mini|Rhabarberkuchen in der Region Stuttgart mini|Rhabarberkuchen mit Streuseln mini|Rhabarber auf Kuchenteig mit Eischnee Der Rhabarberkuchen ist eine süße Backware mit kleingeschnittenen Rhabarberstangen. Obwohl Rhabarber ein Stängelgemüse ist, wird er zum Obst bzw. Obsterzeugnis gezählt. (PDF)

Häufig wird der Kuchen noch zusätzlich mit Streuseln oder Baiser überzogen. Der Teig kann ein Mürb- oder Hefeteig oder eine Sandmasse sein. Die Kuchenform ist variabel; Rhabarberkuchen werden sowohl auf dem Backblech als auch in der runden Backform gebacken. Weitere Abwandlungen sind Rhabarberkuchen mit Pudding-, Grieß-, Quark- oder Eierguss und die Zubereitung als Tarte.

Geschichte Europa mini|Rhabarbertarte in Frankreich mini|Englischer Rhubarb Pie Ein „Siberian rhubarb pie“ mit Zucker und Zimt wird 1739 von Peter Collinson beschrieben.Siehe Artikel rhubarb. In: Alan Davidson: The Oxford Companion to Food. 3. Aufl. Oxford 2014, S. 680.Der Brief von Peter Collinson vom 2. September 1739 ist abgedruckt in William Darlington: Memorials of John Bartram and Humphry Marshall. Philadelphia 1849, S. 133–135, hier S. 134: (HathiTrust-Digitalisat von Darlington, William, 1849) [Übers. „Sowohl dieser [sibirische Rhabarber] als auch der Rhapontik geben ausgezeichnete Törtchen, bevor die meisten anderen Früchte, die für diesen Zweck geeignet sind, reif sind. Alles, was Sie tun müssen, ist die Stängel von der Wurzel und den Blättern abzunehmen; ziehen Sie die Schale ab und schneiden Sie sie in zwei oder drei Stücke, und legen Sie sie in den Teig mit Zucker und ein wenig Zimt; den Kuchen backen, oder Törtchen: isst man am besten kalt. Das wird hier sehr geschätzt und hat keinen der Effekte, die die Wurzeln haben. Es schmeckt wie Stachelbeerkuchen.“] Im Londoner Gärtnerwörterbuch () aus dem Jahr 1756 wird berichtet, dass die Stängel des sogenannten englischen Rhabarbers () für Tarten verwendet wurden.

In London wird 1777 in der dritten Ausgabe der Frauenzeitschrift The Lady’s Assistant for Regulating ein Rezept für rhubarb tarts (deutsch: Rhabarbertörtchen) präsentiert.

1788 erwähnt ein französisches Wörterbuch für Gärtner die Verwendung von Rhabarber für Tarten.

Obwohl schon 1794 in dem Werk Neues Londner Kochbuch ein Rezept von Rhabarber-Törtchen deutschsprachig veröffentlicht wird, behauptet 1863 die Schrift Technisch-chemische Recepte: „Die Verwendung der Rhabarberpflanzen ist in Deutschland fast unbekannt. Und doch liefern ihre Blattstiele ein wahrhaft köstliches Compot, von ganz feinem der Ananas ähnlichem Geschmack, das sich zu Kuchen, Torten und Confituren ganz vorzüglich eignet.“

In London wurde 1816 in einem Kochbuch ein Rezept für „rhubarb-pye“ (englisch rhubarb-pie, eigentlich Rhabarber-Pastete) gedruckt. 1847 übertrug Johann Gottfried Flügel den Begriff Rhubarbpie ins Deutsche mit dem Wort Rhabarberkuchen,J. G. Flügel (Hrsg.): Complete Dictionary – English and German. Vol. I. 3. Auflage. Leipsic, S. 1173 babel.hathitrust.org was aber in später erschienenen Lexika differenziert wurde.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind in deutschen Publikationen Rezepte für Rhabarberkuchen zu finden. Das von F. A. Brockhaus 1864 herausgegebene Illustrirte Haus- und Familien-Lexikon erwähnte nicht nur die Nutzung des Rhabarbers als Medizin und Compot, sondern beschreibt auch einen Rhabarberkuchen auf Blätterteigbasis.Illustrirtes Haus- und Familien-Lexikon. Band 6. F. A. Brockhaus, Leipzig, 1864, S. 342; Google-Books Der Blätterteig wird dabei sowohl für den Teigboden wie für einen Teigdeckel genutzt, so dass es sich eher um einen englischen Rhabarber-Pie, also eine Obst-Pie im Sinne einer Pastete handelt.Pie. In: Universal-Lexikon der Kochkunst. Band 2. 3. Auflage. J.J. Weber, Leipzig 1886, S. 263 Henriette Davidis (1801–1876) übernahm 1872 die englische Rezeptvariante in ihrem Praktischen KochbuchHenriette Davidis: Praktisches Kochbuch. 1872, S. 205 f.; books.google.de und im Koch-Buch für die Deutschen in Amerika (1879)Henriette Davidis: Koch-Buch für die Deutschen in Amerika. Milwaukee 1879, S. 121; iiif.lib.harvard.edu und bezeichnete es korrekt als Englische Pastete von Rhabarber.

In der ersten Ausgabe von „Synopsis der Naturreiche“ aus dem Jahr 1847 wird der Rhabarber nur als Medizinpflanze besprochen, in der zweiten Auflage von 1877 wird dann auch die Verwendung für Kuchen erwähnt.Johannes Leunis: Synopsis der pflanzenkunde. Ein handbuch für höhere lehranstalten und für alle, welche sich wissenschaftlich mit der naturgeschichte der pflanzen geschäftigen wollen. Hahn’sche Buchhandlung, 1877, S. 974.

Das in Straßburg 1884 erschienene Illustrirte Haushaltungs-Lexicon unterschied zwischen einem Rhabarberkuchen auf der Basis von Mürbeteig und mit Zucker und Zimt und einer Rhabarbertorte mit Blätterteig.Luise Wilhelmi, William Löbe (Hrsg.): Illustrirtes Haushaltungs-Lexicon. Straßburg 1884, S. 789 f.; SLUB-Digitalisat

Das Leipziger Universal-Lexikon der Kochkunst stellte 1886 schließlich dem englischen Rhabarber-Pie einen Rhabarberkuchen auf der Basis von Mürbeteig und mit Zucker und Zimt sowie eine Rhabarbertorte mit Rhabarbermus und Mürbeteig gegenüber.Universal-Lexikon der Kochkunst. Band 2. 3. Auflage. Verlagsbuchhandlung J. J. Weber, Leipzig 1886, S. 375 ff.; Wolfenbütteler Digitale Bibliothek

Vereinigte Staaten 1770 wurde Rhabarber in Nordamerika als Medizin und nicht als Nahrungsmittel eingeführt. Ab 1829 wurden in amerikanischen Gärten Rhabarberpflanzen gezogen und für Marmeladen, Saucen und insbesondere Pasteten verwendet.

Rhabarber wurde von den Pennsylvaniadeutschen „Boigrout“ oder „pie-plant“ (also Pasteten-Gewächs bzw. Pasteten-Pflanze) genannt,Rheum. In: Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Band 3. Reprint der Ausgabe Stuttgart/Wiesbaden 1977, Köln 2000, Spalte 1319, Abschnitt „Kuchenblatt“. der Begriff pie plant ist mittlerweile in den USA allgemein bekannt. Pennsylvaniadeutsche haben das englische Wort pie für Kuchen übernommen, woraus „boi“ wurde, wie in „Schnitzboi“ für Kuchen aus Dörräpfeln oder „Kearschboi“ für Kirschkuchen. Die Rhabarberpflanzen lieferten ihnen für Kuchen eine Füllung und die Wurzeln waren eine wertvolle Medizin.

1846 veröffentlichte Catharine Beecher in New York City ihr Kochbuch „Domestic Receipt-book“, wo auch ein Rhabarberkuchenrezept (engl. rhubarb pie) zu finden ist.

Einzelnachweise

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