. Teilen der Armee gelang es bis zum 17. Oktober auszubrechen; General Petrow galt als verschollen, daher wurde General A. N. Jermakow mit dem Kommando der im Raum nördlich von Brjansk eingekreisten sowjetischen 50. Armee betraut.
Sowjetische Verteidigung Tula liegt etwa 190 Kilometer südlich von Moskau, an beiden Ufern des Flusses Upa, einem rechten Nebenfluss der Oka. Am 22. Oktober wurde das Verteidigungskomitee der Stadt Tula formiert und der Kommissar W. G. Gurjew zum Vorsitzenden ernannt. Im südlichen Vorfeld der Stadt wurden Befestigungen wie Panzerabwehrgräben und Drahtsperren angelegt, für die Arbeiten wurden alle arbeitsfähigen Bewohner herangezogen. Zudem wurde ab 26. Oktober das Arbeiter-Regiment Tula unter Hauptmann A. P. Gorschkow aufgestellt, das die Verteidigungslinie besetzte. Die über die Resseta bei Chwastowitschi ausgebrochenen Teile der 50. Armee (Reste von 8 Schützen-, 1 Kavallerie- und 1 Panzerdivision) zogen sich über Belew führerlos auf Tula zurück. Die auf Jefremow zurückgehenden Reste der sowjetischen 13. Armee (General Gerassimenko), deren Reste sich am 22. Oktober aus der Einkreisung über die Oka zurückgekämpft hatten, nahm die „Operative Gruppe Ermakow“ in ihre Formation auf und besetzte die Linie zwischen Fatesch und Lgov. Generalmajor A. N. Jermakow hatte bereits die Führung der 50. Armee übernommen und sollte Tula verteidigen.
Am 27. Oktober bezog die 50. Armee die am südlichen Stadtrand angelegten Gräben, zusätzlich wurden das Tula-Arbeiterregiment unter Hauptmann Gorschkow, das 156. NKWD-Regiment unter Major S. F. Zubkow und ein Miliz-Bataillon unter Major M. I. Swiridow herangezogen. Das 732. Flak-Regiment unter Major M. T. Bondarenko schützte die Stadt gegen feindliche Luftangriffe. Am 29. Oktober wurden diese Stellungen durch das Artillerie-Regiment 447 unter Oberst A. A. Mawrin verstärkt. Ende Oktober hielt der linke Flügel der Westfront (Armeegeneral Schukow) und die Brjansker Front (Frontkommando am 10. November aufgelöst) mit der 49. Armee und den neu organisierten 3., 13. und 50. Armeen die Frontlinie Beljow-Mzensk-Fatesch-Lgov.
Deutscher Aufmarsch Am 22. Oktober beauftragte General Guderian die Kampfgruppe Eberbach (Panzer-Reg. 6 und 18, Artillerie-Reg. 75, Schützen-Reg. 3 und Infanterie-Regiment „Großdeutschland“) der 4. Panzer-Division (Generalmajor von Langermann), in den Rücken der sowjetischen Verteidigung nördlich von Mzensk vorzustoßen. Das XXIV. Armeekorps (mot.) bildete mit der 3. Panzer-Division (Generalmajor Breith) nördlich von Mzensk einen 6 km tiefen Brückenkopf am östlichen Suscha-Ufer. Das XXXXVII. Armeekorps (mot.) stand mit der motorisierten 29. Infanterie-Division noch dahinter im Raum Karatschew. Am 23. Oktober erreichte der Vormarsch des deutschen LIII. Armeekorps den Raum 20 km nordöstlich von Bolchow und nahm Vormarschrichtung auf Tepolje. Die 95. Infanterie-Division des Höheren Kdo. XXXV besetzte die Stadt Fatesch, während am äußersten südlichen Flügel das XXXXVIII. Armeekorps (mot.) (Kempf) mit der 9. Panzer-Division im Vorgehen auf Kursk stand.
Ab Mitte Oktober kam die 2. Panzerarmee nicht mehr voran, und die Verbände der 2. Armee lagen auch fest. Eine geordnete Versorgung war nicht mehr möglich. Dieser Zustand, so bemerkte das Hauptquartier der 2. Armee am 18. Oktober, würde solange andauern, solange die Versorgung nicht neu aufgebaut würde. Auch die nördlicher im Anschluss an das XIII. Armeekorps vorgehende 4. Armee (Generalfeldmarschall von Kluge) kam nicht weiter voran, da sie von ständigen sowjetischen Gegenangriffen bedrängt wurde. Sie stellte das Vorgehen ihres rechten Flügels am 16. Oktober ein. Am 25. Oktober drang die 3. Panzerdivision in den Raum 12 km nordöstlich von Tschern vor und nahm mit der auf der Straße von Mzensk vorstoßenden 4. Panzer-Division wieder Verbindung auf. Das LIII. Armeekorps schloss am 26. Oktober zum Oka-Abschnitt auf. Am 28. Oktober war der Raum Tula erreicht.
Für den Angriff war der rechte Flügel der Heeresgruppe Mitte auf Befehl des Oberbefehlshabers von Bock neu gegliedert worden: Die 2. Armee wurde nach Beendigung der Kesselschlacht von Brjansk an den rechten Flügel der 2. Panzerarmee verlegt. Guderian musste Generaloberst von Weichs die Höheren Kommandos XXXIV. und XXXV., sowie das XXXXVIII. Armeekorps (mot.) abgeben. Die bisher den äußersten linken Flügel deckende 1. Kavallerie-Division wurde nach Ostpreußen abberufen, um dort umgerüstet zu werden. Als Ersatz gebot die 2. Panzerarmee jetzt über zwei Armeekorps aus der bisherigen Front der 2. Armee.
XXXXIII. Armeekorps (General Heinrici) mit der 31. und 131. Inf.Div. im Anmarsch über Bolchow auf den Oka-Abschnitt bei Alexin. XXIV. Armeekorps (mot.) (General Geyr von Schweppenburg) mit der 3. und 4. Panzer-Division, der motorisierten 10. Inf.Div. und Infanterie-Regiment Großdeutschland im Vorgehen auf Tula LIII. Armeekorps (General Weißenberger) mit der 112. und 167. Infanterie-Division erreicht den Raum Dansko. XXXXVII. Armeekorps (mot.) (General Lemelsen) mit der 17. und 18. Panzer-Division, der motorisierten 25. und 29. Inf.Div in der Versammlung zwischen Orel und Mzensk 296. Infanterie-Division (Generalleutnant Stemmermann), vorerst noch im Raum Trubtschewsk gebunden.
Vorstoß auf Tula mini| Guderian auf einem Gefechtsstand eines vorgeschobenen Panzerregiments mini|Rasputiza
Seit dem 27. Oktober wurden im Raum Tula verstärkte sowjetische Truppentransporte aus dem Osten beobachtet. Das deutsche LIII. Armeekorps wurde zur Sicherung der rechten Flanke der 2. Panzerarmee gegen die Linie Jepifan—Stalinogorsk vorgeschoben. Durch die bereits wochenlang andauernde Schlammperiode (Rasputiza) war der Zustand der Straße Orel—Tula katastrophal, die im Raum Jasnaja Poljana vor Tula angelangte 3. Panzer-Division und die Gruppe Eberbach mussten zusätzlich aus der Luft versorgt werden. Weil ein Frontalangriff auf die Stellungen vor Tula zu verlustreich erschien, wurde General Geyr erlaubt, die Stadt ostwärts in Richtung auf Dedilowo zu umgehen.
Am 29. Oktober stand die deutsche 3. Panzer-Division 5 km vor Tula, das XXXXIII. Armeekorps erreichte den Abschnitt zwischen Odojew bis westlich Titowa. Die 18. Panzer-Division des XXXXVII. Armeekorps (mot.) löste letzte Teile des XXIV. Armeekorps (mot.) im Raum Orel ab, während sich das LIII. Armeekorps zwischen Arona und St. Gremjatschka vorschob. Am südlichen Abschnitt bei der 2. Armee schob sich das XXXXXVIII. Armeekorps mit der 95. Infanterie-Division und der 9. Panzer-Division (General Hubicki) in den Raum 12 und 18 km nordöstlich von Kursk vor.
Am 30. Oktober übernahm General A. N. Jermakow die direkte Führung der Truppen, die die Stadt Tula von Süden verteidigten, als dessen Chef fungierte Generalmajor W. S. Popow. Am Morgen begannen die deutschen Truppen nach starker Artillerievorbereitung mit Angriffen auf die Stadt, Teile des Dorfes Rogoschinski wurden genommen. Am Abend des Tages traf der Stabschef der Brjansker Front, Oberstleutnant L. M. Sandalow in Tula ein. Das XXIV. Armeekorps (mot.) führte erste Angriffe auf die Stadt und erreichte Dedilowo. Am 31. Oktober wurden diese Angriffe durch die 154. (General J. S. Fokanow) und die 217. Schützen-Division (General K. P. Trubnikow) und andere Teile der 50. Armee abgeschlagen. In Tula trafen zusätzlich die 32. Panzerbrigade (Oberst I. I. Juschuk) und die 34. Garde-Division als Verstärkung ein. Die heftigen Angriffe der deutschen Truppen wurden fortgesetzt, bis sich die Lage Mitte November auf sowjetischer Seite etwas stabilisierte.
Ab dem 2. November wurden die südöstlichen Zugänge nach Tula von der 413. Schützen-Division, (Generalmajor Tereschkow) verteidigt. Die Instandsetzung der Bahnlinie Mzensk – Tula bekam erhöhte Bedeutung, trotz bestem Willen gab es auf deutscher Seite nur langsame Fortschritte. Als die Vorhut des LIII. Armeekorps Teploje erreichte, stießen sie auf starken Feind. Es handelte sich um eine Kräftegruppe mit 2 Kavallerie- und 5 Schützen-Divisionen sowie einer Panzerbrigade, die längs der Straße Jefremow-Tula mit der Absicht vorgingen, den vor Tula festliegenden Verbänden des XXIV. Panzerkorps in die Flanke und Rücken zu stoßen. Die Truppen des XXXXIII. Armeekorps erreichten am 5. November den Raum östlich von Kurakowa— Woskressenskoje – südlich Bogutscherowo. Die deutsche 112. Infanterie-Division (LIII. A.K.) gewann etwa 6 km Raum nach Osten. Zur Verstärkung wurde die bei Mzensk versammelte 17. Panzer-Division dem XXIV. Armeekorps (mot.) unterstellt und über Plawskoje nach Tula dirigiert.
Am 8., 9. und 10. November kam es zu stärkeren Gegenangriffen der Verteidiger von Tula, welche ihre Positionen verbessern konnten. Die deutsche 18. Panzer-Division parierte dagegen, indem sie aus dem Raum 5 km südöstlich von Rajewo nach Norden in den Rücken des Angreifers vorging. Der linke Flügel des XXXXIII. Armeekorps stieß in den Raum 7 km südlich von Alexin vor und erreichte den Raum nordöstlich Pewschino bis 10 km nordöstlich Dugna. Die Deutschen vor Tula wurden durch sowjetische Gegenstöße wieder aus dem Dorf Rogoschinski und vom Gelände der dortigen Ziegelei vertrieben. Das bereits geschwächte XXIV. Armeekorps (mot.) musste infolgedessen in Verteidigung übergehen.
Wechselhafte Kämpfe Am 10. November wurde die Brjansker Front aufgelöst, die 50. Armee wurde als linker Nachbar der 50. Armee Teil der Westfront. Die direkte Verteidigung von Tula wurde Generalmajor J. S. Fokanow übertragen. Am 12. November erreichte das deutsche LIII. Armeekorps an der Linie Rajewo-Tepolje-Marjino-Zarewo-Mostowaja, die unterstellte 112. Infanterie-Division (General Mieth) errichtete einen weiteren Brückenkopf über die Upa. Die 18. Panzer-Division drang in den Raum östlich von Tschern vor, ihre Vorausabteilung nahm den Vorort Nikolskoje.