miniatur|hochkant|Kurt Kardinal Koch (2012) mini|hochkant|Kardinalwappen mini|hochkant|Kardinal Kurt Koch am Pontifikalamt nach dem Blutritt zu Weingarten am 15. Mai 2015 Kurt Kardinal Koch (* 15. März 1950 in Emmenbrücke, Kanton Luzern) ist ein Schweizer Theologe, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und ehemaliger Bischof von Basel. Er ist seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen sowie Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und seit 2025 Präsident des katholischen Hilfswerks Kirche in Not (ACN).
Leben Das Gymnasium absolvierte Kurt Koch an der Kantonsschule Luzern. Hugo Bischof: 50 Jahre Kanti Apenquai: Revolution im Klassenzimmer. In: Luzerner Zeitung (online, 16. Juni 2018), abgerufen am 7. April 2026. Er studierte Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Universität Luzern und wurde 1975 diplomiert. Zunächst arbeitete er als Laientheologe in Sursee. Am 20. Juni 1982 empfing er die Priesterweihe und wirkte daraufhin drei Jahre als Vikar in der Pfarrei St. Marien in Bern. Nachdem er 1986 Dozent für Dogmatik und Moraltheologie am Katechetischen Institut in Luzern geworden war, wurde er 1987 aufgrund einer Arbeit über Wolfhart Pannenberg promoviert. 1989 habilitierte er sich. Koch wurde zum Honorarprofessor für Dogmatik, Ethik, Liturgiewissenschaft und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern ernannt.
1995 wurde Koch vom Basler Domkapitel als Nachfolger von Hansjörg Vogel zum Bischof von Basel gewählt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 6. Januar 1996 Papst Johannes Paul II. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet: «Christus hat in allem den Vorrang» und stammt aus .
Durch einen Konflikt mit Franz Sabo, der als Pfarrer in Röschenz im Kanton Basel-Landschaft arbeitete und sich in den Medien ab 2003 kritisch zu Koch sowie Generalvikar Roland-Bernhard Trauffer und deren Amtsführung äusserte, kam das Bistum in die Schlagzeilen. Koch machte in diesem Zusammenhang insbesondere von sich reden, als er einen Entscheid eines weltlichen Gerichts gegen ihn mit der Forderung nach Trennung von Kirche und Staat beantwortete. Der Konflikt wurde im September 2008 in persönlichen Gesprächen beigelegt.Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht. Band 13.
Koch war in den Jahren 2007 bis 2009 Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Er hat über 60 Bücher und Schriften verfasst, darunter Mut des Glaubens (1979) und Eucharistie (2005).
Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 1. Juli 2010 zum Präsidenten (seit 2022: Präfekt) des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen (seit 2022: Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen) und verlieh ihm aus diesem Anlass den Titel eines Erzbischofs ad personam. Papst Franziskus bestätigte diese Ernennung am 19. Februar 2014. Koch folgte in diesem Amt Walter Kardinal Kasper nach. Er stand dem Bistum Basel bis zur Amtseinführung seines Nachfolgers Felix Gmür am 16. Januar 2011 als Apostolischer Administrator vor.domradio.de 30. Juni 2010: Schweizer Bischof löst deutschen «Ökumene-Minister» im Vatikan ab.
Im Konsistorium vom 20. November 2010 nahm ihn Benedikt XVI. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Nostra Signora del Sacro Cuore in das Kardinalskollegium auf.Concistoro Ordinario Pubblico per la Creazione di ventiquattro nuovi Cardinali (Continuazione), in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 20. November 2010. Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. nahm Kardinal Koch am Konklave 2013 teil, ebenso war er Teilnehmer am Konklave 2025.
Koch begleitete Papst Franziskus beim historischen Treffen mit Patriarch Kyrill I. am 12. Februar 2016 in Havanna.Süddeutsche.de: Papst Franziskus und Patriarch Kyrill: Zwei Hirten auf Augenhöhe, 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016).Katholisch.de: Großes Risiko für Franziskus, 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016)., 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016). Am nächsten Tag wurde entschieden, dieser Begegnung an jedem Jahrestag zu gedenken.Bericht zum fünften Jahrestag, abgerufen am 19. Februar 2021 Am fünften Jahrestag mit dem Thema Die Kirche und die Pandemie hielt Kardinal Koch den Einführungsvortrag.Begrüßung und Einführung durch Kurt Koch, abgerufen am 19. Februar 2021.
Am 3. Mai 2021 wurde er von Papst Franziskus unter Beibehaltung seiner Titeldiakonie als Titelkirche pro hac vice zum Kardinalpriester ernannt.
Kontroverse In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Tagespost äußerte sich Kardinal Koch 2022 wie folgt:
Der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing verstanden Kochs Äußerung als Nazivergleich. Klein bezog sich dabei auf das Wort «wieder» und betonte, der Synodale Weg sei grundverschieden von den nationalsozialistischen Deutschen Christen. Bätzing forderte eine Entschuldigung für eine «völlig inakzeptable Entgleisung». Um diese bat Koch, rückte aber nicht von seinen Aussagen ab, die er nicht als Nazivergleich, sondern als Einordnung des benutzten Zitats gemeint habe.Kardinal Koch: Habe Synodalen Weg nicht mit Nazi-Ideologie verglichen. In: katholisch.de. 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022. Bezogen darauf und dessen konkrete Wortwahl sprach Bätzing am Tag darauf von einer Verschlimmerung der «unhaltbaren Äusserungen».
Bei einem turnusmässigen Aufenthalt von Georg Bätzing in Rom kam es zu einem vertraulichen Gespräch zwischen Kardinal Koch und Bischof Bätzing. Koch habe Bätzing, so eine Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz, «glaubhaft versichert», dass es ihm völlig fernliege, den Synodalen des Synodalen Weges die schreckliche Ideologie der 1930er-Jahre unterstellen zu wollen, und er bitte alle, die sich durch den von ihm angeführten Vergleich verletzt fühlten, um Verzeihung. Für beide sei nach dem Gespräch klar, dass die theologische Debatte, zu der der Kardinal einen Beitrag habe leisten wollen, weitergeführt werden müsse.
Mitgliedschaften Koch ist Mitglied folgender Dikasterien der römischen Kurie: Dikasterium für die Glaubenslehre (seit 2010) Dikasterium für die Bischöfe (2026 bestätigt) Dikasterium für die orientalischen Kirchen (seit 2010, bestätigt 2014) Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse (seit 2010, bestätigt 2013) Dikasterium für den Interreligiösen Dialog (seit 2010) Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum (Präsident)
Auszeichnungen Grosses Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2016)Ökumene-Beauftragter mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: "Architekt der Einheit der Christen", Domradio vom 28. Oktober 2016, abgerufen am 27. September 2017. COMMUNIO-Preis für Dialog, Verständigung und Versöhnung der Gesellschaft zur Förderung der Katholischen Akademie Schwerte e. V. und der Campus Weggemeinschaft e. V. (2016) Ladislaus-Laszt-Preis für ökumenische und soziale Belange der Ben-Gurion-Universität im Negev (2017) Ehrendoktorwürde der Universität Oppeln, der Universität Johannes Paul II. von Lublin und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar
Schriften (Auswahl) Bereit zum Innersten: für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder, Freiburg i. Br. 2002, ISBN 3-451-28112-0. Eucharistie: Herz des christlichen Glaubens. Paulus, Freiburg/Schweiz 2006, ISBN 3-7228-0653-4. Dass alle eins seien: ökumenische Perspektiven. Sankt Ulrich, Augsburg 2007, ISBN 978-3-936484-76-2. Die Kirche Gottes: Gemeinschaft im Geheimnis des Glaubens. Sankt Ulrich, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86744-023-3. Dem Herrn gehört die Zeit: Meditationen zum Kirchenjahr. Bonifazius, Paderborn 2008, ISBN 978-3-89710-417-4. Das Geheimnis des Senfkorns: Grundzüge des theologischen Denkens von Papst Benedikt XVI. Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2304-4.
Über Kurt Koch Abendgespräche mit Bischof Kurt Koch. Cat Medien, Baden 2007, ISBN 978-3-906809-16-8.
Weblinks
Öffentlicher Vortrag zum Thema Gehorsam als gereinigte Freiheit: Gedanken zur christlichen Spiritualität des Gehorsams auf der Fachtagung Selbstverwirklichung & Gehorsam des RPP-Institutes am 7. Dezember 2012 in Heiligenkreuz. (Video)
Einzelnachweise
Kategorie:Kardinal (21. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (21. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Luzern) Kategorie:Träger des Sterns von Rumänien (Komtur) Kategorie:Korporierter im Schweizerischen Studentenverein Kategorie:Ehrendoktor der Universität Oppeln Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Polen Kategorie:Ehrendoktor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann Kategorie:Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Mitglied des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog Kategorie:Bischof von Basel