Alstom Coradia LINT ist eine Familie von Triebzügen für den Nahverkehr. Das Akronym „LINT“ steht für „Leichter innovativer Nahverkehrstriebwagen“. Der LINT wurde von Linke-Hofmann-Busch (LHB) in Salzgitter entwickelt und wird seit deren Übernahme durch Alstom innerhalb der Produktfamilie Alstom Coradia vermarktet. iLINT steht für einen Wasserstoffzug, dessen Antrieb über Elektromotoren erfolgt, die mit Strom aus Wasserstoff-Brennstoffzellen versorgt werden. Die Produktion von Dieseltriebwagen wurde Ende 2023 eingestellt.

Geschichte Mitte der 1990er Jahre wurde nach neuen Fahrzeugkonzepten gesucht, um den Verkehr auf Nebenstrecken wirtschaftlicher zu gestalten. Die LHB entwickelte dazu einen leichten Triebwagen, der zunächst Leichter Innovativer Regionaltriebwagen, später LINT genannt wurde. Auf eine Ausschreibung der Deutschen Bahn im Jahr 1995 wurde erstmals der LINT 27 angeboten, für den die DB 1996 eine Absichtserklärung zum Kauf von 30 Zügen unterschrieb. Die erste feste Bestellung erfolgte im November 1997 durch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) für den Einsatz im Ausschreibungsnetz Weser-Ems.

Der LINT wurde im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Insbesondere mussten die Dieselmotoren an die verschiedenen Stufen der EURO-Abgasnorm angepasst, der Brandschutz verbessert und Anpassungen für die Nutzung durch Personen mit eingeschränkter Mobilität vorgenommen werden. Weitere Verbesserungen betrafen die Crashsicherheit, die Klimatisierung sowie die Zugsignale (Wechsel von Halogen- auf LED-Fernlicht). Der erste Wasserstoffzug iLINT wurde auf der InnoTrans 2016 vorgestellt. Im Dezember 2023 wurde mit der Auslieferung der letzten beiden Züge aus einem Auftrag der Hessischen Landesbahn (HLB) die Produktion der Variante mit Dieselmotor eingestellt.

Ende 2025 wurde die Produktion von iLint eingestellt. Die Technologie sei noch nicht ausgereift für einen zuverlässigen Serienbau. Gleichzeitig wurden die Subventionen vom französischen Staat gestoppt.

Technik Die LINT-Triebwagen werden hauptsächlich aus Stahlblech hergestellt. Der Antriebsstrang besteht pro Wagenkasten aus einer dieselmechanischen Antriebsanlage (»Powerpack«), bestehend aus einem liegend eingebauten MTU-Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor mit angeflanschtem Fünfgang-Planetengetriebe. Weiter verläuft der Kraftfluss über Gelenkwellen zu den beiden Radsatzgetrieben des äußeren Drehgestells. Bei den LINT 54 und 81 ist als Bestelloption im B-Wagen zusätzlich das innere Drehgestell angetrieben. Diese Antriebsanlage weist keinen Generator, Luftverdichter und Klimakompressor auf und lässt sich nur im Stand zu- und abschalten. Je nach Netz wird die zusätzliche Antriebsleistung dauerhaft oder nur im Verspätungsfall genutzt.

Bis zu drei Triebwagen können gekuppelt verkehren, ausschließlich Lint 54 auch vierfach.

Bevorzugt werden Retarder als verschleißfreie Bremse angesteuert, bei höheren Bremssollwerten sowie unter ca. 30 km/h werden Scheibenbremsen direkt angesteuert. Zusätzlich befinden sich an einem End- und dem Mittelwagen ein Drehgestell mit Magnetschienenbremse. Bei älteren Fahrzeugen kamen Bremsanlagen von Rexroth Pneumatik zum Einsatz, später wurde auf Bremsausrüstungen von Knorr gewechselt (Steuerventil KKL Knorr klein leicht). Die Fahrzeuge des Erixx und der Hessischen Landesbahn verfügen über Dieselrußpartikelfilter.„Taunusbahn: ALSTOM bei der Umwelt vorn“, Pressemitteilung ALSTOM, 2006.

Die Fahrzeuge verfügen über doppelflügelige Schwenkschiebetüren der Firma Bode. Bis 2010 war in den Rahmen des Türflügels eine durchgehende Glasscheibe eingefasst. In den seit 2011 gebauten Triebzügen wird die Glasfläche durch eine Querstrebe in dem Türflügel unterteilt. Seit 2022 wird die Glasscheibe unter der Querstrebe nicht mehr eingebaut und stattdessen der Bereich verblecht. Die Einstiege sind nach Kundenwunsch mit einer ausfahrbaren Spaltüberbrückung auf Einstiegsniveau oder einer festen Leiste zur Spaltreduzierung ausgerüstet. Ebenso können für niedrige Bahnsteige ausfahrbare Trittstufensysteme unterhalb der Einstiege eingebaut werden. Bis 2001 wurden diese Trittstufen als Gitterrost ausgeführt und bei nachfolgenden Fahrzeugen oder Nachrüstungen in verblechter Form ausgeführt.

Die Fahrzeuge verfügen über voneinander unabhängige Klimaanlagen für Führer- und Fahrgastraum. Je Wagenkasten sind zwei Dachklimageräte vorhanden. Die Abwärme der Dieselmotoren und Retarder wird über einen gemeinsamen Kühlkreislauf zur Heizung der Führer- und Fahrgasträume genutzt, ansonsten über Wasser-Luft-Kühler an die Umgebung abgegeben. An manchen Fahrzeugen werden bei Bedarf heizölbefeuerte Heizgeräte zugeschaltet. Da Heizöl steuerlich begünstigt ist, besitzen diese Fahrzeuge entweder einen separaten Heizöltank oder die Heizgeräte verfügen über Dieselzähler.

Im Fahrgastraum sind in Decken und Wänden mehrere Profilschienen angebracht mit denen viele Ausrüstungsgegenstände des Innenraummobiliars verschraubt sind. Haltestangen, Trennscheiben, Deckengondeln des Fahrgastinformationssystems, Gepäckablagen, Kleiderhaken, Wandhalterungen der Sitze und Abfallbehälter sind über dieses Systeme montiert. Zur Beleuchtung des Fahrgastraums ist ein durchgehendes Lichtband in der Deckenmitte vorhanden. Dieses ist bei älteren Fahrzeugen als Leuchtstofflampen mit Rasterabdeckung ausgeführt. Bei neueren Fahrzeugen werden zwei LED-Streifen verwendet.

Typen Die Typenbezeichnung gibt durch eine angehängte Zahl die ungefähre Länge in Metern an. Der im deutschen Fahrzeugeinstellungsregister als Baureihe 0640 geführte einteilige Typ mit einer Länge von 27,26 m heißt LINT 27. Bei der Deutschen Bahn AG wird er als Baureihe 640 geführt. Fahrzeuge, deren Einstiege für eine Bahnsteighöhe von 760 mm über Schienenoberkante optimiert sind, enthalten ein zusätzliches H am Ende der Bezeichnung.

Der im deutschen Fahrzeugeinstellungsregister als Baureihe 0648 geführte mit einem Jakobs-Drehgestell ausgeführte zweiteilige Typ mit einer Länge von 41,89 m heißt entsprechend LINT 41. Bei der Deutschen Bahn AG wird er als Baureihe 648 geführt.

Andere Konfigurationen mit Wagenkästen auf Enddrehgestellen, zweiteilig als LINT 54 (Baureihe 622) und dreiteilig als LINT 81 (Baureihe 620) bezeichnet, werden ebenfalls angeboten.

Typ DB-Baureihe Anzahl Achsformel Länge Betreiber LINT 27 640 47 B’2’ 27,26 m DB Regio, Hessische Landesbahn (ex vectus), Hanseatische Eisenbahn LINT 41 648, 1648, 2648, 623 714 B’2’B’ 41,81 m (648), 42,17 m (623, 1648, 2648) DB Regio, GoCollective (Dänemark), Bayerische Regiobahn (BRB), Bentheimer Eisenbahn (BE), Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB), erixx, Hessische Landesbahn (davon 10 LINT 41/H Eigentum Fahrzeugmanagement Region Frankfurt RheinMain, 18 LINT 41 ex vectus), Lokalbanen (Dänemark), Mitteldeutsche Regiobahn, AKN (ein Leihzug von Nordwestbahn von April 2021 bis Anfang September 2024, seit Mitte Dezember 2025 7 Stück von der Nordbahn), NordWestBahn (NWB), Keolis Nederland (Niederlande), Vestsjællands Lokalbaner (Dänemark) O-Train (Kanada), Start Niedersachsen Mitte, VIAS Rail, RheinRuhrBahn, Erfurter Bahn, (ehemals) Bayerische Oberlandbahn, Oberpfalzbahn (Die Länderbahn GmbH) LINT 54 622, 1622 252 B’2’+B’B’ oder B’2’+2’B’ 54,27 m DB Regio, erixx, vlexx, 14 Stück bei AKN, VIAS Rail, Rurtalbahn, Bayerische Regiobahn (BRB), Hessische Landesbahn (HLB), SWEG, ODEG iLINT 554 43 B’2’+2’B’ 54,27 m Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB), RV Start Deutschland LINT 81 620 70 B’2’+B’2’+B’B’ 80,92 m DB Regio, vlexx, Bayerische Regiobahn (BRB)

LINT 27

mini|LINT 27 von DB Regio NRW auf der Biggetalbahn bei Olpe. Die einteiligen Triebwagen haben eine Leistung von 315 Kilowatt und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Eine Besonderheit ist die dieselhydraulische Kraftübertragung bei den LINT 27 der DB Regio, während in allen anderen Nachfolgebaureihen ein dieselmechanisches Automatikgetriebe eingebaut wurde.

Ein Fahrzeug bietet 52 Sitzplätze in der zweiten Klasse, acht Sitzplätze in der ersten Klasse sowie 13 Klappsitze im Mehrzweckabteil. Bei unbenutzten Klappsitzen haben 85 Personen stehend Platz, bei besetzten Klappsitzen 71.

Fahrzeugeinsatz

DB Regio Die ersten 30 Fahrzeuge der Baureihe 640 erhielt die DB Regionalbahn Westfalen im Rahmen der großen Verkehrsverträge mit den Zweckverbänden in Nordrhein-Westfalen. Das Land NRW beteiligte sich mit einer Fahrzeugförderung von 640.000 € je Fahrzeug zur Hälfte an der Beschaffung. Das Unternehmen verpflichtete sich mit der Förderung, die Fahrzeuge zwölf Jahre in NRW einzusetzen. Ab dem Jahr 2000 begann der Einsatz auf nicht elektrifizierten Nebenstrecken in NRW. Dabei kamen die Fahrzeuge auf den Linien Münster–Bielefeld, Bielefeld–Altenbeken, Unna–Neuenrade, Dortmund–Dorsten, Dorsten–Coesfeld, Dorsten–Oberhausen, Oberhausen–Duisburg-Ruhrort, Duisburg–Duisburg-Entenfang, Finnentrop–Olpe und Siegen–Bad Berleburg zum Einsatz. Ursprünglich waren alle Fahrzeuge mit einem Fahrkartenautomaten ausgerüstet, der später mit der Verschiebung der Einsatzgebiete ausgebaut wurde.

Mit dem Verlust der Ausschreibung Ruhrort–Dorsten an die Prignitzer Eisenbahn gingen ab Dezember 2002 die Einsatzlinien um Oberhausen verloren. Ab Dezember 2003 übernahm dann die NordWestBahn das Ems-Senne-Weser-Netz mit den von Bielefeld ausgehenden Linien. Ab Dezember 2004 gewann DB Regio das Sauerland-Netz, womit die Fahrzeuge der Baureihe 640 zwischen Unna und Neuenrade durch welche der Baureihe 648 ersetzt werden sollten. Bei Problemen mit der Fahrzeugverfügbarkeit kamen die vorherigen Fahrzeuge hier trotzdem zum Einsatz. Ebenfalls ab Dezember 2004 gewann DB Regio die Ausschreibung des Netzes Dreiländerbahn, womit der Einsatz auf den Linien Finnentrop–Olpe, Siegen–Bad Berleburg und Dillenburg–Au für 10 Jahre gesichert werden konnte. Mit dem neuen Verkehrsvertrag wurden die Fahrzeuge die in dem Netz eingesetzt wurden modernisiert, dabei erhielten sie Armlehnen und Klapptische. Ab Dezember 2006 verlor DB Regio das Netz Emscher–Münsterland an die NordWestBahn, womit die Einsatzlinien Dortmund–Dorsten und Dorsten–Coesfeld verloren gingen.

Nach dem Verlust des Netzes Emscher–Münsterland wurden sechs Fahrzeuge nach Leipzig zum Einsatz auf der Linie Leipzig–Geithain verlegt. Dieser nicht genehmigte Einsatz außerhalb von NRW hatte für Debatten im Landtag gesorgt. Der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke hatte die Bezirksregierung Düsseldorf aufgefordert zuwendungsrechtliche Konsequenzen gegenüber DB Regio aus dem nicht angezeigten Einsatz außerhalb von NRW zu ziehen. Im März 2008 endete der Betrieb mit dem Verlust der Linie an Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt. Ab April 2008 wurden zwei Fahrzeuge zur Verstärkung im Fahrradverkehr auf der Linie Dortmund–Winterberg umgebaut, um den enormen Zuspruch im Anreiseverkehr des RuhrtalRadweges besser bewältigen zu können. An Wochenenden mussten direkte Zusatzbusse eingesetzt werden um die Nachfrage bewältigen zu können. Dazu wurden 24 Sitzplätze in den Hochflurbereichen entfernt und durch Klappsitze ersetzt. Ebenso wurde der Fahrkartenautomat und Glastrennwände entfernt und die Treppen in die Hochflurbereiche mit einer schmalen Rampe ausgerüstet. Das Erste-Klasse-Abteil ist entfallen. Die Fahrzeuge besaßen 26 Fahrradstellplätze und kamen auch bei Großveranstaltungen zum Einsatz. Die Fahrzeuge wurden auf der Linie mit der Baureihe 648 in Mehrfachtraktion eingesetzt. Mit der Reaktivierung der Strecke Brilon Wald–Brilon Stadt im Dezember 2011 wurden weitere Fahrzeuge im Pendelbetrieb zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt sowie zur Verstärkung von Fahrten im Berufsverkehr zwischen Brilon und Dortmund eingesetzt.