mini|Joseph Graf Jelačić von Bužim(Gemälde von Ivan Zasche um 1850)
Joseph Graf Jelačić von Bužim (; * 16. Oktober 1801 in Peterwardein, Königreich Ungarn; † 19. Mai 1859 in Agram, Kaisertum Österreich), genannt Ban Jelačić, war ein kroatischer Staatsmann und Feldherr. Er schaffte die Leibeigenschaft ab und führte den Unabhängigkeitskrieg gegen Ungarn an, weshalb er in Kroatien als Nationalheld verehrt wird.
Leben Ausbildung im Theresianum Jelačić, zeitgenössisch oft auch Jellačić, Jellasics oder Jellachich geschrieben, entstammte der kroatischen Adelsfamilie Jelačić aus Bužim. Er war ein Sohn des Feldmarschallleutnants Franz Freiherr Jelačić von Bužim und dessen deutschstämmiger Frau Anna, geb. Portner von Höflein. Ungeachtet seiner besonderen Vorliebe für den Soldatenstand wurde er 1810 nach einer Vorstellung bei Kaiser Franz in die Theresianische Ritter-Akademie (das heutige Gymnasium „Theresianum“) aufgenommen, in welcher Zöglinge für den Zivilstaatsdienst ausgebildet werden.
mini|Jelačićs Geburtshaus in Petrovaradin
Bis zum Jahre 1819 blieb er in der Akademie und trat am 11. März desselben Jahres als Unterleutnant in das 3. Dragoner-Regiment Vinko Freiherr Knežević (Vincenz Knesevich) von St. Helena, der mütterlicherseits sein Onkel war. In der Akademie hatte sich Jelačić mannigfache Kenntnisse, vornehmlich Sprachen, denn er sprach geläufig deutsch, italienisch, französisch, kroatisch, ungarisch und noch einige südslawische Dialekte, und Geschichte angeeignet; überdies aber sich auch in soldatischen Körperübungen ausgebildet, denn Jelačić war ein gewandter Fechter, ein geschickter Schütze und ein trefflicher, ja verwegener Reiter.
Kommandant in der Militärgrenze Am 1. Mai 1825 wurde er Oberleutnant im Regiment, am 1. September 1830 Kapitän im Oguliner Grenz-Regiment in der Militärgrenze, am 21. November 1831 wirklicher Hauptmann in demselben. In dieser Eigenschaft führte er am 17. Oktober 1835 im Gefechte bei Velika Kladuša (Groß-Kladuß) gegen die bosnischen Türken die Reserve der dritten Angriffskolonne. Infolgedessen wurde er am 20. Februar 1837 zum Major im Infanterie-Regiment Freiherr von Gollner Nr. 48 ernannt, von welchem er als Oberstleutnant zum 1. Banal-Grenz-Regiment mit 1. Mai 1841 befördert und am 18. Oktober zu dessen Oberst ernannt wurde. Dabei tat er sich durch die administrative Verwaltung seines Bezirkes hervor und erwarb sich das Vertrauen des seiner Leitung übergebenen Grenzvolkes.
Geänderte politische Verhältnisse Am 22. März 1848 wurde Jelačić zum Generalmajor ernannt. Kurz darauf wählte ihn der kroatische Sabor (Landtag) zum Ban von Kroatien und beschloss außerdem, den Landtag künftig nach allgemeinem Wahlrecht zu wählen, diese Wahlen fanden im Mai 1848 statt. Zur selben Zeit erfassten die Revolutionen von 1848 – von Paris ausgehend – ganz Mitteleuropa. Am 7. April 1848 wurde Jelačić zum Feldmarschallleutnant ernannt. Er wurde somit Oberkommandierender für Kroatien. Bald nach seiner Ernennung zum Ban und zu gleicher Zeit zum geheimen Rat begab er sich nach Wien, um den Eid als Letzterer abzulegen, lehnte jedoch aufgrund der veränderten Verhältnisse Ungarns zu Österreich den Eid als Ban ab. Nach kurzem Aufenthalt in Wien, wo ihn einerseits die Garnisonstruppen ehrenvoll empfingen, andererseits erfolglose Versuche von Gegendemonstrationen unternommen wurden, kehrte er nach Zagreb (Agram) zurück, wo er dem abgesonderten ungarischen Ministerium seine Anerkennung versagte und den kroatisch-illyrischen Landtag (Sabor) einberief.
Einberufung des Sabors mini|Detail aus der Standarte des Ban Jelačić, mit den Wappen des „Dreieinigen Königreichs“
mini|Ban Jelačić im Sabor, dem kroatischen Parlament (Dragutin Weingärtner, 1885) Am 25. März 1848 fand in Zagreb die Versammlung des Sabors statt. Der Sabor stellte unter anderem die folgenden Hauptforderungen an die Habsburger:
Vereinigung der kroatischen Länder Kroatien-Slawonien, Istrien und Dalmatien. Loslösung von der ungarischen Krone Abschaffung der Leibeigenschaft Bürgerrechte Gleichberechtigung der Völker mini|Verkündigung über die Abschaffung der Leibeigenschaft (1848)
Der Kroatische Sabor wies die Magyarisierungspolitik Ungarns („Ungarn von den Karpaten bis zur Adria“) vor allem unter dem Führer der ungarischen Revolution Lajos Kossuth entschieden ab und gab Ban Josip Jelačić den Auftrag, entsprechend dagegen zu handeln.
Am 19. April 1848 erklärte Jelačić die Union zwischen Ungarn und Kroatien für aufgelöst. Zugleich erklärte er seine Loyalität zum Kaiser von Österreich.
Auch durch die nie in Kraft getretene Pillersdorfsche Verfassung vom 25. April 1848 fühlte sich Jelačić legitimiert. Einer ihrer Absätze lautete: „Allen Volksstämmen wird die Unverletzlichkeit ihrer Nationalität und Sprache garantiert“.
Im Mai 1848 gründete Jelačić das „Bansko vijeće“ (Banal-Rat). Dieser Rat hatte verschiedene Ressorts, die de facto Ministerien waren: Das Ressort für innere Angelegenheiten, den Justizbereich, den Schul- und Bildungsbereich, das Ressort für Religionsfragen, das Finanzressort und den Militärbereich.
Reaktionen Dieses Vorgehen des Banus wurde von einer Seite auf das ernstlichste verdächtigt und Jelačić zur Rechtfertigung an das kaiserliche Hoflager in Innsbruck berufen. Bei seiner Ankunft in Innsbruck, wo er nicht gnädig empfangen wurde, wurde ihm auch mitgeteilt, dass die Grenz-Bataillone bei der italienischen Armee aus Besorgnis vor den Gefahren, die Kroatien bedrohen, dringend ins Vaterland zurückkehren sollten, die italienische Armee aber ohne die kroatischen und slawonischen Kerntruppen zu den begründetsten Besorgnissen Raum gebe. In dieser Lage schrieb nun der Ban den Aufruf an die Grenztruppen in der italienischen Armee, der dieselben beruhigte und ihr Verbleiben dort sicherte.
Die Wiener Regierung schwankte in ihrer Haltung zu Kroatien und Ungarn und lehnte eine Trennung Kroatiens von Ungarn zunächst ab. Nachdem Jelačić die Rückreise nach Agram angetreten hatte, wo seine Gegenwart dringend nötig war, erfuhr er während der Fahrt auf der Station Lienz aus Zeitungen, dass das kaiserliche Manifest vom 10. Juni ihn aller seiner Ehren und Würden enthob. Der Hof, insbesondere die Mutter des späteren Kaisers Franz Joseph, die Erzherzogin Sophie von Österreich, hielt jedoch den Kontakt zu ihm. Nach dem ersten Entsetzen, von dem namentlich das Gefolge des Bans erfasst wurde, befahl derselbe: „Auf unsere Posten gehen und im treuen Dienste für den Kaiser sterben oder ihm mit Gottes Hilfe helfen“. In Agram fand der Ban eine jubelvolle Aufnahme, zugleich aber den Befehl, sich nach Wien zu verfügen, wo durch Erzherzog Johann eine Vermittlung mit den Ungarn zustande kommen sollte.
Der Ban eilte nach Wien. Bei den Vermittlungsversuchen zwischen dem Ban und dem Grafen Ludwig Batthyány erklärte Ersterer: „sein Gesetz sei die pragmatische Sanktion, ein ungarisches Separatministerium erscheine ihm identisch mit dem Losreißen Ungarns von der Monarchie und dieses Losreißen nenne er Rebellion“. Als Graf Batthyány dem Ban die Gefahren des Bürgerkrieges entgegenhielt, den er im Falle des Beharrens heraufbeschwöre, entgegnete der Ban abschließend: „ein Bürgerkrieg wäre wohl das entsetzlichste aller Übel, aber er fürchte ihn nicht, wenn er der Empörung gelte“. Der Wiener Hof war in die Inhalte der Gespräche vollständig eingeweiht.
Die Vermittlungsversuche waren gescheitert, der Ban hatte sich nur noch mit eigenen Augen von der Stimmung in Wien überzeugt, deren Gereiztheit mit jedem Tage zunahm und kehrte nach Kroatien zurück. Dort hatten sich indessen magyarische Truppen und Aufgebote an den Grenzen des Landes gesammelt, heftige Proklamationen gegen das Land und den Ban geschleudert, der weiterhin versuchte, den guten Mut der Seinigen aufrechtzuerhalten und die Verführungsversuche der Gegner zu lähmen. mini|Jelačićs Armee überquerte die Drau am 11. September 1848 und befreite die von den Ungarn besetzte kroatische Herrschaft Međimurje
Für Kroatien und gegen den Separatismus Der Ban erließ ein Manifest an die Kroaten, in welchem er seine politische Ansicht auseinandersetzte, alle gegen ihn erhobenen Verdächtigungen — „wie sie immer heißen mögen: Rückschritt oder Panslawismus“ — entschieden zurückwies, „als ein Mann des Volkes, der Freiheit und als ein Mann Österreichs, treu ergeben seinem konstitutionellen Kaiser und Könige, ein einiges mächtiges, freies Österreich will“ und als unerlässliche Bedingung dazu die Zentralisierung der Ministerien des Krieges, der Finanzen und auswärtigen Geschäfte. „Da“, so schließt der Ban sein Manifest, „das ungarische Ministerium nicht eingehen zu können glaubt, da es in seinen separatistischen Tendenzen verharrt, d. h. den Verfall der schönen Monarchie herbeiführen will, so gebietet die Pflicht und Ehre, das Äußerste zu wagen und zu den Waffen zu greifen und wir wollen einstehen mit Gut, Blut und Leben für unser gutes Recht und die heilige Sache.“ (Dieses Manifest erschien gedruckt bei Karl Gerold in Wien.)
Ein anderer Aufruf, ihm zu folgen, hatte eine mächtige Wirkung. Obgleich die meisten Grenz-Bataillone sich bereits vollzählig gestellt hatten und sich meist bei der italienischen Armee befanden, so boten sich außerdem noch durchschnittlich 4–5.000 Freiwillige in jedem Regimentsbezirke zum Waffendienste an. Da die Wirren in den einzelnen Kronländern mit jedem Tage zunahmen, betrieb Jelačić seinen Abzug und überschritt mit 45.000 Mann am 11. September 1848 bei Varaždin die Drau und eine zweite Kolonne von 10.000 Mann des slawonischen Aufgebotes unter Befehl des Generals Roth die untere Drau. Jelačić erklärte das mehrheitlich kroatisch bewohnte Međimurje für „von der ungarischen Herrschaft befreit“.
Beide Korps wurden übereilt und mangelhaft ausgerüstet. Die Verpflegung musste fast nur durch Requisitionen beigestellt werden und war auch so kaum zu bewerkstelligen, da die Bewohner der Ortschaften vor dem anrückenden Heere flohen und die ungarischen Obrigkeiten alles nur Denkbare aufboten, um das Vordringen des Banus zu vereiteln oder zu erschweren. mini|Jelačićs Feldzug gegen Ungarn im September 1848
Nachricht vom Kaiser Bei Hodošan stieß eine Abteilung des Chevaulegers-Regiments Graf Wrbna, eine andere des Chevaulegers-Regiments Baron Kreß und bei Marcali (Marczaly) das ganze Kürassier-Regiment Graf Hardegg zum Ban. In der Marschstation Sis-Fok erhielt der Ban das Handschreiben des Kaisers Ferdinand, mit welchem das entehrende Manifest vom 10. Juni für ungültig erklärt und ihm das volle Vertrauen seines Kaisers ausgesprochen wurde. Er wurde zum Oberbefehlshaber der ungarischen Truppen ernannt und erfuhr außerdem, dass abtrünnige ungarische Truppen auf Wien vorrückten, um dort die Revolution zu unterstützen.
Inzwischen erfuhr Jelačić von dem Erzherzog-Statthalter und Palatin Stephan aus Veszprém (Veszprim) von der Entschließung des Königs, Graf Batthyány mit der Bildung eines neuen Ministeriums zu beauftragen. So würde der ungesetzliche Zustand in Ungarn beendigt und die Ordnung wieder hergestellt, der Ban solle daher seinen Marsch einstellen und zu einer Besprechung sich zum Palatin begeben.
Der Ban erklärte, seinen Zug nicht einstellen zu können, werde sich aber zur Besprechung in und um Szennes am Plattensee am folgenden Tage einfinden. Aber auch diese Besprechung kam nicht zustande. Der Ban sollte sich nämlich an Bord des Schiffes begeben, auf welchem sich der Erzherzog befand. Schon war alles zur Abfahrt bereit, als im Gefolge des Banus die Besorgnis entstand, auf dem Schiffe, welches den Palatin trug, habe das ungarische, von der revolutionären Regierung zusammengesetzte Gefolge des Erzherzogs ohne dessen Wissen einen Anschlag auf den Ban vor; die Umgebung des Bans beschwor ihn, sie nicht zu verlassen, und so wurde die Unterredung im entscheidenden Momente vereitelt.