Kurt Rupli (* 16. August 1899 in Mannheim; † 24. März 1960 in Berlin) war ein deutscher Theaterschauspieler, Theaterdirektor, Spielfilm- und Dokumentarfilmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Herstellungsleiter.
Leben Herkunft und Kindheit Geboren wurde Kurt Rupli als einziger Sohn des Schweizer Chorsängers Alexander Rupli (1868–1902) und Johanna Petzold (1876–1956) in Mannheim. Nach dem frühen Tod seines Vaters an den Folgen einer SchwindsuchtGeburts- und Sterbenachweise im Stadtarchiv Mannheim. prägte der Großvater mütterlicherseits, der Hofmusikus Karl Friedrich Petzold, den jungen Rupli. In dieser Zeit wurde sein Wunsch geweckt, Kapellmeister zu werden.Die nachfolgenden biographischen Hinweise entstammen dem maschinenschriftlichen Manuskript „Kurt Rupli – ein Leben für das Theater, den Film und das Varieté“, verfasst von der zweiten Ehefrau, Antonia Rupli (Künstlername: Toni Faas), welches als Kopie der Kunststiftung Ruth Baumgarte, Bielefeld, vorliegt. Allerdings musste Rupli zunächst auf Wunsch seines Großvaters eine kaufmännische Lehre im Mannheimer Binnenhafen absolvieren, bevor er seinen künstlerischen Interessen nachgehen konnte.
Ausbildung und erste Bühnenerfahrungen Im Jahr 1916 begann Rupli seine Ausbildung an der Schauspiel- und Redekunstschule in Mannheim unter der Leitung von Paul Tietsch (1856–1932).Vgl. Mannheimer Generalanzeiger vom 31. August 1918; ebd. vom 5. Juli 1919 wird zudem erwähnt, dass Kurt Rupli als Schüler der Schauspielabteilung (Paul Tietsch) eine Anstellung am Stadttheater Guben angenommen hat; ebd. vom 7. Juli 1919 wird ihm eine „natürliche Begabung“ als Schauspieler nachgesagt. Erste Erfolge seiner schauspielerischen Fähigkeiten werden ihm ebd. vom 14. April 1920 bescheinigt: „Große Erfolge hatte er im Laufe dieser Spielzeit in seinen Spezialrollen als „Schneider Wibbel“, „Musterknabe“, „Charley’s Tante“, „Kalb“, als „Otto“ in der Schwankneuheit Rutschbahn v. Gordon, „Mittelbach“, „Thisbe“ und nicht zuletzt als „jüngerer Bruder“ in Kindertragödie und „Hyazinth“ in Eulenburgs Belinde, womit er schon am Konstanzer Stadttheater unter Dr. Max Krüger die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Die Presseberichte rühmen ihm eine außerordentliche Vielseitigkeit als Darsteller nach.“ Nach kurzer Zeit meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und wurde an der Front zweimal an den Beinen verwundet. 1918 kehrte Rupli nach Mannheim zurück und erhielt Engagements am Nationaltheater Mannheim sowie am Heimatfronttheater Mannheim.Vgl. Mannheimer Generalanzeiger vom 4. Oktober 1918. Bereits in dieser frühen Phase seiner Karriere gründete er das Badische Volkskulturtheater, das es sich zur Aufgabe machte, kleinere Städte Badens mit anspruchsvollen Theateraufführungen zu versorgen.Karlsruher Tagblatt vom 18. April 1924.
Karriere in den 1920er Jahren In den Jahren 1919 bis 1927 arbeitete Rupli an Theatern in Mannheim, Heidelberg, Freiberg, Beuthen, Görlitz, Lindau, Meiningen und Fulda.Wohnungsverzeichnis im Stadtarchiv Mannheim.
Er inszenierte klassische Werke wie:
Friedrich Schillers Wilhelm Tell und Die Räuber, Medea von Euripides, Gerhart Hauptmanns Die Weber, Bertolt Brechts Trommeln in der Nacht, sowie Operetten und Lustspiele.Die gesamte von Kurt Rupli handschriftlich verfasste Liste der Stücke befindet sich im Bundesarchiv Berlin, Sign. R_9361_V_112414.
Neben seiner inszenatorischen und schriftstellerischen Tätigkeit betätigte er sich 1920 als Hauptschriftleiter der kunstpädagogischen Programmschrift Beuthener Bühne und Mitarbeiter des Feuilletons der Ostdeutschen Morgenpost. 1921 wirkte er als Schauspieler am Landestheater Meiningen und übernahm 1922 für kurze Zeit die Leitung des Stadttheaters in Sonneberg.Mitteilungen im Berliner Börsenblatt vom 10. August 1922 und in den Dresdener Nachrichten vom 11. August 1922: „Dem meiningischen Regisseur Kurt Rupli, der soeben mit den Meininger Schauspielern von einer erfolgreichen Gastspielreise, die ihn in etwa 80 deutsche Städte geführt hatte, zurückkehrt, ist die Leitung des Stadttheaters in Sonneberg (Thüringen) übertragen worden. Das Theater wird renoviert und mit einer Stilbühne versehen. Die neue Spielzeit wird spätestens Ende September beginnen.“ 1923 gründete er in Mannheim das Badische Volkskunsttheater und wurde 1924 Direktor des neuen Stadttheaters in Fulda.Berliner Börsen-Zeitung vom 5. Oktober 1924 und Dortmunder Zeitung vom 9. Oktober 1924.
Zusätzlich schrieb Rupli eigene Theaterstücke wie Caspar Hauser, Satanische Tugend und Das Ehegespenst. Im Jahr 1926 gründete er die Pfälzer Dialektbühne „Die Pelzer Krischer“, die sich dem Ziel verschrieb, den pfälzischen Humor deutschlandweit bekannt zu machenBadische Presse vom 8. September 1926.
Wechsel in die Filmbranche Über ein Zeitungsinserat wurde Kurt Rupli 1929 auf das Stellenangebot der Emelka Theater AG München aufmerksam, die einen Theaterleiter für das Hansa-Theater am Hansaring in Köln suchten. Für die neue Aufgabe waren seine kaufmännische Ausbildung und seine künstlerisch inszenatorischen Erfahrungen von hoher Bedeutung.
In Köln leitete er drei Filmtheater: das Hansa-Theater im Hochhaus, das von dem Architekten Jacob Koerfer, der sich auf Geschäfts- und Bürohäuser spezialisiert hatte, „als das höchste Hochhaus Europas“ und das „schönste Kino Kölns“, erbaut wurde, die Schauburg und das 1929 eröffnete Capitol mit 2000 Plätzen.Nähere Informationen zu den Theatern und Lichtspielhäusern siehe: Dagmar Pütz (Hrsg.): Die Emelka in Köln. In: cinecorsocologne.de, abgerufen am 26. September 2024.
„Das Capitol war der erste (und einzige) eigenständige Kino-Neubau der Emelka in Köln“. Im Capitol-Theater führte Rupli das Konzept ein, Varietévorführungen mit Filmvorstellungen zu kombinieren. Dies wurde in einer zeitgenössischen Rezension als innovative „Pflegestätte des künstlerischen Films“ beschrieben (Kölner Lokal-Anzeiger vom 18. Februar 1932). Im Capitol etablierte er Vorführungen von kurzen Operetten, Filmen, Kulturfilmen, Emelka Wochenschau und Ballett.Eine Bilanz der ersten zwei Jahre der Tätigkeit im Capitol wird in dem Beitrag im Kölner Lokal-Anzeiger vom 19. Februar 1931 von einem Mitarbeiter des Bühnenvolksbundes gegeben. Wichtigster Punkt war die Vorführung künstlerisch wertvoller Kinofilme, die anfangs von ausgezeichneten Varieté-Darbietungen begleitet wurden. Dann kam die Vorführung von Kulturfilmen hinzu, aber auch Aufführungen kleinerer Bühnenwerke zeigten die Bandbreite des Capitols. „Direktor Kurt Rupli, früher erfolgreicher Theaterleiter bei der Sprechbühne, hat sich zum Film bekannt und bewiesen, daß heute auch ein Filmtheater Mittel sein kann, weitgehende kulturelle Aufgaben, für eine ganze Stadt zu übernehmen.“
Auf dem Spielplan des Capitol standen 1932/33 u. a. Filme wie der französische Satirefilm Es lebe die Freiheit von René Clair, in dem soziale Missstände und die fortschreitende Technisierung thematisiert wurden, Schanghai Expreß, der US-amerikanische Abenteuer- und Liebesfilm von Josef von Sternberg und gleichzeitig einer der größten Filmerfolge für die Hauptdarstellerin Marlene Dietrich, Tabu, ein Abenteuerfilm, der 1930/31 von Friedrich Wilhelm Murnau auf Bora Bora und Tahiti gedreht wurde, oder auch Der Mann, den sein Gewissen trieb, ein US-amerikanisches Spielfilmdrama mit pazifistischer und völkerversöhnender Botschaft unter der Regie von Ernst Lubitsch. Des Weiteren Eine Stadt steht Kopf, eine deutsche Filmkomödie von Gustaf Gründgens nach der Komödie Der Revisor von Nikolai Gogol, oder Menschen im Hotel 1932 nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Vicki Baum mit Starbesetzung von Greta Garbo, Joan Crawford und John Barrymore.
Zum vierjährigen Bestehen des Kölner Capitol resümierte Kurt Rupli am 8. März 1933 im Kölner Lokal-Anzeiger:
„Es war immer unser Bestreben den künstlerisch- und volkskulturell-wertvollen Film als Hauptbestandteil unseres Spielplanes zu pflegen. Selbstverständlich ist es schwieriger geworden, das Filmmaterial zu sondieren. Die Produktion befindet sich durch die wirtschaftlichen Verhältnisse in einem chaotischen Zustand, der ein nervöses Tasten nach allen möglichen und unmöglichen Filmsujets erzeugt hat.“
1932 ging die Emelka in Konkurs und fusionierte mit der Bavaria. Kurt Rupli übernahm aufgrund der Beziehung zur Familie Koerfer – die auf dem engen freundschaftlichen Verhältnis zwischen Kurt Rupli und dem Architekten Jacob Koerfer gründete – von 1932 bis 1934 die Oberleitung der Westdeutschen Theaterbetriebe des Koerfer-Konzerns in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Aachen.
Zeit des Nationalsozialismus mini|185x185px|Künstlerkarte Kurt Rupli, 1938 Nach 1934 wollte Jacques Koerfer die Westdeutschen Theaterbetriebe aufgeben und mit Kurt Rupli in die Filmproduktion einsteigen, weshalb Rupli, der bereits 1933 in die NSDAP (Partei-Nr. 2.227.127) eingetreten war, um weiter im Filmbereich arbeiten zu können, nach Berlin zog. Seine Gedanken zu Film-Kunst und Lichtspielhaus veröffentlichte er fortan im ReichsfilmblattU.a. am 8. September 1934 oder der Bericht Filmtheater ein Kulturfaktor am 27. Oktober 1934. und hielt Vorträge.Am 24. Oktober 1934 hielt Rupli eine Vorlesung unter dem Titel Lichtspieltheater und Filmkunst in der Lessing-Hochschule Berlin. In diesem Vortrag gab er eine Analyse des Lichtspieltheaters in seiner aktuellen Situation, die er aufgrund seiner Tätigkeit für die Koerfer-Gruppe genauestens kannte.
1934 übernahm Rupli den Posten des Produktionschefs der Rota Film AG in Berlin, wo er 1935 als Produktionsleiter, Regisseur, Drehbuchautor tätig war und wurde 1935 Geschäftsführer der Mars-Film GmbH.Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 2. August 1934: Eintrag Nr. 49138 Rota-Film Aktiengesellschaft, Berlin. Das Grundkapital der Aktiengesellschaft betrug 500.000 RM. Der Vorstand war Rechtsanwalt Dr. Jacob Koerfer, Köln; außerdem ebd. vom 31. August 1935: Eintrag Nr. 49614 Mars Film Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Stammkapital 50.000 RM, Geschäftsführer war Kurt Rupli. Im selben Jahr verfasste Rupli mit dem Manuskript zu Curt Oertels Pole Poppenspäler-Verfilmung seinen ersten Beitrag für eine Kinounterhaltungsproduktion und führte Regie im Kurzfilm Arena Humsti Bumsti, zu dem er auch das Drehbuch verfasste.Die Entstehung der Tünnes und Schäl-Verfilmung fand eine detaillierte Schilderung in folgenden Zeitungen: Der Neue Tag vom 26. September 1935, Solinger Tageblatt vom 27. September 1935. Ein ähnliches mediales Echo fand die Pole Poppenspäler-Verfilmung, u. a. in Westfälische neueste Nachrichten vom 15. Oktober 1935. 1937 entstand für die UFA der künstlerisch anspruchsvolle Kurzfilm von Rupli: Der Clown mit Paul Bildt und Maria Koppenhöfer in den Hauptrollen.Der Clown. In: filmportal.de, abgerufen am 26. September 2024. Kurt Rupli schrieb das Drehbuch und führte Regie.
Ab 1937 stellte Rupli für die UFA vor allem Dokumentarfilme her, die bisweilen stark NS-propagandistischen Charakter besaßen, insbesondere Das Wort aus Stein (1939), eine ideologisch verbrämte Huldigung des nationalsozialistischen Bauprogramms.Das Reichstagsparteigelände im Film bei Google Books. (google-books)